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Ausgabe Nr. 07/2026 vom 11.02.2026, Fotos: Justin P Brown, zvg
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Michaela und Tom Skidmore lernten sich
erst in ihren Fünfzigern kennen.
Schon beim ersten Treffen hat es gefunkt.
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Hochzeit mit ihrem ersten Mann Gerhard.
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Heiratsantrag im Lieblingslokal.
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Mit ihrem „Tom“ bereist sie nun die Welt …
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… und seine Heimat England.
„Liebe kennt kein Alter, nur Mut“
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Michaela Skidmore hatte nicht mehr an die Liebe geglaubt, nachdem ihr Mann unerwartet verstorben war. Mit 53 Jahren verliebte sie sich aber doch noch einmal.
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Wenn Michaela Skidmore, 62, lacht, dann aus vollem Herzen. „Ich brauche das“, sagt sie. „Wenn ich alt werde, dann lieber verrückt als langweilig.“

Skidmore ist pensionierte Sozialpädagogin, Wienerin und frisch verliebt. „Wobei frisch ist relativ. Immerhin sind mein Mann Tom und ich schon seit fast zehn Jahren zusammen.“ Und doch wirkt es, als hätten sie sich gerade erst gefunden.

„Er freut sich jeden Tag, wenn er von der Arbeit heimkommt und mich sieht. Und ich mich genauso. Die Schmetterlinge im Bauch sind immer noch da“, erzählt sie und lacht freudestrahlend. Doch es gab auch Zeiten, da hatte sie wenig zu lachen. Tom Skidmore ist Michaelas zweiter Ehemann, ihren ersten Mann Gerhard lernte sie im Alter von 18 Jahren bei der Arbeit kennen.

„Er war schüchtern, humorvoll und vierzehn Jahre älter als ich, aber das störte mich nicht. Ich hab‘s am Anfang nicht gemerkt“, meint sie. „Ein Freund musste mir sagen, dass Gerhard in mich verliebt ist.“

„Gerhard hatte nur noch vier Wochen zu leben“

Es war eine Liebe, die hielt, trotz Altersunterschied und skeptischer Familien. Im Jahr 1983 heirateten sie standesamtlich, ein Jahr später kirchlich. Dazwischen kam ihr erstes Kind Veronika zur Welt. Drei weitere, Magdalena, Viktor und Julian, folgten.

„Gerhard war meine große Liebe.“ Dann, mitten im Familienleben, wurde „er aber plötzlich müde und hatte oft Bauchschmerzen. Ich habe lange geglaubt, das mache das Alter. Bis wir eines Tages eine Beule auf seinem Brustbein entdeckt haben.“

Im Oktober 2000 folgte schließlich die Diagnose, Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Michaela Skidmore war damals 38 Jahre alt, der jüngste Sohn gerade erst einmal vier. „Gerhard hatte nur noch vier Wochen zu leben. Das Schlimmste war, es den Kindern zu sagen“, erinnert sie sich. „Diese Schreie, das werde ich nie vergessen.“ Am 18. November verstarb ihr Mann.

Die Jahre danach waren herausfordernd und hart. „Ich war plötzlich alleinerziehend mit vier Kindern. Ich konnte nur noch Teilzeit arbeiten, um für die Familie da zu sein. Auch meine Freundinnen haben mich immer unterstützt.“

Trotzdem fehlte etwas. „Jemand, mit dem ich am Abend vorm Fernseher lachen konnte, der neben mir sitzt, meine Hand hält und einfach da ist.“ Kennenlern-Portale im Internet probierte sie, gab aber irgendwann auf. „Zu dem Zeitpunkt war ich schon jenseits der 50. Da dachte ich: Wer will mich denn jetzt noch?“, meint sie schulterzuckend. Im August 2016 rief „aus heiterem Himmel“ eine Freundin an, die gerade am Heimweg von einer Verabredung war. Sie sagte den Satz, der das Leben auf den Kopf stellen würde: „Michaela, das ist dein Mann.“

Dieser Mann war Tom Skidmore. „Er ist gebürtiger Engländer und vier Jahre jünger als ich. Ich beschloss damals, das Risiko einzugehen und ihm eine Chance zu geben. Anfangs schrieben wir nur ein paar E-Mails hin und her.“ Bald folgte ein erstes Treffen. „Wir haben uns auf Anhieb verstanden und einfach nicht mehr aufgehört zu reden.“

Als Krönung des Abends folgte zum Abschied ein Kuss. „Das war, als hätte mir jemand Gold über den Kopf geschüttet. Seit Gerhards Tod“, sagt sie, „hatte ich zum ersten Mal wieder das Gefühl: Da interessiert sich jemand wirklich für mich.“ Als er den Arm um sie legte, war es, als hätte „jemand einen Funken angezündet. Als wäre da ein kleines Stück Kohle, das wieder zu glühen beginnt.“

Im Lieblingslokal der beiden folgte im Jahr 2018 der Antrag. „Plötzlich ist er mitten im Restaurant vor allen auf die Knie gegangen“, schwelgt die 62jährige in Erinnerungen. Ein Jahr später wurde geheiratet.

„Es war eine richtige Märchenhochzeit in einem Barockpavillon. Ich trug ein weißes Kleid mit langer Schleppe und als Brite kam für Tom nur ein Rolls-Royce als Brautauto in Frage.“ Ihr Ehemann ist 58 Jahre alt und gelernter Computer-Techniker. Auf einer Indienreise lernte er damals eine Wienerin kennen, der er in unser Land folgte. „Die Beziehung ging zu Bruch und gerade, als er wieder nach England zurückkehren wollte, kam ich. Also ist er geblieben.“

Am meisten schätzt sie an ihm seine „respektvolle Art. Bei ihm fühle ich mich gesehen und geborgen. Tom ist quasi die Reinkarnation von Gerhard.“

Valentinstag ist für sie daher nicht nur am 14. Februar, sondern an jedem Tag im Jahr. „Weil er mir ständig seine Liebe zeigt. Wenn wir unterwegs sind, nimmt er meine Hand und täglich bekomme ich einen Gute-Nacht-Kuss.“

Mittlerweile hat die Familie Zuwachs bekommen, Skidmore ist Großmutter von vier Enkelkindern.

Ihr verstorbener Mann Gerhard ist bis heute Teil ihres Lebens, seine Fotos stehen noch in der Wohnung, sein Grab am Matzleinsdorfer Friedhof ist nur ein paar Gehminuten entfernt. „Gemeinsam alt zu werden – das ist das schönste Glück.“ Mit Gerhard war es ihr nicht vergönnt. Mit Tom darf sie es nun erleben.

Skidmores Botschaft zum Valentinstag lautet, „Liebe kennt kein Alter, nur Mut. Wer nicht riskiert, kann auch nicht gewinnen. Es ist nie zu spät, wirklich nie“, sagt sie und lacht wieder aus vollem Herzen. Schuh
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