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Ausgabe Nr. 07/2026 vom 11.02.2026, Foto: Martin Rogler
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Marion I. & Jasmin I.
Marion I. & Jasmin I.:
„Wir bestimmen selbst, wann wir abdanken“
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Im niederösterreichischen Ort Laa an der Thaya geben im Fasching zwei Prinzessinnen den Ton an.
Wie es dazu kam, erzählen Ihre Hoheiten Marion I. (25, links im Bild) und Jasmin I., 24.
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Liebe Hoheiten, Sie regieren bereits in der zweiten Faschings-Saison die „Laaer Faschingsfreunde“.
Warum stehen zwei Prinzessinnen an der Spitze und kein Prinz?


Marion I.: Bei der Generalversammlung vor zwei Jahren konnten wir kein klassisches Prinzenpaar finden. Karl Schuppler, ein Mitglied des Vereines, meinte mit einem Augenzwinkern, dass die Herren wohl die Schaumrolle der Prinzenrolle vorziehen würden (lacht). Woraufhin Jasmin – wir beide sind seit der Kindheit miteinander befreundet –, spaßeshalber vorschlug, dass wir die Regentschaft übernehmen. Ihre Idee fand bei den Vereinsmitgliedern und bei unserem Präsidenten Karl Lippert Zustimmung. Und wer groß redet, muss zu seinem Wort stehen. Aus Spaß wurde Ernst, wir übernahmen das Zepter. Und weil es so lustig war, haben wir es auch dieses Jahr behalten.

Wie reagierte das Volk auf die Regentschaft von zwei Prinzessinnen?

Marion I.: Es sind nur vereinzelte Stimmen, die meinen, ein Prinz und eine Prinzessin wären schöner, weil es der Tradition entspräche. Aber die Mehrheit ist auf unserer Seite, weil wir für frischen Wind sorgen.

Jasmin I.: Mir kamen zu 99 Prozent positive Stimmen zu Ohren. Es kann jedoch sein, dass sich zu mir niemand etwas sagen traut (lacht).

Gibt es denn im echten Leben Prinzen an Ihrer Seite?

Jasmin I.: Ich brauche keinen Prinzen, der Prinz braucht eher mich (lacht).

Marion I.: Ja, es gibt einen Prinzen an meiner Seite – wobei er sich selber nicht als Prinz bezeichnen würde. Wir sind gerade beim Hausbauen, aber ein Faschingsprinz wollte er nicht sein, denn er ist nicht der Typ für die Bühne und hat dankend abgelehnt, als er gefragt wurde. Umso besser gefällt es ihm, dass Jasmin die Rolle übernommen hat.

Was bedeutet für Sie Fasching?

Marion I.: Ich verkleide mich gerne. Und im Verein freuen wir uns darüber, wenn auch die Zuschauer verkleidet zu unseren Sitzungen kommen. Als Kind war ich zwar lieber ein Cowboy oder ein Teufel, aber in meinem Prinzessinnenkleid fühle ich mich auch ziemlich wohl.

Jasmin I.: Marion und ich sind mit unseren Eltern quasi mit dem Faschingsverein aufgewachsen. Bei uns am Land ist das Vereinsleben wichtig und wir wollen dieses Miteinander pflegen. Früher war nahezu jeder bei einem Verein. Ich finde es großartig, dass bei unserem Faschingsverein auch schon die Kindergartenkinder – unsere „Tanzzwerge“ – ihren Beitrag leisten und begeistert mitwirken. Die Kleinen wachsen damit in den Verein hinein, das war auch bei Marion und mir der Fall.

Wie viel Zeit nimmt das Prinzessinnen-Dasein in Anspruch?

Marion I.: Wir beginnen im August mit den Vorbereitungen. Dann gibt es jeden Sonntag ein Treffen, unter anderem auch der Garde. Sie übt bis zu zwei Mal in der Woche. Das Männerballett nimmt im September das Training auf. Der Gardemarsch wird erstmals zum Faschingsbeginn am 11.11. durchgeführt.

Jasmin I.: In meiner Freizeit bin ich gerne unterwegs und kaum zu Hause. Ich arbeite auf einer Intensivstation, und wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu einem Vereinstreffen komme, ist das für mich der beste Ausgleich zu meinem Beruf. Wir pflegen ein freundschaftliches Miteinander und wissen, dass im Verein Freunde warten. Gäbe es unseren Faschingsverein nicht mehr, würde ein Teil von mir wegbrechen.

Welche Art von Humor bevorzugen Sie?

Jasmin I.: Ich bin leicht zu unterhalten und bei Schimpfwörtern oder sogenannten Tabu-Themen nicht so heikel. Ehrlich, direkt und vielleicht sogar ein bisschen tief, lautet meine Devise. Ich nehme mir kein Blatt vor den Mund, weil ich der Meinung bin, dass im Fasching alles gesagt werden darf.

Wie feiern Sie den Faschingsdienstag?

Jasmin I.: Wenn der Fridolin – ein Strohsack – verbrannt wird, ist immer ein bisschen Wehmut dabei, weil damit das Ende der Faschingssaison besiegelt wird. Ich habe immer ein lachendes und ein weinendes Auge. Weinend deshalb, weil wir monatelang Texte geprobt und den Gardemarsch sowie die Tanzeinlagen trainiert haben und dann auf einmal alles vorbei ist. Ein lachendes Auge deshalb, weil wir alle am Faschingsdienstag noch einmal Vollgas geben, um den Fasching lustig ausklingen zu lassen.

Marion I.: Wir sind als Prinzessinnen am Stadtplatz, wo das Kinderprogramm von den Gardemädchen veranstaltet wird. Der Höhepunkt ist die feierliche Verbrennung des Fridolin, die mit einer traurigen Hymne besungen wird. Anschließend verabschieden wir mit allen Besuchern und Gästen den Fasching im „Paddock“, beim örtlichen Heurigen.

Wird sich je wieder ein „LAArisch guater“ Faschingsprinz finden?

Marion I.: Ich denke schon. Allerdings bestimmen der Tradition zufolge wir als amtierendes Prinzessinnenpaar, wann wir abdanken. Im Juni, bei unserer Generalversammlung, wird die Entscheidung fallen.

Jasmin I.: Sollte sich ein Prinz melden, muss er sich auf alle Fälle eine neue Prinzessin suchen. Denn Marion und ich sind als Paar gekommen und wir werden uns als Paar verabschieden (lacht).


Marion Rogler wurde am 30.12 2000 in Hollabrunn (NÖ) geboren. Sie absolviert das Masterstudium für Steuerrecht an der FH Campus Wien und arbeitet in einer Steuerberatungskanzlei.

Jasmin Neubauer wurde am 11.8.2001 in Hollabrunn (NÖ) geboren. Nach der Matura, einem freiwilligen sozialen Jahr als Rettungssanitäterin und ihrer Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits-
und Krankheitspflegerin, arbeitet sie heute auf der
Intensivstation im Landesklinikum Mistelbach (NÖ).

Die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet.
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