Orden machen Leute
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Selten glitzern so viele Orden wie am Opernball. Vom Bundespräsidenten abwärts
wird die „Volldekoration“ zur Schau getragen. Die Schweiz hingegen verzichtet auf Orden.
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Peter Ustinov war hocherfreut, als ihm der damalige Bundespräsident Thomas Klestil das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse an die Brust heftete. „Ich werde es sogar im Bett auf meinem Pyjama tragen“, bedankte sich der Schauspieler.
Außerhalb der eigenen vier Wänden gelten strenge Etikette-Regeln für das Tragen von Orden. Die Volldekoration, also alle Bestandteile dürfen nur zu Frack oder Uniform beziehungsweise zum großen Abendkleid getragen werden. Wobei Frauen die Schärpe laut Hofburg-Ratgeber „nie auf der bloßen Schulter“ tragen sollen. Auch deshalb ist die Ordensdichte am Opernball hoch. „Pletschn“, so die respektlos-liebevolle Bezeichnung für Orden, seien in unserem Land „eine Altersfrage“, stellte der Zoologe und Verhaltensforscher Antal Festetics einmal fest. Mit den zahlreichen Orden, die am Opernball von Männern getragen werden, würden sie ihre Rolle als Leittier unterstreichen. Wobei längst auch Frauen stolz ihre Orden zeigen. Die SPÖ-Politikerin und aktuell Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures
hat etwa im Jahr 2011 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande verliehen bekommen. Kleider machen Leute, am gesellschaftlichen Parkett gilt zudem oft – Orden machen Leute. Ein glitzerndes Ehrenzeichen auf der Brust zeigt dem Gegenüber gleich den Status des Trägers oder der Trägerin. Wobei so mancher seinen Orden mehr als verdient hat.
Die goldene Medaille am roten Bande wird etwa an Personen verliehen, die unter Lebensgefahr anderen das Leben gerettet haben. Etwa wenn sie Menschen aus brennenden Autos ziehen oder Ertrinkende retten. Oft sind das Polizisten.
Seit dem Jahr 1952 vergibt die Republik Österreich Ehrenzeichen. Mehr als 60.000 wurden bisher ausgegeben. Genau 901 Orden hat der Bundespräsident im Vorjahr verliehen. Allerdings nicht nach eigenem Gutdünken. Die Auszeichnungen bedürfen „eines Vorschlags aus einem Ministerium. Dort können alle Bürgerinnen und Bürger ein Ehrenzeichen für eine verdiente Persönlichkeit anregen“, heißt es aus der Präsidentschaftskanzlei. Für die meisten Orden
waren das Innen- (245), Außen- (113) und Verteidigungsministerium (104) „verantwortlich“. „Nur ganz wenige Ehrenzeichen werden vom Bundespräsidenten selbst überreicht“, wird in der Hofburg erklärt. Einer davon war im vergangenen März der frühere ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Der umstrittene Politiker bekam das große Goldene Ehrenzeichen am Bande. „Diese Auszeichnung erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Demut“, ließ Sobotka wissen. „Sein“ Orden wird meist Ministern, Kanzlern oder eben Parlamentspräsidenten verliehen.
Einer der letzten Beschlüsse der schwarz-grünen Regierung war ein Ordensregen für die scheidenden Mitglieder. Lediglich zwei Grünen-Minister verzichteten von Vornherein. Der höchste Orden der Republik, der Großstern, ist nur Staatsoberhäuptern vorbehalten. Der Bundespräsident ist laut Gesetz „mit dem Tage seiner Angelobung auf Lebenszeit Besitzer des Großsterns“. Die Ehrenzeichen selbst „sind ein Handwerksprodukt aus Österreich“, gibt ein Hofburg-Sprecher Auskunft. Sie „kosten in der Produktion zwischen 50 Euro und etwa 1.500 Euro, wobei die teuerste Version sehr selten verliehen wird“.
Es ist aber nicht nur der Gesamtstaat, der Orden verleiht. Die Bundesländer haben ihre eigenen. Dass der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil seinem HNO-Arzt Andreas Dietz aus
Leipzig (D) im Dezember das Komturkreuz des Landes verliehen hat, sorgte zuletzt für Kritik. Das Komturkreuz ist die höchste Ehrung des Burgenlandes. „Wer schwere gesundheitliche Krisen durchlebt hat, empfindet oft eine tiefe Dankbarkeit gegenüber den behandelnden Ärzten“, stellte Norbert Hofer fest, damals noch FPÖ-Klubobmann im Burgenland. Das Komturkreuz sei „jedoch kein Privatorden des Landeshauptmannes.“ Das Land verwies hingegen auf die Leistungen des Mediziners für das Burgenland. „In vielen Gesprächen mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat er dazu beigetragen, den derzeitigen Offensivkurs im burgenländischen Gesundheitswesen einzuschlagen.“
Die Verleihungen der verschiedenen Ehrenzeichen, Medaillen, Verdienstkreuze, aber auch Titel können jedenfalls ins Geld gehen. In Tirol beliefen sich die Veranstaltungskosten, auch für die Verleihung von Bundes-Orden, im Jahr 2025 auf insgesamt 278.600 Euro. Darin sind etwa Verpflegung oder Saalmiete enthalten. In Salzburg gibt es „etliche Überreichungen, die im Büro der Landeshauptfrau stattfinden und somit gar keine Kosten verursachen“, heißt es vom Land Salzburg.
Bei großen Festakten in der Residenz hingegen belaufen sich die Kosten im Schnitt auf 19.000 Euro, „wobei durchschnittlich bei einem solchen Termin 40 Personen geehrt oder ausgezeichnet werden“ und rund 400 Gäste dazukommen.
Solche Kosten fallen in der Schweiz gar nicht erst an. Das Land ist eines der wenigen, das keine staatlichen Orden vergibt. Das widerspricht dem demokratischen Selbstverständnis der Schweizer.
Auch der frühere Bundespräsident Heinz Fischer hat „als junger Abgeordneter im Verfassungsausschuss des Nationalrates den Vorschlag gemacht, alle Orden abzuschaffen“, erzählte er 2004 vor seiner Angelobung. Ohne Erfolg. Mit den Jahren wurde Fischer milder. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen über einen Orden oder einen Kommerzialratstitel mehr freuen als über einen hohen Geldbetrag.“
Außerhalb der eigenen vier Wänden gelten strenge Etikette-Regeln für das Tragen von Orden. Die Volldekoration, also alle Bestandteile dürfen nur zu Frack oder Uniform beziehungsweise zum großen Abendkleid getragen werden. Wobei Frauen die Schärpe laut Hofburg-Ratgeber „nie auf der bloßen Schulter“ tragen sollen. Auch deshalb ist die Ordensdichte am Opernball hoch. „Pletschn“, so die respektlos-liebevolle Bezeichnung für Orden, seien in unserem Land „eine Altersfrage“, stellte der Zoologe und Verhaltensforscher Antal Festetics einmal fest. Mit den zahlreichen Orden, die am Opernball von Männern getragen werden, würden sie ihre Rolle als Leittier unterstreichen. Wobei längst auch Frauen stolz ihre Orden zeigen. Die SPÖ-Politikerin und aktuell Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures
hat etwa im Jahr 2011 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande verliehen bekommen. Kleider machen Leute, am gesellschaftlichen Parkett gilt zudem oft – Orden machen Leute. Ein glitzerndes Ehrenzeichen auf der Brust zeigt dem Gegenüber gleich den Status des Trägers oder der Trägerin. Wobei so mancher seinen Orden mehr als verdient hat.
Die goldene Medaille am roten Bande wird etwa an Personen verliehen, die unter Lebensgefahr anderen das Leben gerettet haben. Etwa wenn sie Menschen aus brennenden Autos ziehen oder Ertrinkende retten. Oft sind das Polizisten.
Seit dem Jahr 1952 vergibt die Republik Österreich Ehrenzeichen. Mehr als 60.000 wurden bisher ausgegeben. Genau 901 Orden hat der Bundespräsident im Vorjahr verliehen. Allerdings nicht nach eigenem Gutdünken. Die Auszeichnungen bedürfen „eines Vorschlags aus einem Ministerium. Dort können alle Bürgerinnen und Bürger ein Ehrenzeichen für eine verdiente Persönlichkeit anregen“, heißt es aus der Präsidentschaftskanzlei. Für die meisten Orden
waren das Innen- (245), Außen- (113) und Verteidigungsministerium (104) „verantwortlich“. „Nur ganz wenige Ehrenzeichen werden vom Bundespräsidenten selbst überreicht“, wird in der Hofburg erklärt. Einer davon war im vergangenen März der frühere ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Der umstrittene Politiker bekam das große Goldene Ehrenzeichen am Bande. „Diese Auszeichnung erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Demut“, ließ Sobotka wissen. „Sein“ Orden wird meist Ministern, Kanzlern oder eben Parlamentspräsidenten verliehen.
Einer der letzten Beschlüsse der schwarz-grünen Regierung war ein Ordensregen für die scheidenden Mitglieder. Lediglich zwei Grünen-Minister verzichteten von Vornherein. Der höchste Orden der Republik, der Großstern, ist nur Staatsoberhäuptern vorbehalten. Der Bundespräsident ist laut Gesetz „mit dem Tage seiner Angelobung auf Lebenszeit Besitzer des Großsterns“. Die Ehrenzeichen selbst „sind ein Handwerksprodukt aus Österreich“, gibt ein Hofburg-Sprecher Auskunft. Sie „kosten in der Produktion zwischen 50 Euro und etwa 1.500 Euro, wobei die teuerste Version sehr selten verliehen wird“.
Es ist aber nicht nur der Gesamtstaat, der Orden verleiht. Die Bundesländer haben ihre eigenen. Dass der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil seinem HNO-Arzt Andreas Dietz aus
Leipzig (D) im Dezember das Komturkreuz des Landes verliehen hat, sorgte zuletzt für Kritik. Das Komturkreuz ist die höchste Ehrung des Burgenlandes. „Wer schwere gesundheitliche Krisen durchlebt hat, empfindet oft eine tiefe Dankbarkeit gegenüber den behandelnden Ärzten“, stellte Norbert Hofer fest, damals noch FPÖ-Klubobmann im Burgenland. Das Komturkreuz sei „jedoch kein Privatorden des Landeshauptmannes.“ Das Land verwies hingegen auf die Leistungen des Mediziners für das Burgenland. „In vielen Gesprächen mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat er dazu beigetragen, den derzeitigen Offensivkurs im burgenländischen Gesundheitswesen einzuschlagen.“
Die Verleihungen der verschiedenen Ehrenzeichen, Medaillen, Verdienstkreuze, aber auch Titel können jedenfalls ins Geld gehen. In Tirol beliefen sich die Veranstaltungskosten, auch für die Verleihung von Bundes-Orden, im Jahr 2025 auf insgesamt 278.600 Euro. Darin sind etwa Verpflegung oder Saalmiete enthalten. In Salzburg gibt es „etliche Überreichungen, die im Büro der Landeshauptfrau stattfinden und somit gar keine Kosten verursachen“, heißt es vom Land Salzburg.
Bei großen Festakten in der Residenz hingegen belaufen sich die Kosten im Schnitt auf 19.000 Euro, „wobei durchschnittlich bei einem solchen Termin 40 Personen geehrt oder ausgezeichnet werden“ und rund 400 Gäste dazukommen.
Solche Kosten fallen in der Schweiz gar nicht erst an. Das Land ist eines der wenigen, das keine staatlichen Orden vergibt. Das widerspricht dem demokratischen Selbstverständnis der Schweizer.
Auch der frühere Bundespräsident Heinz Fischer hat „als junger Abgeordneter im Verfassungsausschuss des Nationalrates den Vorschlag gemacht, alle Orden abzuschaffen“, erzählte er 2004 vor seiner Angelobung. Ohne Erfolg. Mit den Jahren wurde Fischer milder. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen über einen Orden oder einen Kommerzialratstitel mehr freuen als über einen hohen Geldbetrag.“
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