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Ausgabe Nr. 05/2026 vom 28.01.2026, Foto: APA-Images
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Thomas Schäfer-Elmayer:
„Dass nicht mehr gegrüßt wird, ist ein Problem“
Thomas Schäfer-Elmayer:
„Dass nicht mehr gegrüßt wird, ist ein Problem“
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Er ist ein Garant für gutes Benehmen und er bemüht sich darum, dass es nicht verlorengeht.
Nun wird der „Benimm-Papst“ des Landes 80 Jahre alt. Und freut sich auf die kommenden Bälle.
Das Gespräch führte Martina Wieser.
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Herr Professor Schäfer-Elmayer, wie vereinbart,
es ist Punkt 15 Uhr. Sich bei einem Gespräch mit dem „Benimm-Papst“ zu verspäten, wäre sicher ein Tritt ins Fettnäpfchen. Wie wichtig ist Pünktlichkeit, wenn wir über Etikette sprechen?


Die Pünktlichkeit ist ein Faktor für Sympathie, Erfolg und Vertrauen. Wer pünktlich ist, auf den ist für gewöhnlich Verlass. Pünktlichkeit signalisiert Disziplin, Kompetenz, Respekt, Interesse, Wertschätzung und Rücksicht. All dies gehört, schlicht gesagt, zum guten Benehmen.

Wo fängt gutes Benehmen an?

In erster Linie bei dem Versuch, die eigene Menschenkenntnis zu trainieren. Je besser man sich in andere Menschen hineinversetzen kann, um so besser bin ich in der Lage, möglichst situationsgerecht und optimal mit meinem Gegenüber umzugehen. In der Musik und beim Tanzen wird dies als Taktgefühl bezeichnet. Taktgefühl ist daher eines meiner Lieblingsworte. In meinen Seminaren geht es neben dem Training der Regeln des guten Benehmens darum, in diesem Bereich stetig besser zu werden. Seine Menschenkenntnis zu verbessern, ist lebenslanges Lernen.

Von der Taktlosigkeit hin zum Taktgefühl –
wie schwierig ist dieses Unterfangen?


Meiner Erfahrung zufolge sind Menschen in dieser Hinsicht äußerst unterschiedlich talentiert. Das beginnt in der Familie, das eine Kind kann gut mit Menschen umgehen, ist beliebt und alles ist wunderbar, während sich der Bruder oder die Schwester überhaupt nicht für Menschen interessiert, und daher weniger fit in dieser Richtung ist. Taktgefühl ist erlernbar. Ich selber habe diese Erfahrung gemacht. Früher, als ich noch in der Industrie arbeitete und ein Projekt leiten sollte, musste ich mit einem unbeliebten Kollegen in meinem Team, der niemandem besonders sympathisch war, zusammenarbeiten. Ohne diesen Fachmann wäre es nicht möglich gewesen, die Projektziele zu erreichen. Er war der einzige Spezialist auf diesem Gebiet in unserem Konzern. Ich war gezwungen, mich mit ihm näher zu befassen. Nach und nach bin ich draufgekommen, wie großartig dieser Mensch war. Er hatte die Eigenschaft, seine sympathischen Charakterzüge zu verstecken. Daher ist es für uns eine Chance, verborgene Fähigkeiten anderer zu entdecken.

„Grüß Gott“ ist Ihr Grußwort. Das ist im Gegensatz zu „Hallo“ oder „Hey“ immer seltener zu hören. Halten Sie das für bedauerlich?

Dass sich die Grußworte verändern, ist vielleicht noch das viel kleinere Übel. „Hallo“ ist besser als nichts. Ein viel größeres Problem sehe ich darin, dass überhaupt nicht mehr gegrüßt wird. Darüber hat sich allerdings schon Sokrates beschwert. Das ist immer wieder mein Trost, wenn ich mich frage, weshalb jemand nicht grüßt und damit andere menschliche Lebewesen ignoriert. Das stelle ich bei uns in der Tanzschule auch bei Neukunden immer wieder fest. Ich halte mein Team in der Tanzschule dazu an, immer alle zu grüßen. Die nennen das schon „Zwangsgrüßen“ (lacht). Aber der Erfolg gibt mir Recht. Denn wir erleben, dass die Schüler nach einigen Monaten ganz selbstverständlich beim Eintreffen grüßen. Das ist der Vorbildwirkung zu verdanken.

Sie werden am 4. Februar 80 Jahre alt.
Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?


Im kleinsten Kreis, nur mit Familie, die teilweise aus Taiwan, der Schweiz und Deutschland angereist kommt. Wir befinden uns mitten im Fasching und haben so viel um die Ohren, dass wir nicht zusätzlich ein großes Geburtstagsfest veranstalten wollen.

Worin liegen Ihre Faschingsschwerpunkte?

Neben den zahlreichen Balleröffnungen veranstalten wir unser 104. „Elmayer Kränzchen“, das traditionellerweise am Faschingsdienstag stattfindet – mit 350 Eröffnungspaaren, dem wahrscheinlich größten Eröffnungskomitee der Welt. 500 Paare haben vorgetanzt, aber für tausend Menschen wäre die Tanzfläche in der Hofburg zu klein. Also sind es 700 Tänzerinnen und Tänzer in zehn Kolonnen und 35 Reihen. Bei den meisten anderen Bällen sind es vier Kolonnen, beim Philharmoniker Ball sind es sechs Kolonnen.

Was ist Ihre schönste Ball-Erinnerung?

Das war mein 59. Geburtstag am Wiener Opernball, dessen Eröffnung und Quadrillen ich damals geleitet habe. Die damalige Opernball-Organisatorin, Frau Elisabeth Gürtler, hat mich vor der Mitternachts-Quadrille mit einer riesigen Torte überrascht und das Orchester spielte „Happy Birthday“. Das ganze Opernhaus hat 20 Minuten lang meinen Geburtstag gefeiert, erst danach konnte ich die Quadrille ansagen.

Welche Fehler sollten auf Bällen nicht passieren?

Auf eleganten Bällen passiert es immer wieder, dass Damen in zu kurzen Kleidern erscheinen. Sie wissen nicht, was bodenlang bedeutet und dass ihre Schuhe nur zu sehen sein dürfen, wenn sie sich bewegen.

Zur Person
Thomas Schäfer-Elmayer wurde am 4. Februar 1946 in Zell am See (S) geboren. Seine Jugend verbrachte er in Vorarlberg. Nach einem Wirtschaftsstudium in Wien und in St. Gallen (Schweiz) war er 17 Jahre lang im Management mehrerer Konzerne tätig.

Im Jahr 1987 übernahm der zweifache Vater die Leitung der Tanzschule Elmayer, die sein Großvater gründete.

Schäfer-Elmayer ist ein Experte für Fragen der Etikette und der gehobenen Umgangsformen, wie sie auf den Traditionsbällen gepflegt werden. Dazu hat er mehrere Bücher verfasst wie „Der große Elmayer – Alles, was Sie über gutes Benehmen wissen sollten“ und „Der kleine Elmayer – Mein erstes Buch vom guten Benehmen“.
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