Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 02/2026 vom 07.01.2026, Fotos: AdobeStock, Zeppelzauer
Artikel-Bild
Artikel-Bild
Dr. Madeleine Petrovic
Artikel-Bild
Die Gebührenerhöhungen sind belastend für „Millis“ Frauchen.
Budgetsanierung auf Kosten der Bürger – Mit
dem Gebühren-Hammer
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Ob Hundesteuer, Parkscheine oder Öffi-Jahreskarten, das Jahr 2026 beginnt für viele Wienerinnen und Wiener mit deutlichen Gebührenerhöhungen. Aber auch bundesweit steigen die Abgaben, etwa für die PKW-Jahresvignette, das Klimaticket oder die Netzgebühren bei Gas.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Neues Jahr, neues Glück – das gilt nicht für die Einwohner Wiens, denn ihnen stehen saftige Gebührenerhöhungen ins Haus. Knapp 15 Milliarden
Euro beträgt der Schuldenstand der Stadt Wien. Aber statt den eigenen Apparat zu verschlanken und den Rotstift in der Verwaltung anzusetzen, greift die Stadt einmal mehr tief in die Taschen ihrer Bürgerinnen und Bürger.

So werden etwa die Tarife für Kurz-Parkscheine angehoben. Der 60-Minuten-Tarif steigt beispielsweise von € 2,60 auf € 3,40. Auch das Anrainer-Parkpickerl wird teurer. Der Monatsbetrag steigt von € 10,– auf € 13,– Euro, das sind € 36,– mehr im Jahr. Mit Jahresbeginn wurden auch U-Bahn und Straßenbahn empfindlich teurer. Die Öffi-Jahreskarte steigt von € 365,– auf € 461,–(digital) oder € 467,– (Papier). Auch der Essensbeitrag für Wiener Kindergartenkinder wird um mehr als zehn Prozent erhöht. Eltern zahlen im Monat statt € 84,85 nun € 94,–. Die Gebühren für Müllentsorgung, Wasser und Abwasser werden ebenso durch die Valorisierung (die Anpassung eines Wertes an die Teuerungsrate) 2026 automatisch um rund sechs Prozent erhöht.

Besonders hart trifft es die Hundebesitzer in Wien, die statt bisher € 72,67 plötzlich € 120,– berappen müssen – für den ersten Hund. Jeder weitere Vierbeiner schlägt
mit € 160,– zu Buche.

„Ältere Menschen, alleinstehende Personen und armutsgefährdete Haushalte sind von der Hundesteuer überproportional betroffen“, kritisiert die Tierschutz-Austria-Präsidentin Dr. Madeleine Petrovic die Gebührenerhöhungen.

„Lebewesen zu besteuern, ist sonderbar. Hundebesitzer sollen nicht zum Schließen von Budgetlöchern verwendet werden, besonders nicht, wenn in Zeiten von Vereinsamung und steigenden psychischen Belastungen Hunde für viele Menschen eine wichtige seelische Stütze sind“, betont Petrovic.

Auch für Maria Bauer (Name von der Redaktion geändert) ist ihre Hündin „Milli“ ein Lichtblick in ohnehin schwierigen Zeiten. „Mein Mann hatte vor vier Jahren eine Hirnblutung. Ich musste deshalb Arbeitsstunden reduzieren und kann nur noch Teilzeit arbeiten“, erzählt die im Sozialbereich tätige Wienerin.

Das sei schon in Ordnung so, aber „in diesen Zeiten wird es trotzdem eng. Da spielt mir jede Teuerung, die kommt, schlecht rein. Von den € 1.600,– Netto-Gehalt frisst die Miete einen Großteil, dazu kommen die Kosten für das Auto, auf das wir wegen der Gehbehinderung meines Mannes angewiesen sind.“

Auch die Betreuung im Tageszentrum muss bezahlt werden. Die Erhöhung der Hundesteuer ist da noch eine zusätzliche Belastung.

„Das läppert sich, Sparen geht sich da nicht mehr aus“, sagt die 56jährige. Von ihrem Hund würde sie sich aber trotzdem nie trennen.

Viele Pensionisten stehen aber genau vor diesem Problem, weil sie sich ihren Vierbeiner immer weniger leisten können. Ein Umstand, der die Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec erbost.

„Viele ältere Menschen leben allein. Ein Hund ist für sie nicht nur ein Haustier, sondern Freund, Halt und tägliche Struktur.“

Gerade in Zeiten, in denen Einsamkeit ein großes Thema ist, müsse die Wiener Stadtregierung alles tun, um diese wichtigen sozialen Bindungen zu stärken und nicht durch eine Gebührenlawine zu gefährden, so Korosec. „Niemand sollte aus finanziellen Gründen überlegen müssen, sein Tier abzugeben. Das ist menschlich wie sozial eine Katastrophe. Und für die Wiener Stadtregierung eine politische Bankrotterklärung“, mahnt Korosec.

Überhaupt seien die extremen Gebührenerhöhungen, wie etwa bei der Senioren-Jahreskarte um 30 Prozent, oder eben bei der Hundesteuer um 64 Prozent eine große Belastung für Pensionisten, weil viele von ihnen ohnehin jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen, meint Korosec.

„Es kann nicht sein, dass Wien sein Budget auf dem Rücken jener saniert, die am wenigsten Spielraum haben. Statt in der Verwaltung effizienter zu werden und verantwortungsvoller mit dem Steuergeld der Wienerinnen und Wiener umzugehen, werden die Pensionisten mit jeder Gebührenerhöhung belastet.“

Die Stadt Wien müsse zuerst bei sich selbst, also in den Strukturen, sparen und nicht bei den Menschen, fordert Korosec. In dieselbe Kerbe schlägt auch der FPÖ-Wien-Obmann Dominik Nepp.

„Die rot-pinke Stadtregierung wälzt ihr eigenes Finanzchaos auf die Wiener Bevölkerung ab. Statt Fehlentscheidungen zu korrigieren, greift sie zu neuen Belastungen, obwohl viele Menschen die Teuerung ohnehin kaum stemmen können.“

Die Belastungswelle treffe nicht nur die Pensionisten, sondern auch Öffi-Nutzer, Autofahrer und Familien. „Besonders unfair ist auch die Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrages, der automatisch vom Gehalt abgezogen wird, das Wohnen aber um keinen Cent leistbarer macht. Auch die Wirtschaft leidet, weil steigende kommunale Kosten Betriebe schwächen und Investitionen bremsen“, warnt der FPÖ-Politiker.

Die Gebührenerhöhungen sind für Nepp sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wien hat ein Ausgabenproblem, kein Einnahmenproblem“, stellt Nepp klar.

Solange SPÖ und NEOS weiter Milliarden verschwenden, „wird keine Erhöhung das strukturelle Defizit lösen. Einsparungen wären leicht möglich, wenn Prestigeprojekte gestoppt, Fördergeld überprüft und vor allem die Kosten für die Mindestsicherung an Nicht-Österreicher wegfallen würden.“ Alleine beim letzten Punkt ließen sich mindestens zweieinhalb Milliarden Euro einsparen, meint Nepp.

Einsparungspotenzial sehen viele Bürger hingegen in den „Versorgungsposten“ mancher Politiker. So gab es erst vor Kurzem den Vorwurf des Postenschachers gegen den früheren Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka. Der wechselte vom Wiener Gemeinderat direkt in die Geschäftsführung der städtischen Wirtschaftsagentur Wien – ohne Ausschreibung.

Dazu kommen viele gut dotierte Posten, wie etwa jene der nicht amtsführenden Stadträte. Als Teil des Stadtsenats haben sie kein zugewiesenes Ressort, aber Kontrollrechte.

Seit Jahren gibt es Diskussionen, diese ersatzlos abzuschaffen, kostet die Stelle doch rund € 11.300,– im Monat aus öffentlichen Mitteln. Wien leistet sich außerdem 23 Bezirksvorsteher, die jeweils € 13.254,20 im Monat verdienen und deren 46 Stellvertreter, die je € 5.664,20 monatlich bekommen – alles brutto.

An der Gebührenschraube wird aber nicht nur in Wien gedreht. Viele Erhöhungen treffen das ganze Land. So werden laut E-Control etwa die Gas-Netzkosten für Haushalte um durchschnittlich 18,2 Prozent steigen. Regional können die Steigerungen aber weit höher ausfallen.

Demnach zahlen etwa burgenländische Haushalte in diesem Jahr für die Gas-Netzentgelte € 207,– (plus 53 Prozent) mehr als noch 2024.

In Wien betragen die Mehrkosten € 147,– (plus 34 Prozent), in der Steiermark € 151,– (plus 46 Prozent).

Auch wer die Autobahn benützt, darf jetzt mehr blechen, steigt doch die PKW-Vignette 2026 von € 103,80 auf € 106,80. Auf die Schiene umzusteigen, wird ebenfalls massiv teurer. Bereits 2025 wurde das heimische Klimaticket von € 1.095,– auf € 1.300,– angehoben. Seit Jahresbeginn sind nun € 1.400,– fällig.

Für die Pendler bedeutet das einen weiteren Schlag ins Haushaltsbudget. In das einstige Prestigeprojekt der grünen Ex-Umweltministerin Leonore Gewessler flossen aber insgesamt auch 1,13 Milliarden Euro unseres Steuergeldes.

Dabei stufte der Rechnungshof die Auswirkungen des Klimatickets auf die Emissionen vor Kurzem als
„eher gering“ ein. rz
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung