Umstrittener Song Contest Israel scheidet die Geister
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Der Song Contest sei unpolitisch, sagte der ORF-Generaldirektor. Das sehen Länder wie Slowenien oder Irland anders und wollen die Veranstaltung
im kommenden Jahr in der Wiener Stadthalle boykottieren, sollte Israel teilnehmen.
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Noch kein Ton ist gesungen und trotzdem herrscht Verstimmung. Der „Eurovision Song Contest“ (ESC) 2026 könnte der politischste aller Zeiten werden. Am 4. und 5. Dezember entscheidet die Europäische Rundfunkunion (EBU), ob Israel trotz des Völkermordes im Gazastreifen teilnehmen darf. Möglich machen sollen das neue Regeln, die die Teilnahme erleichtern würden. Insgesamt sechs Länder, darunter Slowenien und Irland, drohen deshalb mit Boykott.
Auch Spanien kündigte an, auszusteigen, falls Israel antritt. Die Spanier gehören zu jenen fünf Nationen, die als die größten Geldgeber fix im Finale stehen. Ziehen sie sich tatsächlich zurück, bedeutet das nicht nur eine höhere finanzielle Belastung für die verbliebenen Länder, sondern auch einen Imageschaden – Stichwort: „Vereintes Europa“. Zudem entsteht der Eindruck, dass die Teilnahme eines Landes mehr Gewicht hat als der mögliche Rückzug gleich mehrerer Nationen. Bis Weihnachten soll das endgültige Starterfeld jedenfalls bekannt sein. Im Zentrum dieses Tohuwabohus steht freilich unser Land, das im kommenden Jahr als Gastgeberland fungiert. Der ORF, der das Spektakel zwischen 14. und 16. Mai 2026 aus der Wiener Stadthalle übertragen wird, hat sich allerdings bereits im Vorfeld in Widersprüche verstrickt.
So erklärte Generaldirektor Roland Weißmann, 57, im Interview mit der Austria Presse Agentur nicht nur, der Song Contest sei unpolitisch, sondern sprach sich auch offen für die Teilnahme Israels aus. Als Begründung führte er die immer wieder gern zitierte „historische Verantwortung“ an. Nicht nur das wirft Fragen auf, die der ORF – zwangsfinanziert von den Haushalten – auf WOCHE-Anfrage nicht beantworten wollte.
Offen bleibt zum Beispiel, warum für Israel eine Sonderregelung gilt, während Russland im Jahr 2022 nach dem Angriff auf die Ukraine ausgeschlossen wurde. Ein Jahr zuvor traf es Weißrussland wegen Missachtung der Pressefreiheit – soweit so politisch. Als Reaktion darauf wurde heuer im September in Novoivanovskoye bei Moskau der Konkurrenzbewerb „Intervision“ mit mehr als 20 Teilnehmern aus Asien über Afrika bis zum Nahen Osten veranstaltet.
Als Gewinner ging ausgerechnet der homosexuelle vietnamesische Sänger Duc Phuc, 29, hervor, worin Beobachter einen kalkulierten Schachzug des Kreml sehen, der damit wohl internationale Homophobie-Kritik abfedern wie auch geopolitische Signale in Richtung Asien setzen wollte. Dass sich der Song Contest vor allem in den vergangenen Jahren zunehmend politisiert hat, wird vom Veranstalter zwar weiterhin dementiert, die aktuelle Studie „Eurovision Song Contest: From Apolitical to Mega-Political?“ der schwedischen Linnaeus Universität, zeigt aber anderes.
Demnach hat sich der ESC von einer unpolitischen Unterhaltungs-Show zu einem hochpolitischen Großereignis entwickelt. Auch eine Studie von der Universität Southern Queensland (Australien) kam 2024 zum Ergebnis, dass Länder den ESC – trotz offiziellen Politikverbotes – bewusst als Bühne für politische Haltungen, Identität und Werte nutzen.
Dass dem so ist, beweist auch der eine oder andere hierzulande seit einigen Jahren. Der Ö3-Moderator Philipp Hansa, 34, der die heimischen Jurypunkte präsentiert, trägt seit 2019 bei seinem Auftritt jedes Jahr ein schwarzes „Equality“-T-Shirt („Gleichwertigkeit“) und stellte schon bei seinem ersten Einsatz im Fernsehen klar:
„Ihr habt einmal mehr bewiesen, dass Vorurteile, Hass, Rassismus, Sexismus und Exklusion keine Chance haben.“
Eine wichtige Botschaft – politisch aufgeladen ist sie dennoch.
Hinzu kommt, dass der ORF für die Übertragung des ESC auf dem Radiosender FM4 seit 2023 den umstrittenen deutschen Fernseh-Moderator Jan Böhmermann, 44, engagiert hat. Er kommentierte 2023 in Liverpool (England) sogar vor Ort. Wie umstritten der Moderator immer wieder ist, zeigt, dass das ZDF – sein Arbeitgeber – laut Landgericht München 2024 falsch aufgestellte Behauptungen zurücknehmen musste, die Böhmermann in seiner Sendung „Magazine Royale“ gegen den Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnologie Arne Schönbohm, 65, verbreitet hatte. Der war seinen Arbeitsplatz trotzdem los.
Was unser Land betrifft, sorgte Böhmermann 2019 im ORF-„Kulturmontag“ für Empörung, als er auf die Frage nach Thomas Bernhards berühmter Aussage, die Österreicher seien „6,5 Millionen Debile und Tobsüchtige“, meinte, aufgrund der damaligen Bevölkerungszahl sei die Zahl auf „acht Millionen Debile“ zu erhöhen.
Dass politische Äußerungen aber durchaus nach hinten losgehen können, wenn man nicht Böhmermann heißt, zeigt das „Schicksal“ von Johannes Pietsch, 24, besser bekannt als JJ. Er gewann heuer den Song Contest in der Schweiz mit „Wasted Love“ und holte den Bewerb damit nach Wien.
Seither ist allerdings wenig von ihm zu hören. In Interviews mit spanischen Medien sprach er sich zwar für eine Austragung des ESC in Wien aus, allerdings „ohne Israel“. Er meinte, „Der ESC hat Russland exkludiert, hat aber Israel im Spiel gelassen.“ Seither ist JJ weitgehend von der Bildfläche verschwunden und wird die Veranstaltung auch nicht im Fernsehen moderieren, obwohl er sich das nach seinem Sieg ausdrücklich gewünscht hatte – offiziell, um sich auf seine Konzerte zu konzentrieren.
Zu all diesen großen und kleinen Sorgen kommt eine weitere hinzu, die Sicherheit. Bereits beim Song Contest in Malmö (Schweden) 2024 wurde die Terrorgefahr als „hoch“ eingestuft, rund 1.500 Polizisten waren im Einsatz. Auch wir werden ähnliche Maßnahmen treffen müssen. Die Wiener Stadthalle, in der die Show im Mai 2026 stattfinden soll, wurde bereits zur Hochsicherheitszone erklärt.
Während die Stimmung hochexplosiv erscheint, bereitet der ORF in aller Ruhe die nationale Entscheidungsshow vor.
„Vienna Calling – Wer singt für unser Land?“ wird am Freitag, 20. Februar 2026, 20.25 Uhr, ORF1, ausgestrahlt. Moderiert wird die Liveshow von Alice Tumler, 47, und Cesár Sampson, 42, der 2018 mit „Nobody But You“ in Lissabon (Portugal) den sensationellen dritten Platz belegte. Dort soll entschieden werden, wer uns
beim ESC vertritt. B. Reiter
Auch Spanien kündigte an, auszusteigen, falls Israel antritt. Die Spanier gehören zu jenen fünf Nationen, die als die größten Geldgeber fix im Finale stehen. Ziehen sie sich tatsächlich zurück, bedeutet das nicht nur eine höhere finanzielle Belastung für die verbliebenen Länder, sondern auch einen Imageschaden – Stichwort: „Vereintes Europa“. Zudem entsteht der Eindruck, dass die Teilnahme eines Landes mehr Gewicht hat als der mögliche Rückzug gleich mehrerer Nationen. Bis Weihnachten soll das endgültige Starterfeld jedenfalls bekannt sein. Im Zentrum dieses Tohuwabohus steht freilich unser Land, das im kommenden Jahr als Gastgeberland fungiert. Der ORF, der das Spektakel zwischen 14. und 16. Mai 2026 aus der Wiener Stadthalle übertragen wird, hat sich allerdings bereits im Vorfeld in Widersprüche verstrickt.
So erklärte Generaldirektor Roland Weißmann, 57, im Interview mit der Austria Presse Agentur nicht nur, der Song Contest sei unpolitisch, sondern sprach sich auch offen für die Teilnahme Israels aus. Als Begründung führte er die immer wieder gern zitierte „historische Verantwortung“ an. Nicht nur das wirft Fragen auf, die der ORF – zwangsfinanziert von den Haushalten – auf WOCHE-Anfrage nicht beantworten wollte.
Offen bleibt zum Beispiel, warum für Israel eine Sonderregelung gilt, während Russland im Jahr 2022 nach dem Angriff auf die Ukraine ausgeschlossen wurde. Ein Jahr zuvor traf es Weißrussland wegen Missachtung der Pressefreiheit – soweit so politisch. Als Reaktion darauf wurde heuer im September in Novoivanovskoye bei Moskau der Konkurrenzbewerb „Intervision“ mit mehr als 20 Teilnehmern aus Asien über Afrika bis zum Nahen Osten veranstaltet.
Als Gewinner ging ausgerechnet der homosexuelle vietnamesische Sänger Duc Phuc, 29, hervor, worin Beobachter einen kalkulierten Schachzug des Kreml sehen, der damit wohl internationale Homophobie-Kritik abfedern wie auch geopolitische Signale in Richtung Asien setzen wollte. Dass sich der Song Contest vor allem in den vergangenen Jahren zunehmend politisiert hat, wird vom Veranstalter zwar weiterhin dementiert, die aktuelle Studie „Eurovision Song Contest: From Apolitical to Mega-Political?“ der schwedischen Linnaeus Universität, zeigt aber anderes.
Demnach hat sich der ESC von einer unpolitischen Unterhaltungs-Show zu einem hochpolitischen Großereignis entwickelt. Auch eine Studie von der Universität Southern Queensland (Australien) kam 2024 zum Ergebnis, dass Länder den ESC – trotz offiziellen Politikverbotes – bewusst als Bühne für politische Haltungen, Identität und Werte nutzen.
Dass dem so ist, beweist auch der eine oder andere hierzulande seit einigen Jahren. Der Ö3-Moderator Philipp Hansa, 34, der die heimischen Jurypunkte präsentiert, trägt seit 2019 bei seinem Auftritt jedes Jahr ein schwarzes „Equality“-T-Shirt („Gleichwertigkeit“) und stellte schon bei seinem ersten Einsatz im Fernsehen klar:
„Ihr habt einmal mehr bewiesen, dass Vorurteile, Hass, Rassismus, Sexismus und Exklusion keine Chance haben.“
Eine wichtige Botschaft – politisch aufgeladen ist sie dennoch.
Hinzu kommt, dass der ORF für die Übertragung des ESC auf dem Radiosender FM4 seit 2023 den umstrittenen deutschen Fernseh-Moderator Jan Böhmermann, 44, engagiert hat. Er kommentierte 2023 in Liverpool (England) sogar vor Ort. Wie umstritten der Moderator immer wieder ist, zeigt, dass das ZDF – sein Arbeitgeber – laut Landgericht München 2024 falsch aufgestellte Behauptungen zurücknehmen musste, die Böhmermann in seiner Sendung „Magazine Royale“ gegen den Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnologie Arne Schönbohm, 65, verbreitet hatte. Der war seinen Arbeitsplatz trotzdem los.
Was unser Land betrifft, sorgte Böhmermann 2019 im ORF-„Kulturmontag“ für Empörung, als er auf die Frage nach Thomas Bernhards berühmter Aussage, die Österreicher seien „6,5 Millionen Debile und Tobsüchtige“, meinte, aufgrund der damaligen Bevölkerungszahl sei die Zahl auf „acht Millionen Debile“ zu erhöhen.
Dass politische Äußerungen aber durchaus nach hinten losgehen können, wenn man nicht Böhmermann heißt, zeigt das „Schicksal“ von Johannes Pietsch, 24, besser bekannt als JJ. Er gewann heuer den Song Contest in der Schweiz mit „Wasted Love“ und holte den Bewerb damit nach Wien.
Seither ist allerdings wenig von ihm zu hören. In Interviews mit spanischen Medien sprach er sich zwar für eine Austragung des ESC in Wien aus, allerdings „ohne Israel“. Er meinte, „Der ESC hat Russland exkludiert, hat aber Israel im Spiel gelassen.“ Seither ist JJ weitgehend von der Bildfläche verschwunden und wird die Veranstaltung auch nicht im Fernsehen moderieren, obwohl er sich das nach seinem Sieg ausdrücklich gewünscht hatte – offiziell, um sich auf seine Konzerte zu konzentrieren.
Zu all diesen großen und kleinen Sorgen kommt eine weitere hinzu, die Sicherheit. Bereits beim Song Contest in Malmö (Schweden) 2024 wurde die Terrorgefahr als „hoch“ eingestuft, rund 1.500 Polizisten waren im Einsatz. Auch wir werden ähnliche Maßnahmen treffen müssen. Die Wiener Stadthalle, in der die Show im Mai 2026 stattfinden soll, wurde bereits zur Hochsicherheitszone erklärt.
Während die Stimmung hochexplosiv erscheint, bereitet der ORF in aller Ruhe die nationale Entscheidungsshow vor.
„Vienna Calling – Wer singt für unser Land?“ wird am Freitag, 20. Februar 2026, 20.25 Uhr, ORF1, ausgestrahlt. Moderiert wird die Liveshow von Alice Tumler, 47, und Cesár Sampson, 42, der 2018 mit „Nobody But You“ in Lissabon (Portugal) den sensationellen dritten Platz belegte. Dort soll entschieden werden, wer uns
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