Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 03/2026 vom 14.01.2026, Fotos: Thomas&Thomas, facebook, ORF/ZDF/Dirk Bartling, APA-Images / dpa Picture Alliance / Eventpress MP
Artikel-Bild
Howard Carpendale, 80
Artikel-Bild
Mit seiner Frau Donnice.
Artikel-Bild
Wayne Carpendale (re.) ist Schauspieler.
Hier in einer „Traumschiff“-Folge.
Artikel-Bild
Howard Carpendale mit Ehefrau Donnice und dem gemeinsamen Sohn Cass.
Howard Carpendale, 80:
„Ich wollte eine richtige Hausfrau“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Von außen betrachtet, gleicht die Biografie von Howard Carpendale einem Erfolgslauf. Wer genau hinschaut, wird aber auch Tragödien nicht übersehen – und eine gewisse Schlichtheit. Der Schlagersänger feiert nun seinen 80er und steht seit 60 Jahren auf der Bühne.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Das Jahr 1970 war jenes, in dem ein Südafrikaner mit unverwechselbarem Akzent seinen Durchbruch im deutschsprachigen Raum feierte. Mit dem Lied „Das schöne Mädchen von Seite 1“ gewann Howard Carpendale den Deutschen Schlager-Wettbewerb und wurde quasi über Nacht berühmt. Dabei hat er die deutsche Sprache kurz zuvor zum ersten Mal bewusst wahrgenommen – in einer Straßenbahn. „Der Waggon war voller Menschen, und ich lauschte dem Klang ihrer Sprache. Deutsch ähnelt Afrikaans, der Sprache, die wir in meiner Heimat gesprochen haben. Immer wieder verstand ich einzelne Wörter“, heißt es in seiner Biografie „Unerwartet“ (Verlag Heine).

In diesem Werk hat er auch seine Anfänge aufgearbeitet. Ausgangspunkt ist seine Geburt am 14. Jänner 1946 in Durban an der Ostküste Südafrikas. Er bekam den Namen Howard Victor Carpendale. Sein Vater Douglas war Kaufmann für Herrenoberbekleidung und brachte es als Politiker zu Ansehen.

Der Sohn wuchs in einer privilegierten Familie auf – mit den vier und acht Jahre älteren Schwestern Jean und Anne sowie dem schwarzen Kindermädchen Betty. Erst viel später begriff er die Apartheid als moralische Erschütterung: „Ich bin als weißes Kind mit Privilegien aufgewachsen. Das war Glück, aber auch Schuld.“

Diese Privilegien schützten den kleinen pummeligen und unsportlichen „Howie“ allerdings nicht vor einem Erlebnis, das seine Welt erschütterte. Die Eltern erlaubten einem Bekannten, den zehnjährigen Sohn ins Kino mitzunehmen. Als Archie, ein Seemann, ihn anschließend nach Hause begleitet hat, setzte er sich mit ihm auf eine Parkbank.

„Mit seiner rissigen Hand griff er nach meinem linken Knie. Er tätschelte es. (…) Seine Hand streifte mein Bein hinauf, immer höher.“ Carpendale erstarrte und fasste erst, nachdem Archie ihn mehrfach „abgeholt“ hat, den Mut, sich seinen Eltern anzuvertrauen.

Sie reagierten hilf- und sprachlos – und hinterließen ihren Sohn mit einer Frage, die bis heute blieb: „Ich möchte ihnen keinen Vorwurf machen, schon allein, weil sie tot sind. Und doch würde ich sie gern fragen: Wie konntet ihr das zulassen?“ Vielleicht war es genau diese Ohnmacht, aus der er später seine Stärke entwickeln konnte. In der Pubertät wuchs Carpendale auf 185 Zentimeter und entdeckte den Sport. Surfen, Rugby, Cricket, Boxen und Leichtathletik gehörten zu seinen bevorzugten Gebieten.

Im Jahr 1963 wurde er als 17jähriger sogar südafrikanischer Jugendmeister im Kugelstoßen, parallel
entstand seine Liebe zur Musik.

In der Schule gründete er mit vier Gleichgesinnten die Band „The Strangers“, später folgten „The Kingsmen“, mit denen er Lieder der „Beatles“ und von Elvis Presley nachsang.

Erste Wettbewerbssiege und Klubauftritte bestärken ihn und mit 20 Jahren wurde er in London (England) Sänger einer Band. Bald darauf kam er nach Deutschland. Seine erste Single „Lebenslänglich“ erschien im Dezember 1966 und verkaufte sich 60.000 Mal. „Ein Achtungserfolg. Das hätte ich nicht gedacht.“

Mit dem Erfolg wuchs das Medieninteresse. Auf die Frage eines Journalisten, wie denn seine Traumfrau sein müsste, antwortete er zeitgemäß und unreflektiert: „Sie muss gut aussehen. (…) Ich will keine Frau, die arbeiten will – ich will eine richtige Hausfrau.“ Heute sagt er: „Der Mensch entwickelt sich. Ich war selbstbewusst – aber auch recht schlicht.“

In Claudia fand er zwar kein Hausmütterchen, dafür eine starke Frau, die seine Karriere förderte. Die beiden heirateten 1976, doch die Ehe scheiterte 1981 schon wieder. Die Verbindung aber blieb – nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Sohnes Wayne. Ein Jahr später lernte Carpendale Donnice in Florida (USA) kennen, blieb aber bis 2005 mit Claudia verheiratet, die ihm in Krisen weiter Halt gab. Während Goldene Schallplatten zur Regel wurden, kämpfte Carpendale privat. Donnice, die 1988 Sohn Cass zur Welt brachte, rang jahrelang mit ihrer Alkoholsucht.

Vierzehn Therapien scheiterten. „Es war wie im Gefängnis“, schreibt Carpendale über Entzugskliniken in den USA. Erst als das Paar nach Deutschland übersiedelte, kam Donnice von der Sucht los und er ist heute das, was er immer sein wollte: nicht nur Schlagersänger. Politische Aussagen gehören zu seinen Konzerten, wichtiger aber sind die persönlichen Geschichten, die er mit seinen Anhängern teilt.

„Ich habe viel Trauer erlebt“, sagt er. „Als ich 1965 aus Südafrika fortging, war ich der jüngste Sohn einer fünfköpfigen Familie. Während ich in Deutschland lebte, habe ich diese Menschen verloren, alle vier. (…) Der Preis, den man für Glück zahlt, heißt Trauer.“

Dennoch gibt es ein „Happy End“. Im März 2018 heiratete der Sänger nach mehr als 30 gemeinsamen Jahren seine Donnice.

Jetzt feiert er seinen 80er und begibt sich auf Abschiedstournee, die ihn am 22. März in die Wiener Stadthalle führen wird. reiter
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung