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Ausgabe Nr. 08/2026 vom 18.02.2026, Fotos: Thomas&Thomas, instagram, ZDF/Walter Wehner
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Judith Hoersch, 44, hat ihr Erstlingswerk geschrieben.
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„Niemands Töchter“

Piper Verlag, € 25,50
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Julia Hoersch spielt in der Serie „Lena Lorenz“
eine Hebamme.
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Eva Mattes verkörpert in „Lena Lorenz“ die
Serienmama von Hoersch.
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Pferde sind seit der Kindheit ihr liebstes Hobby.
Judith Hoersch, 44:
„Es ist wichtig, im eigenen Leben aufzuräumen“
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Als „Lena Lorenz“ ist sie im Fernsehen bekannt. Nun hat die Schauspielerin und Autorin Judith Hoersch einen Roman über Mütter und Töchter geschrieben. Es geht darin um Lebenslügen und die Suche nach der Wahrheit. Hier erzählt sie, was ihre Kindheit
geprägt hat und was für sie selbst als Mutter wichtig ist.
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Es ist mir ein Rätsel, was damals im November 1981 passiert ist. Als ich geboren wurde. Gabriele hat sich als meine Mutter ausgegeben. Sie hat mich mitgenommen. Aber wie haben sie das angestellt? Kannten sie sich? Das ergibt doch alles keinen Sinn.“

„Unsere gemeinsame Mutter ist tot. Aber du hast im Gegensatz zu mir noch eine. Du kannst ihr verzeihen. Das ist Liebe. Dass wir den anderen Fehler zugestehen und dass wir sie auch dafür lieben.“

Dieser Dialog zweier junger Frauen in dem Roman „Niemands Töchter“ (Verlag Piper) deutet an, wohin die Reise geht. In diesem Erstlingswerk widmet sich Judith Hoersch, 44, der Suche nach der Wahrheit, verknüpft mit der bedingungslosen Mutterliebe.

„Dass es eine Geschichte über Mütter und Töchter wird, war nicht von Anfang an klar. Ich hatte die vier Frauenfiguren im Kopf und die feste Überzeugung in mir, dass sich Schicksalshaftes wiederholt, und zwar solange, bis wir es auflösen“, sagt die am 15. März 1981 in Köln (D) geborene Tochter einer Maskenbildnerin und eines Musikjournalisten, die seit dem Jahr 2019 in der Fernseh-Serie „Lena Lorenz“ die titelgebende Hebamme spielt.

Als sie vor sechs Jahren Mutter einer Tochter wurde, spürte Hoersch „das uneingeschränkte Vertrauen dieses Kindes in mich. Dadurch wurde mir mit aller Wucht bewusst, wie wichtig es ist, im eigenen Leben aufzuräumen. Denn irgendwann kommt alles Unausgesprochene ans Licht. Jedes Geheimnis
findet früher oder später seinen Weg an die Oberfläche. Und darum geht es in ‚Niemands Töchter‘ – erst wenn das Verborgene ans Licht kommt, entsteht ein Raum für Heilung.“

Die Autorin hat sich für Figuren entschieden, die immer wieder Verluste und Neuanfänge erleben. Autobiografische Züge gibt es nicht. „Meine Mutter hat mit dem Inhalt nichts zu tun, ebenso gibt es zu mir selbst keinen direkten autobiografischen Bezug. Allerdings gibt es im Roman einen Ort, der meinem familiären Ursprung stark ähnelt. Es ist die Bäckerei in Mayen in der Eifel.

Ich verbrachte als Kind viel Zeit in der Bäckerei meiner Großeltern. Mich prägten die Gegensätze – zum einen meine künstlerisch tätigen Eltern, zum anderen das bürgerliche Großelternhaus. Oma und Opa waren immer eine Konstante in meinem Leben“, erinnert sich die 44jährige an ihre Kindheit, in der Pferde eine wesentliche Rolle spielten, „da der Pferdestall mein Zuhause war“, erzählt sie lachend.

Sowohl die Eltern als auch die Großeltern lebten ihr „einen unglaublichen Fleiß und eine Arbeitsethik vor. Bei uns gab es kein Herumhängen, jeder hat leidenschaftlich an dem gearbeitet, was ihn interessierte. Die klaren Strukturen und die Stabilität taten mir als Kind gut“, sagt Hoersch. Obwohl sich die Eltern früh getrennt haben, empfindet sie dies nicht als belastend.

„Mein Vater war in den 1980er Jahren ein gefragter Musikjournalist. Ich war bei meiner Mutter und mein Vater widmete sich seiner Berufskarriere. Aber wir konnten das gut aufarbeiten. So entsteht Stärke und Widerstandsfähigkeit, auch ein prägendes Motiv für den Roman. Mein Vater war – wie alle in unserer Familie – ein Frühaufsteher. Wenn ich um fünf Uhr wach war, telefonierten wir oft miteinander. Wir unterhielten uns am liebsten über die Literatur. Papas wichtigste Frage war immer, welches Buch ich gerade lese. Er hat mir Literatur-Listen übermittelt und Bücher empfohlen.“

Als Mutter ist es für die 44jährige wichtig, ihrer sechsjährigen Tochter nicht nur die Welt zu erklären, sondern mit der Tochter etwas zu erleben und gemeinsam zu reisen. „Und ihr immer wieder zu sagen, Übung macht den Meister. Das liegt mir am Herzen. Weil wir beide gerne malen, haben wir uns eine Aquarellstation aufgebaut, wir unterhalten uns über unsere Werke, und darüber, was wir verbessern können. Um etwas gut zu können, muss geübt werden – das versuche ich, meiner Tochter nahezubringen. Vor allem dadurch, dass sie eine Mutter sieht, die gerne arbeitet und die Lust hat, sich mit etwas zu beschäftigen.

Karl Valentin sagte, dass man Kinder nicht erziehen muss, weil die einem sowieso alles nachmachen. Wie prägend es sein kann, was wir Kindern vorleben, spiegelt sich in ,Niemands Töchter‘ wider“, erklärt Hoersch, die ab Ende März für eine neue Staffel der beliebten Fernsehserie „Lena Lorenz“ vor der Kamera steht.

„Das Thema ,Mutterschaft und Familie‘ war von Anfang an im Roman verhaftet. Dass es zum Zentrum der Handlung wird, hat sich erst im zweiten Schritt dramaturgisch entwickelt“, erklärt die Autorin und Schauspielerin.

Parallelen zu ihrer Filmfigur ortet sie durchaus. „Wenn es ums Anpacken, um die Direktheit und ums Nicht-locker-Lassen geht. Was ich nicht in mir trage, ist Lenas starke Heimatverbundenheit. Ich kann überall sofort zuhause sein.

Meine Tochter ist halbe Österreicherin, daher leben von der Papa-Seite viele Verwandte in Österreich, wo wir oft zu Besuch sind. Wir pendeln zwischen unserem Wohnort Berlin und Berchtesgaden (D), wo ‚Lena Lorenz‘ gedreht wird und machen in der Freizeit Abstecher zur Familie in die Eifel, nach Wien und ins Waldviertel (Niederösterreich). Meine Tochter wächst mit dem Wissen auf, dort, wo die Mama ist, da bin ich zuhause.“ wieser
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