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Ausgabe Nr. 48/2025 vom 26.11.2025, Foto: Arnulf Prasch/zvg
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Arnulf Prasch, 60.
Arnulf Prasch:
„Ich wollte immer Geschichten erzählen“
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Er war mehr als 25 Jahre lang das Aushängeschild der Fernsehshow „Wenn die Musi spielt“ und stand mit den Größen der Volksmusik auf der Bühne.
Jetzt hat Arnulf Prasch, 60, als Krimiautor ein neues Kapitel in seinem Leben aufgeschlagen.
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Herr Prasch, Sie sind noch als Moderator der ORF-Show „Wenn die Musi spielt“ bekannt. Was machen Sie heute?

Ich habe heuer im April mein 40-Jahr-Jubiläum beim ORF gefeiert und arbeite nach wie vor im Landesstudio Kärnten als Redakteur und Moderator. Das Schöne ist: Es macht mir gleich viel Freude wie am ersten Tag.

Sie haben 27 Jahre lang eine Hauptabend-Sendung moderiert. War es schwer, loszulassen?

Mir war immer klar, dass so etwas ein Geschenk auf Zeit und die Tätigkeit endlich ist. Deshalb war der Schock überschaubar. Ich durfte „Wenn die Musi spielt“ mehr als ein Vierteljahrhundert moderieren – das ist ein großes Privileg. Nach so einer Phase muss man einfach „Danke“ sagen und weitergehen.

Musik war Ihr Leben, nicht wahr?

Sie begleitet mich, seit ich denken kann. Ich war mit 18 Jahren schon Chorleiter, habe Instrumente gelernt und immer gesungen. In Kärnten wird einem das in die Wiege gelegt. Wer möchte, kann das bis zu den Kelten zurückverfolgen – Melodien, die damals entstanden, finden sich bis heute im Kärntner Gesang.

Sie leben im Dreiländereck Kärnten-Friaul-Slowenien. Wie ist das?

Wer so wie ich in Villach lebt, geht in Slowenien Mittagessen, in Italien Kaffee trinken und fährt zum Spaziergang wieder nach Hause. Gut 20 Minuten von Villach entfernt liegt Tarvis in Italien, in 30 Minuten bin ich in Kranjska Gora in Slowenien. Beide Orte kommen in meinem ersten Roman „Drei Länder, drei Leichen“ vor. Ich kenne jede Straße, jede Hütte, jedes Café, das ich beschreibe – zum Beispiel das Café Biusi, in dem mein Kommissar sitzt. Aber natürlich habe ich auch viele Orte und Figuren erfunden.

Woher kam der Antrieb, jetzt einen Roman zu schreiben?

Das war ein lang gehegter Wunsch. Ich wollte immer schreiben und Geschichten erzählen. Ein Fernsehmann denkt in Bildern – und diese Bilder habe ich einfach in Worte gefasst. Das Thema hängt auch mit meiner Tätigkeit im ORF Kärnten zusammen. Ich moderiere die Reihe „Servus, Srećno, Ciao“, die zeigt, dass der Kulturraum dieses Dreiländereckes eigentlich zusammengehört. Bis vor etwa 100 Jahren war das ja de facto ein Land – mit verschiedenen Nationen, aber unter einem Dach. Diese Verbindung ist in der Architektur,
der Musik und der Kulinarik zu spüren. Das fasziniert mich gewaltig.

Im Roman geht es auch um Schmuggel und alte Grenz-
geschichten aus den 1980er Jahren …


Ja, als es noch keine Europäische Union gab, wurden
die Grenzen streng kontrolliert. Geschmuggelt wurde
trotzdem, von Zigaretten über Wein bis zu Kühen. Ehemalige Zöllner haben mir unglaubliche Geschichten erzählt. In Tarvis gab es einen berühmten Markt, auf dem Lederjacken günstig angeboten wurden. Viele haben dann einfach mehrere Schichten übereinandergetragen. Was sie nicht bedacht haben, war der intensive Ledergeruch. Wenn dann die Autoscheibe heruntergekurbelt wurde, wusste der Zöllner sofort Bescheid.

Romanautoren berichten oft von Schreibblockaden. Wie war das bei Ihnen?

Ich musste diszipliniert arbeiten. Man kann nicht nur ein paar Seiten schreiben und dann wieder pausieren. Deshalb habe ich mich zwei Mal je eine Woche auf eine Alm zurückgezogen und intensiv gearbeitet. Aber das Ganze war ein Prozess, der über ein Jahr gedauert hat.

Was soll der Leser aus Ihrem Roman mitnehmen?

Er soll Neugier auf die Region wecken. Wer das Buch liest, wird viele Orte wiedererkennen und vielleicht Lust bekommen, sich das Dreiländereck einmal selbst anzuschauen. Er wird dann sehen, dass sich die Menschen nie fern waren. Was Menschen trennt, sind politische Grenzen.

Welche Gemeinsamkeiten fallen Ihnen ein?

Viele in der Kulinarik. Den berühmten Kärntner Reindling gibt es in abgewandelter Form auch im Kanaltal im Friaul und in Slowenien, wo er Pogača heißt. Überall anders gefüllt, einmal mit Rosinen, dann mit Nuss oder Zimt, aber im Kern gleich.

Wird es einen zweiten Krimi geben?

Ja, ich arbeite schon daran. Die Fortsetzung ist in Vorbereitung und wird wieder im selben Kulturraum spielen. Es gibt noch viele Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden.

Sie wurden im Jahr 2024 von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit dem Berufstitel „Professor“ geehrt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Das war eine große Ehre, vor allem, weil er mir für meine Arbeit im Alpen-Adria-Raum verliehen wurde. Ich versuche seit Jahren, die Menschen dieser Region näher zusammenzubringen, über Kultur, Musik und eben auch über Geschichten.


Arnulf Prasch wurde am 18. Mai 1965
in Sankt Veit an der Glan (K) geboren. Bekannt
wurde er als langjähriger Gastgeber
der Volksmusiksendung „Wenn die Musi spielt“, die er
von 1996 bis 2022 moderierte.

Er hat in jungen Jahren mehrere Instrumente erlernt,
darunter Klavier und Trompete. Mit 18 Jahren gründete er seinen eigenen Chor. Prasch ist mit der Physio-
therapeutin Cornelia verheiratet und lebt in Villach.

Sein erster Roman heißt „Drei Länder, drei Leichen“,
erschienen im Platin Verlag, 352 Seiten,
ISBN 978-3-903538-22-1, € 24,–.
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