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Ausgabe Nr. 03/2026 vom 14.01.2026, Foto: Judith Troelß
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Für Unterstützung und Kontaktaufnahme steht Petra Hofmeister via Mail zur Verfügung:

petrahofmeister44@gmail.
„Ich bin dankbar für mein Leben im Rollstuhl“
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Seit ihrer Geburt hat Petra Hofmeister, 42, schwere Lebensumstände zu bewältigen. Ein Sauerstoffmangel, der ihr Kleinhirn schädigte, schränkt ihre Motorik ein. Zudem leidet sie unter
Fehlstellungen. Mehr als hundert Operationen waren nötig, um ihren Körper zu stabilisieren. Heute hat sie sich in ein Leben im Rollstuhl zurückgekämpft, der für sie Freiheit bedeutet.
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Die heute 42jährige Petra Hofmeister aus Pregarten (OÖ) kam als eine von zwei Zwillingsschwestern zur Welt. Eine Überraschung, wie sie sagt, denn „kurz vor der Geburt hat der Arzt die Zwillingsschwangerschaft überhaupt erst festgestellt. Früher gab es noch nicht die umfangreichen Möglichkeiten der Voruntersuchungen.“

Ihre Zwillingsschwester kam gesund zur Welt. Sie jedoch litt während der Geburt an Sauerstoffmangel,
der ihr Kleinhirn nachhaltig schädigte.

„Die Motorik fällt bei mir komplett aus. Kognitiv habe ich aber keine Einschränkungen, genau das wird oft unterschätzt“, erzählt Hofmeister, die es sich in ihrer betreuten Wohnung heimelig eingerichtet hat.

Dass ein weitgehend selbstständiges Leben für sie möglich sein wird, stand unter keinem guten Stern.

Hofmeister konnte nicht sprechen, nicht allein essen oder trinken. In allen Lebenslagen brauchte sie Unterstützung. „Aber ich war ein lebendiges Wesen“, fügt sie hinzu.

Hilfe und Förderung erhielt sie durch zahlreiche Therapiemaßnahmen. Vor allem aber half ihr der unerschütterliche Einsatz ihrer Mutter. In ihrem Bundesland war Hofmeister eine der Ersten, die zu damaliger Zeit einen integrativen Kindergarten besuchte. Zudem absolvierte sie die Pflichtschule. „Ich wurde gehänselt und fand bei meinen Mitschülern kaum Anschluss. An diese Zeit denke ich nicht gerne zurück. Es war wirklich schwer.“

Nach dem Schulabschluss begann sie, in einer Werkstätte für Menschen mit Beeinträchtigungen zu arbeiten. „Ich war dankbar, eine Aufgabe zu haben, aber erfüllt hat sie mich nicht. Ich wusste, ich kann mehr und dass ich die Herausforderung brauche.“

Bei Operationsvorbereitung bereits Begräbnis geplant

Den beruflichen Herausforderungen standen allerdings noch gesundheitliche im Weg, denn Hofmeister musste eine lebensgefährliche Entscheidung treffen.

„In meinem Leben hatte ich schon an die hundert Operationen. Die wichtigste und bedrohlichste war jene in meinen Zwanzigern. Ich litt an schwerer Skoliose und Lordose, einer massiven Fehlstellung der Wirbelsäule. Es war mir nicht einmal mehr möglich, zu sitzen.“

Starke Schmerzen waren ihr ständiger Begleiter. „Ich stand vor der Entscheidung, meine Wirbelsäule begradigen zu lassen, oder mein gesamtes Leben im Bett liegend verbringen zu müssen. Die Chance, diese Operation zu überleben, war gering“, erklärt Hofmeister, die sich schlussendlich und trotz Risiko für die Operation entschieden hat.

„Ein Leben ohne Mobilität und mit diesen fast unerträglichen Schmerzen konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. In diesem Zuge habe ich auch mein Begräbnis geplant, die Einladungen gestaltet und eine Liste der Trauergäste vorbereitet. Es war für mich eine Entscheidung zwischen Leben und Tod.“

Nach der 28-stündigen Operation in Innsbruck lag sie vier Tage auf der Intensivstation im Tiefschlaf. Eine Sepsis (Blutvergiftung) und Gewebsnekrosen verschlimmerten ihren Zustand. Nach wie vor hing ihr Leben am seidenen Faden.

Rehabilitation und viel Geduld halfen der Oberösterreicherin bei der Genesung, doch die starken Schmerzen blieben. Jahrelang waren sie so massiv, dass Petra Hofmeister immer wieder neue Fachärzte aufsuchte.

Doch keiner wollte ihr Glauben schenken. „Die Ärzte hielten mich für psychisch instabil und mir wurden Psychopharmaka verschrieben. Das Rezept für die Medikamente habe ich sofort zerrissen und mich nicht unterkriegen lassen.“

Erst bei einer erneuten Untersuchung wurde festgestellt, dass die Stäbe zur Versteifung im Schulter- und Gesäßbereich bei körperlicher Bewegung in ihr Gewebe stachen.

„Ich habe geschrien vor Schmerzen und wog nur noch 32 Kilo.“ Daraufhin folgte eine erneute Operation. Diesmal mit Erfolg. Sie brachte endlich die ersehnte Linderung. Hofmeister fand zurück ins Leben und auch zur Lebensfreude, wie sie lächelnd sagt. „Obwohl ich niemals auf beiden Beinen stehen werde, stehe ich dennoch mit beiden Beinen im Leben.

Ich bin dankbar für mein Leben im Rollstuhl, dass ich endlich schmerzfrei bin und für alles, was ich dadurch gelernt habe.

Wie etwa, sich in schwierigen Zeiten und auf steinigen Wegen nicht aufzugeben“, sagt Hofmeister mit fester Stimme. Auf die Frage, woher sie die Kraft nimmt, antwortet sie ganz klar und ohne zu zögern, „Ich möchte selbstbestimmt leben.“

Körperpflege und die Auswahl passender, modischer Kleidung sind Hofmeister besonders wichtig. Dabei erhält sie schon zeitig in der Früh Unterstützung. Danach beginnt sie ihren Arbeitstag. Täglich arbeitet sie vormittags im Büro einer Postfiliale und gilt dort als wahrer Excel-Profi.

„Niemand hätte je gedacht, dass ich einmal mit meinen Händen eine Tastatur für den Computer bedienen werden kann“, sagt Hofmeister sichtlich stolz.

Im Oktober 2020 hat die 42jährige die Ausbildung zur Peerberaterin (Personen, die Erfahrungen und Zugehörigkeiten teilen) absolviert.

„Dabei beraten Menschen mit Beeinträchtigung andere Menschen mit Beeinträchtigung.“

Wenn ihr Freizeit bleibt, ist Petra Hofmeister gerne mit ihrem Rollstuhl auf Konzerten unterwegs.

Ihr Blick in die Zukunft ist mit dem Ziel verankert, dass sie beruflich als „vollwertige Arbeitskraft“ anerkannt wird und von der Taschengeldprämie wegkommt. Derzeit spart die 42jährige auf einen neuen Laptop. trölß
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