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Ausgabe Nr. 05/2026 vom 28.01.2026
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Die Goldhoffnung im Riesentorlauf, Julia Scheib, 27: „Schifahren ist wie Kochen“
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Seit Marcel Hirscher, 36, ist niemand aus unserem Land so erfolgreich in einer Disziplin gefahren wie Julia Scheib, 27, derzeit im Riesentorlauf. Im Interview verrät die Hobbyköchin, warum oft 80 Prozent Risiko besser sind als 100 und sie im eigenen Gemüsegarten Pak Choi zieht.
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Frau Scheib, Ihre vier Siege und zwei zweiten Plätzen im Riesentorlauf erreichen schon Dimensionen von Marcel Hirscher. Was steckt hinter Ihrer unglaublichen Erfolgsserie?

Unter anderem mein Risikomanagement. Früher habe ich bei jedem Schwung 100 Prozent Risiko genommen. Aber im vergangenen Jahr habe ich gelernt, dass 80 konstante Prozent fürs Gewinnen reichen und auch die Ausfalls- und Verletzungsgefahr verringern. Leider bewegen wir uns ja alle immer enorm am Limit, sodass es nicht ungewöhnlich ist, wenn Athleten irgendwann eine lange Verletzungshistorie aufweisen. Mich selbst haben manche Blessuren jahrelang zurückgeworfen. Was mich in dieser Zeit bei der Stange gehalten hat, war der Antrieb, den Menschen noch zeigen zu wollen, was ich alles kann.

Dafür bietet sich bei den Olympischen Spielen die perfekte Bühne. Wie lautet Ihre Strategie in Italien?

Ich erwarte mir beim olympischen Riesentorlauf in
Cortina d‘Ampezzo ein spannendes Rennen, bei dem sich die Athletinnen nichts schenken werden. Und vielleicht in beiden Durchgängen doch 100 Prozent nötig sind.
Zurückschalten wird dort kein Thema sein.

Auf der Piste stehen Sie immer voll unter Strom,
abseits davon wirken Sie ruhig und gelassen.


Ja, ich habe eine innere Ruhe gefunden, die sich für mich jetzt stimmig anfühlt. Als Kind konnte ich überhaupt nicht verlieren. Für mich ging eine Welt unter, wenn ich nicht ganz oben stand. Damals wusste ich nicht, wie ich mit den negativen Gefühlen umgehen soll. Mittlerweile habe ich die nötige Unaufgeregtheit, die mir hilft. Ich gönne mir auch gerne in der Pause zwischen zwei Durchgängen ein Schläfchen, um herunterzukommen.

Auf der Piste bevorzugen Sie es, den Gegnerinnen die Suppe zu versalzen. Privat stehen Sie gerne am Herd und schmecken Gerichte perfekt ab.

Stimmt, das Kochen ist neben dem Schifahren meine zweite große Leidenschaft. Ich liebe es, wenn ich die Zeit habe, um in der Küche stundenlang Gerichte bis ins letzte Detail zuzubereiten. Das gilt ganz besonders, wenn Gäste da sind, denn ich möchte eine gute Gastgeberin sein, das steckt tief in mir drin. Im Prinzip funktioniert das Kochen ja nicht viel anders als der Schirennsport. Man dreht dabei immer mehr an den kleinen Schrauben und tüftelt so lange, bis das Ergebnis gut ist und schmeckt.

Demnach könnte die Arbeit als Köchin nach dem Sport
für Sie zum zweiten Berufsweg werden?


Eher nicht, ich müsste fachlich noch viel dazulernen. Derzeit koche ich vor allem italienisch, viel Risotto oder Pastagerichte, oder aber asiatisch wie etwa Tom Kha Kai, eine Suppe mit Kokosmilch. Als Kind habe ich viel Zeit mit meiner Oma verbracht, die mich die traditionelle heimische Küche gelehrt hat. Einige Gemüsesorten baue ich selbst im Garten an.

Was zum Beispiel?

Ich liebe es zu garteln und ziehe gerne einerseits typische Küchenkräuter wie Rosmarin, andererseits aber auch ausgefallene Gemüsesorten wie Pak Choi. Meinen Pflanzen schaue ich gerne beim Wachsen zu und freue mich darüber, frische Zutaten zur Hand zu haben. Im vergangenen Sommer bin ich in meine neue Dachgeschoßwohnung im weststeirischen Frauental ein-
gezogen. Beim Einrichten habe ich mir gleich einen größeren Herd von „Smeg“ zugelegt, an dem ich schön arbeiten kann.

In welchem Stil haben Sie Ihre Wohnung eingerichtet?

Es ist eine Art Landhausstil mit modernem Einschlag. Die Küche ist in Naturholz-Optik mit dunklen Steinelementen gehalten. Ich habe mir über die Details des Stils viele Gedanken gemacht. Ein halbes Jahr lang habe ich vergeblich nach Fliesen fürs Bad gesucht. Ich wollte schon aufgeben, als ich zum Glück doch noch die richtigen Fliesen gefunden habe. Und eine gute Espressomaschine durfte natürlich nicht fehlen.
Kreuziger
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