Linke oder rechte Hand –
Die Umerziehung ist
ein Angriff aufs Gehirn
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Das „Umerziehen“ von Linkshändern auf Rechtshänder in Kindergärten und Schulen gehört der Vergangenheit an. Manchmal sind Eltern dennoch versucht, die Händigkeit ihres Kindes zu beeinflussen. Diese Praxis schadet dem Kind ein Leben lang.
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Zoë Vittoria ist erst wenige Wochen alt und die jüngste Tochter der Tennis-Legende Boris Becker, 58. Dennoch hat ihr Papa schon jetzt Großes mit ihr vor. Zoë Vittoria soll Tennisspielerin werden. Da sich für diesen Sport die linke Hand besonders gut eignet, will Papa Becker sie zur Linkshänderin machen. „Ich übe mit ihr. Ich berühre ihre linke Hand bewusst häufiger, um sie möglicherweise zur Linkshänderin werden zu lassen.“
Es ist eine Aussage, die an das einst in Kindergärten und Schulen praktizierte „Umlernen“ von Linkshändern zu Rechtshändern erinnert. Eine schädliche Praxis, die mit gutem Grund der Vergangenheit angehört, wie Simone Kostka vom Verein „Linke Hand“ erklärt.
Frau Kostka, was macht uns zu Rechts- oder Linkshändern?
Sprechen wir von rechtshändig oder linkshändig, ist es nicht die Hand, welche die Veranlagung hat. Veranlagt ist die Steuerung im Gehirn. Bei der Zeugung entscheidet sich, ob jemand Rechts- oder Links-„Hirner“ ist, ob die rechte oder linke Gehirnhälfte dominant ist. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite und umgekehrt. Die dominante Hand ist meist jene, die die schwereren Arbeiten erledigt. Sie hat mehr Kraft und die Feinmotorik ist besser.
Früher wurden Links- zu Rechtshändern umgelernt. Welche Folgen hat so eine Manipulation?
Der Psychologe Dr. Ivo-Kurt Cizek beschrieb die Umschulung der Händigkeit als den maximalen unblutigen Angriff auf das Gehirn. Zu verbieten, dass die dominante Gehirnhälfte den Körper natürlich steuert, kommt meiner Meinung einer Vergewaltigung des Gehirns gleich. Wird ein Mensch gezwungen, rechts zu schreiben, bedeutet das nicht, dass sich sein Gehirn umstellt. Es bleibt das ganze Leben ein rechtsdominantes Gehirn, das bei allen händischen Tätigkeiten die Informationen aus der rechten Gehirnhälfte zuerst in die linke schicken muss, damit diese die rechte Hand steuert. Das verwirrt und kann Orientierungsprobleme zur Folge haben.
Welche zum Beispiel?
Extrem häufig sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Umgelernte werden schneller müde. Symptome wie bei Legasthenie, das Verwechseln von rechts und links, sowie feinmotorische Störungen und eine unleserliche Schrift können auftreten. Manche beklagen, nicht gut frei sprechen zu können oder gelegentlich Sprachfindungsschwierigkeiten zu haben. Auch Stammeln und Stottern können auftreten.
Kommt es zu psychischem Stress?
Ja, etwa starke Unsicherheit und Zurückgezogenheit oder als Überkompensation ein übersteigerter Leistungseinsatz. Reaktionen können ein starker Widerspruchsgeist, Imponier- und Provokationsgehabe sein, auch Verhaltensstörungen bis zu Störungen im Persönlichkeitsbild können auftreten.
Können „Umgeschulte“ zu ihren natürlichen Wurzeln zurück?
Wer vermutet, mit der falschen Händigkeit zu leben und darunter leidet, hat lebenslang die Möglichkeit, die echte Händigkeit austesten zu lassen und sich rückzuschulen. Das dauert bis zu zwei Jahren und muss sanft vonstatten gehen. Wer mit dem Gedanken spielt, kann sich an den Verein „Linke Hand“ wenden
(Tel.: 01/4026614, www.linkehand.at).
Boris Becker will die Linkshändigkeit seiner Tochter
erreichen. Ist das möglich?
Ja, es ist möglich, durch die bevorzugte Interaktion mit der linken Hand die Händigkeit des Mädchens zu manipulieren, dass es damit vermehrt greift. Sollte das Mädchen linkshändig veranlagt sein, kann Herr Becker keinen Schaden anrichten, es sogar fördern. In dem jungen Alter weiß er das aber nicht. Ist es Rechtshänderin, würde Herr Becker mit den Maßnahmen im Kopf seiner Tochter für die zuvor beschriebene Verwirrung sorgen. Es muss dann mit daraus resultierenden Schwierigkeiten gerechnet werden.
Können Eltern unbewusst die Händigkeit ihres Kindes bestimmen?
Ja, das passiert häufig. Wir leben in einer Welt, die von Rechtshändern geprägt ist. In fast allen Kinder-Hochsesseln sind die Vertiefungen für den Becher rechts. Der Löffel oder die Gabel liegt rechts vom Teller. Oft wird das Händeschütteln mit der rechten Hand gefordert. Ob Werkzeuge, Verschlüsse, Schraubenzieher oder Kinderspielzeug, das meiste ist darauf ausgerichtet, mit der rechten Hand bedient zu werden.
Passiert das auch in Kindergärten und Schulen?
Scheren und Spitzer für Linkshänder sind nicht immer ausreichend vorhanden. Stifte mit Riffelung für Linkshänder sind die Ausnahme. Die Kinder gewöhnen sich an den Gebrauch für Rechtshänder. Es wäre wichtig, das Thema Händigkeit auch in den Lehrplänen für Sport, Musik und Kunst zu berücksichtigen. Der
Arbeitsbereich in vielen Berufsgruppen sollte von Rechts- und Linkshändern benützt werden können. Meist ist das leicht und mit geringen Kosten umzusetzen.
Ahmen Kinder ihre rechtshändigen Eltern nach?
Häufig haben Kinder ein tiefes Bedürfnis, nicht anders zu sein. Manchmal genügt die Frage eines Spielkameraden oder Geschwisterkindes, „Warum machst du das mit der falschen Hand?“ Das kann eine freiwillige Umschulung beim Kind auslösen. Die Einflüsse der Familie fördern oder hemmen oft die natürliche Entwicklung der Händigkeit beim Kind.
Wie fördern Eltern die natürliche Händigkeit ihres Kindes?
Von Anfang an bewusst schauen, mit welcher Hand das Kind spontan zeigt oder greift. Solch intuitive Bewegungen fühlen sich richtig an fürs Kind. Gegenstände immer mittig anbieten. Der Teller steht in der Mitte, das Besteck liegt mittig darauf, mit dem Griff zum Bauch des Kindes. Beim Essen mit den Fingern lässt sich erkennen, welche Hand das Kind bevorzugt. Besonders gute Hinweise auf die natürliche Händigkeit geben Babyzeichen, eine eigene Kommunikationsform mit Babys. Im Kindergarten oder in der Schule können Eltern das Thema ansprechen und bei Bedarf Stifte, Spitzer und Scheren für Linkshänder kaufen.
Es ist eine Aussage, die an das einst in Kindergärten und Schulen praktizierte „Umlernen“ von Linkshändern zu Rechtshändern erinnert. Eine schädliche Praxis, die mit gutem Grund der Vergangenheit angehört, wie Simone Kostka vom Verein „Linke Hand“ erklärt.
Frau Kostka, was macht uns zu Rechts- oder Linkshändern?
Sprechen wir von rechtshändig oder linkshändig, ist es nicht die Hand, welche die Veranlagung hat. Veranlagt ist die Steuerung im Gehirn. Bei der Zeugung entscheidet sich, ob jemand Rechts- oder Links-„Hirner“ ist, ob die rechte oder linke Gehirnhälfte dominant ist. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite und umgekehrt. Die dominante Hand ist meist jene, die die schwereren Arbeiten erledigt. Sie hat mehr Kraft und die Feinmotorik ist besser.
Früher wurden Links- zu Rechtshändern umgelernt. Welche Folgen hat so eine Manipulation?
Der Psychologe Dr. Ivo-Kurt Cizek beschrieb die Umschulung der Händigkeit als den maximalen unblutigen Angriff auf das Gehirn. Zu verbieten, dass die dominante Gehirnhälfte den Körper natürlich steuert, kommt meiner Meinung einer Vergewaltigung des Gehirns gleich. Wird ein Mensch gezwungen, rechts zu schreiben, bedeutet das nicht, dass sich sein Gehirn umstellt. Es bleibt das ganze Leben ein rechtsdominantes Gehirn, das bei allen händischen Tätigkeiten die Informationen aus der rechten Gehirnhälfte zuerst in die linke schicken muss, damit diese die rechte Hand steuert. Das verwirrt und kann Orientierungsprobleme zur Folge haben.
Welche zum Beispiel?
Extrem häufig sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Umgelernte werden schneller müde. Symptome wie bei Legasthenie, das Verwechseln von rechts und links, sowie feinmotorische Störungen und eine unleserliche Schrift können auftreten. Manche beklagen, nicht gut frei sprechen zu können oder gelegentlich Sprachfindungsschwierigkeiten zu haben. Auch Stammeln und Stottern können auftreten.
Kommt es zu psychischem Stress?
Ja, etwa starke Unsicherheit und Zurückgezogenheit oder als Überkompensation ein übersteigerter Leistungseinsatz. Reaktionen können ein starker Widerspruchsgeist, Imponier- und Provokationsgehabe sein, auch Verhaltensstörungen bis zu Störungen im Persönlichkeitsbild können auftreten.
Können „Umgeschulte“ zu ihren natürlichen Wurzeln zurück?
Wer vermutet, mit der falschen Händigkeit zu leben und darunter leidet, hat lebenslang die Möglichkeit, die echte Händigkeit austesten zu lassen und sich rückzuschulen. Das dauert bis zu zwei Jahren und muss sanft vonstatten gehen. Wer mit dem Gedanken spielt, kann sich an den Verein „Linke Hand“ wenden
(Tel.: 01/4026614, www.linkehand.at).
Boris Becker will die Linkshändigkeit seiner Tochter
erreichen. Ist das möglich?
Ja, es ist möglich, durch die bevorzugte Interaktion mit der linken Hand die Händigkeit des Mädchens zu manipulieren, dass es damit vermehrt greift. Sollte das Mädchen linkshändig veranlagt sein, kann Herr Becker keinen Schaden anrichten, es sogar fördern. In dem jungen Alter weiß er das aber nicht. Ist es Rechtshänderin, würde Herr Becker mit den Maßnahmen im Kopf seiner Tochter für die zuvor beschriebene Verwirrung sorgen. Es muss dann mit daraus resultierenden Schwierigkeiten gerechnet werden.
Können Eltern unbewusst die Händigkeit ihres Kindes bestimmen?
Ja, das passiert häufig. Wir leben in einer Welt, die von Rechtshändern geprägt ist. In fast allen Kinder-Hochsesseln sind die Vertiefungen für den Becher rechts. Der Löffel oder die Gabel liegt rechts vom Teller. Oft wird das Händeschütteln mit der rechten Hand gefordert. Ob Werkzeuge, Verschlüsse, Schraubenzieher oder Kinderspielzeug, das meiste ist darauf ausgerichtet, mit der rechten Hand bedient zu werden.
Passiert das auch in Kindergärten und Schulen?
Scheren und Spitzer für Linkshänder sind nicht immer ausreichend vorhanden. Stifte mit Riffelung für Linkshänder sind die Ausnahme. Die Kinder gewöhnen sich an den Gebrauch für Rechtshänder. Es wäre wichtig, das Thema Händigkeit auch in den Lehrplänen für Sport, Musik und Kunst zu berücksichtigen. Der
Arbeitsbereich in vielen Berufsgruppen sollte von Rechts- und Linkshändern benützt werden können. Meist ist das leicht und mit geringen Kosten umzusetzen.
Ahmen Kinder ihre rechtshändigen Eltern nach?
Häufig haben Kinder ein tiefes Bedürfnis, nicht anders zu sein. Manchmal genügt die Frage eines Spielkameraden oder Geschwisterkindes, „Warum machst du das mit der falschen Hand?“ Das kann eine freiwillige Umschulung beim Kind auslösen. Die Einflüsse der Familie fördern oder hemmen oft die natürliche Entwicklung der Händigkeit beim Kind.
Wie fördern Eltern die natürliche Händigkeit ihres Kindes?
Von Anfang an bewusst schauen, mit welcher Hand das Kind spontan zeigt oder greift. Solch intuitive Bewegungen fühlen sich richtig an fürs Kind. Gegenstände immer mittig anbieten. Der Teller steht in der Mitte, das Besteck liegt mittig darauf, mit dem Griff zum Bauch des Kindes. Beim Essen mit den Fingern lässt sich erkennen, welche Hand das Kind bevorzugt. Besonders gute Hinweise auf die natürliche Händigkeit geben Babyzeichen, eine eigene Kommunikationsform mit Babys. Im Kindergarten oder in der Schule können Eltern das Thema ansprechen und bei Bedarf Stifte, Spitzer und Scheren für Linkshänder kaufen.
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