Vom Straßenbengel
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Im Februar beginnt Ben Zucker seineneue Tournee „Kämpferherz“. Unter dem gleichnamigen Titel hat der 42jährige auch seine Autobiografie verfasst, in der er schonungslos ehrlich von seinen Schicksalsschlägen berichtet. Der Flucht aus der DDR, Schulden, einem Gefängnisaufenthalt und seiner Alkoholsucht.
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Es war zwei Uhr nachts, als die Mutter ihre beiden Söhne aus dem Schlaf riss. „Benni, aufwachen. Wir müssen gleich los.“ Benjamin Fritsch war zu dem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Er verstand nicht, warum er angezogen wurde und in der Dunkelheit in den beigefarbenen Trabant der Familie einsteigen sollte.
Am 16. September 1989 begann für Benjamin Fritsch, den die Welt später als Ben Zucker kennen wird, ein Fluchtabenteuer, das sein Leben prägen sollte. Mitten in der Nacht fuhr die Familie aus Ost-Berlin (damalige DDR) los. Das Ziel war „ein Onkel hinter den Bergen“, den es in Wahrheit nie gegeben hat. Über Dresden führte die Reise nach Prag, in die damalige Tschechoslowakei, von da aus weiter nach Ungarn.
Als der Trabant in einem verschlammten Waldstück steckenblieb, ging es zu Fuß weiter. Nachts wurde marschiert, tagsüber in Strohhaufen geschlafen. Jahre später füllt Ben Zucker Stadien. Doch sein Weg begann hier – im Dunkeln, mit klopfendem Kinderherz.
Geboren wurde Ben Fritsch am 4. August 1983 in Uecker-
münde (Mecklenburg-Vorpommern), die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er, auch nach der Flucht in den Westen, in Berlin. Die Eltern arbeiteten beide im Pflegeberuf, Mutter Christina schob Schicht um Schicht im Spital, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Vater wandte sich früh von der Familie ab und ging nach Russland, wo er 2010 an einem Herzinfarkt starb. „Ohne meine Mutter wären wir nichts“, sagt Ben Zucker.
Heute erinnert er sich gerne an die Zeit zurück, vor allem an jenen schicksalshaften Donnerstag im September 1994, der den Grundstein für seine musikalischen Träume legte. „Im Fernsehen lief ein Livemitschnitt von Michael Jackson, dem legendären King of Pop.“ Tausende Menschen, eine Bühne, eine Stimme, die alles veränderte. In diesem Moment wusste er, „Das will ich auch schaffen.“
Im Kinderzimmer sang er vor dem Spiegel und übte mit seinen Geschwistern Sarah und Manuel stundenlang seine Auftritte. Später folgten Garagenbands, Kurt Cobain wurde zu seinem Vorbild. Musik war sein Ventil, sein Halt, sein Rettungsring. Denn Träume bezahlten keine Miete.
Die Jahre vor dem Durchbruch waren hart. „Lange musste ich mich von einer Aushilfstätigkeit zur nächsten hangeln, um auch nur ansatzweise das Geld für Miete, Brot, Käse und Zigaretten zusammenzukriegen.“ Er arbeitete als Toilettenputzer, Tellerwäscher, Aktmodell und Putzkraft im Fitnessstudio. „Rückblickend betrachtet, habe ich nahezu alles gemacht, stets mit dem Ziel, irgendwie um die Runden zu kommen.“
Trotzdem wuchsen die Schuldenberge, Gerichtsvollzieher standen vor der Tür. Ständig bettelte er seine Mutter und Schwester um Geld an, Scham und Minderwertigkeitsgefühle wurden zu steten Begleitern. Im Jahr 2012 wurde
seine Tochter Ava geboren, doch die Beziehung zu seiner Partnerin ging in die Brüche. Als er nach einer Schlägerei die Geldstrafe nicht bezahlen konnte, ging er sogar ins Gefängnis.
Fritsch war Mitte zwanzig, ohne festen Wohnsitz, mit einer Gitarre im Gepäck und am absoluten Tiefpunkt angekommen. „Alles schien ausweglos“, schreibt er in seiner Autobiografie „Kämpferherz – Meine Geschichte“ (Heyne Verlag). „Ein Absturz schien unvermeidlich.“
Doch Ben Zucker stand wieder auf. Im März 2017, in der ARD-Liveshow „Schlagercountdown“, geschah das Unfassbare. Sieben Millionen Menschen sahen zu, als Florian Silbereisen ihn ankündigte. Zwei Minuten und neunundfünfzig Sekunden, mehr brauchte es nicht. Dieser Auftritt war sein „persönlicher Ritterschlag“, der sein Leben für immer verändern sollte. Der Mann, den er früher nur aus dem Fernsehen kannte – „der schöne Flori“, wie seine Oma immer sagte – wurde zu einem Freund fürs Leben.
Von da an ging alles ganz schnell, eine Tournee mit Helene Fischer, Auftritte mit Bonnie Tyler, DJ Ötzi und Jürgen Drews folgten. Ein ausverkauftes Stadion reihte sich ans nächste. Sein Lebensmotto „Na und?“ wurde zur Debütsingle, 180 Tage im Jahr schlief Zucker im Hotel. Im Jahr 2018 wurde ihm sogar die „Goldene Henne“ als Auszeichnung zum Aufsteiger des Jahres verliehen.
Doch der Erfolg forderte seinen Preis. Gegen die Nervosität vor Auftritten, gegen die Angst zu versagen, und um den immensen Druck zu bändigen, griff er zum Alkohol. In der Pandemie begann schließlich der tiefe Fall. Versagensängste kamen wieder auf, durch die negativen Gedanken half ihm sein „hochprozentiger Freund. Warum Wasser trinken, wenn es auch Wodka gab?“ Die Abwärtsspirale drehte sich schneller und schneller, körperlich sowie mental.
Er konnte den Schalter zwischen Benni Fritsch, dem Menschen, und Ben Zucker, der Musikgröße, nicht mehr umlegen. „Mein Dämon hielt
mich fest im Würgegriff. Ich will nichts beschönigen, ich will ehrlich
sein. Ich bin ein ganz normaler Mensch, mit alltäglichen Proble-
men.“ Im Jahr 2024 schaffte er den Absprung und besuchte eine Klinik zum Alkoholentzug.
Heute steht Ben Zucker mit seinem fünften Studioalbum „Kämpferherz“ wieder auf der Bühne. Im Frühjahr 2026 beginnt deutschland-
weit die gleichnamige Tournee.
Immer an seiner Seite ist seine Familie, allen voran seine Mutter Christina, der er mit „Wären alle so wie du“ ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, sowie sein „Musikpapa“ Thorsten Brötzmann, einer der erfolgreichsten Produzenten des Landes. Dankbar ist er vor allem
seinen Anhängern, die er liebevoll „Zuckerbande“ nennt.
„Ich bin sicherlich kein Heiliger, ich bin ein Straßenbengel und das werde ich auch immer bleiben. Aber wer unbequeme, anstrengende Wege geht und niemals aufgibt, kann über sich hinauswachsen. Das kann nicht nur Ben Zucker, das kann jeder von euch.“ Schuh
Am 16. September 1989 begann für Benjamin Fritsch, den die Welt später als Ben Zucker kennen wird, ein Fluchtabenteuer, das sein Leben prägen sollte. Mitten in der Nacht fuhr die Familie aus Ost-Berlin (damalige DDR) los. Das Ziel war „ein Onkel hinter den Bergen“, den es in Wahrheit nie gegeben hat. Über Dresden führte die Reise nach Prag, in die damalige Tschechoslowakei, von da aus weiter nach Ungarn.
Als der Trabant in einem verschlammten Waldstück steckenblieb, ging es zu Fuß weiter. Nachts wurde marschiert, tagsüber in Strohhaufen geschlafen. Jahre später füllt Ben Zucker Stadien. Doch sein Weg begann hier – im Dunkeln, mit klopfendem Kinderherz.
Geboren wurde Ben Fritsch am 4. August 1983 in Uecker-
münde (Mecklenburg-Vorpommern), die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er, auch nach der Flucht in den Westen, in Berlin. Die Eltern arbeiteten beide im Pflegeberuf, Mutter Christina schob Schicht um Schicht im Spital, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Vater wandte sich früh von der Familie ab und ging nach Russland, wo er 2010 an einem Herzinfarkt starb. „Ohne meine Mutter wären wir nichts“, sagt Ben Zucker.
Heute erinnert er sich gerne an die Zeit zurück, vor allem an jenen schicksalshaften Donnerstag im September 1994, der den Grundstein für seine musikalischen Träume legte. „Im Fernsehen lief ein Livemitschnitt von Michael Jackson, dem legendären King of Pop.“ Tausende Menschen, eine Bühne, eine Stimme, die alles veränderte. In diesem Moment wusste er, „Das will ich auch schaffen.“
Im Kinderzimmer sang er vor dem Spiegel und übte mit seinen Geschwistern Sarah und Manuel stundenlang seine Auftritte. Später folgten Garagenbands, Kurt Cobain wurde zu seinem Vorbild. Musik war sein Ventil, sein Halt, sein Rettungsring. Denn Träume bezahlten keine Miete.
Die Jahre vor dem Durchbruch waren hart. „Lange musste ich mich von einer Aushilfstätigkeit zur nächsten hangeln, um auch nur ansatzweise das Geld für Miete, Brot, Käse und Zigaretten zusammenzukriegen.“ Er arbeitete als Toilettenputzer, Tellerwäscher, Aktmodell und Putzkraft im Fitnessstudio. „Rückblickend betrachtet, habe ich nahezu alles gemacht, stets mit dem Ziel, irgendwie um die Runden zu kommen.“
Trotzdem wuchsen die Schuldenberge, Gerichtsvollzieher standen vor der Tür. Ständig bettelte er seine Mutter und Schwester um Geld an, Scham und Minderwertigkeitsgefühle wurden zu steten Begleitern. Im Jahr 2012 wurde
seine Tochter Ava geboren, doch die Beziehung zu seiner Partnerin ging in die Brüche. Als er nach einer Schlägerei die Geldstrafe nicht bezahlen konnte, ging er sogar ins Gefängnis.
Fritsch war Mitte zwanzig, ohne festen Wohnsitz, mit einer Gitarre im Gepäck und am absoluten Tiefpunkt angekommen. „Alles schien ausweglos“, schreibt er in seiner Autobiografie „Kämpferherz – Meine Geschichte“ (Heyne Verlag). „Ein Absturz schien unvermeidlich.“
Doch Ben Zucker stand wieder auf. Im März 2017, in der ARD-Liveshow „Schlagercountdown“, geschah das Unfassbare. Sieben Millionen Menschen sahen zu, als Florian Silbereisen ihn ankündigte. Zwei Minuten und neunundfünfzig Sekunden, mehr brauchte es nicht. Dieser Auftritt war sein „persönlicher Ritterschlag“, der sein Leben für immer verändern sollte. Der Mann, den er früher nur aus dem Fernsehen kannte – „der schöne Flori“, wie seine Oma immer sagte – wurde zu einem Freund fürs Leben.
Von da an ging alles ganz schnell, eine Tournee mit Helene Fischer, Auftritte mit Bonnie Tyler, DJ Ötzi und Jürgen Drews folgten. Ein ausverkauftes Stadion reihte sich ans nächste. Sein Lebensmotto „Na und?“ wurde zur Debütsingle, 180 Tage im Jahr schlief Zucker im Hotel. Im Jahr 2018 wurde ihm sogar die „Goldene Henne“ als Auszeichnung zum Aufsteiger des Jahres verliehen.
Doch der Erfolg forderte seinen Preis. Gegen die Nervosität vor Auftritten, gegen die Angst zu versagen, und um den immensen Druck zu bändigen, griff er zum Alkohol. In der Pandemie begann schließlich der tiefe Fall. Versagensängste kamen wieder auf, durch die negativen Gedanken half ihm sein „hochprozentiger Freund. Warum Wasser trinken, wenn es auch Wodka gab?“ Die Abwärtsspirale drehte sich schneller und schneller, körperlich sowie mental.
Er konnte den Schalter zwischen Benni Fritsch, dem Menschen, und Ben Zucker, der Musikgröße, nicht mehr umlegen. „Mein Dämon hielt
mich fest im Würgegriff. Ich will nichts beschönigen, ich will ehrlich
sein. Ich bin ein ganz normaler Mensch, mit alltäglichen Proble-
men.“ Im Jahr 2024 schaffte er den Absprung und besuchte eine Klinik zum Alkoholentzug.
Heute steht Ben Zucker mit seinem fünften Studioalbum „Kämpferherz“ wieder auf der Bühne. Im Frühjahr 2026 beginnt deutschland-
weit die gleichnamige Tournee.
Immer an seiner Seite ist seine Familie, allen voran seine Mutter Christina, der er mit „Wären alle so wie du“ ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, sowie sein „Musikpapa“ Thorsten Brötzmann, einer der erfolgreichsten Produzenten des Landes. Dankbar ist er vor allem
seinen Anhängern, die er liebevoll „Zuckerbande“ nennt.
„Ich bin sicherlich kein Heiliger, ich bin ein Straßenbengel und das werde ich auch immer bleiben. Aber wer unbequeme, anstrengende Wege geht und niemals aufgibt, kann über sich hinauswachsen. Das kann nicht nur Ben Zucker, das kann jeder von euch.“ Schuh
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