Rudi Cerne: „Wir sollten auch hinten Augen haben“
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Als Moderator von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ beschäftigt sich Rudi Cerne, 67, regelmäßig mit schweren Verbrechen und bleibt dabei ruhig, sachlich und souverän.
Im Gespräch erzählt er von seiner Vergangenheit als Eiskunstlauf-Champion, von einem Mörder im Studio und dem größten Irrtum seines Lebens.
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Herr Cerne, Sie gelten als einer der seriösesten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Da Sie
halber Österreicher sind: Dürfen wir auch ein
bisschen stolz sein?
Danke für das Kompliment, gerne. Meine Mutter kam aus Kirchbichl in Tirol. Ich war deshalb in meiner Jugend immer in Österreich unterwegs. Meine ganzen Verwandten kamen aus Österreich. Meine Mutter hatte sechs Geschwister und mein Vater ist in meiner Jugend regelmäßig mit mir nach Innsbruck zum Eiskunstlauf-Training gefahren. Ich habe zwischendurch zwar einmal
meinen Onkel besucht, war aber lange nicht mehr dort. Ich müsste wieder einmal hinfahren.
Sie moderieren seit dem Jahr 2002 die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Gibt es bei Ihnen schon „Mord zum Frühstück“?
(lacht) Nein, Mord zum Frühstück gibt es bei mir nicht. Die Arbeit beginnt in der Regel, wenn wir uns per Video mit der Redaktion zusammenschalten. Das ist ein klassisches Redaktionsgespräch, wie es im Journalismus üblich ist. Wir sprechen über die Moderation, über die Kommissare, darüber, was wir verbessern können. Ich sehe mir die Filme schon lange im Vorfeld an. Dann kommen Proben, die Generalprobe und schließlich die Sendung. Das ist ein Prozess, der sich Schritt für Schritt entwickelt.
Sie waren ursprünglich Eiskunstläufer, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Wunsch Ihres Vaters …
Mein Vater war selbst ein guter Eiskunstläufer, konnte seinen Traum aber nicht verwirklichen, weil er im Krieg schwer verletzt wurde und ein Bein verlor. Deshalb hat er diesen Traum in mir weitergelebt. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, wo sportlich gesehen drei Dinge angesagt sind: Fußball, Fußball, Fußball. Das hätte ich auch lieber gemacht. Aber mein Vater war der Meinung: „Kurze Hosen, das ist nichts.“ Er war eher auf der eleganten Schiene. Und dann kamen relativ schnell die Erfolge. Mit elf Jahren war ich deutscher Juniorenmeister, mit zwölf deutscher Meister in einer höheren Klasse. Und irgendwann war ich selbst begeistert und habe für diesen Sport gebrannt.
Ist die Seriosität, die in einem Atemzug mit Ihrem Namen genannt wird, ein Ergebnis der „eleganten Sportart“ Eiskunstlauf?
Das fasse ich als großes Kompliment auf, aber das ist vor allem mein Naturell. Anders gesagt: Das wurde mir wohl in die Wiege gelegt – vielleicht auch vererbt. Es ist schlicht und einfach mein Stil.
Sie waren lange Sportmoderator, heute ist Ihr Genre das Verbrechen, das im Fernsehen und in den sozialen Medien als Podcast sehr gut ankommt. Sind Sie abseits von „Aktenzeichen XY“ dort auch hineingekippt?
Ich höre mir keine sogenannten „True-Crime“-Podcasts in meiner Freizeit an, was daran liegt, dass wir unseren eigenen „XY“-Podcast haben, bei dem jede Aufzeichnung drei bis vier Stunden dauert. Danach brauche ich das privat nicht mehr. Aber ich halte das Genre aus, nehme es an und finde – nebenbei bemerkt – unser Format sehr gut.
Verändert diese Arbeit den Blick auf den Alltag? Drehen Sie sich öfter um?
Ja, definitiv. Ich habe eine gewisse Sensibilität entwickelt. Man sollte auch Augen hinten am Kopf haben. Wenn mir jemand zu nahe kommt, gehe ich zur Seite und lasse die Person vorbei. Das ist kein Misstrauen, sondern Aufmerksamkeit. Man weiß ja nie.
Sie hatten selbst eine extreme Erfahrung, als Sie mit dem RAF-Terroristen Christian Klar verwechselt wurden. Erzählen Sie bitte …
Das war 1978, zur Hochzeit des RAF-Terrorismus, der sogenannte Deutsche Herbst (Anm.: Rote Armee Fraktion, linksextreme Terrororganisation im Westdeutschland der 1970er bis 90er Jahre). Es gab ein Fahndungsfoto, das mir ähnlich sah. Ich dachte selbst, die Brille von Klar sieht aus wie meine.
Wie müssen wir uns diese Situation vorstellen?
Das war am Düsseldorfer Flughafen. Ich kam aus München angereist, wo ich mir bei den Europameisterschaften im Eiskunstlaufen als Deutscher Meister die Schulter ausgekugelt habe. Ich war in Gedanken ganz woanders, weil ich mich gefragt habe, was noch kommen könnte. Es war ja mit dem Sturz alles in die Brüche gegangen, weil ich nicht mehr starten konnte. Als ich so vor mich hin sinniert habe, kam plötzlich ein Polizist auf mich zu, hielt mir die Waffe vor die Nase und sagte: „Nehmen Sie die Hände hoch!“ Ich dachte, ich bin im falschen Film. Es war gut, dass ich erst später bei der Bundeswehr war und noch nicht um die Durchschlagskraft einer Waffe wusste. Sonst wäre ich nervöser gewesen.
Konnten Sie das Missverständnis rasch aufklären?
Das ging ruckzuck, da ich meinen Pass dabei hatte.
Eine weitere makabre Situation in Ihrem Leben war, als ein Mörder im „XY“-Studio saß. Der Mann, der in der Sendung trauerte, hatte seine Verlobte umgebracht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Haben Sie nichts bemerkt?
Da bin ich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Es ist ja auch eine Live-Situation. Ich war auf dieses Gespräch vorbereitet und war dann schon wieder auf das nächste konzentriert. Ich weiß nur, dass im Nachhinein ein Ermittler gesagt hat: „Ich glaube, der war es.“ Wir können in niemanden hineinsehen.
Zur Person
Rudi Cerne wurde am 26. September 1958
in Wanne-Eickel in Nordrhein-Westfalen (D) geboren.
Er war erfolgreicher Eiskunstläufer und wurde mehrfach deutscher Meister.
Nach dem Ende seiner Sportkarriere wirkte er einige Zeit bei der Revue „Holiday on Ice“ mit. Im Jahr 1996 begann seine Zeit beim ZDF als Sportmoderator, später
moderierte er auch den „Fernsehgarten“ und seit 2002 die Kultsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Mit seiner Jugendliebe Christiane, die er 1978 in
Las Vegas (USA) geheiratet hat, lebt er in Rodenbach (D). Das Ehepaar hat eine 35jährige Tochter.
„Aktenzeichen XY … ungelöst“: Mi. 21.1., 20.15 Uhr, ZDF
halber Österreicher sind: Dürfen wir auch ein
bisschen stolz sein?
Danke für das Kompliment, gerne. Meine Mutter kam aus Kirchbichl in Tirol. Ich war deshalb in meiner Jugend immer in Österreich unterwegs. Meine ganzen Verwandten kamen aus Österreich. Meine Mutter hatte sechs Geschwister und mein Vater ist in meiner Jugend regelmäßig mit mir nach Innsbruck zum Eiskunstlauf-Training gefahren. Ich habe zwischendurch zwar einmal
meinen Onkel besucht, war aber lange nicht mehr dort. Ich müsste wieder einmal hinfahren.
Sie moderieren seit dem Jahr 2002 die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Gibt es bei Ihnen schon „Mord zum Frühstück“?
(lacht) Nein, Mord zum Frühstück gibt es bei mir nicht. Die Arbeit beginnt in der Regel, wenn wir uns per Video mit der Redaktion zusammenschalten. Das ist ein klassisches Redaktionsgespräch, wie es im Journalismus üblich ist. Wir sprechen über die Moderation, über die Kommissare, darüber, was wir verbessern können. Ich sehe mir die Filme schon lange im Vorfeld an. Dann kommen Proben, die Generalprobe und schließlich die Sendung. Das ist ein Prozess, der sich Schritt für Schritt entwickelt.
Sie waren ursprünglich Eiskunstläufer, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Wunsch Ihres Vaters …
Mein Vater war selbst ein guter Eiskunstläufer, konnte seinen Traum aber nicht verwirklichen, weil er im Krieg schwer verletzt wurde und ein Bein verlor. Deshalb hat er diesen Traum in mir weitergelebt. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, wo sportlich gesehen drei Dinge angesagt sind: Fußball, Fußball, Fußball. Das hätte ich auch lieber gemacht. Aber mein Vater war der Meinung: „Kurze Hosen, das ist nichts.“ Er war eher auf der eleganten Schiene. Und dann kamen relativ schnell die Erfolge. Mit elf Jahren war ich deutscher Juniorenmeister, mit zwölf deutscher Meister in einer höheren Klasse. Und irgendwann war ich selbst begeistert und habe für diesen Sport gebrannt.
Ist die Seriosität, die in einem Atemzug mit Ihrem Namen genannt wird, ein Ergebnis der „eleganten Sportart“ Eiskunstlauf?
Das fasse ich als großes Kompliment auf, aber das ist vor allem mein Naturell. Anders gesagt: Das wurde mir wohl in die Wiege gelegt – vielleicht auch vererbt. Es ist schlicht und einfach mein Stil.
Sie waren lange Sportmoderator, heute ist Ihr Genre das Verbrechen, das im Fernsehen und in den sozialen Medien als Podcast sehr gut ankommt. Sind Sie abseits von „Aktenzeichen XY“ dort auch hineingekippt?
Ich höre mir keine sogenannten „True-Crime“-Podcasts in meiner Freizeit an, was daran liegt, dass wir unseren eigenen „XY“-Podcast haben, bei dem jede Aufzeichnung drei bis vier Stunden dauert. Danach brauche ich das privat nicht mehr. Aber ich halte das Genre aus, nehme es an und finde – nebenbei bemerkt – unser Format sehr gut.
Verändert diese Arbeit den Blick auf den Alltag? Drehen Sie sich öfter um?
Ja, definitiv. Ich habe eine gewisse Sensibilität entwickelt. Man sollte auch Augen hinten am Kopf haben. Wenn mir jemand zu nahe kommt, gehe ich zur Seite und lasse die Person vorbei. Das ist kein Misstrauen, sondern Aufmerksamkeit. Man weiß ja nie.
Sie hatten selbst eine extreme Erfahrung, als Sie mit dem RAF-Terroristen Christian Klar verwechselt wurden. Erzählen Sie bitte …
Das war 1978, zur Hochzeit des RAF-Terrorismus, der sogenannte Deutsche Herbst (Anm.: Rote Armee Fraktion, linksextreme Terrororganisation im Westdeutschland der 1970er bis 90er Jahre). Es gab ein Fahndungsfoto, das mir ähnlich sah. Ich dachte selbst, die Brille von Klar sieht aus wie meine.
Wie müssen wir uns diese Situation vorstellen?
Das war am Düsseldorfer Flughafen. Ich kam aus München angereist, wo ich mir bei den Europameisterschaften im Eiskunstlaufen als Deutscher Meister die Schulter ausgekugelt habe. Ich war in Gedanken ganz woanders, weil ich mich gefragt habe, was noch kommen könnte. Es war ja mit dem Sturz alles in die Brüche gegangen, weil ich nicht mehr starten konnte. Als ich so vor mich hin sinniert habe, kam plötzlich ein Polizist auf mich zu, hielt mir die Waffe vor die Nase und sagte: „Nehmen Sie die Hände hoch!“ Ich dachte, ich bin im falschen Film. Es war gut, dass ich erst später bei der Bundeswehr war und noch nicht um die Durchschlagskraft einer Waffe wusste. Sonst wäre ich nervöser gewesen.
Konnten Sie das Missverständnis rasch aufklären?
Das ging ruckzuck, da ich meinen Pass dabei hatte.
Eine weitere makabre Situation in Ihrem Leben war, als ein Mörder im „XY“-Studio saß. Der Mann, der in der Sendung trauerte, hatte seine Verlobte umgebracht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Haben Sie nichts bemerkt?
Da bin ich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Es ist ja auch eine Live-Situation. Ich war auf dieses Gespräch vorbereitet und war dann schon wieder auf das nächste konzentriert. Ich weiß nur, dass im Nachhinein ein Ermittler gesagt hat: „Ich glaube, der war es.“ Wir können in niemanden hineinsehen.
Zur Person
Rudi Cerne wurde am 26. September 1958
in Wanne-Eickel in Nordrhein-Westfalen (D) geboren.
Er war erfolgreicher Eiskunstläufer und wurde mehrfach deutscher Meister.
Nach dem Ende seiner Sportkarriere wirkte er einige Zeit bei der Revue „Holiday on Ice“ mit. Im Jahr 1996 begann seine Zeit beim ZDF als Sportmoderator, später
moderierte er auch den „Fernsehgarten“ und seit 2002 die Kultsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Mit seiner Jugendliebe Christiane, die er 1978 in
Las Vegas (USA) geheiratet hat, lebt er in Rodenbach (D). Das Ehepaar hat eine 35jährige Tochter.
„Aktenzeichen XY … ungelöst“: Mi. 21.1., 20.15 Uhr, ZDF
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