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Ausgabe Nr. 51/2025 vom 17.12.2025, Fotos: IMAGO/Andreas Costanzo, APA-Images
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Pepe Lienhard
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Udo Jürgens und Pepe Lienhard
haben 37 Jahre gemeinsam musiziert.
Pepe Lienhard:
„Wir haben das Gefühl,
Udo ist unter uns“
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Vor elf Jahren starb Udo Jürgens und ist doch wieder auf der Bühne.
Möglich macht das die Show „Da Capo Udo Jürgens“, in der sein langjähriger musikalischer Weggefährte Pepe Lienhard, 79, Jürgens mit
seinem 24-köpfigen Orchester wieder eine Stimme gibt.
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Herr Lienhard, Sie sind mit Ihrer Band und der Show „Da Capo Udo Jürgens“ auf Tour. Funktioniert ein Konzertabend ohne Anwesenheit des Künstlers überhaupt?

Dass wir das noch einmal erleben dürfen, ist äußerst bewegend, nicht nur für uns. Viele Zuschauer sagen nach der Show: „Man vergisst, dass Udo nicht mehr da ist.“ Die Show bietet wunderschöne Duette und fantastische Lichtspiele. Ein ganz besonderer Moment ist „Merci Chérie“ mit den Originalaufnahmen von Udos Teilnahme und Sieg beim „Grand Prix d‘Eurovision de la Chanson“ im Jahr 1966. Wir spielen live dazu – wie damals. Wir haben 37 Jahre mit Udo gearbeitet und stehen nahezu in derselben Besetzung auf der Bühne wie 2014 bei Udos letztem Konzert. Es fühlt sich so echt an, dass wir im Tourbus oft das Gefühl haben, wir sind wieder mit Udo unterwegs.

Sie haben Udo Jürgens fast vier Jahrzehnte begleitet, waren aber auch sein Freund.
Wie haben Sie seinen Tod 2014 verkraftet?


Das war für mich ein großer Schock. Ich war am Abend davor mit ihm essen. Wir hatten die Hälfte der Tour hinter uns, und es lief so gut, dass wir davon ausgehen konnten, dass das noch lange so weitergehen würde. Er wollte ein paar Tage in seinem Haus in Portugal Urlaub machen, bevor es mit Teil zwei der Tour weitergehen sollte. Udo war voller Pläne. Als er am nächsten Tag zusammengebrochen ist, war ich gerade mit dem Hund unterwegs. Meine Frau rief mich an und meinte: „Udo ist umgefallen.“ Ich bin sofort ins Spital gefahren, in der Hoffnung, dass es ihm gleich wieder besser geht. Als ich ankam, war er aber schon tot. Dieser Moment war unfassbar. Udo war 80 Jahre alt. Ich bin auch bald 80, da denkt man nicht ans Sterben.

Was hat er beim letzten Treffen zu Ihnen gesagt?

Udo umarmte mich und sagte: „Dass du mir mit deiner Band so den Rücken freihältst, ist keine Selbstverständlichkeit. Dafür danke ich dir von Herzen.“ Ich wusste es in diesem Moment nicht, aber das waren seine letzten Worte zu mir. Sie sind tief in meinem Herzen verankert.

Udo Jürgens lebt weiter. Die „Da Capo“-Tour mit Orchester geht 2026 in die nächste Runde, und Sie kommen im Februar auch nach Wien. Ist es nicht ein Wunder, dass sich heutzutage so ein Großprojekt mit 24 Mann finanzieren lässt?

Ja, schon, es ist aber eine einfache Rechnung. Dass wir die Band all die Jahre am Leben erhalten konnten, verdanken wir Udo. Er konnte es sich leisten, eine große Band dabeizuhaben, auch wenn vom Management zwischendurch immer wieder Töne angeschlagen wurden, ob eine Posaune statt drei nicht genug wäre. Udo hat uns aber immer den Rücken gestärkt und gesagt: „Wenn Pepe eine Band in dieser Formation haben will, wird das gemacht.“ Natürlich wären die Hallen auch mit sechs statt zwölf Bläsern voll gewesen, aber Udo war Vollblutmusiker und wollte die Qualität halten. Wir sind so etwas wie die letzten Mohikaner, die noch als große Band durch die Lande ziehen. Oft waren wir auch zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Mit Frank Sinatra in Monte Carlo zu spielen, ist unvergesslich.

Frank Sinatra, Shirley Bassey, Udo Jürgens:
Sie haben mit allen gespielt.
Gibt es Musiker in dieser Liga heute noch?


Es ist gefährlich, in meinem Alter zurückzuschauen, aber damals war vieles anders. Meine Töchter und meine Enkerln hören ganz andere Musik, was normal ist. Ich meine, ich habe als kleiner Bub auf Louis Armstrong geschworen. Mein Vater, der gerne Operette mochte, fand ihn furchtbar. „Der mit seiner rauchigen Stimme kann doch gar nicht singen“, hat er immer gesagt. Heute ist die Zeit viel schnelllebiger. Dass Menschen drei Stunden in einem Saal sitzen und einer Big Band zuhören, ist eigentlich aus der Zeit gefallen.

Sie feiern am 23. März 2026 Ihren 80er. Wie zufrieden
sind Sie mit Ihrem gesundheitlichen Zustand?


Ich kann mich nicht beklagen, wobei ich viel besser auf mich schaue als früher. Mit Udo gab es Zeiten, da war ein Abend nach dem Konzert noch lange nicht zu Ende. Gestern bin ich früh ins Bett, damit ich heute frisch bin fürs Interview. So etwas gab es früher nicht.

Sie tragen in der Öffentlichkeit gerne Schals.
Ist das eine Art Markenzeichen wie der Bademantel von Udo Jürgens?


(lacht) Na ja, das kommt daher, dass ich leider schnell heiser werde und so meinen Hals schütze. Das hat Udo übrigens auch gemacht. Kaum war es ein bisschen kühler, hat er einen Schal umgebunden. Vielleicht habe ich das von ihm übernommen. Ich schaue mittlerweile besser auf mich. Heute gehe ich um elf ins Bett, trinke kaum Alkohol und mache regelmäßig Sport. Früher bin ich mit dem Auto zum Kaffeehaus gefahren, heute gehe ich zu Fuß. Im Alter wird man leider vernünftig (lacht).
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