Noch ein närrisches Jubiläum in Villach
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Zum Höhepunkt der fünften Jahreszeit gehört in unserem Land die Fernseh-Übertragung der Sitzung der Villacher Faschingsgilde. Ihre Konkurrenten aus Klagenfurt lehnen dagegen diese öffentlichkeitswirksamen Auftritte ab.
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Während im Vorjahr das 70jährige Jubiläum des Villacher Faschings gefeiert wurde, stehen heuer die Jüngsten im Mittelpunkt.
Der Villacher Kinderfasching ist 60 Jahre alt. Regiert wird das kleine Narrenvolk von Prinzessin Lena I. und Prinz Gaudelius LX. Prinzessin Lena I. heißt mit bürgerlichem Namen Lena Taurer, ist neun Jahre alt und besucht das Gymnasium St. Martin (K). Sie malt, bastelt, turnt und schwimmt gerne und steht heuer sogar mit einem selbst geschriebenen Prinzessinnen-Rap auf der Bühne.
„Ich habe mir überlegt, was zu einer Prinzessin passt und dann habe ich einfach drauflosgeschrieben“, sagt die Neunjährige, die sich darauf freut, den Rap vor Publikum zu präsentieren. „Weil da alle zuhören.“
Was der Fasching für sie bedeutet, erklärt sie ohne große Überlegung. „Ich bin Villacherin“, sagt sie, „da gehört der Fasching einfach dazu.“ Angst vor Auftritten hat sie nicht. „Ein bisserl aufgeregt bin ich schon, aber das ist ein gutes Gefühl.“
Ihr zur Seite steht Prinz Gaudelius LX., der im wahren Leben Linus Leeb heißt. Er ist elf Jahre alt und besucht dieselbe Schule wie seine Prinzessin, das Gymnasium St. Martin. Als Nesthäkchen mit vier älteren Geschwistern ist Linus Trubel gewohnt.
„Ein bisschen Lampenfieber habe ich trotzdem, bevor ich auf die Bühne gehe“, gibt er offen zu.
„Aber wenn ich oben stehe, geht das schnell weg.“ In seiner Freizeit fährt Linus Rad und Schi, steht auf dem Skateboard und spielt Schlagzeug. „Das taugt mir am meisten“, sagt er. „Und Schachspielen mag ich auch.“ Am meisten freut er sich im Fasching auf den Villacher Umzug, der am Faschingssamstag, dem 14. Februar, stattfindet. An der Spitze der Gilde steht in dieser Saison ein Prinzenpaar, das stark in der Region verwurzelt ist.
Anna Sophie Petschar, Ihre Lieblichkeit Prinzessin Anna Sophie I., ist 22 Jahre alt und studiert Geschichte an der Universität Wien. Zwischen Vorlesungen und Prüfungen pendelt sie regelmäßig in ihre Kärntner Heimat nach Töplitsch. Den Fasching kennt sie seit früher Kindheit.
„Ich war mindestens ein Mal bei einer Sitzung.“
Im Sommer arbeitet sie in der Destillerie ihrer Mutter mit. Der international ausgezeichnete Gin der Destillerie Jesche erscheint heuer erstmals auch in einer eigenen Faschingsausgabe. „Darauf sind wir natürlich stolz“, sagt Petschar. Als Mitglied der Zechgemeinschaft Weißenstein und als Laderin der Bauerngman Villach ist sie tief im örtlichen Leben verankert.
Auch ihr Prinz ist mit dem Fasching aufgewachsen. Andreas Ferlan, 47, Prinz Fidelius LXXI., ist Fliesenlegermeister sowie Eigentümer und Geschäftsführer von Ferlan Fliesen und Natursteine.
„In meinem Betrieb lege ich großen Wert auf Kreativität und Organisation“, sagt Ferlan. „Zwei Eigenschaften, die ich auch als Faschingsprinz gut gebrauchen kann.“ Als begeisterter Sportler ist er Präsident der Hobby-Eishockeymannschaft EC Fliesen Ferlan. Seine Verbindung zum Fasching reicht ebenfalls bis in die Kindheit zurück. „Ich war schon als Bub beim Umzug dabei, bei den legendären Auftritten des Villacher Rudervereins“, erinnert er sich. „Diese Zeit hat mich geprägt.“
Heuer besteht das Programm vor allem aus bewährten Figuren. Der Nachzipfer Höbinger, die Hofnärrin und Praktikantin Eva Mion sowie die Spaßbrems‘n Arnold Angermann bestimmen große Teile der Sitzungen. Inhaltlich richten sich viele Pointen gegen die Bundesregierung, ergänzt durch Tanz- und Musiknummern.
Was fehlt, ist eine Prangerrede, jene Gelegenheit, auch die regionale und anwesende Stadtpolitik aufzugreifen. „Nicht jede Saison hat einen Pranger“, sagt Pressekanzler Christoph Pfeiler. „Das ist immer eine bewusste Entscheidung.“ Für frischen Schwung sorgt hingegen der Neuzugang Leonard Beau James. Mit seinem Lied „Tinderella“ singt er humorvoll über Kennenlern-Apps.
Abschied nehmen heißt es dagegen von Manfred „Noste“ Obernosterer, der nach 23 Jahren zum letzten Mal auf der Narrenbühne steht. „Das ist ein Abschied mit viel Respekt“, sagt Pfeiler. „Für einen, der den Fasching über viele Jahre mitgeprägt hat.“ Die diesjährige Faschingssitzung ist am Faschingsdienstag, 17. Februar, ab 20.15 Uhr auf ORF2 zu sehen.
Eine landesweite Fernseh-Übertragung ist für andere Faschingsgilden allerdings kein Thema. Auch die „Stadtrichter zu Clagenfurth“ wurden vom ORF angefragt, lehnten allerdings ab. „Wir wollen das nicht“, sagt Hans Repnig, Stadtrichter seit 2007. „Live-Übertragungen nehmen dem Fasching viel von dem, was ihn ausmacht.“ Der Humor lebe vom Moment, vom Saal, vom direkten Kontakt mit dem Publikum, ist Repnik überzeugt. „Das lässt sich im Fernsehen nur schwer transportieren.“
Die Stadtrichter setzen auf das Live-Erlebnis. Rund 1.000 Menschen wohnen jeder Sitzung bei. „Wir sind ein Brauchtumsverein“, sagt Repnig. „Und kein Fernsehformat.“ Anfragen anderer Sender habe man ebenfalls abgelehnt. „Der Charme geht verloren.“ Die Stadtrichter zu Clagenfurth wurden 1970 als Faschingsgilde gegründet, inspiriert vom Villacher Fasching. Mit dem sogenannten Stadtgerücht nehmen sie seither Politik und Gesellschaft satirisch ins Visier. Historisch knüpft der Verein an jene Stadtrichter an, die nach der Stadtschenkung Klagenfurts im Jahr 1518 durch Kaiser Maximilian I. die Verwaltung und Rechtsprechung ausübten. Auch die Schreibweise Clagenfurth ist bewusst gewählt und geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als der Stadtname oft mit C geschrieben wurde.
Wer bei den Stadtrichtern mitwirken will, braucht mehr als eine gute Idee. Harald Janesch, 61, Analytiker beim Landeskriminalamt, seit zehn Jahren Stadtrichter und Mitglied des Präsidiums, kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung. „Die Kandidaten werden vorgeschlagen“, sagt Janesch, der als Schorfrichter die Prangerrede hält und Missstände offen und klar benennt. Die Stadtrichter sind ein reiner Männerverein. Rund 50 Aktive im Alter zwischen 30 und 70 Jahren tragen das Programm, dazu kommen das Ballett, Visagisten und Helfer im Hintergrund.
Die Nummern entstehen gemeinsam. „Das ist nichts, was man nebenbei macht“, sagt Janesch. Geschrieben wird im Team, oft über Wochen. Inhaltlich greift die Prangerrede auf, was die Menschen beschäftigt. Heuer nimmt Janesch unter anderem den SOS-Kinderdorf-Skandal, die Gehaltserhöhungen der Wirtschaftskammer sowie Stadt- und Landespolitik ins Visier.
„Wir benennen die Dinge deutlich“, sagt er. „Das, was den Menschen auf der Seele brennt.“ Der Zuspruch
ist groß. Kurz nach der Premiere war die Saison ausverkauft. Die letzten beiden Sitzungen finden am 13.
und 14. Februar in der Messearena Klagenfurt statt.
morri
Der Villacher Kinderfasching ist 60 Jahre alt. Regiert wird das kleine Narrenvolk von Prinzessin Lena I. und Prinz Gaudelius LX. Prinzessin Lena I. heißt mit bürgerlichem Namen Lena Taurer, ist neun Jahre alt und besucht das Gymnasium St. Martin (K). Sie malt, bastelt, turnt und schwimmt gerne und steht heuer sogar mit einem selbst geschriebenen Prinzessinnen-Rap auf der Bühne.
„Ich habe mir überlegt, was zu einer Prinzessin passt und dann habe ich einfach drauflosgeschrieben“, sagt die Neunjährige, die sich darauf freut, den Rap vor Publikum zu präsentieren. „Weil da alle zuhören.“
Was der Fasching für sie bedeutet, erklärt sie ohne große Überlegung. „Ich bin Villacherin“, sagt sie, „da gehört der Fasching einfach dazu.“ Angst vor Auftritten hat sie nicht. „Ein bisserl aufgeregt bin ich schon, aber das ist ein gutes Gefühl.“
Ihr zur Seite steht Prinz Gaudelius LX., der im wahren Leben Linus Leeb heißt. Er ist elf Jahre alt und besucht dieselbe Schule wie seine Prinzessin, das Gymnasium St. Martin. Als Nesthäkchen mit vier älteren Geschwistern ist Linus Trubel gewohnt.
„Ein bisschen Lampenfieber habe ich trotzdem, bevor ich auf die Bühne gehe“, gibt er offen zu.
„Aber wenn ich oben stehe, geht das schnell weg.“ In seiner Freizeit fährt Linus Rad und Schi, steht auf dem Skateboard und spielt Schlagzeug. „Das taugt mir am meisten“, sagt er. „Und Schachspielen mag ich auch.“ Am meisten freut er sich im Fasching auf den Villacher Umzug, der am Faschingssamstag, dem 14. Februar, stattfindet. An der Spitze der Gilde steht in dieser Saison ein Prinzenpaar, das stark in der Region verwurzelt ist.
Anna Sophie Petschar, Ihre Lieblichkeit Prinzessin Anna Sophie I., ist 22 Jahre alt und studiert Geschichte an der Universität Wien. Zwischen Vorlesungen und Prüfungen pendelt sie regelmäßig in ihre Kärntner Heimat nach Töplitsch. Den Fasching kennt sie seit früher Kindheit.
„Ich war mindestens ein Mal bei einer Sitzung.“
Im Sommer arbeitet sie in der Destillerie ihrer Mutter mit. Der international ausgezeichnete Gin der Destillerie Jesche erscheint heuer erstmals auch in einer eigenen Faschingsausgabe. „Darauf sind wir natürlich stolz“, sagt Petschar. Als Mitglied der Zechgemeinschaft Weißenstein und als Laderin der Bauerngman Villach ist sie tief im örtlichen Leben verankert.
Auch ihr Prinz ist mit dem Fasching aufgewachsen. Andreas Ferlan, 47, Prinz Fidelius LXXI., ist Fliesenlegermeister sowie Eigentümer und Geschäftsführer von Ferlan Fliesen und Natursteine.
„In meinem Betrieb lege ich großen Wert auf Kreativität und Organisation“, sagt Ferlan. „Zwei Eigenschaften, die ich auch als Faschingsprinz gut gebrauchen kann.“ Als begeisterter Sportler ist er Präsident der Hobby-Eishockeymannschaft EC Fliesen Ferlan. Seine Verbindung zum Fasching reicht ebenfalls bis in die Kindheit zurück. „Ich war schon als Bub beim Umzug dabei, bei den legendären Auftritten des Villacher Rudervereins“, erinnert er sich. „Diese Zeit hat mich geprägt.“
Heuer besteht das Programm vor allem aus bewährten Figuren. Der Nachzipfer Höbinger, die Hofnärrin und Praktikantin Eva Mion sowie die Spaßbrems‘n Arnold Angermann bestimmen große Teile der Sitzungen. Inhaltlich richten sich viele Pointen gegen die Bundesregierung, ergänzt durch Tanz- und Musiknummern.
Was fehlt, ist eine Prangerrede, jene Gelegenheit, auch die regionale und anwesende Stadtpolitik aufzugreifen. „Nicht jede Saison hat einen Pranger“, sagt Pressekanzler Christoph Pfeiler. „Das ist immer eine bewusste Entscheidung.“ Für frischen Schwung sorgt hingegen der Neuzugang Leonard Beau James. Mit seinem Lied „Tinderella“ singt er humorvoll über Kennenlern-Apps.
Abschied nehmen heißt es dagegen von Manfred „Noste“ Obernosterer, der nach 23 Jahren zum letzten Mal auf der Narrenbühne steht. „Das ist ein Abschied mit viel Respekt“, sagt Pfeiler. „Für einen, der den Fasching über viele Jahre mitgeprägt hat.“ Die diesjährige Faschingssitzung ist am Faschingsdienstag, 17. Februar, ab 20.15 Uhr auf ORF2 zu sehen.
Eine landesweite Fernseh-Übertragung ist für andere Faschingsgilden allerdings kein Thema. Auch die „Stadtrichter zu Clagenfurth“ wurden vom ORF angefragt, lehnten allerdings ab. „Wir wollen das nicht“, sagt Hans Repnig, Stadtrichter seit 2007. „Live-Übertragungen nehmen dem Fasching viel von dem, was ihn ausmacht.“ Der Humor lebe vom Moment, vom Saal, vom direkten Kontakt mit dem Publikum, ist Repnik überzeugt. „Das lässt sich im Fernsehen nur schwer transportieren.“
Die Stadtrichter setzen auf das Live-Erlebnis. Rund 1.000 Menschen wohnen jeder Sitzung bei. „Wir sind ein Brauchtumsverein“, sagt Repnig. „Und kein Fernsehformat.“ Anfragen anderer Sender habe man ebenfalls abgelehnt. „Der Charme geht verloren.“ Die Stadtrichter zu Clagenfurth wurden 1970 als Faschingsgilde gegründet, inspiriert vom Villacher Fasching. Mit dem sogenannten Stadtgerücht nehmen sie seither Politik und Gesellschaft satirisch ins Visier. Historisch knüpft der Verein an jene Stadtrichter an, die nach der Stadtschenkung Klagenfurts im Jahr 1518 durch Kaiser Maximilian I. die Verwaltung und Rechtsprechung ausübten. Auch die Schreibweise Clagenfurth ist bewusst gewählt und geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als der Stadtname oft mit C geschrieben wurde.
Wer bei den Stadtrichtern mitwirken will, braucht mehr als eine gute Idee. Harald Janesch, 61, Analytiker beim Landeskriminalamt, seit zehn Jahren Stadtrichter und Mitglied des Präsidiums, kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung. „Die Kandidaten werden vorgeschlagen“, sagt Janesch, der als Schorfrichter die Prangerrede hält und Missstände offen und klar benennt. Die Stadtrichter sind ein reiner Männerverein. Rund 50 Aktive im Alter zwischen 30 und 70 Jahren tragen das Programm, dazu kommen das Ballett, Visagisten und Helfer im Hintergrund.
Die Nummern entstehen gemeinsam. „Das ist nichts, was man nebenbei macht“, sagt Janesch. Geschrieben wird im Team, oft über Wochen. Inhaltlich greift die Prangerrede auf, was die Menschen beschäftigt. Heuer nimmt Janesch unter anderem den SOS-Kinderdorf-Skandal, die Gehaltserhöhungen der Wirtschaftskammer sowie Stadt- und Landespolitik ins Visier.
„Wir benennen die Dinge deutlich“, sagt er. „Das, was den Menschen auf der Seele brennt.“ Der Zuspruch
ist groß. Kurz nach der Premiere war die Saison ausverkauft. Die letzten beiden Sitzungen finden am 13.
und 14. Februar in der Messearena Klagenfurt statt.
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