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Ausgabe Nr. 06/2026 vom 04.02.2026, Foto: APA-Images / Starpix
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Boris Bukowski:
„Ich wurde vom Krebs geheilt“
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„Ich wurde vom Krebs geheilt“
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Der gebürtige Steirer Boris Bukowski wird 80 Jahre alt. Sein Geheimrezept ist ein „Fandango“ in der Früh und „Kokain“ ausschließlich via Schallplatte. Der Musiker hat den Krebs besiegt und musikalische Flauten überstanden.
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Herr Bukowski, Sie werden am 5. Februar 80 Jahre alt. Wo werden Sie feiern und was planen Sie für die nächsten zehn Jahre?

Ich werde das machen, was ich am liebsten mache: Musik. Da wir heuer an so vielen schönen Orten spielen werden, ist außerdem ein Live-Album geplant. Feiern werde ich mit den engsten Familienangehörigen und Freunden in einem Heurigen-Lokal in Stammersdorf (Stadtteil von Wien).

Wie klingt das für Sie, 80 zu sein?

Ich glaube, das sind „Fake News“ (deutsch: Falschmeldungen).

Hat Ihr jugendliches Äußeres mehr mit Glück oder Haltung zu tun?

Ein bisschen sind es vielleicht die Gene, aber es spiegelt sicher auch meine innere Haltung wider. Meine Grundüberlegung lautet, dass jeder von uns ein Leben geschenkt bekommen hat und theoretisch daraus machen kann, was er will. Wir können es auch verschlafen oder wegschmeißen. Ein Grund, dass ich so gut beisammen bin, ist sicher, dass ich jeden Tag Sport mache. Das hat sich seit meiner Studienzeit gesteigert, seit einem Vierteljahrhundert muss ich mich nicht mehr dazu überwinden.

Wie sieht Ihr Sportprogramm aus?

Meistens mache in der Früh eine Stunde Bewegung und Muskeltraining. Die vielen Jahre im Fitnessstudio waren gut, ich habe sie aber hinter mir. Ich weiß, was ich tun muss und kann das zu Hause machen.

Wo liegen Ihre körperlichen Problemzonen?

Ich habe vor vier Jahren bei „Dancing Stars“ mitgemacht, weil es mich als sportliche Aufgabe gereizt hat. Ich wollte mir beweisen, dass ich nach drei Stunden Tanztraining täglich, sieben Tage in der Woche und zwei Monaten ohne Pause, auch nicht mehr keuche als die Mitbewerber, die ein halbes Jahrhundert jünger sind. Das ist mir gelungen, wenngleich ich mich enorm verbiegen musste, um leichtfüßig über den Bildschirm zu kommen. Der Körper benutzt plötzlich Muskeln, die man gar nicht kennt. Nachdem ich nach der Halbzeit hinausgeflogen bin, hat mir das Knie dermaßen wehgetan, dass ich es operieren lassen musste. Der Meniskus war zerfetzt.

Ihnen gelang mit dem Album Nummer drei und dem Nummer-eins-Hit „Trag meine Liebe wie einen Mantel“ Ende 1989 der Durchbruch. Aber schon drei Jahre später haben Sie sich zurückgezogen und acht Jahre lang keinen Live-Auftritt absolviert. Wie kam es zu diesem Bruch?

Der Grund war die komplette Änderung der Vorgaben von Radios. In der ganz alten Zeit der Rockmusik durften Moderatoren das spielen, was ihnen am besten gefallen hat. Irgendwann kam das Formatradio und „Ö3“, der Sender mit der größten Reichweite, musste das Geld einspielen, das der ORF in anderen Bereichen dringend gebraucht hat. Am günstigsten war, zu spielen, was alle hören wollten: Nummer-eins-Hits aus Amerika, England oder Deutschland. Das hat zu einem Niedergang der heimischen Musik geführt. Vor der Veränderung lag deren Anteil bei etwa 26 Prozent, danach zwischen vier und sechs Prozent. Wenn du nicht gespielt wirst, kennt niemand dein neues Album, Auftritte und Tantiemen bleiben aus. Das war für uns Hauptberufs-Musiker katastrophal.

Wie ging es wieder bergauf?

Ich konnte immerhin weiter Musiker bleiben und stehe mittlerweile seit 25 Jahren wieder auf der Bühne. Gerade in den vergangenen Jahren geht es wieder ziemlich steil nach oben, besser denn je sogar. Das hat auch damit zu tun, dass mich die Band „Wanda“, die zu unseren erfolgreichsten Musikern zählen, in die Wiener Stadthalle eingeladen haben. Wir haben dort gemeinsam vor 11.000 Zuschauern meinen Hit „Kokain“ gesungen, im Jahr 2024 auch beim Wiener Donauinsel-Fest. Marco Wanda ist nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern hat „Kokain“ den einen oder anderen Schnörkel hinzugefügt, auf den ich nie gekommen wäre. Er hat sich dort vor 100.000 Besuchern vor mich auf den Bühnenboden geschmissen und gesagt: „Das ist Boris ,fucking‘ Bukowski, eine Legende.“

Konnten Sie von der Musik immer gut leben?

Ich musste jedenfalls nie auf meinen Plan B zurückgreifen. Ich habe Rechtswissenschaften studiert, um meinen Eltern einen Gefallen zu tun. Abgesehen davon ist für mich das, was unterm Strich an Geld übrigbleibt, nicht das Wichtigste. Mein Privileg war und ist, ein Leben lang zu machen, was ich liebe.

Sie sind zum dritten Mal verheiratet und haben Ihre Frau auf einer sogenannten „Dating Plattform“ kennengelernt. Sie ist 37 Jahre jünger. Wusste sie beim ersten Treffen, wer Sie sind?

Ich glaube, ihre Schwestern haben mich gekannt und irgendwann hat sie sich zusammengereimt, wer ich bin. Wir haben in den ersten Wochen nur telefoniert, stundenlang. Das war großartig, weil wir uns auf das Wesentliche konzentrieren konnten und nicht von anderen Dingen abgelenkt wurden.

Sie haben vor vier Jahren die Diagnose Lymphdrüsenkrebs erhalten …

Damals habe ich eine drei Jahre alte Studie aus Großbritannien gefunden. Darin stand, dass die Hälfte der Patienten mit meiner Diagnose das zweite Jahr nicht überlebt hat. Als einer, der sich ab und zu ein Los mit der Gewinn-Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million kauft, dachte ich, dass eine 50:50-Chance eigentlich nicht schlecht sei. Die Ärzte meinten aber, die Medizin hätte sich in den drei Jahren unheimlich weiterentwickelt. Im Endeffekt wurde ich vollkommen geheilt. Ich muss zwar die nächsten zwei Jahre noch zur Kontrolle gehen, aber es wird immer unwahrscheinlicher, dass noch was kommt.


Zur Person

Boris Bukowski wurde am 5. Februar 1946 in Gleisdorf in der Oststeiermark geboren. Die Liebe zur Musik begann im Alter von 14 Jahren während eines Urlaubs mit seinen Eltern.

Nach der Matura studierte er Jus und schloss 1974 mit dem Doktorat ab. Musik machte er bereits in der Schule und veröffentlichte 1977 sein erstes Album.
Mit „Kokain“ landete er 1988 seinen ersten großen Erfolg, ein Jahr später erreichte „Trag meine Liebe …“ die Spitze der heimischen Hitparade.

Bukowski ist Vater einer Tochter und zweifacher Opa.
Er ist in dritter Ehe mit Tereza verheiratet und lebt mit ihr und seinem Stiefsohn in Stammersdorf bei Wien.
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