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Ausgabe Nr. 01/2026 vom 30.12.2025, Fotos: instagram, imago stock&people, APA-Images / AP / REED SAXON, AFP
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Anthony Hopkins.
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Anthony Hopkins mit Mama.
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Mit seinem Vater Richard.
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2011 mit Frau Stella und Tochter Abigail (re.).
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Als „Oscar“-Gewinner 1992 mit Film-Partnerin
Jodie Foster.
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Hopkins als Hannibal Lecter.
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Mit Brad Pitt in „Rendezvous mit Joe Black“.
Anthony Hopkins:
„Ich verstehe
Monster und Verrückte“
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Als kannibalistischer Serienmörder schrieb der walisische Schauspieler Sir Anthony Hopkins Filmgeschichte. Vor Kurzem erschien die Autobiografie des zweifachen „Oscar“-Preisträgers.
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Bis zu dem Tag, an dem ich sterbe, werde ich niemals vergessen, wie sie dort in ihrem Babybett lag und mich anlachte, wenn ich hereinkam. In der Nacht, in der ich fortging, schlief sie tief und fest. Es wird mir immer leid tun, dass ich sie verletzt habe“, erinnert sich Anthony Hopkins in seinen vor Kurzem veröffentlichten Memoiren „We did Ok, Kid“ („Wir haben uns gut geschlagen, Kleiner“, Goldmann Verlag) an den schmerzlichen Abschied von seiner kleinen Tochter Abigail.

Jahrelang gab es abgesehen von der finanziellen Unterstützung keinen Kontakt mehr. Das sei der traurigste Teil seines Lebens und das, was er am allermeisten bedaure, meint Hopkins. „Und dennoch bin ich absolut sicher, dass es sehr viel schlimmer für alle gekommen wäre, wäre ich damals geblieben.“

Damals, das war der 25. Oktober 1969, der Tag, an dem auch die Ehe mit Petronella Barker – der Mutter seiner Tochter – nach nur zwei Jahren endete. Offiziell geschieden wurden die beiden dann 1972. „Unsere Beziehung war aufgrund unserer gegensätzlichen Persönlichkeiten und meines Alkoholismus von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, gibt Hopkins zu. Der Alkohol habe ihm geholfen, seine Depressionen zu ertragen. „Trinken war eine Familientradition“, sagt der 87jährige. Die Vorliebe für Alkohol habe er – neben der für Poesie – von seinem Vater Richard Hopkins (1907–1981) geerbt. Der führte gemeinsam mit Hopkins‘ Mutter Muriel (1913–2003) eine Bäckerei in Port Talbot, einer Industriestadt an der walisischen Süd-Küste.

Die Künstlerkarriere war dem am 31. Dezember 1937 geborenen Philip Anthony Hopkins keineswegs in die Wiege gelegt. Vielmehr war seine Kindheit geprägt von dem einfachen, arbeitsreichen Leben der Familie. In seinem Buch beschreibt sich Hopkins als Einzelgängerkind, das Probleme in der Schule hatte. Mit elf Jahren kam er in ein Internat in Cardiff. Die Mutter wollte eine „anständige Erziehung“. Der Vater war davon weniger begeistert, „weil es ihn einen dicken Batzen seines schwer verdienten Geldes kostete, mir eine solche Chance zu ermöglichen. Wozu so viel Geld verschwenden, ich war nie der Hellste“, erinnert er sich an die Zeit und auch daran, dass „ich die Schule auf den ersten Blick hasste“.

Von den anderen Kindern wurde er „Elefantenkopf“ genannt und die Lehrer attestierten ihm mangelndes Interesse an allem. Dabei zeichnete er gerne und spielte Klavier. Etwas, das er heute noch mit Freude macht, wie er in seinen Memoiren schreibt.

Im Jahr 1951 wechselte Hopkins die Schule und auch im neuen Internat galt er als aussichtsloser Schüler, der von den Lehrern ständig Schläge auf den Kopf kassierte. Den Rat des Großvaters befolgend, blieb er dabei stumm. „Ich vergaß den Schmerz und stellte mich dumm. Ich machte das Dummsein zu meiner Identität.“

Die Eltern verzweifelten, machten sich Sorgen, was aus dem Sohn werden sollte. „Eines Tages werde ich es euch zeigen“, ließ er die beiden trotzig wissen. Seine erste Bühnenerfahrung machte Hopkins dann beim YMCA, dem Verein christlicher junger Männer. Kurze Zeit später bewarb er sich beim „Cardiff College of Music and Drama“ und bekam tatsächlich ein Stipendium. „Ich hatte keinerlei Technik, aber eine gute Stimme und einen gewissen Instinkt für das Theatralische.“ Sein Talent blieb nicht verborgen und schließlich landete er auf einer renommierten Londoner Schauspielschule. Freunde fand er dort aber ebenso wenig wie in seiner Schulzeit. „Durch meine Distanziertheit blieb ich in meiner eigenen Blase.“

Im Jahr 1965 wurde der berühmte Shakespeare-Darsteller Laurence Olivier (1907–1989) auf den damals 27jährigen aufmerksam und engagierte ihn ans Londoner „Royal National Theatre“. Olivier war streng, erwartete Perfektion und absolute Professionalität von Hopkins. Doch schon bald empfand der das Theater als zu einengend.

Nach einigen kleineren Rollen im britischen Fernsehen gab Hopkins 1968 sein Filmdebüt in „Der Löwe im Winter“. Ein Jahr später lernte Hopkins die Produktionsassistentin Jennifer Lynton kennen. Die beiden heirateten 1973, nur Kinder wollte der Schauspieler keine mehr. „Ich durfte keinem weiteren Kind antun, was ich meiner Tochter angetan hatte“, war er überzeugt.

In den 1970er Jahren nahm Hopkins‘ Filmkarriere Fahrt
auf. Er drehte etwa mit Goldie Hawn „Das Mädchen Petrovka“ in Hollywood (1973). Aber schon bald wurde er mit den Auswirkungen seiner Alkoholsucht konfrontiert.

Ein Arzt diagnostizierte einen beginnenden Leberschaden bei dem damals 37jährigen. „Ich hatte keine Ahnung, dass ich Alkoholiker war. Ich kannte so viele Leute, ganz besonders Schauspieler, die ständig tranken“, glaubte er noch immer, alles im Griff zu haben. Bis zu jenem Abend, als er sturzbetrunken und mit einem völligen Aussetzer am Steuer eines Autos saß. „Ich hätte jemanden umbringen können, hätte eine ganze Familie auslöschen können“, ist er heute noch entsetzt. Diese Nacht war jedenfalls der Auslöser für ihn, sich seine Sucht einzugestehen. Hilfe fand Hopkins bei den Anonymen Alkoholikern, „zu deren Treffen ich bis heute gehe“.

Eine Rolle, von der er sofort wusste, dass sie sein Leben verändern würde, war die des Dr. Hannibal Lecter im Film „Das Schweigen der Lämmer“ (1991). Schon nach den ersten Seiten im Drehbuch war Hopkins fasziniert. „Das war die beste Rolle, die ich je gelesen habe. Lecter wird als Monster beschrieben. Und ich verstehe Monster und Verrückte.“ Er erinnerte ihn an die riesige schwarze Spinne, vor der er sich als Kind in der Bäckerei gefürchtet hatte – „geduldig und reglos, aber gleichzeitig hellwach. Langes Anstarren verunsichert Menschen zutiefst. Genau diese Wirkung wollte ich als Hannibal erzielen.“

Die stille, beinahe freundliche Version des Serienmörders brachte Anthony Hopkins 1992 einen „Oscar“ als bester Hauptdarsteller ein. Einen zweiten erhielt er 2021 mit 83 Jahren für seine Rolle im Film „The Father“.

Privat hat Anthony Hopkins nach seiner Scheidung im Jahr 2002 mit der Schauspielerin Stella Arroyave, 69, sein Glück gefunden. Im Jänner 2025 verloren die beiden bei den Bränden in Pacific Palisades (ein Stadtteil von Los Angeles, USA) ihr Haus. „Es gab dort Dinge, die wir sehr schätzten. Jetzt sind sie fort. Aber am Ende verschwindet alles, also wieder nach vorne schauen“, gibt sich Hopkins optimistisch.

Auch damit, dass seine Tochter keinen Kontakt mehr mit ihm haben will, obwohl er immer wieder versucht habe, die Beziehung zu verbessern, hat sich Hopkins mittlerweile abgefunden. Das Leben sei schmerzhaft.

„Manchmal verletzen Menschen andere. Manchmal werden wir verletzt. Aber so kann keiner leben. Man muss sagen: ‚Komm darüber hinweg‘ und wenn du das nicht kannst, gut, viel Glück. Ich habe getan, was ich konnte, das war‘s“, zieht Anthony Hopkins einen bitteren Schlussstrich. rz
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