Max Simonischek:
„Zuhause ist dort, wo meine Familie ist“
„Zuhause ist dort, wo meine Familie ist“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
und Artikel an Freunde verschenken.
Der Schauspieler Max Simonischek, 43, hat den Großteil seines Lebens in Deutschland und der Schweiz verbracht. Seit eineinhalb Jahren lebt er nun in Wien und gehört zum Ensemble des Wiener Burgtheaters.
Über seinen im Jahr 2023 verstorbenen Vater spricht er voller Respekt, geht aber seinen eigenen Weg.
Über seinen im Jahr 2023 verstorbenen Vater spricht er voller Respekt, geht aber seinen eigenen Weg.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Herr Simonischek, Ihr berühmter Vater Peter ist im Mai 2023 verstorben. Werden Sie oft auf ihn angesprochen?
Ja, sehr oft – und ich freue mich darüber. Es ist eine schöne Sache, dass ich an jeder Ecke eine Geschichte über meinen Vater höre. Ob im Theater oder von Journalisten. So begegnet er mir immer wieder.
Er war ein nahbarer Mensch und für viele der Lieblings- „Jedermann“ …
Oh, das höre ich sogar öfter. Ich glaube, das liegt daran, dass er die Rolle so lange gespielt und sich stark damit identifiziert hat.
Außerdem war er ein fescher Mann – Sie sehen ihm ähnlich …
Da bedanke ich mich. Über mich sollen andere urteilen, was meinen Vater betrifft, kann ich aber beipflichten.
Sie haben in diesem Jahr am Wiener Akademietheater einiges vor …
Ja, mein Kafka-Abend „Der Bau“, den ich inszeniert habe, wird gespielt. Und am Mittwoch, dem 28. Jänner, feiert unser neues Stück Premiere: „Der irrende Planet – ein Spaziergang mit Robert Walser“.
Können Sie ein bisschen verraten, worum es geht?
Es ist kein klassisches Theaterstück. Wir befassen uns mit dem Autor Robert Walser, der bis in die späten 1950er Jahre in der Schweiz lebte und ein leidenschaftlicher Spaziergänger war – ich möchte fast sagen, manisch. Von diesen Spaziergängen hat er Beobachtungen mitgebracht und literarisch verarbeitet. Es sind handlungsarme Prosatexte, die die Regisseurin Barbara Frey aneinandergereiht hat.
Wer Robert Walser nicht kennt – womit ist er vergleichbar?
Seine Texte erinnern an Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard und an Franz Kafka. Alle drei haben ihn sehr bewundert. Man könnte sagen: literarische Champions League – begleitet von einem Musiker auf der Bühne. Diese Textkaskaden sind teilweise sehr verschachtelt und haben einen starken Rhythmus. Darauf konzentrieren wir uns.
Beim Spazierengehen passiert oft nicht viel …
Finden Sie? Beim Spazierengehen kann man viel beobachten. Ich selbst bin eher ein Wanderer. Das hat etwas Reinigendes, man gibt den Gedanken einen Fluss. Walser beschreibt seine Eindrücke sehr genau – das ist seine große Stärke. Er ist ein Meister darin, Dinge zu sezieren. Am besten, man schaut sich das Stück an.
Sie gehören seit dem Vorjahr zum Ensemble des Burgtheaters. Hätten Sie das Engagement auch angenommen, wenn Ihr Vater noch dort wäre?
Das hat nichts mit meinem Vater zu tun. Ich habe dort auch schon gespielt, als er noch lebte, auch wenn ich kein Ensemblemitglied war. Der Intendantenwechsel zu Stefan Bachmann war eine Chance für einen Neuanfang. Außerdem ging es darum, meiner Familie eine dauerhafte Bleibe zu geben. Vorher war ich viel unterwegs – in Zürich (Schweiz), Berlin, Stuttgart (D). Die Familie, meine Frau und unsere beiden Kinder, waren einer der Hauptgründe, wieder an einem Ort zu sein.
Sie sind in der Schweiz aufgewachsen, haben in Deutschland gelebt und hierzulande am Mozarteum studiert. Was ist Zuhause für Sie?
Zuhause ist dort, wo meine Frau und meine Kinder sind und wo ich meine vier Wände habe. In den vergangenen Jahren war es Berlin, zu meiner Studienzeit war es Salzburg, Hamburg war auch dabei. Aber dadurch, dass ich immer einen Teil der Familie in Wien hatte, war die Stadt auch immer eine Art Zuhause für mich. Ich fühle mich aber auch zuhause, wenn ich ganz bei mir bin. Ich reise zum Beispiel gerne, und meine Frau und ich haben die Vereinbarung, dass wir vier Tage im Monat alleine reisen dürfen. Dazu gehört auch das Wandern. Das Alleinsein ist wichtig für mich. Auf Reisen habe ich die Ruhe, um Probleme von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten und meinen Horizont zu erweitern.
Ihre Frau kommt aus Tirol. Wie haben Sie sie kennengelernt?
In einem persönlichen Interview. Sie ist auch Journalistin. Nach dem Gespräch habe ich sie gefragt, ob wir essen gehen. Danach hat sie in ihrer Redaktion gesagt, sie könne leider nicht mehr über mich schreiben, weil sie befangen sei. So wurde aus einer Arbeits- eine Liebesbeziehung. Das ist jetzt elf Jahre her.
Sie mussten ohne Ihren Vater aufwachsen und haben jetzt selbst zwei Kinder. Hat das Ihre Einstellung zur Rolle als Vater verändert?
Ich bin nicht ohne Vater aufgewachsen. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinem leiblichen Vater, und es gab schnell einen fürsorglichen Stiefvater. Aber natürlich spiegelt sich die Beziehung zu meinen Kindern auch in meiner eigenen Vater-Erfahrung wider – das geht wahrscheinlich allen so.
Sie sind ein großer Kafka-Bewunderer. Wenn Sie mit einer verstorbenen Persönlichkeit noch einmal Zeit verbringen könnten, welche wäre es?
Mit meinem Vater würde ich sehr gerne noch einmal einen Kaffee trinken.
Zur Person
Max Simonischek wurde am 19. Oktober 1982 in Berlin (D) geboren. Sein Vater Peter, der 2023 verstorben ist, machte sich als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen einen Namen, seine aus der Schweiz stammende Mutter Charlotte Schwab, 73, ist ebenfalls Schauspielerin. Nach der Trennung der Eltern wuchs er bei seiner Mutter in Zürich (CH) und Hamburg (D) auf und verbrachte zehn Jahre in einem deutschen Internat.
Er etablierte sich an renommierten Bühnen, aber auch als Schauspieler in Filmen wie „Der Verdingbub“, „Akte Grüninger“ und „Die göttliche Ordnung“.
Premiere: „Der irrende Planet“, 28.1., Akademietheater Wien, Karten und Termine: www.burgtheater.at
Ja, sehr oft – und ich freue mich darüber. Es ist eine schöne Sache, dass ich an jeder Ecke eine Geschichte über meinen Vater höre. Ob im Theater oder von Journalisten. So begegnet er mir immer wieder.
Er war ein nahbarer Mensch und für viele der Lieblings- „Jedermann“ …
Oh, das höre ich sogar öfter. Ich glaube, das liegt daran, dass er die Rolle so lange gespielt und sich stark damit identifiziert hat.
Außerdem war er ein fescher Mann – Sie sehen ihm ähnlich …
Da bedanke ich mich. Über mich sollen andere urteilen, was meinen Vater betrifft, kann ich aber beipflichten.
Sie haben in diesem Jahr am Wiener Akademietheater einiges vor …
Ja, mein Kafka-Abend „Der Bau“, den ich inszeniert habe, wird gespielt. Und am Mittwoch, dem 28. Jänner, feiert unser neues Stück Premiere: „Der irrende Planet – ein Spaziergang mit Robert Walser“.
Können Sie ein bisschen verraten, worum es geht?
Es ist kein klassisches Theaterstück. Wir befassen uns mit dem Autor Robert Walser, der bis in die späten 1950er Jahre in der Schweiz lebte und ein leidenschaftlicher Spaziergänger war – ich möchte fast sagen, manisch. Von diesen Spaziergängen hat er Beobachtungen mitgebracht und literarisch verarbeitet. Es sind handlungsarme Prosatexte, die die Regisseurin Barbara Frey aneinandergereiht hat.
Wer Robert Walser nicht kennt – womit ist er vergleichbar?
Seine Texte erinnern an Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard und an Franz Kafka. Alle drei haben ihn sehr bewundert. Man könnte sagen: literarische Champions League – begleitet von einem Musiker auf der Bühne. Diese Textkaskaden sind teilweise sehr verschachtelt und haben einen starken Rhythmus. Darauf konzentrieren wir uns.
Beim Spazierengehen passiert oft nicht viel …
Finden Sie? Beim Spazierengehen kann man viel beobachten. Ich selbst bin eher ein Wanderer. Das hat etwas Reinigendes, man gibt den Gedanken einen Fluss. Walser beschreibt seine Eindrücke sehr genau – das ist seine große Stärke. Er ist ein Meister darin, Dinge zu sezieren. Am besten, man schaut sich das Stück an.
Sie gehören seit dem Vorjahr zum Ensemble des Burgtheaters. Hätten Sie das Engagement auch angenommen, wenn Ihr Vater noch dort wäre?
Das hat nichts mit meinem Vater zu tun. Ich habe dort auch schon gespielt, als er noch lebte, auch wenn ich kein Ensemblemitglied war. Der Intendantenwechsel zu Stefan Bachmann war eine Chance für einen Neuanfang. Außerdem ging es darum, meiner Familie eine dauerhafte Bleibe zu geben. Vorher war ich viel unterwegs – in Zürich (Schweiz), Berlin, Stuttgart (D). Die Familie, meine Frau und unsere beiden Kinder, waren einer der Hauptgründe, wieder an einem Ort zu sein.
Sie sind in der Schweiz aufgewachsen, haben in Deutschland gelebt und hierzulande am Mozarteum studiert. Was ist Zuhause für Sie?
Zuhause ist dort, wo meine Frau und meine Kinder sind und wo ich meine vier Wände habe. In den vergangenen Jahren war es Berlin, zu meiner Studienzeit war es Salzburg, Hamburg war auch dabei. Aber dadurch, dass ich immer einen Teil der Familie in Wien hatte, war die Stadt auch immer eine Art Zuhause für mich. Ich fühle mich aber auch zuhause, wenn ich ganz bei mir bin. Ich reise zum Beispiel gerne, und meine Frau und ich haben die Vereinbarung, dass wir vier Tage im Monat alleine reisen dürfen. Dazu gehört auch das Wandern. Das Alleinsein ist wichtig für mich. Auf Reisen habe ich die Ruhe, um Probleme von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten und meinen Horizont zu erweitern.
Ihre Frau kommt aus Tirol. Wie haben Sie sie kennengelernt?
In einem persönlichen Interview. Sie ist auch Journalistin. Nach dem Gespräch habe ich sie gefragt, ob wir essen gehen. Danach hat sie in ihrer Redaktion gesagt, sie könne leider nicht mehr über mich schreiben, weil sie befangen sei. So wurde aus einer Arbeits- eine Liebesbeziehung. Das ist jetzt elf Jahre her.
Sie mussten ohne Ihren Vater aufwachsen und haben jetzt selbst zwei Kinder. Hat das Ihre Einstellung zur Rolle als Vater verändert?
Ich bin nicht ohne Vater aufgewachsen. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinem leiblichen Vater, und es gab schnell einen fürsorglichen Stiefvater. Aber natürlich spiegelt sich die Beziehung zu meinen Kindern auch in meiner eigenen Vater-Erfahrung wider – das geht wahrscheinlich allen so.
Sie sind ein großer Kafka-Bewunderer. Wenn Sie mit einer verstorbenen Persönlichkeit noch einmal Zeit verbringen könnten, welche wäre es?
Mit meinem Vater würde ich sehr gerne noch einmal einen Kaffee trinken.
Zur Person
Max Simonischek wurde am 19. Oktober 1982 in Berlin (D) geboren. Sein Vater Peter, der 2023 verstorben ist, machte sich als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen einen Namen, seine aus der Schweiz stammende Mutter Charlotte Schwab, 73, ist ebenfalls Schauspielerin. Nach der Trennung der Eltern wuchs er bei seiner Mutter in Zürich (CH) und Hamburg (D) auf und verbrachte zehn Jahre in einem deutschen Internat.
Er etablierte sich an renommierten Bühnen, aber auch als Schauspieler in Filmen wie „Der Verdingbub“, „Akte Grüninger“ und „Die göttliche Ordnung“.
Premiere: „Der irrende Planet“, 28.1., Akademietheater Wien, Karten und Termine: www.burgtheater.at
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung













