Ausgabe Nr. 07/2026 vom 11.02.2026, Foto: APA-Images / Franz Neumayr / Christian Leopold
Felix Gottwald:
„Wir sollten jeden Tag ein bisschen klüger einschlafen“
„Wir sollten jeden Tag ein bisschen klüger einschlafen“
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Er ist unser erfolgreichster olympischer Wintersportler. Derzeit ist er zum ersten Mal als
Zuschauer am Loipenrand mit dabei und weilt mit seinen beiden Töchtern in Italien. Zudem hat Felix Gottwald ein neues Buch veröffentlicht, in dem er dazu aufruft, jeden Tag so zu nützen, als sei es der Tag X. Also jener Tag, auf den es im Sport ankommt.
Zuschauer am Loipenrand mit dabei und weilt mit seinen beiden Töchtern in Italien. Zudem hat Felix Gottwald ein neues Buch veröffentlicht, in dem er dazu aufruft, jeden Tag so zu nützen, als sei es der Tag X. Also jener Tag, auf den es im Sport ankommt.
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Der Anruf von Felix Gottwald, 50, kam aus dem Auto Richtung Cortina d‘Ampezzo (Italien). Auf der Rückbank saßen seine beiden Töchter Hannah und Teresa, zehn und zwölf Jahre alt. Mit im Gepäck hatte das Trio die Langlaufschi. „Meine jüngere Tochter meinte, sie würde Olympia gern einmal vor Ort erleben“, erzählt Gottwald über den Anlass der Reise zu den 25. Winterspielen. „Ich bin auch zum ersten Mal Zuschauer – und sicher entspannter, als ich es früher erlebt habe.“
Wobei ihm die Langlaufbewerbe in Tesero schon alleine wegen unserer Teilnehmer Teresa Stadlober und Mika Vermeulen am Herzen lagen. „Das sind unsere Platzhirsche“, sagt er. „Ich wollte die Bewerbe einmal als Anhänger miterleben.“
Der am 13. Jänner 1976 in Zell am See in Salzburg geborene frühere Sportler hat selbst sieben olympische Medaillen in knapp 20 Jahren als Nordischer Kombinierer gewonnen und ist damit bis heute unser erfolgreichster Olympiasportler. Dazu kamen zahlreiche Erfolge bei Weltmeisterschaften und Weltcupsiege. Am 18. März 2007 hat Gottwald seine Karriere beendet – zum ersten Mal. Zwei Jahre später wagte er ein Comeback und kehrte von den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver (Kanada) noch einmal mit Gold im Team zurück. Im Jahr 2011, mit 35 Jahren, trat er nach der Weltmeisterschaft in Oslo (Norwegen) endgültig ab. Mit insgesamt 18 Medaillen.
„Viele Sportler fallen danach in ein Loch“, sagt er. In der Sportler-Sprache wird das „Post-Olympic-Blues“ genannt, im normalen Leben käme das wohl einem Pensionsschock gleich. Ihm blieb das erspart. „Es braucht wieder eine Aufgabe. Etwas, wofür wir brennen und dem wir uns mit ganzer Hingabe widmen.“
Deshalb begann der Salzburger nur zehn Tage nach seinem letzten Wettkampf seine zweite Karriere als Trainer und Vortragender, um seine Erkenntnisse aus dem Spitzensport und der Gesundheitswissenschaft weiterzugeben.
Auch wenn das auf den ersten Blick nach einer Bilderbuch-Karriere aussehen mag, bequem war sein Weg nie. Mit 13 Jahren eröffnete er seinem Vater, dem Inhaber eines Autohandels, dass Fortbewegung in seinem Leben zwar eine Rolle spielen würde – aber anders als gedacht. Den Familienbetrieb zu übernehmen, kam für ihn nicht in Frage.
Mit 14 Jahren wechselte Gottwald, der schon früh die Liebe zum Langlauf entdeckt hat, von Zell am See ins Schigymnasium nach Stams in Tirol. Dort dauerte es nur sieben Wochen, ehe der Jugendliche beim ersten Elternsprechtag von seinem damaligen Trainer und Erzieher seinen ersten großen Dämpfer verpasst bekam.
„Er erklärte meiner Mutter, ich sei schulisch ,eine Pfeife‘ und sportlich mache es ,überhaupt keinen Sinn‘. Heute nenne ich so etwas ein Entwicklungsgeschenk“, schreibt Gottwald in seinem neuen Buch „Keine Zeit für Heute“, wobei das Wort „Keine“ durchgestrichen ist.
Was sich auf rund 500 Seiten entfaltet, ist nicht nur ein Aufruf für ein Leben im Moment, sondern auch ein persönlicher Blick in ein außergewöhnliches Leben. Mit einem Trainer, der nicht an ihn geglaubt hat, als Puzzlestein zu etwas Großem: dem Titel Olympiasieger. Den erreichte er im dritten Anlauf mit zwei Mal Gold im Teambewerb und im Sprint, dazu kam ein Mal Silber im Einzelbewerb. All das ist lange her, was aber bis heute gilt, ist Gottwalds Zeitrechnung.
Der wichtigste Tag war und ist heute. „Im Sport wird oft vom Tag X gesprochen“, sagt er. „Dabei ist jeder Tag dieser Tag X. Wenn es gelingt, ihn gut zu nützen und ein bisschen klüger einzuschlafen, als wir aufgewacht sind, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“ Dieses Denken, so Gottwald, reduziere Druck, im Sport genauso wie im privaten Leben.
Dass seine Worte nie Floskeln, aber immer Haltung waren, zeigte sich besonders deutlich während der Corona-Jahre. Nachdem die Bundesregierung zwischen 2020 und 2022 mehrere „Lockdowns“ verhängt hat, schrieb Gottwald einen offenen Brief an den damaligen Sportminister Werner Kogler und trat als Vorsitzender der Breitensportkommission der Bundes-Sport GmbH zurück. „Als nachweislich Gesunder werde ich wie Millionen andere vom sozialen und sportlich bewegten Leben ausgegrenzt“, schrieb er.
„Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert, weil ich mich mein Leben lang damit beschäftigt habe, wie Gesundheit entsteht – nicht Krankheit. Sport und Bewegung sind ein wesentlicher Teil der Lösung.“ Was folgte, war der mediale Boykott. Hatte Gottwald im Jahr 2021 noch rund 35 Interviews gegeben, waren es 2022 gerade einmal fünf. „Erst Ende 2024 bekamen Medien wieder grünes Licht, bei mir anzufragen“, sagt er rückblickend.
„Ich bin mir in dieser Zeit selbst treu geblieben. Das war das Wichtigste.“ Um sich zu erinnern, entstand ein pandemisches Archiv. „Heute erscheint vieles, was damals passiert ist, als unwirklich. Gerade deshalb braucht es ein mutiges Einordnen, ein mutiges Hinschauen. Wir Menschen vergessen viel zu schnell.“
Halt fand Gottwald in diesen Jahren bei seiner Familie. Alexandra, „die Frau meines Lebens“, lernte er 1999 in der Ramsau (Steiermark) kennen. Im Jahr 2010 bauten sie dort ihr Haus, 2013 und 2015 wurden ihre Töchter geboren.
Ihnen widmete Gottwald auch sein neues Buch. Darin dokumentierte er 42 Tage lang sein „Heute“ und damit vor allem das, was seinen Alltag trägt: die Liebe zur Bewegung und zur Gartenarbeit, die gemeinsame Zeit mit seinen Kindern, Spieleabende, Sport und Hausarbeit, Fensterputzen, Ausmisten und den Geschirrspüler ausräumen. Es ist ein Plädoyer an den Alltag als Einladung, präsent zu sein.
„Unser Alltag ist voller Übungsmöglichkeiten“, notierte er am 26. Tag. „Nicht im Sinne von besser, schneller, mehr, sondern als Einladung, das zu tun, was gerade ansteht. Auch das ist ein kleiner Sieg, fast wie bei den Olympischen Spielen.“ reiter
„Keine Zeit für Heute“,
€ 29,90. Erschienen im Eigenverlag.
ISBN: 978-3-200-10746-5.
Erhältlich im Buchhandel und mit persönlicher Widmung über
felixgottwald.at
Wobei ihm die Langlaufbewerbe in Tesero schon alleine wegen unserer Teilnehmer Teresa Stadlober und Mika Vermeulen am Herzen lagen. „Das sind unsere Platzhirsche“, sagt er. „Ich wollte die Bewerbe einmal als Anhänger miterleben.“
Der am 13. Jänner 1976 in Zell am See in Salzburg geborene frühere Sportler hat selbst sieben olympische Medaillen in knapp 20 Jahren als Nordischer Kombinierer gewonnen und ist damit bis heute unser erfolgreichster Olympiasportler. Dazu kamen zahlreiche Erfolge bei Weltmeisterschaften und Weltcupsiege. Am 18. März 2007 hat Gottwald seine Karriere beendet – zum ersten Mal. Zwei Jahre später wagte er ein Comeback und kehrte von den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver (Kanada) noch einmal mit Gold im Team zurück. Im Jahr 2011, mit 35 Jahren, trat er nach der Weltmeisterschaft in Oslo (Norwegen) endgültig ab. Mit insgesamt 18 Medaillen.
„Viele Sportler fallen danach in ein Loch“, sagt er. In der Sportler-Sprache wird das „Post-Olympic-Blues“ genannt, im normalen Leben käme das wohl einem Pensionsschock gleich. Ihm blieb das erspart. „Es braucht wieder eine Aufgabe. Etwas, wofür wir brennen und dem wir uns mit ganzer Hingabe widmen.“
Deshalb begann der Salzburger nur zehn Tage nach seinem letzten Wettkampf seine zweite Karriere als Trainer und Vortragender, um seine Erkenntnisse aus dem Spitzensport und der Gesundheitswissenschaft weiterzugeben.
Auch wenn das auf den ersten Blick nach einer Bilderbuch-Karriere aussehen mag, bequem war sein Weg nie. Mit 13 Jahren eröffnete er seinem Vater, dem Inhaber eines Autohandels, dass Fortbewegung in seinem Leben zwar eine Rolle spielen würde – aber anders als gedacht. Den Familienbetrieb zu übernehmen, kam für ihn nicht in Frage.
Mit 14 Jahren wechselte Gottwald, der schon früh die Liebe zum Langlauf entdeckt hat, von Zell am See ins Schigymnasium nach Stams in Tirol. Dort dauerte es nur sieben Wochen, ehe der Jugendliche beim ersten Elternsprechtag von seinem damaligen Trainer und Erzieher seinen ersten großen Dämpfer verpasst bekam.
„Er erklärte meiner Mutter, ich sei schulisch ,eine Pfeife‘ und sportlich mache es ,überhaupt keinen Sinn‘. Heute nenne ich so etwas ein Entwicklungsgeschenk“, schreibt Gottwald in seinem neuen Buch „Keine Zeit für Heute“, wobei das Wort „Keine“ durchgestrichen ist.
Was sich auf rund 500 Seiten entfaltet, ist nicht nur ein Aufruf für ein Leben im Moment, sondern auch ein persönlicher Blick in ein außergewöhnliches Leben. Mit einem Trainer, der nicht an ihn geglaubt hat, als Puzzlestein zu etwas Großem: dem Titel Olympiasieger. Den erreichte er im dritten Anlauf mit zwei Mal Gold im Teambewerb und im Sprint, dazu kam ein Mal Silber im Einzelbewerb. All das ist lange her, was aber bis heute gilt, ist Gottwalds Zeitrechnung.
Der wichtigste Tag war und ist heute. „Im Sport wird oft vom Tag X gesprochen“, sagt er. „Dabei ist jeder Tag dieser Tag X. Wenn es gelingt, ihn gut zu nützen und ein bisschen klüger einzuschlafen, als wir aufgewacht sind, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“ Dieses Denken, so Gottwald, reduziere Druck, im Sport genauso wie im privaten Leben.
Dass seine Worte nie Floskeln, aber immer Haltung waren, zeigte sich besonders deutlich während der Corona-Jahre. Nachdem die Bundesregierung zwischen 2020 und 2022 mehrere „Lockdowns“ verhängt hat, schrieb Gottwald einen offenen Brief an den damaligen Sportminister Werner Kogler und trat als Vorsitzender der Breitensportkommission der Bundes-Sport GmbH zurück. „Als nachweislich Gesunder werde ich wie Millionen andere vom sozialen und sportlich bewegten Leben ausgegrenzt“, schrieb er.
„Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert, weil ich mich mein Leben lang damit beschäftigt habe, wie Gesundheit entsteht – nicht Krankheit. Sport und Bewegung sind ein wesentlicher Teil der Lösung.“ Was folgte, war der mediale Boykott. Hatte Gottwald im Jahr 2021 noch rund 35 Interviews gegeben, waren es 2022 gerade einmal fünf. „Erst Ende 2024 bekamen Medien wieder grünes Licht, bei mir anzufragen“, sagt er rückblickend.
„Ich bin mir in dieser Zeit selbst treu geblieben. Das war das Wichtigste.“ Um sich zu erinnern, entstand ein pandemisches Archiv. „Heute erscheint vieles, was damals passiert ist, als unwirklich. Gerade deshalb braucht es ein mutiges Einordnen, ein mutiges Hinschauen. Wir Menschen vergessen viel zu schnell.“
Halt fand Gottwald in diesen Jahren bei seiner Familie. Alexandra, „die Frau meines Lebens“, lernte er 1999 in der Ramsau (Steiermark) kennen. Im Jahr 2010 bauten sie dort ihr Haus, 2013 und 2015 wurden ihre Töchter geboren.
Ihnen widmete Gottwald auch sein neues Buch. Darin dokumentierte er 42 Tage lang sein „Heute“ und damit vor allem das, was seinen Alltag trägt: die Liebe zur Bewegung und zur Gartenarbeit, die gemeinsame Zeit mit seinen Kindern, Spieleabende, Sport und Hausarbeit, Fensterputzen, Ausmisten und den Geschirrspüler ausräumen. Es ist ein Plädoyer an den Alltag als Einladung, präsent zu sein.
„Unser Alltag ist voller Übungsmöglichkeiten“, notierte er am 26. Tag. „Nicht im Sinne von besser, schneller, mehr, sondern als Einladung, das zu tun, was gerade ansteht. Auch das ist ein kleiner Sieg, fast wie bei den Olympischen Spielen.“ reiter
„Keine Zeit für Heute“,
€ 29,90. Erschienen im Eigenverlag.
ISBN: 978-3-200-10746-5.
Erhältlich im Buchhandel und mit persönlicher Widmung über
felixgottwald.at
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