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Ausgabe Nr. 03/2026 vom 14.01.2026, Fotos: Carsten Beier
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„Woods of Birnam“
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„Solaris“, das unterhaltsame Werk, ist bereits im Handel erhältlich.
Ein Blick in die menschliche Zukunft
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Er ist ein Multitalent und spielt am Theater ebenso erfolgreich wie in Filmen. Unter anderem im „Oscar“-prämierten „The Zone of Interest“ und in Serien wie „White Lotus“ oder „Babylon Berlin“. Daneben singt Christian Friedel, 46, der in Dresden (D) lebt, in seiner Electro-Pop-Band „Woods of Birnam“ geradezu himmlisch.

Auf ihrem neuen Album haben sich die Musiker vom erstaunlich aktuellen Science-Fiction-Roman „Solaris“ inspirieren lassen. Was ihn daran interessiert, hat Friedel (im Bild Mitte) dem
WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt.
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Herr Friedel, „Solaris“, geschrieben 1961 vom Polen Stanislaw Lem, ist ein psychologischer und poetischer Science-Fiction-Roman. Was hat Sie daran gereizt, dieses oft verfilmte literarische Werk zu vertonen?

Die Initialzündung war meine „Solaris“-Regiearbeit für das Schauspiel Frankfurt im vergangenen Frühjahr. Dabei ist so viel Material entstanden, dass wir für das Stück nur ein Viertel davon nutzen konnten. Wir haben dann die instrumentellen Stücke in den Bandkontext gebracht und meinen Kollegen und Freund Robert Gwisdek gefragt, ob er die Liedtexte schreiben möchte, was ihm großartig gelungen ist. Robert hat all diese komplizierten philosophischen Fragen in Lyrik und in Poesie verpackt, teils in deutscher und teils in englischer Sprache.

„Solaris“ ist ein zeitloses Werk. Im Grunde handelt es
bereits von geklonten Wesen und auch von
Künstlicher Intelligenz (KI) …


Das ist für mich auch faszinierend. Die Frage ist, was macht uns als Menschen aus. Der KI fehlt das Intuitive und das Fehlerbehaftete, was uns Menschen ja wiederum weiterbringt oder weitergebracht hat. Die KI speist ihre Perfektion bisher nur aus dem, was es an menschlichem Wissen bereits gibt. Und es wird vielleicht perfekte Reproduktionen von uns geben, die aber daran zugrundgehen werden, dass ihnen bewusst wird, eben kein Bewusstsein, keine Vergangenheit, kein Leben zu haben.

Haben Sie ein Herz für Science-Fiction?

Ja, absolut. Ich bin generell ein großer Science-Fiction-Anhänger. Ich habe mir die 178 Folgen von „Star Trek: The Next Generation“ begeistert angesehen.

Es heißt, im Lied „Symmetriaden“ gehe es um Selbstspiegelung. Was bedeutet das?

Wir schauen in die Ferne, wollen neue Welten erkunden, aber eigentlich sind diese Welten immer wieder Spiegel von uns selbst, denn unserer eigenen Persönlichkeit können wir nicht entkommen. In „Solaris“, aber nicht nur dort, versuchen die Menschen, die Dinge, die sie nicht kennen, mit dem zu erklären, was sie wissen.

Geht es Ihnen ebenso?

Auch als Schauspieler bin ich immer wieder gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, mich zu spiegeln und zu fragen, was diese Rolle denn mit mir zu tun haben könnte. Ich glaube, es ist wichtig, immer wieder neu ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln. Viele Menschen haben Angst davor, aber die Frage „Wer bist du?“ ist eine der Schlüsselfragen, die wir uns regelmäßig stellen sollten.

Weil sich unser Ich verändert?

Ja, weil wir immer wieder neue Erfahrungen machen.
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