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Ausgabe Nr. 01/2026 vom 30.12.2025, Fotos: Pixabay, Zeppelzauer
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Silvesterfeuerwerke sind der Höhepunkt des Jahreswechsels.
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Thomas Köchl mit den Rezepten seines Urgroßvaters und Firmengründers Vinzenz Pinto.
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Weg vom Einzelknall der Rakete – gefragt sind Batteriefeuerwerke mit mehreren hundert Schuss.
Abschied vom alten Jahr: Die Jugend lässt es gerne krachen
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Silvesterfeuerwerke sind der Höhepunkt des Jahreswechsels. Während es bei den unter 20jährigen vor allem laut sein muss, erfreut sich die ältere Generation an effektvollen Inszenierungen.
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Das alte Jahr mit Licht und lautem Getöse zu verabschieden, hat eine lange Tradition. Bereits um 500 nach Christus wurde mit Rasseln, Töpfen und anderen Gegenständen Lärm erzeugt, um böse Geister abzuwehren.

Um das Jahr 1.000 soll es in China bereits die ersten Kunstfeuerwerke gegeben haben. Und Ende des 14. Jahrhunderts war das Feuerwerk vor allem in Italien äußerst beliebt.

Aus Italien stammt auch der Urgroßvater von Thomas Köchl, dem Branchensprecher des Pyrotechnikfachhandels in der Wirtschaftskammer und Inhaber der Firma Pinto-Feuerwerke in Aggsbach-Markt (NÖ).

„Ich führe das Unternehmen bereits in vierter Generation. Gegründet wurde es von meinem Uropa Vinzenz Pinto, den es aus Neapel (I) in unsere Gegend verschlagen hat. Er arbeitete als Steinmetz beim Bau der Donau-Uferbahn mit.“

Pinto stammte aus einer Familie, die bis heute in Italien Feuerwerke produziert. „Er lernte hier seine Frau kennen und verlegte sich wieder auf sein ursprüngliches Handwerk, die Feuerwerkerei“, erzählt Köchl. Sein Urgroßvater habe sich damals in Italien von seinem Vater auszahlen lassen und auch seine eigenen Bücher mit den Rezepturen mitgenommen.

Im Jahr 1933 ging die Firma dann offiziell in Betrieb. „Zuerst produzierten sie diverse Frösche, Knaller und Raketen. Aber auch spezielle Zylinderbomben, wie sie heute noch in Italien bekannt sind.“

Das Hauptgeschäft war dann ab den 40er Jahren neben dem Produzieren auch das Abschießen der Feuerwerke etwa bei Volksfesten. Vinzenz Pinto hatte zwei Töchter, eine davon war die Großmutter von Köchl. „Sie hat geheiratet und mein Großvater Thaddäus Swierad hat das Ganze ausgebaut und einen kleinen Laden eröffnet, in dem es eine Auswahl an Feuerwerken zu kaufen gab.“ Der Name Pinto sei dabei erhalten geblieben. „Gott sei Dank, sonst hätten wir schon vier Mal anders geheißen.“

Heute ist Pinto (pinto-feuerwerke.at) eine der wenigen heimischen Feuerwerkerzeuger. „99 Prozent sind dabei Handarbeit, weil Schwarzpulver reibungs- und schlagempfindlich ist. Das würde mit Maschinen nicht funktionieren“, weiß Köchl. „Alles, was wir für die Großfeuerwerke bei Veranstaltungen brauchen, wird in unserem Betrieb hergestellt.“ Auch die Prototypen, denn Köchl tüftelt immer wieder an neuen Rezepturen. Nur ein kleiner Teil des Sortiments wird aus Kostengründen in einer zertifizierten Fabrik in China produziert.

Nachhaltigkeit ist jedenfalls ein großes Thema. „Wir versuchen, die Feuerwerkskörper plastikfrei zu bekommen, weil es nicht geht, dass nach einer Veranstaltung 20 Kilo Plastik auf einem Feld liegen, die der Bauer dann nach dem Mähen im Futter hat.“ Plastik sei in den 80er Jahren bei vielen gebräuchlich gewesen.

„Uns haben sie ausgelacht, weil wir schnell wieder auf Pappe umgestiegen sind.“ Auch sonst wird auf umweltfreundliche Materialien geachtet, wie das „GreenLinePlus“-Siegel beweist. Grün sind auch die Erbsensamen, die als Trägermaterial dienen. Auf sie werden – ähnlich wie bei einem Schneeball – abwechselnd Schwarzpulver und Zusatzstoffe „aufgerollt“.

Mittlerweile gehe der Trend eindeutig zu sogenannten Feuerwerksbatterien. „Wir verkaufen 70 Prozent Batterien und 30 Prozent Raketen. Die fix fertigen Batterien haben den Vorteil, dass man nur ein Mal anzünden muss und dann – je nach Inhalt – gleich mehrere Minuten Feuerwerk bewundern kann.“

Die Kosten dafür liegen zwischen € 119,– und € 350,–, so Köchl. Auch lärmarme Feuerwerke sind gefragt. „Raketen kaufen dagegen eher ältere Menschen mit Enkelkindern, weil es die Kleinen nicht bis Mitternacht aushalten. Dann kann der Opa schon vorher ein paar schöne Raketen steigen lassen.“

Für die Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren zählt hingegen weniger die Optik, die wollen es lieber laut, so seine Erfahrung. „Sie sind glücklich, wenn sie ihre Kracher endlich offiziell kaufen dürfen.“

Ein Thema, mit dem sich der Pyrotechnik-Experte immer wieder auseinandersetzen muss, ist die Sicherheit. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) „verletzen sich durchschnittlich rund 200 bis 400 Menschen pro Jahr in unserem Land so schwer bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern, dass sie im Spital behandelt werden müssen“. Besonders betroffen sind dabei Jugendliche und junge Erwachsene. Jeder zweite ist zwischen 15 und 24 Jahren alt, hinzu kommen 15 Prozent der Betroffenen in der Altersgruppe 0 bis 14 Jahre, heißt es vom KFV.

Ohnehin sind bei uns nur Feuerwerkskörper der Kategorien F1 und F2 erlaubt. Die meisten Unfälle passieren daher durch unsachgemäße Handhabung oder weil illegales Material aus dem Ausland geholt wird, ist Köchl überzeugt. „Da werden ungeeignete Abschussrohre verwendet, etwa Kanalrohre aus dem Baumarkt, viele stehen zu knapp dabei oder beugen sich über die Raketen. Dazu kommen Sachen, die über der Grenze gekauft werden, wie Kugelbomben und Böller aus Tschechien.

Die haben nicht einmal ein CE-Prüf-Zeichen und sind zehn Mal stärker als die bei uns verbotenen Schweizer Kracher.“ Dass Tschechien die Gesetze mittlerweile verschärft hat, sei zwar positiv, aber wer will, bekommt die gefährlichen Artikel trotzdem. „Die werden halt einfach aus dem Auto heraus verkauft.“

Viele Städte wie Wien oder Graz, aber auch ländliche Regionen setzen zu Silvester immer öfter auf Licht- und Laserspektakel statt auf Feuerwerk. Der Umweltgedanke steht dabei im Vordergrund. Für Köchl ist das nicht ganz nachvollziehbar. „Eine Lasershow braucht riesige Mengen an Strom. Du brauchst eine Projektionsfläche. In den Bergen, wenn kein Nebel ist, wird dann mit giftigem Rauch eine Wand erzeugt.“ Zum Thema CO2-Belastung durch Feuerwerke gebe es Köchl zufolge außerdem eine Studie. „Demnach machen sämtliche Feuerwerke im Land nur ein Zweimillionstel-Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes aus.“

Dazu kommen die Kosten so einer Lasershow, die etwa zehn Mal so hoch wie bei einem Megafeuerwerk sind. „Und emotional kommen die Lichtshows ohnehin nicht mit einem echten Feuerwerk mit“, ist Köchl sicher. rz

Richtiger Umgangmit Feuerwerkskörpern

Sorgen Sie für geeignete Abschussvorrichtungen, etwa eine stabile Abschussrampe aus Metall. Die Raketen nicht in den Boden stecken. Zünden Sie Blindgänger nicht erneut an. Gebrauchsanweisung lesen und den
Sicherheitsabstand einhalten.

Die Produkte sollten eine CE-Zulassung besitzen.

Feuerwerkskörper werden in Kategorien nach
Gefahrenpotenzial und Altersbeschränkungen eingeteilt.

F1 (sehr geringe Gefahr) ab 12 Jahren – darunter fallen etwa Knallerbsen, Tischfeuerwerke oder Knallbonbons.

F2 (geringe Gefahr) ab 16 Jahren – dazu zählen Vulkane, Feuerwerksraketen, Knallkörper (jene mit Blitzknallsatz – wie Schweizer Kracher – sind seit 2016 verboten) und Feuerwerksbatterien.

F3 (mittlere Gefahr) und F4 (große Gefahr) sind ab 18 Jahren gestattet und nur für fachkundige Personen, die einen Sachkundenachweis und eine Ausbildung brauchen. Unter diese Kategorien fallen professionelle Feuerwerkskörper wie Feuerräder, Fontänen, Feuertöpfe oder Feuerwerksbomben, bei deren Verwendung außerdem eine behördliche Bewilligung erforderlich ist.
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