„Schi-Kaiser“ Franz Klammer, 72:
„Dem Schisport fehlt heute die Gelassenheit“
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Mit vier Siegen auf der gefürchteten Streif ist die Legende und der „Kaiser“ Franz Klammer, 72, immer noch der rot-weiß-rote Rekordhalter in Kitzbühel (T). Im Interview erzählt er von Ängsten bei seinem ersten Rennen und vom Schifahren mit den Enkelkindern.
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Herr Klammer, für Sie war die Kitzbüheler Streif stets der Höhepunkt des Jahres. Warum?
Kitzbühel ist einfach das Wimbledon des Wintersports, das Monte Carlo der Schiläufer und meine persönliche Lieblingsabfahrt. Es ist die beste Strecke der Welt, die den Läufer am meisten fordert und die meiste Befriedigung verschafft, wenn du wieder im Tal bist. Beim ersten Mal war bei mir jedoch noch sehr viel Angst mit dabei. Ich konnte es damals kaum glauben, dass da überhaupt einer hinunterfahren kann, und sagte mir: „Die haben einen Vogel, das mache ich nicht.“ Aber irgendwann hab‘ ich es probiert und später wurde es sogar zum Spaß.
Sie standen 1975, 1976, 1977 sowie 1984 am obersten Treppchen, öfter als alle anderen Landsleute. Welcher Sieg war der schönste?
Der erste Sieg 1975 war sicher der emotionalste. Es war mein fünfter Weltcupsieg in Folge, aber alles hatte im Vorfeld gegen mich gesprochen. Ich war leicht verletzt, hatte Schmerzen und einen Bluterguss am Schienbein und bin letztlich hauchdünn mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung, aber mit Streckenrekord im Ziel abgeschwungen. Mein letzter Sieg 1984 war auch besonders schön, nach längerer Pause dort noch einmal zu gewinnen, war für mich sehr speziell.
Welche Abschnitte mögen Sie besonders?
Die Hausbergkante und die Strecke bis ins Ziel, dort habe ich immer viel Zeit geholt. Einige Stellen sind äußerst gefährlich und die enorme Verletzungsgefahr, mit der du als Athlet dort ständig spielst, schufen einen unvergleichlichen Mythos rund um die Streif. Ich weiß nicht, ob meine Frau Eva bei den Rennen jemals Angst um mich hatte, wenn es so war, dann hat sie nie etwas gesagt. Ich selbst habe auch nicht groß darüber gesprochen, diese Risiken blendet der Sportler aus. Wer im Hinterkopf darüber nachdenkt, dass er sich hier schwer verletzen könnte, der fährt nicht mehr um den Sieg mit. Der ist als Abfahrer fehl am Platz. Heute bin ich heilfroh, dass ich da nicht mehr runter muss.
Wie sehr ist der Sport heute anders als damals?
Es ist mittlerweile zu einer völlig anderen Sportart geworden. Ein Vincent Kriechmayr fährt jedes Rennen mit einem neuen Anzug, wir sind zwei Jahre lang mit einem gefahren. Ich habe im Herbst meine Schuhe hergerichtet und war den ganzen Winter damit unterwegs. Trainiert wird jetzt auch anders, die Sportler brauchen mehr Kraft, weil Pisten und Material das verlangen. Gefeiert haben wir damals sicher mehr, aber immer erst nach dem Rennen und nicht, wie oft erzählt wird, schon am Vortag. Unser Motto war, auch wenn
ma‘ nix gewonnen haben, wir feiern wie die Sieger. Ich finde sowieso, das Feiern gehört zum Rennsport wie das Gewinnen, irgendwann musst du auch Dampf ablassen.
Sie selbst waren ein Freigeist.
Was stört Sie heute am Rennsport?
Ein bissl kommt mir vor, es fehlt die Gelassenheit von früher, das Freilassen des Schis, stattdessen wird manches unnötig kompliziert. Etwa beim Herumprobieren mit dem Material, denn wenn du nur noch am Tüfteln bist, macht dich das irgendwann auch unsicher.
Schmerzt es Sie, dass wir in der Herren-Abfahrt, Ihrer Lieblingsdisziplin, seit Langem in der Krise stecken?
Ich glaube, dass wir gar nicht so weit vom Sieg entfernt sind, wie manche denken. Von der Technik und vom Können haben Daniel Hemetsberger und seine Kollegen es drauf, bald wieder mit Odermatt mitzufahren, den ich auf der Streif heuer als Favoriten sehe. Ja, derzeit dominieren die Schweizer, allerdings waren sie vorher 20 Jahre weg vom Fenster. Weil aber im Schisport alles in Wellen geht, werden wir irgendwann auch wieder obenauf schwimmen.
Wie geht es Ihnen privat als dreifachem Großvater?
Ich wohne mit meiner Frau im 13. Bezirk am Stadtrand Wiens und gehe gern Golf spielen und Rad fahren. Gesundheitlich geht es mir gut und ich bin immer noch 30 Tage im Jahr auf der Piste unterwegs, auch wenn mir die Schi nicht mehr so wie früher gehorchen, sondern ein
Eigenleben entwickelt haben. Ich habe von meinen zwei Töchtern mittlerweile drei Enkelkinder, mit dem siebenjährigen Felix und dem fünfjährigen Alexander fahre ich schon fleißig Schi. Wolfgang Kreuziger
Kitzbühel ist einfach das Wimbledon des Wintersports, das Monte Carlo der Schiläufer und meine persönliche Lieblingsabfahrt. Es ist die beste Strecke der Welt, die den Läufer am meisten fordert und die meiste Befriedigung verschafft, wenn du wieder im Tal bist. Beim ersten Mal war bei mir jedoch noch sehr viel Angst mit dabei. Ich konnte es damals kaum glauben, dass da überhaupt einer hinunterfahren kann, und sagte mir: „Die haben einen Vogel, das mache ich nicht.“ Aber irgendwann hab‘ ich es probiert und später wurde es sogar zum Spaß.
Sie standen 1975, 1976, 1977 sowie 1984 am obersten Treppchen, öfter als alle anderen Landsleute. Welcher Sieg war der schönste?
Der erste Sieg 1975 war sicher der emotionalste. Es war mein fünfter Weltcupsieg in Folge, aber alles hatte im Vorfeld gegen mich gesprochen. Ich war leicht verletzt, hatte Schmerzen und einen Bluterguss am Schienbein und bin letztlich hauchdünn mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung, aber mit Streckenrekord im Ziel abgeschwungen. Mein letzter Sieg 1984 war auch besonders schön, nach längerer Pause dort noch einmal zu gewinnen, war für mich sehr speziell.
Welche Abschnitte mögen Sie besonders?
Die Hausbergkante und die Strecke bis ins Ziel, dort habe ich immer viel Zeit geholt. Einige Stellen sind äußerst gefährlich und die enorme Verletzungsgefahr, mit der du als Athlet dort ständig spielst, schufen einen unvergleichlichen Mythos rund um die Streif. Ich weiß nicht, ob meine Frau Eva bei den Rennen jemals Angst um mich hatte, wenn es so war, dann hat sie nie etwas gesagt. Ich selbst habe auch nicht groß darüber gesprochen, diese Risiken blendet der Sportler aus. Wer im Hinterkopf darüber nachdenkt, dass er sich hier schwer verletzen könnte, der fährt nicht mehr um den Sieg mit. Der ist als Abfahrer fehl am Platz. Heute bin ich heilfroh, dass ich da nicht mehr runter muss.
Wie sehr ist der Sport heute anders als damals?
Es ist mittlerweile zu einer völlig anderen Sportart geworden. Ein Vincent Kriechmayr fährt jedes Rennen mit einem neuen Anzug, wir sind zwei Jahre lang mit einem gefahren. Ich habe im Herbst meine Schuhe hergerichtet und war den ganzen Winter damit unterwegs. Trainiert wird jetzt auch anders, die Sportler brauchen mehr Kraft, weil Pisten und Material das verlangen. Gefeiert haben wir damals sicher mehr, aber immer erst nach dem Rennen und nicht, wie oft erzählt wird, schon am Vortag. Unser Motto war, auch wenn
ma‘ nix gewonnen haben, wir feiern wie die Sieger. Ich finde sowieso, das Feiern gehört zum Rennsport wie das Gewinnen, irgendwann musst du auch Dampf ablassen.
Sie selbst waren ein Freigeist.
Was stört Sie heute am Rennsport?
Ein bissl kommt mir vor, es fehlt die Gelassenheit von früher, das Freilassen des Schis, stattdessen wird manches unnötig kompliziert. Etwa beim Herumprobieren mit dem Material, denn wenn du nur noch am Tüfteln bist, macht dich das irgendwann auch unsicher.
Schmerzt es Sie, dass wir in der Herren-Abfahrt, Ihrer Lieblingsdisziplin, seit Langem in der Krise stecken?
Ich glaube, dass wir gar nicht so weit vom Sieg entfernt sind, wie manche denken. Von der Technik und vom Können haben Daniel Hemetsberger und seine Kollegen es drauf, bald wieder mit Odermatt mitzufahren, den ich auf der Streif heuer als Favoriten sehe. Ja, derzeit dominieren die Schweizer, allerdings waren sie vorher 20 Jahre weg vom Fenster. Weil aber im Schisport alles in Wellen geht, werden wir irgendwann auch wieder obenauf schwimmen.
Wie geht es Ihnen privat als dreifachem Großvater?
Ich wohne mit meiner Frau im 13. Bezirk am Stadtrand Wiens und gehe gern Golf spielen und Rad fahren. Gesundheitlich geht es mir gut und ich bin immer noch 30 Tage im Jahr auf der Piste unterwegs, auch wenn mir die Schi nicht mehr so wie früher gehorchen, sondern ein
Eigenleben entwickelt haben. Ich habe von meinen zwei Töchtern mittlerweile drei Enkelkinder, mit dem siebenjährigen Felix und dem fünfjährigen Alexander fahre ich schon fleißig Schi. Wolfgang Kreuziger
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