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Ausgabe Nr. 01/2026 vom 30.12.2025, Foto: APA-Images / dpa / Christoph Soeder
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Emily Cox, 40.
Emily Cox:
„Nichts ist schlimmer als Arroganz“
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Sie gilt als ein „stiller Star“. Viel Aufhebens um ihre Person macht die Wienerin Emily Cox nicht. Dabei gehört die 40jährige zu den Aushängeschildern unserer Schauspielszene. Derzeit ist sie im Kino zu bewundern. Als Intrigantin in einem Mittelalter-Epos.
Das Gespräch führte Barbara Reiter.
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Frau Cox, „Der Medicus 2“ ist ein bildgewaltiger Historienfilm, der im Mittelalter spielt. Dabei wurden Kampfszenen erst im Nachhinein fertiggestellt. Was bedeutete das für Sie bei den Dreharbeiten?

Im Fall von „Der Medicus 2“ war vieles ziemlich real. Wir haben aber auch mitten in einem Feld in Ungarn vor einer riesengroßen Leinwand gedreht, vor der ich ein paar Schritte mit dem Pferd machen musste. Für die Dinge, die nicht sichtbar sind, braucht es schon eine große Vorstellungskraft. Das ist manchmal nicht ganz einfach. Etwa dann, wenn gerade gekämpft oder jemand umgebracht wird und du siehst nur eine grüne oder blaue Wand vor dir.

Sie haben das renommierte Max-Reinhardt-Seminar
in Wien absolviert und in internationalen Produktionen mitgespielt. Wer soll solche Szenen drehen können, wenn nicht Sie?


Klar, in der Schauspielerei stellen wir uns ja eigentlich alles vor, aber das ist viel einfacher, wenn wir mit einem Partner zusammen drehen.
Für Szenen, die erst im Nachhinein entstehen, braucht es eine äußerst konkrete Vorstellung, um sie glaubhaft darstellen zu können. Ich überlege mir in solchen Momenten nicht, wie ich mein Gesicht bewege oder eine Emotion „spiele“, sondern versuche, mir die Situation so genau wie möglich vorzustellen, um Gefühle auszulösen.

Sie verkörpern Mercia, die Frau des Königs, die gegen den „Medicus“ immer wieder Intrigen spinnt und dabei bis zum Äußersten geht. Trotzdem wirkt diese Frau nicht nur unsympathisch. Wie haben Sie das hingekriegt?

Mir ist es tatsächlich immer wichtig, dass ich die Figuren, die ich spiele, nicht verurteile. Mercia ist in der Tat eine dunkle, intrigante, wenn man so will, böse Frau, aber in Wahrheit, denke ich, ist sie auch verloren und tieftraurig. Diese Frau kämpft ums Überleben, ist einsam und hat mehrere Fehlgeburten hinter sich.

Der Film ist im elften Jahrhundert angesiedelt, also im tiefsten Mittelalter. Würden Sie sich auf eine Zeitreise einlassen?

Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich heute lebe. Mercia hat im Film einen Kaiserschnitt, und ich hatte zwei Tage vor Drehbeginn einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich habe das damals für mich behalten, musste aber bei der Geburt einige Monate später aus medizinischen Gründen ebenfalls einen Kaiserschnitt durchführen lassen. Ich war ziemlich froh, dass es im Gegensatz zu damals heute Schmerzmittel gibt. Einen Tag im Mittelalter könnte ich mir vorstellen, für länger wäre es mir zu brenzlig.

Sie haben in internationalen Filmen und Serien mitgespielt, was wenigen Frauen aus unserem Land gelungen ist – oder sehen Sie sich als Britin, da Ihre Eltern von dort stammen?

Ich bin voll und ganz Österreicherin, bin hier aufgewachsen und habe immer in Wien gelebt. Nur leider habe ich keinen österreichischen Pass, dabei hätte ich den total gerne. Dafür besitze ich den irischen und englischen. Dabei habe ich noch nie mehr als zwei Wochen in England oder Irland verbracht.

Sie sind äußerst erfolgreich und haben unter anderem
in „The Last Kingdom“ mitgewirkt. Das war eine
erfolgreiche Serie auf dem Internet-Kanal Netflix. Daneben sind Sie mit John Malkovich und Cecilia Bartoli an der Wiener Staatsoper aufgetreten und gehören zu den meistbeschäftigten Schauspielerinnen in unseren Breiten. Trotzdem sind Sie so etwas wie ein „stiller Star“. Warum lesen wir nicht öfter von Ihnen?


Nichts ist schlimmer als ein arroganter Mensch, der glaubt, etwas Besseres zu sein. Es ist wunderbar, was wir Schauspieler machen, allerdings operieren wir nicht am offenen Herzen. Wenn Ärzte etwas falsch machen, sterben unter Umständen Menschen – das ist schon eine andere Dimension. Ich bin auch nicht Schauspielerin geworden, um berühmt zu werden, sondern um Geschichten zu erzählen und – auch wenn es naiv klingt – um die Welt vielleicht ein bisschen schöner und besser zu machen.

Ihre Mutter ist Irin, Ihr Vater Engländer, beide kamen als Pianisten nach Wien. Wie war es, zwischen der britischen und der österreichischen Kultur aufzuwachsen?

Ich habe auch viel Zeit in Deutschland verbracht und finde es spannend, dass sich der Humor hierzulande und in England viel mehr ähnelt als der in Deutschland. In Österreich und England ist man subtiler unterwegs und der Humor ist oft sehr schwarz, das mag ich. Ansonsten sind es Kleinigkeiten, zum Beispiel, dass ich mit dem Weihnachtsmann aufgewachsen bin und nicht mit dem Christkind.

Sie sind vor acht Monaten zum ersten Mal Mutter geworden. Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Vor ein paar Tagen hat er angefangen zu krabbeln, und er nimmt die Welt auch schon voll wahr. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich drei Jahre alt war. Deshalb kamen wir als sogenannte Patchwork-Familie zusammen: Mama, Papa, ihre jeweils neuen Partner, mein Partner, unser Sohn und ich.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wo werden Sie Silvester feiern und was wünschen Sie sich?

Das Jahresende werde ich wohl am Bodensee feiern. Darauf freue ich mich, weil ich es dort liebe. Für 2026 wünsche ich mir Liebe und Frieden für die Welt.

Zur Person

Emily Cox wurde am 23. Februar 1985 in Wien geboren. Ihre Eltern sind Pianisten, die sich über ein
Stipendium kennengelernt haben. Cox wuchs in Wien
auf und absolvierte das Reinhardt-Seminar.

Danach machte sie international Karriere. Unter anderem wirkte sie von 2015 bis 2022 in der erfolgreichen Netflix-Serie „The Last Kingdom“ mit. Aber auch in „Der Winzerkönig“, im „Landkrimi“, im „Tatort“ und in „Blind
ermittelt“ war die in Wien lebende Darstellerin zu sehen.

Ihre neueste Produktion „Der Medicus 2“ ist seit 25. Dezember in unseren Kinos zu sehen.
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