Fifi Pissecker:
„Ein Sessel bleibt für den toten Papa frei“
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Fifi Pissecker, 60, lässt in seinem neuen Kabarett-Programm sein Leben zwischen 16 und 60 Revue passieren.
Vater Wolfgang ist bei allen Auftritten dabei – obwohl er seit 40 Jahren tot ist.
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Herr Pissecker, Sie stehen mit dem neuen Programm „Na gratuliere“ auf der Bühne.
Was gibt es denn zu feiern?
Na ja, das Leben. Es ist eine kabarettistische Biografie und ich plaudere aus dem Nähkästchen. Wie alles begonnen hat und wie schwierig der Anfang mit den „Hektikern“ war. Auch deshalb, weil meine Eltern diesen Werdegang nicht gerade gustiert haben. Gut 100 Seiten habe ich geschrieben, am Ende ist ein Destillat von 55 übriggeblieben. Dafür hat Werner Sobotka gesorgt, mein „Hektiker“-Kollege und Regisseur, den ich seit 50 Jahren kenne.
50 Jahre sind eine lange Zeit. Wenn Sie an die Anfänge Ihrer Karriere denken: War „damals“ wirklich alles besser?
Die Vergangenheit war, wie sie war – und das ist gut so. Meiner Meinung nach haben alle, die zwischen 1950 und 1970 geboren sind, die „Goldenen Zeiten“ erlebt. So gut wie uns wird es der Menschheit, glaube ich, nie wieder gehen. Was mir heute bei Jugendlichen oft fehlt, ist der Schmäh. Alle schauen ins Mobiltelefon, statt sich zu unterhalten, und sie lachen weniger. Dabei ist der Humor nach der Liebe die zweitwichtigste Energie und Kraft.
Ab wann wollten Sie den Schmäh zur Einnahmequelle machen?
Bei mir hat der Witz immer dazugehört, das war schon in der Schule so. Mit 16 Jahren wollte ich Schauspieler werden, aber der Vater hat‘s verboten. Stattdessen hat er mich in eine Lehre geschickt und ich kam von der Gymnasium- quasi in die Arbeiter-Schicht. Das war eine harte Zeit, in der ich jeden Tag um fünf Uhr in der Früh aufgestanden bin. Die Tätigkeit war alles andere als lustig, dafür ist tagtäglich der Schmäh „grennt“. Das war prägend für mich und hat die Arbeit für uns alle viel leichter gemacht.
Ihr Vater ist im Jahr 1985 gestorben. Das ist lange her. Trotzdem lassen Sie noch immer einen Sessel für ihn frei, wenn Sie auftreten. Warum?
Weil es mich bis heute beschäftigt. Auch wenn sein Tod 40 Jahre zurückliegt, ist es ein Verlust und eine Lücke, die sich nie mehr schließen wird. Ich thematisiere das auch im aktuellen Programm, auch, wenn das natürlich eine Schmäh-Bremse ist. Da macht sich für einige Sekunden Nachdenklichkeit breit, das ist aber das Schöne, wenn ich solo auf der Bühne stehe. Du kannst tun und lassen, was du willst – und das nehme ich mir heraus, auch, wenn es ein bisschen egoistisch ist. Vielleicht sogar therapeutisch. Ich möchte den Papa auf der Bühne bei mir haben.
Sie waren 20 Jahre alt, als er starb. Waren Sie ihm nie böse, dass er auch streng mit Ihnen war?
Er war sehr streng, aber er war auch ein Leitwolf, der immer wusste, was zu tun war, wenn es Probleme gab. Dann sind wir beim Heurigen gesessen oder spazieren gegangen. Papa hat immer die richtigen Worte gefunden und war ein guter Psychologe, auch, wenn er das nie gelernt hat. Professor Erwin Ringel (Anm.: bekannter heimischer Psychiater) hat die Interviews vom Papa sogar seinen Studenten gezeigt, um zu demonstrieren, wie man mit Menschen spricht. Es war seine Gabe, Menschen in die Seele zu schauen.
Teddy Podgorsky, der 2024 verstorben ist, war ein Kollege und guter Freund Ihres Vaters. Hat sein Tod Erinnerungen in Ihnen geweckt?
Natürlich, der Teddy war ja oft bei uns zu Hause als Gast und er und mein Vater waren ja sozusagen Pioniere des Fernsehens in unserem Land und haben viele Sendungen gemeinsam gemacht. Das war noch die alte Garde, die es heute nicht mehr gibt. Die Stellen im Journalismus sind schlecht bezahlt, was sich bei der Qualität bemerkbar macht.
Wie kam es zu Ihrem Spitznamen Fifi?
Der stammt aus meiner Zeit im Gymnasium. Wir hatten so viele Wolfgangs in der Klasse, dass ich kurzerhand umbenannt wurde. Es war die Zeit der geburtenstarken Jahrgänge. Wir waren, soweit ich mich erinnere, 36 Schüler in der ersten Klasse Gymnasium.
Sie sind Junggeselle geblieben und haben keine Kinder. Bereuen Sie das?
Seit vergangenem Sommer bin ich wieder in einer Beziehung. Schauen wir, wo uns das hinführt. Mir hat das nie gefehlt und die Situation, in der ich dachte, mit der Frau möchte ich den Rest meines Lebens verbringen, gab es nie. Was den Kinderwunsch betrifft: Wenn das einmal passiert wäre, liebend gerne. Jetzt, mit 60 Jahren, brauche ich nicht mehr darüber nachdenken. Es fehlt mir die Kraft und die Muße. Durch meinen Bruder habe ich zwei Nichten, einen Neffen und mittlerweile zwei Großnichten. Ich bin also kindermäßig eh ganz gut versorgt.
Was würde Ihr Vater sagen, wenn er Sie heute erleben würde?
Ich glaube, er hätte sich gewandelt und gesagt, schön langsam ist das ja was geworden. Letztendlich wäre er stolz gewesen, er hätte sich gefreut, dass wir alle so eine Karriere hingelegt haben. Das sind Dinge, die man nicht planen kann. Natürlich kannst du hart arbeiten, in unserem Beruf geht es nicht ohne Glück. So gesehen: Wir haben auch Glück gehabt.
Zur Person:
Wolfgang „Fifi“ Pissecker wurde am 6. Februar 1965 in Wien geboren.
Er verbrachte nach der Unterstufe im Gymnasium
ein Jahr an der HTL für Hochbau in Mödling (NÖ),
ehe er den Beruf des Druckformenherstellers erlernte.
Er gründete 1981 mit Florian Scheuba, Werner Sobotka und Mini Bydlinsky die „Hektiker“, eine der
erfolgreichsten Kabarett-Gruppen des Landes.
Zahlreiche Solo-Programme, Fernseh-Rollen und
Filmauftritte prägen seine vielseitige Karriere.
Ab 17. Februar tourt er mit seinem aktuellen Programm „Na gratuliere – von 16 bis 60“ durchs Land.
Termine unter: www.pissecker.com
Was gibt es denn zu feiern?
Na ja, das Leben. Es ist eine kabarettistische Biografie und ich plaudere aus dem Nähkästchen. Wie alles begonnen hat und wie schwierig der Anfang mit den „Hektikern“ war. Auch deshalb, weil meine Eltern diesen Werdegang nicht gerade gustiert haben. Gut 100 Seiten habe ich geschrieben, am Ende ist ein Destillat von 55 übriggeblieben. Dafür hat Werner Sobotka gesorgt, mein „Hektiker“-Kollege und Regisseur, den ich seit 50 Jahren kenne.
50 Jahre sind eine lange Zeit. Wenn Sie an die Anfänge Ihrer Karriere denken: War „damals“ wirklich alles besser?
Die Vergangenheit war, wie sie war – und das ist gut so. Meiner Meinung nach haben alle, die zwischen 1950 und 1970 geboren sind, die „Goldenen Zeiten“ erlebt. So gut wie uns wird es der Menschheit, glaube ich, nie wieder gehen. Was mir heute bei Jugendlichen oft fehlt, ist der Schmäh. Alle schauen ins Mobiltelefon, statt sich zu unterhalten, und sie lachen weniger. Dabei ist der Humor nach der Liebe die zweitwichtigste Energie und Kraft.
Ab wann wollten Sie den Schmäh zur Einnahmequelle machen?
Bei mir hat der Witz immer dazugehört, das war schon in der Schule so. Mit 16 Jahren wollte ich Schauspieler werden, aber der Vater hat‘s verboten. Stattdessen hat er mich in eine Lehre geschickt und ich kam von der Gymnasium- quasi in die Arbeiter-Schicht. Das war eine harte Zeit, in der ich jeden Tag um fünf Uhr in der Früh aufgestanden bin. Die Tätigkeit war alles andere als lustig, dafür ist tagtäglich der Schmäh „grennt“. Das war prägend für mich und hat die Arbeit für uns alle viel leichter gemacht.
Ihr Vater ist im Jahr 1985 gestorben. Das ist lange her. Trotzdem lassen Sie noch immer einen Sessel für ihn frei, wenn Sie auftreten. Warum?
Weil es mich bis heute beschäftigt. Auch wenn sein Tod 40 Jahre zurückliegt, ist es ein Verlust und eine Lücke, die sich nie mehr schließen wird. Ich thematisiere das auch im aktuellen Programm, auch, wenn das natürlich eine Schmäh-Bremse ist. Da macht sich für einige Sekunden Nachdenklichkeit breit, das ist aber das Schöne, wenn ich solo auf der Bühne stehe. Du kannst tun und lassen, was du willst – und das nehme ich mir heraus, auch, wenn es ein bisschen egoistisch ist. Vielleicht sogar therapeutisch. Ich möchte den Papa auf der Bühne bei mir haben.
Sie waren 20 Jahre alt, als er starb. Waren Sie ihm nie böse, dass er auch streng mit Ihnen war?
Er war sehr streng, aber er war auch ein Leitwolf, der immer wusste, was zu tun war, wenn es Probleme gab. Dann sind wir beim Heurigen gesessen oder spazieren gegangen. Papa hat immer die richtigen Worte gefunden und war ein guter Psychologe, auch, wenn er das nie gelernt hat. Professor Erwin Ringel (Anm.: bekannter heimischer Psychiater) hat die Interviews vom Papa sogar seinen Studenten gezeigt, um zu demonstrieren, wie man mit Menschen spricht. Es war seine Gabe, Menschen in die Seele zu schauen.
Teddy Podgorsky, der 2024 verstorben ist, war ein Kollege und guter Freund Ihres Vaters. Hat sein Tod Erinnerungen in Ihnen geweckt?
Natürlich, der Teddy war ja oft bei uns zu Hause als Gast und er und mein Vater waren ja sozusagen Pioniere des Fernsehens in unserem Land und haben viele Sendungen gemeinsam gemacht. Das war noch die alte Garde, die es heute nicht mehr gibt. Die Stellen im Journalismus sind schlecht bezahlt, was sich bei der Qualität bemerkbar macht.
Wie kam es zu Ihrem Spitznamen Fifi?
Der stammt aus meiner Zeit im Gymnasium. Wir hatten so viele Wolfgangs in der Klasse, dass ich kurzerhand umbenannt wurde. Es war die Zeit der geburtenstarken Jahrgänge. Wir waren, soweit ich mich erinnere, 36 Schüler in der ersten Klasse Gymnasium.
Sie sind Junggeselle geblieben und haben keine Kinder. Bereuen Sie das?
Seit vergangenem Sommer bin ich wieder in einer Beziehung. Schauen wir, wo uns das hinführt. Mir hat das nie gefehlt und die Situation, in der ich dachte, mit der Frau möchte ich den Rest meines Lebens verbringen, gab es nie. Was den Kinderwunsch betrifft: Wenn das einmal passiert wäre, liebend gerne. Jetzt, mit 60 Jahren, brauche ich nicht mehr darüber nachdenken. Es fehlt mir die Kraft und die Muße. Durch meinen Bruder habe ich zwei Nichten, einen Neffen und mittlerweile zwei Großnichten. Ich bin also kindermäßig eh ganz gut versorgt.
Was würde Ihr Vater sagen, wenn er Sie heute erleben würde?
Ich glaube, er hätte sich gewandelt und gesagt, schön langsam ist das ja was geworden. Letztendlich wäre er stolz gewesen, er hätte sich gefreut, dass wir alle so eine Karriere hingelegt haben. Das sind Dinge, die man nicht planen kann. Natürlich kannst du hart arbeiten, in unserem Beruf geht es nicht ohne Glück. So gesehen: Wir haben auch Glück gehabt.
Zur Person:
Wolfgang „Fifi“ Pissecker wurde am 6. Februar 1965 in Wien geboren.
Er verbrachte nach der Unterstufe im Gymnasium
ein Jahr an der HTL für Hochbau in Mödling (NÖ),
ehe er den Beruf des Druckformenherstellers erlernte.
Er gründete 1981 mit Florian Scheuba, Werner Sobotka und Mini Bydlinsky die „Hektiker“, eine der
erfolgreichsten Kabarett-Gruppen des Landes.
Zahlreiche Solo-Programme, Fernseh-Rollen und
Filmauftritte prägen seine vielseitige Karriere.
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