Alexandra Meissnitzer:
„Ich wollte noch einmal etwas Neues wagen“
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Die Doppel-Weltmeisterin im Schifahren hat ihre Arbeit als Kommentatorin des ORF beendet. Dafür ist Alexandra Meissnitzer, 52, beim Internationalen Schiverband FIS in die Führungsriege eingestiegen.
Hier erzählt sie vom Mut zum Sprung aus der Komfortzone und von der geplanten Neuausrichtung des Schisports.
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Frau Meissnitzer, Sie sind seit 1. September Sonderbeauftragte für „Spezial Projekte“ bei der FIS. Wie sehr hat sich Ihr Alltag dadurch verändert?
Ich bin weiterhin viel unterwegs, aber anders als früher, wo ich als ORF-Expertin zu den Rennen gefahren bin oder Vorträge gehalten habe. Ich konnte mir vieles frei einteilen, jetzt gibt es mehr Struktur, mehr Besprechungen und mehr internationale Termine. Schön ist, dass ich meinen Radius erweitern darf und in Zukunft auch andere FIS-Bewerbe besuchen werde. Generell pendle ich zwischen Salzburg und Oberhofen in der Nähe von Bern (Schweiz), wo unser Büro liegt. Eine
klassische Bürotätigkeit ist das definitiv nicht.
Ihr Aufgabengebiet „Spezial Projekte“ klingt ein wenig kryptisch.
Was machen Sie genau?
Im Grunde geht es darum, den Schisport größer, internationaler und sichtbarer zu machen. Wir wollen unsere Athleten besser vermarkten, neue Formate entwickeln, den Sport in neue Märkte bringen und die FIS insgesamt greifbarer machen.
Sie hatten sich Ihr Leben zwischen Schianalyse und Vorträgen gut eingerichtet. Da Sie immer als ehrgeizig galten: War eine Managementposition der logische nächste Schritt Ihrer Karriere?
Tatsächlich wurde ich häufiger gefragt, warum ich das mache. Der vorige Winter war zwar extrem intensiv, hat sich aber aus beruflicher Sicht perfekt angefühlt. Das war für mich ein Zeichen, dass es Zeit ist, einen Schritt weiterzugehen. Ich will mich weiterentwickeln und bin mir sicher, dass ich das in dieser Position kann. Ich weiß zwar nicht, wo mich das alles hinführt, es hat sich aber von der ersten Sekunde an richtig angefühlt. Es war eine Bauchentscheidung.
Welche Rolle hat Ihr Alter bei dieser Entscheidung gespielt?
Der 50er hat viel mit mir gemacht, obwohl mir mein Alter bisher egal war. Die Frage für mich war: Was kommt jetzt noch? Ich kann nicht mein Leben lang Schiexpertin bleiben. Ich bin mittlerweile 52 Jahre alt und wollte noch einmal etwas Neues wagen. Jetzt kann ich all das bündeln, worin ich Erfahrung habe. Durch meine sportlichen und beruflichen Erfolge habe ich das Glück, meine Entscheidungen frei treffen zu können. Um ehrlich zu sein, liegt es auch daran, dass ich keine Familie habe. Andere jonglieren Beruf und Familie, was höchsten Respekt verdient. Dass sich mein Leben anders ergeben hat, war nicht geplant, aber es ist gut so, wie es ist.
Der Internationale Schiverband stand aufgrund des Präsidenten Johan Eliasch, einem 63jährigen britischen Multimilliardär, öfter in der Kritik. Wie erleben Sie ihn?
Johan ist keiner, mit dem man auf einen Kaffee und Kuchen geht. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, für den es kein Wochenende gibt. Mit so jemandem zu arbeiten, ist auch für mich neu und unglaublich spannend. Er denkt groß, er denkt international und fordert viel. Aber nur so ist Weiterentwicklung möglich. Auch an mich stellt er den Anspruch, Pläne umzusetzen. Da wird nicht viel herumgeredet. Es geht darum, Projekte zu realisieren, die uns sichtbar machen.
Es geht auch um die Erschließung von Märkten wie den USA oder Asien, wo der Schisport eine Randerscheinung ist.
Wie wollen Sie da punkten?
Es ist in der Tat ein Balance-Akt. Einerseits dürfen wir die europäischen Kernmärkte nicht vernachlässigen, andererseits müssen wir internationaler werden. Wenn wir mehr in Richtung Asien gehen wollen, werden dort mehr Rennen auszutragen sein – was auch kritisch gesehen wird. Ich habe aber das Gefühl, dass wir eine große Chance haben, wenn wir uns engagieren. Was ich auch vorantreibe, ist die Entwicklung neuer Formate. Abend-Rennen, vielleicht auch mit den schnellen Disziplinen, sind ein großes Thema.
Lucas Braathen, 25, ein norwegisch-brasilianischer Slalom- und Riesenslalom-Spezialist, hat mit seinem Sieg kürzlich im finnischen Levi für Brasilien ganz allein einen Markt geöffnet.
Ist er ein Glücksfall für den Schisport?
Absolut. Solche Typen braucht der Sport. Er ist jung, talentiert, außergewöhnlich – und plötzlich wird auch in Brasilien übers Schifahren gesprochen. Genau das meine ich, wenn ich sage: Wir müssen internationaler werden. Wir leben von Athleten, die Profil zeigen, Ecken und Kanten haben.
Die Formel 1 hat mit der Dokumentation „Drive to Survive“ und dem Blick hinter die Kulissen viel Aufmerksamkeit erregt. Braucht der Schisport auch so eine hintergründige Serie?
Definitiv, wir arbeiten daran. Die Menschen sollen sehen, wie viel Arbeit, Emotion und Risiko hinter dem Sport stecken. Dafür sind zum Glück auch unsere Athletinnen und Athleten offen. Sie spielen natürlich die Hauptrolle, denn der Schisport schaut im Fernsehen oft leichter aus, als er ist.
Bleibt Ihnen selbst noch Zeit, auf den Bretteln zu stehen?
Heuer ist es mir in Sölden erst ein Mal gelungen. Normalerweise wäre ich um diese Jahreszeit schon viel öfter gefahren. Aber spätestens jetzt im Dezember möchte ich wieder mehr dazukommen. Schifahren bleibt für mich Freude pur und ich verlerne es zum Glück ja nicht (lacht).
Zur Person:
Alexandra Meissnitzer wurde am 18. Juni 1973 in Abtenau (S) geboren. Die Doppelweltmeisterin von 1999 gehört zu unseren erfolgreichsten Schifahrerinnen und gewann auch drei Medaillen bei Olympischen Spielen. Zudem gewann sie ein Mal den Gesamtweltcup.
Nach 17 Jahren als Profi-Rennläuferin wechselte „Meisi“ 2008 als Schi-Expertin zum ORF und kommentierte
Weltcup-Rennen. Wieder 17 Jahre später trat sie am
1. September ihre Management-Stelle bei der FIS, dem Internationalen Schiverband an, wo sie für „Spezial Projekte“ im Präsidenten-Büro zuständig ist.
Alexandra Meissnitzer lebt in der Stadt Salzburg.
Ich bin weiterhin viel unterwegs, aber anders als früher, wo ich als ORF-Expertin zu den Rennen gefahren bin oder Vorträge gehalten habe. Ich konnte mir vieles frei einteilen, jetzt gibt es mehr Struktur, mehr Besprechungen und mehr internationale Termine. Schön ist, dass ich meinen Radius erweitern darf und in Zukunft auch andere FIS-Bewerbe besuchen werde. Generell pendle ich zwischen Salzburg und Oberhofen in der Nähe von Bern (Schweiz), wo unser Büro liegt. Eine
klassische Bürotätigkeit ist das definitiv nicht.
Ihr Aufgabengebiet „Spezial Projekte“ klingt ein wenig kryptisch.
Was machen Sie genau?
Im Grunde geht es darum, den Schisport größer, internationaler und sichtbarer zu machen. Wir wollen unsere Athleten besser vermarkten, neue Formate entwickeln, den Sport in neue Märkte bringen und die FIS insgesamt greifbarer machen.
Sie hatten sich Ihr Leben zwischen Schianalyse und Vorträgen gut eingerichtet. Da Sie immer als ehrgeizig galten: War eine Managementposition der logische nächste Schritt Ihrer Karriere?
Tatsächlich wurde ich häufiger gefragt, warum ich das mache. Der vorige Winter war zwar extrem intensiv, hat sich aber aus beruflicher Sicht perfekt angefühlt. Das war für mich ein Zeichen, dass es Zeit ist, einen Schritt weiterzugehen. Ich will mich weiterentwickeln und bin mir sicher, dass ich das in dieser Position kann. Ich weiß zwar nicht, wo mich das alles hinführt, es hat sich aber von der ersten Sekunde an richtig angefühlt. Es war eine Bauchentscheidung.
Welche Rolle hat Ihr Alter bei dieser Entscheidung gespielt?
Der 50er hat viel mit mir gemacht, obwohl mir mein Alter bisher egal war. Die Frage für mich war: Was kommt jetzt noch? Ich kann nicht mein Leben lang Schiexpertin bleiben. Ich bin mittlerweile 52 Jahre alt und wollte noch einmal etwas Neues wagen. Jetzt kann ich all das bündeln, worin ich Erfahrung habe. Durch meine sportlichen und beruflichen Erfolge habe ich das Glück, meine Entscheidungen frei treffen zu können. Um ehrlich zu sein, liegt es auch daran, dass ich keine Familie habe. Andere jonglieren Beruf und Familie, was höchsten Respekt verdient. Dass sich mein Leben anders ergeben hat, war nicht geplant, aber es ist gut so, wie es ist.
Der Internationale Schiverband stand aufgrund des Präsidenten Johan Eliasch, einem 63jährigen britischen Multimilliardär, öfter in der Kritik. Wie erleben Sie ihn?
Johan ist keiner, mit dem man auf einen Kaffee und Kuchen geht. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, für den es kein Wochenende gibt. Mit so jemandem zu arbeiten, ist auch für mich neu und unglaublich spannend. Er denkt groß, er denkt international und fordert viel. Aber nur so ist Weiterentwicklung möglich. Auch an mich stellt er den Anspruch, Pläne umzusetzen. Da wird nicht viel herumgeredet. Es geht darum, Projekte zu realisieren, die uns sichtbar machen.
Es geht auch um die Erschließung von Märkten wie den USA oder Asien, wo der Schisport eine Randerscheinung ist.
Wie wollen Sie da punkten?
Es ist in der Tat ein Balance-Akt. Einerseits dürfen wir die europäischen Kernmärkte nicht vernachlässigen, andererseits müssen wir internationaler werden. Wenn wir mehr in Richtung Asien gehen wollen, werden dort mehr Rennen auszutragen sein – was auch kritisch gesehen wird. Ich habe aber das Gefühl, dass wir eine große Chance haben, wenn wir uns engagieren. Was ich auch vorantreibe, ist die Entwicklung neuer Formate. Abend-Rennen, vielleicht auch mit den schnellen Disziplinen, sind ein großes Thema.
Lucas Braathen, 25, ein norwegisch-brasilianischer Slalom- und Riesenslalom-Spezialist, hat mit seinem Sieg kürzlich im finnischen Levi für Brasilien ganz allein einen Markt geöffnet.
Ist er ein Glücksfall für den Schisport?
Absolut. Solche Typen braucht der Sport. Er ist jung, talentiert, außergewöhnlich – und plötzlich wird auch in Brasilien übers Schifahren gesprochen. Genau das meine ich, wenn ich sage: Wir müssen internationaler werden. Wir leben von Athleten, die Profil zeigen, Ecken und Kanten haben.
Die Formel 1 hat mit der Dokumentation „Drive to Survive“ und dem Blick hinter die Kulissen viel Aufmerksamkeit erregt. Braucht der Schisport auch so eine hintergründige Serie?
Definitiv, wir arbeiten daran. Die Menschen sollen sehen, wie viel Arbeit, Emotion und Risiko hinter dem Sport stecken. Dafür sind zum Glück auch unsere Athletinnen und Athleten offen. Sie spielen natürlich die Hauptrolle, denn der Schisport schaut im Fernsehen oft leichter aus, als er ist.
Bleibt Ihnen selbst noch Zeit, auf den Bretteln zu stehen?
Heuer ist es mir in Sölden erst ein Mal gelungen. Normalerweise wäre ich um diese Jahreszeit schon viel öfter gefahren. Aber spätestens jetzt im Dezember möchte ich wieder mehr dazukommen. Schifahren bleibt für mich Freude pur und ich verlerne es zum Glück ja nicht (lacht).
Zur Person:
Alexandra Meissnitzer wurde am 18. Juni 1973 in Abtenau (S) geboren. Die Doppelweltmeisterin von 1999 gehört zu unseren erfolgreichsten Schifahrerinnen und gewann auch drei Medaillen bei Olympischen Spielen. Zudem gewann sie ein Mal den Gesamtweltcup.
Nach 17 Jahren als Profi-Rennläuferin wechselte „Meisi“ 2008 als Schi-Expertin zum ORF und kommentierte
Weltcup-Rennen. Wieder 17 Jahre später trat sie am
1. September ihre Management-Stelle bei der FIS, dem Internationalen Schiverband an, wo sie für „Spezial Projekte“ im Präsidenten-Büro zuständig ist.
Alexandra Meissnitzer lebt in der Stadt Salzburg.
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