Alice Merton:
„Das Vagabundenleben
ist ein Teil von mir“
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Der Vater ist Ire, die Mutter Deutsche. Weil die Familie immer wieder umgezogen ist, auch nach Nordamerika, hat Alice Florence Clarissa Merton, 32, nicht nur die deutsche und britische, sondern auch die kanadische Staatsbürgerschaft. Deshalb pendelt sie selbst gern zwischen den Ländern dieser Welt und hat vor zehn Jahren mit „No Roots“ ihre Lebensgeschichte in einen Hit verwandelt. Nun präsentiert Merton ihr drittes Album. Es trägt den Titel „Visions“. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit ihr darüber gesprochen.
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Frau Merton, wie wichtig ist es, an sich und seine Kunst
zu glauben?
Das ist extrem wichtig. Ob du jetzt Musikerin bist, eine Jungunternehmerin oder zum Beispiel Politikerin – du erstellst sozusagen ein Produkt, von dem du überzeugt bist und das aus dir selbst, deiner Haltung und deinen Qualitäten besteht. Dann ziehst du los, klopfst an jede Haustür und versuchst, es zu verkaufen. Das ist fast so, als wärst du im Wahlkampf.
Sie haben Ihr neues Album „Visions“ unter anderem
in Island aufgenommen. Wie kam es dazu?
Ich wollte an einem Ort schreiben, der abgelegen ist und den ich nicht gut kenne. Ich war zwar vorher schon dort und habe das Land für die dreiteilige ZDF-Doku „Song Trip“ bereist, zusammen mit dem isländischen Musiker Daði Freyr. Wir waren in Reykjavik und im hohen Norden, und ich muss sagen, ich habe mich total in dieses Land verliebt. Diese Ruhe und Einsamkeit fand ich wunderbar. So bin ich halt später noch einmal hin, um an „Visions“ zu arbeiten.
Was ist für Sie das Besondere an Island?
Die Natur. Die Landschaft ist vollkommen magisch. Ich liebe auch all die Erzählungen über die kleinen Feen, die in den Bergen leben und dort irgendwie auf die Menschen aufpassen. Na, und dieses Abgeschiedene ist einfach herrlich. Weg zu sein, eine halbe Stunde bis zur nächsten Kleinstadt fahren zu müssen, das mag ich gern.
Kurzerhand haben Sie auch noch einen Freund, Dan Smith, den Sänger der Band „Bastille“, nach Island eingeladen, wo Sie beide das Lied „Ignorance Is Bliss“ geschrieben haben …
Ja, so ist es. Dan ist irgendwie die männliche Version von mir, wir beide sind uns ähnlich, und in der britischen Hauptstadt London unternehmen wir gern etwas zusammen, gehen ins Theater und so. Das Stück selbst handelt davon, dass es manchmal ganz angenehm sein kann, in seiner eigenen kleinen Wohlfühlwelt zu verharren und das große, chaotische Draußen zu blockieren.
Sie haben eine Bleibe in Berlin (D), leben aber seit einigen Jahren überwiegend in London.
Ist Ihre „No Roots“-Phase vorbei und Sie haben
Wurzeln geschlagen?
Das Vagabundenleben ist ein Teil von mir und wird immer ein großes Thema für mich bleiben. Das liegt sicher an den vielen, vielen Umzügen, die ich hinter mir habe, aber auch an meiner Erkenntnis, dass ich mich überall schnell zuhause fühlen kann. Ich liebe es, mich frei zu fühlen und nicht zu viele Gegenstände und zu viel Besitz anzuhäufen, an dem man sich dann festhält. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn Menschen ihr ganzes Leben an einem Ort verbringen. Das ist schön, wenn du das willst, und ich sage bestimmt nicht, dass meine Art zu leben die einzig richtige ist. Trotzdem glaube ich, dass es wichtig ist, die Welt zu sehen, sich auf andere Menschen einzulassen und einfach mit offenen Augen durchs Leben zu gehen.
In der schönen Ballade „Landline“ singen Sie davon, dass Sie sich in London einen Festnetzanschluss zugelegt haben. Wie passt das zu Ihrer Lebenseinstellung?
„Landline“ ist nicht zuletzt ein nostalgisches und melancholisches Lied. Ich bin Jahrgang 1993, ich kann mich gut erinnern, wie ich – damals lebten wir in München (D) – übers Festnetz bei meinem ersten Freund angerufen habe. Meistens gingen zuerst seine Eltern ran. Na ja, und dann war ich 16 und die Smartphones drängten sich in unser Leben.
Wofür brauchen Sie das Festnetztelefon?
So ein altmodisches Telefon mit Kabel, das ich jetzt seit zwei Jahren habe, steht für mich auch ein Stück weit für einen Ort, an dem ich angekommen bin. Ein Festnetzanruf hat zudem etwas Verbindliches. Wenn es dort klingelt, gehst du auch ran. Und wenn du jemanden anrufst, willst du dich auch unterhalten. Soziale Medien wie Whatsapp fördern Oberflächlichkeit und sind darauf ausgelegt, einer Kommunikation aus dem Wege zu gehen.
Wie viele Menschen haben Ihre Telefonnummer?
Nicht viele. Nur die Menschen, die mir wichtig sind. Ich glaube, es sind weniger als zehn.
zu glauben?
Das ist extrem wichtig. Ob du jetzt Musikerin bist, eine Jungunternehmerin oder zum Beispiel Politikerin – du erstellst sozusagen ein Produkt, von dem du überzeugt bist und das aus dir selbst, deiner Haltung und deinen Qualitäten besteht. Dann ziehst du los, klopfst an jede Haustür und versuchst, es zu verkaufen. Das ist fast so, als wärst du im Wahlkampf.
Sie haben Ihr neues Album „Visions“ unter anderem
in Island aufgenommen. Wie kam es dazu?
Ich wollte an einem Ort schreiben, der abgelegen ist und den ich nicht gut kenne. Ich war zwar vorher schon dort und habe das Land für die dreiteilige ZDF-Doku „Song Trip“ bereist, zusammen mit dem isländischen Musiker Daði Freyr. Wir waren in Reykjavik und im hohen Norden, und ich muss sagen, ich habe mich total in dieses Land verliebt. Diese Ruhe und Einsamkeit fand ich wunderbar. So bin ich halt später noch einmal hin, um an „Visions“ zu arbeiten.
Was ist für Sie das Besondere an Island?
Die Natur. Die Landschaft ist vollkommen magisch. Ich liebe auch all die Erzählungen über die kleinen Feen, die in den Bergen leben und dort irgendwie auf die Menschen aufpassen. Na, und dieses Abgeschiedene ist einfach herrlich. Weg zu sein, eine halbe Stunde bis zur nächsten Kleinstadt fahren zu müssen, das mag ich gern.
Kurzerhand haben Sie auch noch einen Freund, Dan Smith, den Sänger der Band „Bastille“, nach Island eingeladen, wo Sie beide das Lied „Ignorance Is Bliss“ geschrieben haben …
Ja, so ist es. Dan ist irgendwie die männliche Version von mir, wir beide sind uns ähnlich, und in der britischen Hauptstadt London unternehmen wir gern etwas zusammen, gehen ins Theater und so. Das Stück selbst handelt davon, dass es manchmal ganz angenehm sein kann, in seiner eigenen kleinen Wohlfühlwelt zu verharren und das große, chaotische Draußen zu blockieren.
Sie haben eine Bleibe in Berlin (D), leben aber seit einigen Jahren überwiegend in London.
Ist Ihre „No Roots“-Phase vorbei und Sie haben
Wurzeln geschlagen?
Das Vagabundenleben ist ein Teil von mir und wird immer ein großes Thema für mich bleiben. Das liegt sicher an den vielen, vielen Umzügen, die ich hinter mir habe, aber auch an meiner Erkenntnis, dass ich mich überall schnell zuhause fühlen kann. Ich liebe es, mich frei zu fühlen und nicht zu viele Gegenstände und zu viel Besitz anzuhäufen, an dem man sich dann festhält. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn Menschen ihr ganzes Leben an einem Ort verbringen. Das ist schön, wenn du das willst, und ich sage bestimmt nicht, dass meine Art zu leben die einzig richtige ist. Trotzdem glaube ich, dass es wichtig ist, die Welt zu sehen, sich auf andere Menschen einzulassen und einfach mit offenen Augen durchs Leben zu gehen.
In der schönen Ballade „Landline“ singen Sie davon, dass Sie sich in London einen Festnetzanschluss zugelegt haben. Wie passt das zu Ihrer Lebenseinstellung?
„Landline“ ist nicht zuletzt ein nostalgisches und melancholisches Lied. Ich bin Jahrgang 1993, ich kann mich gut erinnern, wie ich – damals lebten wir in München (D) – übers Festnetz bei meinem ersten Freund angerufen habe. Meistens gingen zuerst seine Eltern ran. Na ja, und dann war ich 16 und die Smartphones drängten sich in unser Leben.
Wofür brauchen Sie das Festnetztelefon?
So ein altmodisches Telefon mit Kabel, das ich jetzt seit zwei Jahren habe, steht für mich auch ein Stück weit für einen Ort, an dem ich angekommen bin. Ein Festnetzanruf hat zudem etwas Verbindliches. Wenn es dort klingelt, gehst du auch ran. Und wenn du jemanden anrufst, willst du dich auch unterhalten. Soziale Medien wie Whatsapp fördern Oberflächlichkeit und sind darauf ausgelegt, einer Kommunikation aus dem Wege zu gehen.
Wie viele Menschen haben Ihre Telefonnummer?
Nicht viele. Nur die Menschen, die mir wichtig sind. Ich glaube, es sind weniger als zehn.
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