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Ausgabe Nr. 47/2025 vom 19.11.2025, Fotos: AdobeStock, zvg
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Dr. Luger und Dr. Gusenleitner (li.) mit dem neuen Mikro Ultraschallgerät, das genaueste Bilder liefert.
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Stufe 1: sehr früher, lokal begrenzter Krebs;
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Stufe 2: lokal begrenzt, aber tastbar;
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Stufe 3: der Tumor reicht über die Prostatakapsel hinaus;
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Stufe 4: Ausbreitung auf umliegende Strukturen, Lymphknoten / mit Fernmetastasen.
Die kostenlose Krebsvorsorge wird jetzt angenehmer –
Das Abtasten der Prostata fällt weg
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Trotz Tausender Neuerkrankungen jedes Jahr geht nur jeder zweite Mann regelmäßig zur Prostatakrebs-Vorsorge. Um mehr Männer
davon zu überzeugen, diese wichtige Untersuchung machen zu lassen, gibt es Erleichterungen und genauere Diagnosemöglichkeiten.
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Männer gelten als „Vorsorgemuffel“, und das wohl zu Recht. Nur etwas mehr als jeder Zehnte im Land nützt das Angebot der meist kostenlosen Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge. Dazu gehört neben verschiedenen Basisuntersuchungen die jährliche Prostatakrebs Vorsorge, die Männern ab 45 Jahren empfohlen wird.

Die Empfehlung erfolgt mit gutem Grund. Knapp siebeneinhalbtausend Männer in unserem Land erhalten jedes Jahr die Diagnose Prostatakrebs, im Durchschnitt sind sie dabei 68 Jahre alt.

Damit ist Prostatakrebs die häufigste Tumorerkrankung
bei Männern, die für mehr als eintausend von ihnen Jahr für Jahr tödlich endet. Fachärzte und Fachärztinnen für Urologie (= Krankheiten der Geschlechtsorgane des Mannes) sind jedoch sicher, die Zahl an Todesfällen ließe sich verringern, gingen mehr Männer zur Krebsvorsorge.

Der Grund für die zögerliche Inanspruchnahme der Prostatakrebs-Vorsorge liegt vermutlich für viele Männer in der Untersuchung selbst. Neben der Bestimmung des PSA-Wertes im Blut, ein Enzym, das die Prostata bildet, ist die rektale Tastuntersuchung über den Darmausgang Teil des Prozederes. Diese Hürde ist dabei zu fallen, wie Urologen nun vermelden. „Die Tastuntersuchung wird nicht mehr routinemäßig durchgeführt“, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Sascha Ahyai, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie am Uniklinikum Graz.

„Der PSA-Wert und die Bildgebung spielen bei der Vorsorge heute eine wesentliche Rolle. Zeigt sich ein auffälliger PSA-Wert über 3, folgt ein hochauflösendes MRT, nicht sofort eine Gewebeprobe“, erklärt Dr. Ahyai.

Auch Univ.-Prof. Shahrokh Shariat, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie, empfiehlt die jährliche Kontrolle ab 45 Jahren und plädiert für ein organisiertes PSA-Screening.

„Die rektale Tastuntersuchung ist nicht mehr Teil des Prostata-Screenings. Diese Angst fällt weg“, sagt Prof. Shariat in Richtung jener Männer, die bisher auf die Früherkennung verzichteten. „Nach Erhebung des PSA-Wertes folgt eine Risikobewertung beim Urologen, gegebenenfalls eine MRT-Untersuchung. Und nur, wenn dann nötig, eine Biopsie, also eine Entnahme von Gewebeproben aus der Prostata.“

Manchmal ist es der PSA-Wert, der Männer verunsichert. Ein erhöhter Wert kann vorschnell als Krebs interpretiert werden. Univ.-Prof. Ahyai stellt hierzu klar.

„Der PSA-Wert ist kein Tumor-Marker, sondern ein Organ-Marker. Dieses Enzym, das prostataspezifische Antigen, wird von der Prostata gebildet. Ist der Wert erhöht, bedeutet das nicht automatisch Krebs. Auch gutartige Veränderungen oder Entzündungen können den Wert ansteigen lassen.

Tumore können bewirken, dass PSA vermehrt ins Blut übertritt. Entscheidend ist der Verlauf. Ein rasch ansteigender Wert kann ein Alarmsignal sein. Durch das PSA-Screening können zehn von 1.000 Männern vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt werden.“

Während die Tastuntersuchung in den meisten Fällen wegfallen kann, kommt eine relativ junge Untersuchungsmethode zur Krebsfrüherkennung hinzu, der Mikro-Ultraschall.

Er ist sieben Mal genauer als der herkömmliche Ultraschall, heißt es aus dem Ordensklinikum Linz Elisabethinen. „Für die Patienten hat die Mikro-Ultraschalluntersuchung nur Vorteile“, versichert Oberarzt Dr. Ferdinand Luger, Leiter des Prostatazentrums am Ordensklinikum.

„Sie kann in nur einer Sitzung durchgeführt werden und ermöglicht eine bildliche Darstellung der Prostata in Echtzeit. Damit umgehen wir mögliche Fehler, die bei einer zeitlich versetzten Untersuchung mittels MRT und anschließender Gewebeprobe vorkommen können“, erklärt Dr. Luger, der zusammen mit dem Urologen Dr. Andreas Gusenleitner an einer internationalen Studie beteiligt war. Mit Mikro-Ultraschall kann Gewebe in einer Auflösung von 0,07 Millimetern, also so dünn wie ein Haar, dargestellt werden. Der herkömmliche Ultraschall hat eine Auflösung von 0,5 Millimeter.

Dazu profitieren all jene Patienten vom Mikro-Ultraschall, die aufgrund einer Kontrastmittelallergie, eines Herzschrittmachers oder einer Gelenksprothese nicht für eine MRT in Frage kommen. Sie können auf verlässliche Ergebnisse mit der Mikro-Ultraschalluntersuchung zählen. „Durch die hohe Verlässlichkeit erhalten die Patienten sofort das Ergebnis und müssen nicht auf die Auswertung der Bilder warten. Das erspart Unsicherheit“, sagt Dr. Gusenleitner.

In der Uniklinik Heidelberg (D) wird der Mikro-Ultraschall auch schon zur Unterstützung bei der Entnahme von Gewebe aus der Prostata eingesetzt.

„Das Verfahren ermöglicht eine besonders schonende Entnahme, da kein MRT-Kontrastmittel notwendig ist. Kleinste Gewebeveränderungen können präzise angesteuert werden, da Gewebeauffälligkeiten extrem gut zu erkennen sind.

Eine MRT ist nicht zwingend notwendig und der Nachweis, ob Prostatakrebs vorliegt oder nicht, kann sich um bis zu acht Wochen verkürzen“, sagt der ärztliche Direktor Prof. Johannes Huber.

Die Mikro-Ultraschalluntersuchung ist in unserem Land keine grundsätzliche Kassenleistung.

Manche Spitäler, darunter die Barmherzigen Schwestern in Wien und die Barmherzigen Schwestern Elisabethinen in Linz, bieten sie ihren Patienten an.
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