Gegen das Zittern ansingen
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Der Grazer Gerald Ganglbauer erkrankte mit nur 48 Jahren an Parkinson. Um die Erforschung zu unterstützen, rief er den „Parkinsong-Contest“ ins Leben. Nun erschien die CD, die Erlöse werden gespendet.
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„I bin immer heiser, die Stimme,
die wird leiser. Ins Schlüsselloch treffen is a Gfrett, des Loch im Ärmel find i ned. I war der Travolta am Tanzparkett, jetzt schau i zua oder geh ins Bett.“
Wenn Gerald Ganglbauer diese Zeilen aus dem „Parkinson Blues“ hört, wird er still. Für ihn ist es nicht nur ein Lied. Vielmehr ist es ein Spiegel des eigenen Körpers, seines Alltages, seines Lebens mit Parkinson.
Der 67jährige Autor, Verleger und ehemalige Kulturmanager lebt heute zurückgezogen in Stattegg bei Graz (Steiermark). Bevor die Krankheit kam, war Ganglbauer alles andere als ruhig. Er war ein Weltenbummler und arbeitete als Journalist, Reisefotograf, Verleger, Veranstalter und wohnte eine längere Zeit lang in Australien sowie in Indien. „Ich war immer in Bewegung und ständig auf der Suche nach Abenteuern.“
Bis er im Jahr 2006 erstmals körperliche Veränderungen bemerkte. „Es waren zwar nur Kleinigkeiten, aber in ihrer Summe nicht zu ignorieren.“ Beim Zähneputzen brauchte er plötzlich beide Hände, das linke Bein hinkte, der Arm schwang beim Gehen nicht mehr mit und in der Nacht waren seine Füße unruhig.
„Ich ging zum Arzt, der mich mit der traurigen Gewissheit konfrontierte. Die Diagnose Parkinson traf mich hart. Ich dachte, das kann doch nicht sein, nicht im Alter von 48 Jahren“, sagt er, denn Parkinson ist für ihn immer „eine Alterskrankheit“ gewesen. Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn langsam absterben. Typische Symptome sind Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit, Zittern und Haltungsinstabilität. Hierzulande sind rund 20.000 Menschen von der Krankheit betroffen, Tendenz steigend.
„Wobei die ersten zehn Jahre nach der Diagnose noch relativ problemlos verliefen“, meint Ganglbauer rückblickend auf die „guten Zeiten“. „Ich war halt ein bisschen ,potschert‘ und spürte leichte Kreuzschmerzen.“
Stillsitzen kam für ihn, trotz der Krankheit, nicht in Frage. Er gründete eine Selbsthilfegruppe und später die eigene Musikfirma „Parkinsong“. Das ist eine Wortschöpfung aus „Parkinson“ und „Song“ (Lied). Im Jahr 2019 erschien die erste CD mit Duetten von Parkinson-Patienten sowie professionellen Musikern. Zwei Jahre später folgte der „Parkinson-Blues“ des „Drahdiwaberl“-Frontmannes Stefan Weber, der selbst an der Krankheit verstarb.
Sein Leben mit Parkinson beschreibt Ganglbauer auch in seinem Buch „Kopfbahnhof“, weil es sich anfühlt „wie eine Lokomotive, die mit Volldampf gegen Bremsen anschiebt, bis sie in einem Kopfbahnhof zum Stillstand kommt“.
Schleichend kamen ihm die Beweglichkeit und damit die Selbstständigkeit abhanden.
„Der Führerschein wurde mir abgenommen, was besonders hart war. Und oft werde ich nicht ernst genommen“, kritisiert der 67jährige. „Die Menschen denken, ich sei betrunken, weil ich nicht aufrecht gehen kann.“
Dieses Gefühl der Ausgrenzung brachte ihn auf die Idee, einen weltweiten Musikwettbewerb ins Leben zu rufen, den „Parkinsong Contest“, der im vergangenen Dezember über die Bühne ging.
„Mit der Veranstaltung soll auf die Krankheit aufmerksam gemacht und die Forschung unterstützt werden.“
Für den Bewerb wurden 18 Lieder aus aller Welt eingereicht, darunter Musik aus Australien, den USA und Europa. Auch Ganglbauer selbst nahm mit dem Lied „Lust for life“ („Lust aufs Leben“) mit dem Musiker Jörg Veselka teil. Die Abstimmung erfolgte übers Internet auf der Videoplattform „YouTube“.
Gewonnen hat der in Deutschland lebende amerikanische Sänger Rob Georg mit „Climb This Mountain“ („Erklimme diesen Berg“). Im Lied erzählt er über das Schicksal seines Vaters und die innige Beziehung, die er zu ihm pflegte. Georg hatte damals seine Karriere unterbrochen, um ihn zu pflegen.
Aus den Liedern, die es ins Finale schafften, entstand nun die CD mit dem Titel „Parkinsonglines“. Sie wird nicht verkauft, sondern kann gegen eine freiwillige Spende erworben werden (Anfragen unter: office@
parkinsong.org). Das Geld fließt in Forschungsprojekte, Reise-Stipendien und Preise für junge Wissenschaftler. In den vergangenen Jahren kamen auf diese Weise 20.000 Euro zusammen.
„Musik hebt nicht nur die Laune“, sagt Ganglbauer, „sie wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit aus.“ Für ihn war die Musik mehr als nur ein Hobby. Sie war ein Teil seines Lebensrhythmus‘.
Selbst heute noch legt er Musik auf, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher, Klassisches oder Rockiges – Musik, die ihn trägt.
„Der ,Parkinsong Contest‘ war mein letztes Projekt, ich werde mich zur Ruhe setzen“, merkt er wehmütig an.
„Ich kann nichts mehr planen, meine Tagesverfassung schwingt schnell um. Einfach aufzustehen und loszugehen, das klappt nicht mehr.“ Eines ist ihm aber wichtig:
„Auf keinen Fall sollten wir uns aber zu Hause verstecken, nur weil wir erkrankt sind.“ Schuh
die wird leiser. Ins Schlüsselloch treffen is a Gfrett, des Loch im Ärmel find i ned. I war der Travolta am Tanzparkett, jetzt schau i zua oder geh ins Bett.“
Wenn Gerald Ganglbauer diese Zeilen aus dem „Parkinson Blues“ hört, wird er still. Für ihn ist es nicht nur ein Lied. Vielmehr ist es ein Spiegel des eigenen Körpers, seines Alltages, seines Lebens mit Parkinson.
Der 67jährige Autor, Verleger und ehemalige Kulturmanager lebt heute zurückgezogen in Stattegg bei Graz (Steiermark). Bevor die Krankheit kam, war Ganglbauer alles andere als ruhig. Er war ein Weltenbummler und arbeitete als Journalist, Reisefotograf, Verleger, Veranstalter und wohnte eine längere Zeit lang in Australien sowie in Indien. „Ich war immer in Bewegung und ständig auf der Suche nach Abenteuern.“
Bis er im Jahr 2006 erstmals körperliche Veränderungen bemerkte. „Es waren zwar nur Kleinigkeiten, aber in ihrer Summe nicht zu ignorieren.“ Beim Zähneputzen brauchte er plötzlich beide Hände, das linke Bein hinkte, der Arm schwang beim Gehen nicht mehr mit und in der Nacht waren seine Füße unruhig.
„Ich ging zum Arzt, der mich mit der traurigen Gewissheit konfrontierte. Die Diagnose Parkinson traf mich hart. Ich dachte, das kann doch nicht sein, nicht im Alter von 48 Jahren“, sagt er, denn Parkinson ist für ihn immer „eine Alterskrankheit“ gewesen. Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn langsam absterben. Typische Symptome sind Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit, Zittern und Haltungsinstabilität. Hierzulande sind rund 20.000 Menschen von der Krankheit betroffen, Tendenz steigend.
„Wobei die ersten zehn Jahre nach der Diagnose noch relativ problemlos verliefen“, meint Ganglbauer rückblickend auf die „guten Zeiten“. „Ich war halt ein bisschen ,potschert‘ und spürte leichte Kreuzschmerzen.“
Stillsitzen kam für ihn, trotz der Krankheit, nicht in Frage. Er gründete eine Selbsthilfegruppe und später die eigene Musikfirma „Parkinsong“. Das ist eine Wortschöpfung aus „Parkinson“ und „Song“ (Lied). Im Jahr 2019 erschien die erste CD mit Duetten von Parkinson-Patienten sowie professionellen Musikern. Zwei Jahre später folgte der „Parkinson-Blues“ des „Drahdiwaberl“-Frontmannes Stefan Weber, der selbst an der Krankheit verstarb.
Sein Leben mit Parkinson beschreibt Ganglbauer auch in seinem Buch „Kopfbahnhof“, weil es sich anfühlt „wie eine Lokomotive, die mit Volldampf gegen Bremsen anschiebt, bis sie in einem Kopfbahnhof zum Stillstand kommt“.
Schleichend kamen ihm die Beweglichkeit und damit die Selbstständigkeit abhanden.
„Der Führerschein wurde mir abgenommen, was besonders hart war. Und oft werde ich nicht ernst genommen“, kritisiert der 67jährige. „Die Menschen denken, ich sei betrunken, weil ich nicht aufrecht gehen kann.“
Dieses Gefühl der Ausgrenzung brachte ihn auf die Idee, einen weltweiten Musikwettbewerb ins Leben zu rufen, den „Parkinsong Contest“, der im vergangenen Dezember über die Bühne ging.
„Mit der Veranstaltung soll auf die Krankheit aufmerksam gemacht und die Forschung unterstützt werden.“
Für den Bewerb wurden 18 Lieder aus aller Welt eingereicht, darunter Musik aus Australien, den USA und Europa. Auch Ganglbauer selbst nahm mit dem Lied „Lust for life“ („Lust aufs Leben“) mit dem Musiker Jörg Veselka teil. Die Abstimmung erfolgte übers Internet auf der Videoplattform „YouTube“.
Gewonnen hat der in Deutschland lebende amerikanische Sänger Rob Georg mit „Climb This Mountain“ („Erklimme diesen Berg“). Im Lied erzählt er über das Schicksal seines Vaters und die innige Beziehung, die er zu ihm pflegte. Georg hatte damals seine Karriere unterbrochen, um ihn zu pflegen.
Aus den Liedern, die es ins Finale schafften, entstand nun die CD mit dem Titel „Parkinsonglines“. Sie wird nicht verkauft, sondern kann gegen eine freiwillige Spende erworben werden (Anfragen unter: office@
parkinsong.org). Das Geld fließt in Forschungsprojekte, Reise-Stipendien und Preise für junge Wissenschaftler. In den vergangenen Jahren kamen auf diese Weise 20.000 Euro zusammen.
„Musik hebt nicht nur die Laune“, sagt Ganglbauer, „sie wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit aus.“ Für ihn war die Musik mehr als nur ein Hobby. Sie war ein Teil seines Lebensrhythmus‘.
Selbst heute noch legt er Musik auf, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher, Klassisches oder Rockiges – Musik, die ihn trägt.
„Der ,Parkinsong Contest‘ war mein letztes Projekt, ich werde mich zur Ruhe setzen“, merkt er wehmütig an.
„Ich kann nichts mehr planen, meine Tagesverfassung schwingt schnell um. Einfach aufzustehen und loszugehen, das klappt nicht mehr.“ Eines ist ihm aber wichtig:
„Auf keinen Fall sollten wir uns aber zu Hause verstecken, nur weil wir erkrankt sind.“ Schuh
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