Ausgabe Nr. 03/2026 vom 14.01.2026, Fotos: AdobeStock, APA-Images, Visual Capitalist/Opec, Kandische Regierung, Energy Institute
Blut für schwarzes Gold
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
und Artikel an Freunde verschenken.
Erdöl ist das Schmiermittel unserer Welt. Das schwarze Gold hat unser Leben verändert wie kaum ein anderer Rohstoff. Aber die Gier nach Öl zieht eine Blutspur über die Kontinente.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Wenige Stunden nach dem Angriff auf Venezuela war klar, worum es Donald Trump tatsächlich geht – den Zugriff auf die größten Erdölreserven der Welt. Unter der Erdoberfläche des südamerikanischen Landes liegt rund ein Fünftel der bekannten Rohöl-Vorkommen.
„Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne, die größten der Welt, dorthin schicken, damit sie Milliarden von Dollar investieren“, erklärte der amerikanische Präsident.
Der „Krieg gegen die Drogen“, der zuvor als Begründung für den Angriff auf einen unabhängigen Staat mit mindestens hundert Toten und die Entführung des Staatschefs Nicolás Maduro herhalten musste, ist nur noch Nebensache.
Maduro soll zwar in den USA vor Gericht gestellt werden. Ihm wird eine „Verschwörung zur Einfuhr von Kokain in die USA“ vorgeworfen. Aber es ist das schwarze Gold Venezuelas, das Trump wirklich will. Zwischen 30 und 50 Millionen Fass Öl soll das Land jetzt einmal an die USA liefern. Das reicht angesichts des enormen Öl-Verbrauches in den Vereinigten Staaten höchstens für zweieinhalb Tage. Aber es ist erst der Anfang. Ein Fass (englisch Barrel) ist die gebräuchlichste Einheit für Rohöl und entspricht knapp 159 Litern.
Derzeit fördert Venezuela trotz seiner großen Reserven nur rund eine Million Fass Öl pro Tag – das Ergebnis der Sanktionen gegen das Land, fehlender Ersatzteile, aber auch der Enteignung ausländischer Konzerne. Zudem gilt ein großer Teil des venezolanischen Erdöls als besonders schwer, das heißt, es ist zähflüssiger, die Verarbeitung ist teuer und umweltschädlich.
Trump will die Einnahmen aus dem Erdöl-Verkauf selbst kontrollieren – „zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten“. Angesichts des derzeitigen Ölpreises sind das bis zu 2,5 Milliarden Euro. Damit werde Venezuela „ausschließlich in den USA hergestellte Produkte kaufen“, kündigte der 79jährige zudem an, etwa landwirtschaftliche Produkte oder Medikamente. Der wichtigste Erdöl-Abnehmer Venezuelas war bisher China. Das Öl aus Südamerika machte aber nur rund vier Prozent der Ölimporte aus.
Der Angriff auf Venezuela könnte erst der Anfang sein. Donald Trump hat zuletzt laut über weitere Aktionen in lateinamerikanischen Staaten nachgedacht. Aber auch Grönland steht auf seiner Liste der Begehrlichkeiten. Die USA wollen die Insel kaufen, drohen auch mit dem Militär. Dessen Budget will Trump von 1.000 auf 1.500 Milliarden Dollar erhöhen.
Die größte Insel der Welt mit knapp 57.000 Bewohnern liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean, zwischen Nordamerika und Europa. Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend unabhängig und von enormer strategischer Bedeutung.
Schon jetzt gibt es dort einen Luftwaffenstützpunkt der USA mit einem Raketen-Frühwarnsystem. Vor allem aber liegen im Boden Grönlands wertvolle, bisher kaum genutzte Rohstoffe. Sogenannte seltene Erden, die für Elektro-Autos oder Raketen notwendig sind, zudem auch Gas und Erdöl. Die Regierung Grönlands hat aber vor fünf Jahren beschlossen, keine neuen Ölförder-Lizenzen mehr zu erteilen. Hauptsächlich aus Umweltschutzgründen, der Preis für die Ölförderung sei „zu hoch“.
Das Öl hat unseren Alltag revolutioniert. Ohne den flüssigen Bodenschatz gäbe es keine Autos, keine Flugzeuge, kein Plastik.
Aber es hat auch eine Blutspur über die Kontinente gezogen. Die Geburtsstunde der Erdölindustrie schlug im Jahr 1859 im kleinen Ort Titusville in den USA.
Schon zuvor hatte es Bohrungen in Aserbaidschan und Deutschland gegeben. In Titusville stießen die Erdöl-Sucher in 21 Metern Tiefe auf eine ergiebige Lagerstätte.
Das dort aus dem Bohrloch sprudelnde schwarze Gold wurde vor allem für den Lampenbrennstoff Petroleum verwendet und sorgte für einen „Ölrausch“ in der Region. Die Hauspreise schossen in die Höhe, Glücksritter wurden angezogen, aber auch Geschäftsleute wie John D. Rockefeller, der eines der größten Industrievermögen Amerikas aufbaute.
Erdöl ist das Schmiermittel unserer Welt und der Weltpolitik. Der Erhalt der westlichen Wirtschaftsinteressen war etwa der Grund für den Sturz des demokratisch gewählten Premierministers im Iran im Jahr 1953. Er hatte die Ölindustrie seines Landes, die von einer mehrheitlich britischen Ölgesellschaft kontrolliert wurde, verstaatlicht, weil die Gewinne großteils ins Ausland flossen. Der amerikanische und britische Geheimdienst verhalfen Schah Mohammad Reza Pahlavi wieder an die Macht. Er regierte als pro-westlicher Diktator – bis 1979, als ihn die Islamische Revolution vom Thron fegte.
„Kein Blut für Öl“, das war auch die Parole der Proteste gegen den Irak-Krieg 2003. Amerikanische Truppen und Verbündete ihrer „Koalition der Willigen“ marschierten in den Irak ein, um den Machthaber Saddam Hussein und sein Regime zu stürzen.
Als offizieller Grund wurde die Bedrohung durch angebliche irakische Massenvernichtungswaffen genannt. Die wurden allerdings nie gefunden. Beobachter vermuteten von Anfang an die Kontrolle über die irakischen Ölfelder als Haupt-Kriegsgrund.
In unserem Land können wir heute nur noch rund sechs Prozent des Erdölbedarfes aus eigener Produktion decken. Das war während des Zweiten Weltkrieges anders. Das Erdöl und seine Bedeutung für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie war mit ein Grund für den „Anschluss“ im Jahr 1938 an Hitler-Deutschland.
Das Ölfeld Zistersdorf in Niederösterreich wurde zum bedeutendsten Vorkommen im „Deutschen Reich“. Im Jahr 1944 stammten sogar knapp zwei Drittel der
Erdölproduktion in Nazi-Deutschland aus hiesigen Ölfeldern.
„Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne, die größten der Welt, dorthin schicken, damit sie Milliarden von Dollar investieren“, erklärte der amerikanische Präsident.
Der „Krieg gegen die Drogen“, der zuvor als Begründung für den Angriff auf einen unabhängigen Staat mit mindestens hundert Toten und die Entführung des Staatschefs Nicolás Maduro herhalten musste, ist nur noch Nebensache.
Maduro soll zwar in den USA vor Gericht gestellt werden. Ihm wird eine „Verschwörung zur Einfuhr von Kokain in die USA“ vorgeworfen. Aber es ist das schwarze Gold Venezuelas, das Trump wirklich will. Zwischen 30 und 50 Millionen Fass Öl soll das Land jetzt einmal an die USA liefern. Das reicht angesichts des enormen Öl-Verbrauches in den Vereinigten Staaten höchstens für zweieinhalb Tage. Aber es ist erst der Anfang. Ein Fass (englisch Barrel) ist die gebräuchlichste Einheit für Rohöl und entspricht knapp 159 Litern.
Derzeit fördert Venezuela trotz seiner großen Reserven nur rund eine Million Fass Öl pro Tag – das Ergebnis der Sanktionen gegen das Land, fehlender Ersatzteile, aber auch der Enteignung ausländischer Konzerne. Zudem gilt ein großer Teil des venezolanischen Erdöls als besonders schwer, das heißt, es ist zähflüssiger, die Verarbeitung ist teuer und umweltschädlich.
Trump will die Einnahmen aus dem Erdöl-Verkauf selbst kontrollieren – „zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten“. Angesichts des derzeitigen Ölpreises sind das bis zu 2,5 Milliarden Euro. Damit werde Venezuela „ausschließlich in den USA hergestellte Produkte kaufen“, kündigte der 79jährige zudem an, etwa landwirtschaftliche Produkte oder Medikamente. Der wichtigste Erdöl-Abnehmer Venezuelas war bisher China. Das Öl aus Südamerika machte aber nur rund vier Prozent der Ölimporte aus.
Der Angriff auf Venezuela könnte erst der Anfang sein. Donald Trump hat zuletzt laut über weitere Aktionen in lateinamerikanischen Staaten nachgedacht. Aber auch Grönland steht auf seiner Liste der Begehrlichkeiten. Die USA wollen die Insel kaufen, drohen auch mit dem Militär. Dessen Budget will Trump von 1.000 auf 1.500 Milliarden Dollar erhöhen.
Die größte Insel der Welt mit knapp 57.000 Bewohnern liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean, zwischen Nordamerika und Europa. Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend unabhängig und von enormer strategischer Bedeutung.
Schon jetzt gibt es dort einen Luftwaffenstützpunkt der USA mit einem Raketen-Frühwarnsystem. Vor allem aber liegen im Boden Grönlands wertvolle, bisher kaum genutzte Rohstoffe. Sogenannte seltene Erden, die für Elektro-Autos oder Raketen notwendig sind, zudem auch Gas und Erdöl. Die Regierung Grönlands hat aber vor fünf Jahren beschlossen, keine neuen Ölförder-Lizenzen mehr zu erteilen. Hauptsächlich aus Umweltschutzgründen, der Preis für die Ölförderung sei „zu hoch“.
Das Öl hat unseren Alltag revolutioniert. Ohne den flüssigen Bodenschatz gäbe es keine Autos, keine Flugzeuge, kein Plastik.
Aber es hat auch eine Blutspur über die Kontinente gezogen. Die Geburtsstunde der Erdölindustrie schlug im Jahr 1859 im kleinen Ort Titusville in den USA.
Schon zuvor hatte es Bohrungen in Aserbaidschan und Deutschland gegeben. In Titusville stießen die Erdöl-Sucher in 21 Metern Tiefe auf eine ergiebige Lagerstätte.
Das dort aus dem Bohrloch sprudelnde schwarze Gold wurde vor allem für den Lampenbrennstoff Petroleum verwendet und sorgte für einen „Ölrausch“ in der Region. Die Hauspreise schossen in die Höhe, Glücksritter wurden angezogen, aber auch Geschäftsleute wie John D. Rockefeller, der eines der größten Industrievermögen Amerikas aufbaute.
Erdöl ist das Schmiermittel unserer Welt und der Weltpolitik. Der Erhalt der westlichen Wirtschaftsinteressen war etwa der Grund für den Sturz des demokratisch gewählten Premierministers im Iran im Jahr 1953. Er hatte die Ölindustrie seines Landes, die von einer mehrheitlich britischen Ölgesellschaft kontrolliert wurde, verstaatlicht, weil die Gewinne großteils ins Ausland flossen. Der amerikanische und britische Geheimdienst verhalfen Schah Mohammad Reza Pahlavi wieder an die Macht. Er regierte als pro-westlicher Diktator – bis 1979, als ihn die Islamische Revolution vom Thron fegte.
„Kein Blut für Öl“, das war auch die Parole der Proteste gegen den Irak-Krieg 2003. Amerikanische Truppen und Verbündete ihrer „Koalition der Willigen“ marschierten in den Irak ein, um den Machthaber Saddam Hussein und sein Regime zu stürzen.
Als offizieller Grund wurde die Bedrohung durch angebliche irakische Massenvernichtungswaffen genannt. Die wurden allerdings nie gefunden. Beobachter vermuteten von Anfang an die Kontrolle über die irakischen Ölfelder als Haupt-Kriegsgrund.
In unserem Land können wir heute nur noch rund sechs Prozent des Erdölbedarfes aus eigener Produktion decken. Das war während des Zweiten Weltkrieges anders. Das Erdöl und seine Bedeutung für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie war mit ein Grund für den „Anschluss“ im Jahr 1938 an Hitler-Deutschland.
Das Ölfeld Zistersdorf in Niederösterreich wurde zum bedeutendsten Vorkommen im „Deutschen Reich“. Im Jahr 1944 stammten sogar knapp zwei Drittel der
Erdölproduktion in Nazi-Deutschland aus hiesigen Ölfeldern.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung














