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Ausgabe Nr. 51/2025 vom 17.12.2025, Foto: AdobeStock
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Jesus Christus spricht:
„Ich bin das Licht der Welt“
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Zu Weihnachten feiern Milliarden Menschen weltweit seine Geburt. Doch zwischen der historischen Person des Wanderpredigers und der kirchlichen Gestalt des Messias gibt es viel Spielraum für Spekulationen. Fest steht, das Leben des Erlösers gibt bis heute Rätsel auf.
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In der Heiligen Nacht, wenn in den heimischen Wohnzimmern die Weihnachts-Krippen im Kerzenlicht erstrahlen, erinnern sich gläubige Christen an das Wunder von Bethlehem vor mehr als 2.000 Jahren.

Damals, in der Nacht vom 24. auf 25. Dezember, brachte Maria dort ihren Sohn Jesus in einem einfachen Stall auf die Welt. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“, heißt es in der Weihnachtsgeschichte aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Denn das Kind in der Krippe war etwas Besonderes – vom Heiligen Geist gezeugt und von einer Jungfrau geboren, galt Jesus als Sohn Gottes, der Frieden, Gerechtigkeit und Heil in die Welt bringen sollte.

Maria selbst hatte die Geburt schon zuvor als göttliches Geheimnis verkündet bekommen. Der Erzengel Gabriel war dem damals etwa 14 Jahre alten Mädchen erschienen und kündigte an, dass es ein Kind empfangen würde, ohne mit einem Mann zusammengewesen zu sein. Da war Maria aber bereits mit dem älteren Bauhandwerker Josef verlobt.

Im Matthäusevangelium heißt es, dass eines Nachts auch Josef im Traum ein Engel erschienen ist, der ihm sagte, „Habe keine Angst, Maria zu deiner Frau zu nehmen. Sie erwartet den Sohn Gottes.“ Josefs Zweifel waren verschwunden und er tat, wie ihm der Engel im Traum geraten hatte. Er machte Maria zu seiner Frau und freute sich mit ihr auf das Kind.

Nach dem Glauben der Kirche ist Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an, das heißt, als sie von ihrer Mutter Anna empfangen wurde, frei vom Makel der Erbsünde. Diese besondere Reinheit, die sie zu derjenigen machte, die Gottes Sohn empfangen konnte, wurde im Jahr 1854 von Papst Pius IX. (1792–1878) als Dogma (verbindliche Glaubenslehre der Kirche) der „Unbefleckten Empfängnis“ bestätigt. Die katholische Kirche und alle orthodoxen Kirchen lehren außerdem, dass Maria nach der Geburt Jesu keine eigenen Kinder mehr hatte, sondern Jungfrau blieb.

Auch der Reformator Martin Luther – er war eine zentrale Figur bei der Entstehung der evangelischen Kirche – bezeichnete Maria als sempervirgo („Immer-Jungfrau“). Erst später, vielleicht auch, um sich von der katholischen Marienverehrung abzusetzen, lehrten protestantische Theologen, Maria habe mehrere Kinder geboren.

Für den Historiker und Autor Stefan Müller steht das ebenfalls außer Frage. In seinem Buch „Der kleine Jesus“ (Molden-Verlag) versucht er, die wahre Figur hinter der Messiaserzählung zu ergründen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen „Jesus von Nazareth“, der historischen Person, und der Bezeichnung „Jesus Christus“. „Christus“ bedeutet „Gesalbter“ oder „Messias“ und beinhaltet damit schon eine theologische und spirituelle Deutung, die den Glauben an seine Göttlichkeit und Rolle als Erlöser betont.

Müller räumt in seiner „himmlischen Biografie“ auch gleich mit der Legende um Jesu Geburt auf. „Jesus kommt zwischen 7 und 4 vor Christus zur Welt“, heißt es darin. Dass er „vor Christus“ geboren wird, liege daran, dass sich der römische Mönch Dionysius Exiguus, als er im Jahr 525 die christliche Zeitrechnung begründete, um ein paar Jahre vertan hat, weil ihm genaue Daten fehlten.

„Der Geburtsort ist Nazareth, das zeigt schon der Beiname ,Nazarener‘“, schreibt Müller weiter. Demnach sei Nazareth – ein Dorf im Bezirk Galiläa im Norden Israels – so klein und unwichtig gewesen, dass es in der nicht-christlichen Literatur des ersten Jahrhunderts nirgends erwähnt wird. Die Menschen dort lebten vom Handwerk oder hielten Ziegen und Schafe. Jesus – auch Jeschua oder Josua, war ein sehr beliebter und verbreiteter jüdischer Name zur damaligen Zeit und ist eine Kurzform von Jehoschua („Gott rettet“) – wuchs laut Müller in einer gläubigen Familie auf. Neben den jüngeren Brüdern Jakobus, Joses, Judas und Simon, habe Jesus noch zwei Schwestern gehabt.

Auch in der Heiligen Schrift ist von „Brüdern“ und von „Schwestern“ Jesu die Rede und der Evangelist Markus zählt sogar einige Namen auf – Jakobus, Josef, Simon und Judas. Allerdings ist im Sprachgebrauch der Bibel die Bezeichnung „Brüder“ nicht auf leibliche Brüder beschränkt, sondern wird auch für andere Verwandte und Angehörige verwendet.

Unbestritten ist jedenfalls die Tatsache, dass Jesus – die historische Person – tatsächlich gelebt hat. Dafür spricht beispielsweise, dass er auch in nicht-christlichen Quellen erwähnt wird, etwa bei den römischen Historikern Tacitus und Sueton und vermutlich auch bei dem jüdischen Historiker Flavius Josephus. Er war zunächst ein jüdischer Soldat, der bei einer Schlacht gegen die Römer um 70 nach Christus gefangen genommen wurde.

Später schrieb Flavius die Geschichte des jüdischen Volkes („Antiquitates“) auf. Darin berichtete er etwa 93 nach Christus von Jesus, „einem Mensch voller Weisheit, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er tat nämlich ganz unglaubliche Dinge und war der Lehrer derjenigen Menschen, welche gerne die Wahrheit aufnahmen, so zog er viele Juden und viele aus dem Heidentum an sich. Noch bis jetzt hat das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, nicht aufgehört.“

Auch der deutsche evangelische Theologe Dr. Wolfgang Reinbold ist sicher, dass Jesus gelebt hat. „Darüber hinaus wissen wir von seinem leiblichen Bruder Jakobus. Er wird im Neuen Testament häufig erwähnt und spielte eine wichtige Rolle im ältesten Christentum.“

Die Evangelien ließen sich laut Reinbold durchaus historisch auswerten. „Zwar bleibt dabei vieles unsicher. Aber einige harte historische Fakten lassen sich ihnen doch entnehmen, insbesondere über die Verurteilung Jesu und seinen Tod am Kreuz.“

Über die Zeit zwischen der Geburt und dem Tod Jesu bleibt aber vieles im Dunkeln. Die ersten Aufzeichnungen sind rund 20 Jahre nach seinem Tod entstanden, von 70 bis 110 nach Christus wurden die vier Evangelien des Neuen Testaments verfasst. Sie bilden bis heute das Fundament des christlichen Glaubens.

Laut dem Historiker Stefan Müller liefert die Bibel aber keine Informationen über die frühen Jahre. Wir hören nur einmal etwas aus der Jugend Jesu im Lukas-Evangelium. Damals reiste der Zwölfjährige mit seinen Eltern nach Jerusalem zum Pessach-Fest, wie es Brauch war. Nach dem Fest machten sich Maria und Josef auf den Heimweg, merkten aber nach einem Tag Reise, dass Jesus fehlte.

Sie glaubten ihn mit anderen Reisenden unterwegs. Als sie ihn weder bei Verwandten noch Freunden finden konnten, kehrten sie besorgt um nach Jerusalem. „Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen. Alle wunderten sich über sein Verständnis und seine Antworten“, heißt es bei Lukas. Die Eltern meinten, sie hätten ihn verzweifelt gesucht. Aber Jesus antwortete ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“

Laut Müller deutet die Tempel-Erzählung auf zwei historische Aspekte hin. „Man kann sich Jesus als Autodidakten vorstellen, der im Rahmen der religiösen Bildung wahrscheinlich lesen, vielleicht auch schreiben lernte.“ Er sei ein talentierter Laie mit intellektuellem Anspruch gewesen.

Der Autor weist außerdem auf eine schwierige Beziehung zur Familie hin. „Sein leiblicher Vater taucht in der Bibel nach dieser Episode nicht mehr auf. Vermutlich ist er gestorben, bevor Jesus öffentlich in Erscheinung trat.“ Die Zeit davor wird in den vier Evangelien nicht behandelt. Umso mehr gibt dieser Abschnitt im Leben des Jesus von Nazareth Anlass zu Spekulationen. So sprechen einige historische – wenn auch umstrittene
– Theorien davon, dass Jesus als junger Mann nach Indien gereist sein soll, um bei Mönchen buddhistische Lehren zu studieren. Einer anderen Erzählung nach wurde Jesus als junger Mann Medizinstudent in Ägypten.

Tatsächlich schrieb der Evangelist Matthäus über die Flucht der Familie nach Ägypten unmittelbar nach der Geburt von Jesus, weil der von den Römern eingesetzte jüdische Herrscher Herodes aus Angst vor dem ihm prophezeiten neugeborenen König der Juden alle Kleinkinder in Betlehem töten ließ. Der kindliche Jesus soll während und nach der Flucht zahlreiche Wunder vollbracht haben.

„Vermuten kann man allerdings, dass Jesus im gut erschlossenen Galiläa, das vom Export und Import landwirtschaftlicher Güter lebte, auch mit der Vorstellungswelt religiöser Strömungen außerhalb seines Lebensraumes in Berührung kam.“ Vieles spreche dafür, dass Jesus in seiner Zeit vor dem ersten öffentlichen Auftreten das Handwerk seines Vaters übernahm, betont Müller. Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass er keine theologische Ausbildung erhalten hat.

Die meiste Zeit seines Lebens lebte Jesus ziemlich unauffällig. Bis etwa 28 nach Christus, als er Johannes dem Täufer begegnete und sich – wie viele andere auch – von ihm im Jordan zur Vergebung seiner Sünden taufen ließ. Der Endzeitprophet Johannes ging davon aus, dass bald der Messias erscheinen würde. Jesus war von dessen Botschaft so überzeugt, dass er sich der Bewegung anschloss.

Er verkündete als Wanderprediger das nahe Reich Gottes, sprach in Gleichnissen und wandte sich auch gesellschaftlichen Randgruppen zu. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, heißt es etwa im Johannes-Evangelium.

Mit ihm zogen die zwölf Apostel, auserwählte Männer, die von ihm lernen sollten. Zu seinen engen Vertrauten gehörte aber auch eine Frau, Maria Magdalena. In einer frühchristlichen Schrift des Philippus etwa wird sie als Gefährtin Jesu bezeichnet. „Der Herr liebte Maria mehr als alle Jünger und er küsste sie häufig auf den Mund.“ Manche Wissenschaftler halten es sogar für möglich, dass Jesus mit ihr verheiratet war. Andere schließen das aus, hatte er doch alle verwandtschaftlichen Bande gelöst.

Jesus war nicht mehr vorrangig für seine Familie da, sondern für die ganze Menschheit. Im Markus-Evangelium etwa steht, das Gedränge um Jesus sei manchmal so groß gewesen, dass er nicht einmal essen konnte.

Aber schon bald wurde Jesus aufgrund seiner revolutionären Auslegung der jüdischen Schriften von der traditionellen jüdischen Glaubensgemeinschaft als Gefahr angesehen. Ein „Unruhestifter“, der aus dem Weg geräumt werden musste.

Das Ende der Geschichte ist bekannt – Pontius Pilatus, der Statthalter des römischen Kaisers Tiberius, verurteilte den „König der Juden“ zum Tod durch Kreuzigung. Historisch belegt ist das Wie, nur um den genauen Zeitpunkt des Todes von Jesus herrscht Uneinigkeit. Viele Bibelwissenschaftler folgen der Datierung des Evangelisten Johannes.

Demnach starb Jesus am Tag vor dem jüdischen Pessach-Fest des Jahres 30, am Freitag, dem 7. April – und ist „am dritten Tage auferstanden von den Toten“, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. rz
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