Sebastian Bezzel:
„Ich sehe mir abends oft Koch-Videos an“
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Als Polizeihauptmeister Franz Eberhofer hat sich Sebastian Bezzel, 54, in die Herzen der Zuschauer gespielt. Im Kinofilm „Die Ältern“ mimt er nun einen Familienvater, den nicht nur seine flügge gewordenen Kinder verlassen. Privat wäre das für den zweifachen Familienvater ein Horror-Szenario.
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Herr Bezzel, Sie werden im Mai 55 Jahre alt.
Wie alt fühlen Sie sich?
Dieses Wort „gefühlt“ ist ein bisschen neudeutsch: gefühlte Temperatur, gefühltes Alter … Ich habe keine Ahnung. Es gibt Tage, da fühle ich mich durchaus wie 55 plus, zum Beispiel, wenn meine Knie wehtun oder ich trotz zu wenig Schlaf früh aufstehen muss. Dann gibt es aber wieder Tage, die eigentlich gut sind. Es ist also unterschiedlich, wie ich mich fühle.
In Ihrem neuen Film „Die Ältern“ (derzeit in den Kinos) geht es um Eltern, die in die Jahre kommen und zusehen müssen, wie ihre Kinder flügge werden. Warum hat Sie die Rolle des Vaters Hannes interessiert?
Wir sind uns beide ähnlich – im gleichen Alter, im kreativen Bereich beruflich unterwegs, wir leben in Hamburg (D) – und trotzdem auch ganz unterschiedlich. Der Schriftsteller braucht in seinem Beruf große Selbstdisziplin und Selbstorganisation, ich als Schauspieler profitiere davon, dass mir Menschen sagen, wann ich wo zu sein habe, was ich anziehen soll und wie mein Text lautet. Der zweite Unterschied ist, dass Hannes früh Kinder bekommen hat, ich spät.
Ihre Kinder sind 13 und 15 Jahre alt …
Ab und zu frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich schon erwachsene Kinder hätte. Ein guter Freund, der genauso alt ist wie ich, hat einen 30jährigen Sohn.
Damals war das heftig für ihn, er musste auf vieles verzichten. Aber jetzt ist das schön, weil die beiden wie gute Freunde sind. Dazu kommt der Umgang mit Veränderung. Ein Staat oder eine Gesellschaft, die es nicht schafft, ab und zu Reformen durchzuführen, wird zerbrechen. So ist das auch bei den Menschen.
Hannes hat als Autor viel Zeit für seine Kinder. Wie war das bei Ihnen?
Ganz so intensiv war es nicht, aber schon recht eng, würde ich sagen. Meine Frau Johanna ist wunderbar und hat mir den Rücken freigehalten. Ich hoffe, mir ist dasselbe gelungen, wenn sie gearbeitet hat. Die Familie ist mir auch immer wieder zu Dreharbeiten nachgereist. Wir haben in vielen Ferienwohnungen und Hotels gewohnt.
Teenager haben eine eigene Gedankenwelt. Im Film geht es um Themen von Gender-Gap (Unterschiede in der Gleichstellung von Frauen und Männern) bis Genitalverstümmelung. Welchen Themen müssen Sie sich widmen?
Meine Kinder kriegen schon mit, dass es viele Kriege gibt und Donald Trump nicht nur Amerika auf den Kopf stellt. Und sie haben auch Fragen. So was wird auch bei uns diskutiert. Jeder Mensch, egal ob jung oder alt, hat heute viel mehr Infos als wir damals. Als ich im Alter meiner Kinder war, hatten wir die 80er Jahre. Natürlich gab es Tschernobyl, Kriege und den Fall der Mauer in Deutschland, aber generell war es eine ruhigere Zeit, allein schon ohne soziale Medien. Mein Sohn hat sein erstes Smartphone mit 14 Jahren bekommen, meine Tochter hat noch keines.
Da ballert alles auf dich ein. Das müssen die Kinder erst einmal verarbeiten. Andererseits hilft uns die Technik, moderner zu bleiben.
Im Film trennt sich das Ehepaar, Worte wie Stillstand fallen. Sie sind seit dem Jahr 2009 verheiratet.
Wie halten Sie Ihre Ehe frisch?
Es ist wichtig, sich weiter in die Augen zu schauen und sich zu erkennen – nicht nur als die Mutter oder der Vater seiner Kinder. Man muss Humor haben, sich Freiräume schaffen und schauen, dass man positiv bleibt. Es ist schwierig, aber auch schön. Alles in allem
ist eine Ehe ein Prozess.
Am Ende findet sich Hannes in der Wüste selbst und hat eine neue Freundin.
Ist das nicht zu einfach gestrickt?
Was heißt einfach gestrickt? Er versucht, sein neues Leben auf die Reihe zu kriegen. Punkt. Das ist aber kein Happy End, es geht ja aus der Handlung nicht hervor, ob es mit der neuen Freundin klappt.
Wie würden Sie damit umgehen, von den Kindern und Ihrer Frau, der Schauspielerin Johanna Christine Gehlen, verlassen zu werden? Lethargisch wie Hannes oder anders?
Wenn so etwas wirklich passieren würde, dass meine Kinder plötzlich aus dem Haus sind und ich wieder alleine wäre, weil meine Frau sich trennt, klingt das im Moment für mich wie ein Horror-Szenario. Aber vielleicht ist ja irgendetwas passiert, was das Ganze leichter macht? Man weiß es nicht.
Könnten Sie im Notfall selbst für sich sorgen, kochen zum Beispiel?
Ich kann gut kochen, es ist mein absolutes Lieblings-Hobby. Ich sitze auch am Abend oft vor dem Computer und schaue mir Koch-Videos an.
Was haben Sie zuletzt gekocht?
Zu Weihnachten habe ich zum ersten Mal einen Eberhofer-Titel gekocht und ein Reh-Ragout gemacht. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es eine Bouillabaisse (Anm.: eine provenzalische Fischsuppe).
Mitte August kommt das „Steckerlfisch-Fiasko“
in die Kinos. Ist der Eberhofer Ihre Paraderolle?
Es ist die Rolle, für die ich am bekanntesten bin. Aber Paraderolle? Ich versuche eigentlich, jede Rolle zu
meiner Paraderolle zu machen.
Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?
Auf einen typischen Eberhofer halt. Ich habe bisher nur Ausschnitte gesehen, weil wir erst im Herbst gedreht haben. Bis ich den Film das erste Mal komplett sehe, dauert es immer ein bisschen – deshalb lasse ich mich selbst überraschen. Aber es werden großartige Gastschauspieler dabei sein, und Simon Schwarz und Lisa Maria Potthoff sind beide wieder so lustig und so gut. Darauf kann sich das Publikum wirklich freuen.
Zur Person
Sebastian Bezzel wurde am 18. Mai 1971 in Garmisch-Partenkirchen in Bayern (D) geboren.
Der Sohn eines Vogelkundlers hat einen Bruder und
absolvierte nach der Matura die Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding
in München.
Nach Anfängen am Theater und als Kabarettist
wechselte Bezzel zum Film. Bekannt wurde er als
Polizeihauptmeister „Ulf Meiners“ („Abschnitt 40“) sowie als Kommissar Kai Perlmann im Konstanzer „Tatort“.
Große Beliebtheit und Bekanntheit erreichte er dann
im Jahr 2013 durch die Darstellung des Provinzpolizisten „Franz Eberhofer“ in „Dampfnudelblues“. Acht weitere
Krimis dieser Reihe, die auf den Buchvorlagen der
Autorin Rita Falk basieren, wurden bislang verfilmt.
Wie alt fühlen Sie sich?
Dieses Wort „gefühlt“ ist ein bisschen neudeutsch: gefühlte Temperatur, gefühltes Alter … Ich habe keine Ahnung. Es gibt Tage, da fühle ich mich durchaus wie 55 plus, zum Beispiel, wenn meine Knie wehtun oder ich trotz zu wenig Schlaf früh aufstehen muss. Dann gibt es aber wieder Tage, die eigentlich gut sind. Es ist also unterschiedlich, wie ich mich fühle.
In Ihrem neuen Film „Die Ältern“ (derzeit in den Kinos) geht es um Eltern, die in die Jahre kommen und zusehen müssen, wie ihre Kinder flügge werden. Warum hat Sie die Rolle des Vaters Hannes interessiert?
Wir sind uns beide ähnlich – im gleichen Alter, im kreativen Bereich beruflich unterwegs, wir leben in Hamburg (D) – und trotzdem auch ganz unterschiedlich. Der Schriftsteller braucht in seinem Beruf große Selbstdisziplin und Selbstorganisation, ich als Schauspieler profitiere davon, dass mir Menschen sagen, wann ich wo zu sein habe, was ich anziehen soll und wie mein Text lautet. Der zweite Unterschied ist, dass Hannes früh Kinder bekommen hat, ich spät.
Ihre Kinder sind 13 und 15 Jahre alt …
Ab und zu frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich schon erwachsene Kinder hätte. Ein guter Freund, der genauso alt ist wie ich, hat einen 30jährigen Sohn.
Damals war das heftig für ihn, er musste auf vieles verzichten. Aber jetzt ist das schön, weil die beiden wie gute Freunde sind. Dazu kommt der Umgang mit Veränderung. Ein Staat oder eine Gesellschaft, die es nicht schafft, ab und zu Reformen durchzuführen, wird zerbrechen. So ist das auch bei den Menschen.
Hannes hat als Autor viel Zeit für seine Kinder. Wie war das bei Ihnen?
Ganz so intensiv war es nicht, aber schon recht eng, würde ich sagen. Meine Frau Johanna ist wunderbar und hat mir den Rücken freigehalten. Ich hoffe, mir ist dasselbe gelungen, wenn sie gearbeitet hat. Die Familie ist mir auch immer wieder zu Dreharbeiten nachgereist. Wir haben in vielen Ferienwohnungen und Hotels gewohnt.
Teenager haben eine eigene Gedankenwelt. Im Film geht es um Themen von Gender-Gap (Unterschiede in der Gleichstellung von Frauen und Männern) bis Genitalverstümmelung. Welchen Themen müssen Sie sich widmen?
Meine Kinder kriegen schon mit, dass es viele Kriege gibt und Donald Trump nicht nur Amerika auf den Kopf stellt. Und sie haben auch Fragen. So was wird auch bei uns diskutiert. Jeder Mensch, egal ob jung oder alt, hat heute viel mehr Infos als wir damals. Als ich im Alter meiner Kinder war, hatten wir die 80er Jahre. Natürlich gab es Tschernobyl, Kriege und den Fall der Mauer in Deutschland, aber generell war es eine ruhigere Zeit, allein schon ohne soziale Medien. Mein Sohn hat sein erstes Smartphone mit 14 Jahren bekommen, meine Tochter hat noch keines.
Da ballert alles auf dich ein. Das müssen die Kinder erst einmal verarbeiten. Andererseits hilft uns die Technik, moderner zu bleiben.
Im Film trennt sich das Ehepaar, Worte wie Stillstand fallen. Sie sind seit dem Jahr 2009 verheiratet.
Wie halten Sie Ihre Ehe frisch?
Es ist wichtig, sich weiter in die Augen zu schauen und sich zu erkennen – nicht nur als die Mutter oder der Vater seiner Kinder. Man muss Humor haben, sich Freiräume schaffen und schauen, dass man positiv bleibt. Es ist schwierig, aber auch schön. Alles in allem
ist eine Ehe ein Prozess.
Am Ende findet sich Hannes in der Wüste selbst und hat eine neue Freundin.
Ist das nicht zu einfach gestrickt?
Was heißt einfach gestrickt? Er versucht, sein neues Leben auf die Reihe zu kriegen. Punkt. Das ist aber kein Happy End, es geht ja aus der Handlung nicht hervor, ob es mit der neuen Freundin klappt.
Wie würden Sie damit umgehen, von den Kindern und Ihrer Frau, der Schauspielerin Johanna Christine Gehlen, verlassen zu werden? Lethargisch wie Hannes oder anders?
Wenn so etwas wirklich passieren würde, dass meine Kinder plötzlich aus dem Haus sind und ich wieder alleine wäre, weil meine Frau sich trennt, klingt das im Moment für mich wie ein Horror-Szenario. Aber vielleicht ist ja irgendetwas passiert, was das Ganze leichter macht? Man weiß es nicht.
Könnten Sie im Notfall selbst für sich sorgen, kochen zum Beispiel?
Ich kann gut kochen, es ist mein absolutes Lieblings-Hobby. Ich sitze auch am Abend oft vor dem Computer und schaue mir Koch-Videos an.
Was haben Sie zuletzt gekocht?
Zu Weihnachten habe ich zum ersten Mal einen Eberhofer-Titel gekocht und ein Reh-Ragout gemacht. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es eine Bouillabaisse (Anm.: eine provenzalische Fischsuppe).
Mitte August kommt das „Steckerlfisch-Fiasko“
in die Kinos. Ist der Eberhofer Ihre Paraderolle?
Es ist die Rolle, für die ich am bekanntesten bin. Aber Paraderolle? Ich versuche eigentlich, jede Rolle zu
meiner Paraderolle zu machen.
Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?
Auf einen typischen Eberhofer halt. Ich habe bisher nur Ausschnitte gesehen, weil wir erst im Herbst gedreht haben. Bis ich den Film das erste Mal komplett sehe, dauert es immer ein bisschen – deshalb lasse ich mich selbst überraschen. Aber es werden großartige Gastschauspieler dabei sein, und Simon Schwarz und Lisa Maria Potthoff sind beide wieder so lustig und so gut. Darauf kann sich das Publikum wirklich freuen.
Zur Person
Sebastian Bezzel wurde am 18. Mai 1971 in Garmisch-Partenkirchen in Bayern (D) geboren.
Der Sohn eines Vogelkundlers hat einen Bruder und
absolvierte nach der Matura die Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding
in München.
Nach Anfängen am Theater und als Kabarettist
wechselte Bezzel zum Film. Bekannt wurde er als
Polizeihauptmeister „Ulf Meiners“ („Abschnitt 40“) sowie als Kommissar Kai Perlmann im Konstanzer „Tatort“.
Große Beliebtheit und Bekanntheit erreichte er dann
im Jahr 2013 durch die Darstellung des Provinzpolizisten „Franz Eberhofer“ in „Dampfnudelblues“. Acht weitere
Krimis dieser Reihe, die auf den Buchvorlagen der
Autorin Rita Falk basieren, wurden bislang verfilmt.
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