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Ausgabe Nr. 46/2025 vom 12.11.2025, Foto: picturedesk.com
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Er hat als letzter Trainer unsere Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft betreut.
Jahrhundertfußballer
Herbert „Schneckerl“ Prohaska, 70:
„Das Spiel zu machen,
liegt uns nicht“
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In den Spielen gegen Zypern (15.11.) und Bosnien-Herzegowina (18.11.) könnte sich die rot-weiß-rote Nationalelf nach 28 Jahren wieder für eine WM qualifizieren.

Herbert „Schneckerl“ Prohaska, 70, war der bislang letzte Trainer, der unser Nationalteam zu einer
Weltmeisterschaft geführt hat.
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Herr Prohaska, unserer Nationalelf fehlt gegen Zypern und Bosnien nur ein kleiner Schritt, um sich für die Weltmeisterschaft in Mexiko, Amerika und Kanada im nächsten Jahr zu qualifizieren. Das gelang Ihnen als Trainer vor 27 Jahren …

Ja, und ich kann es schon nicht mehr hören. Dass wir seit 1998 in Frankreich bei keiner WM mehr waren, spricht weder für unseren Fußball noch für mich selbst. Ich bin nicht stolz darauf, der letzte gewesen zu sein, sondern wünsche mir nichts mehr, als dass es uns jetzt erneut gelingt. Nach sieben Jahren als Trainer und zehn Jahren als Spieler bin ich der allergrößte Anhänger unseres Teams.

Sie selbst waren als Spieler 1978 beim „Wunder von Cordoba“ und 1982 beim „Nichtangriffspakt von Gijon“ dabei.
Warum hat die WM so etwas Magisches?


Weil es einfach das Höchste ist, das ein Kicker mit seiner Nationalmannschaft erreichen kann. Ich erinnere mich noch gut, welche unglaublichen Hochgefühle die erste Qualifikation in mir auslöste. Für einen Spieler wie David Alaba, der im Vereinsfußball mit Bayern München und Real Madrid alles gewonnen hat, wäre diese Qualifikation enorm wichtig und die Krönung seiner Karriere. Und sie steigert den Marktwert der gesamten Mannschaft.

Sie waren später 1990 in Italien noch in einer
Betreuerfunktion und 1998 in Frankreich als Teamchef bei einer WM. Wie war es schöner, auf dem Rasen oder auf der Betreuerbank?


Für den Betreuer Prohaska war es ein bisschen weniger schön. Die Kicker dürfen auf dem grünen Rasen ja frei aufgeigen und alles zeigen, was sie können. Ein Trainer hingegen kann nichts zeigen, er wird nur am Resultat gemessen. Verliert er drei Spiele, ist er ein schlechter und bald schon gefeuerter Trainer. Wir fuhren 1998 mit zwei Unentschieden gegen Chile und Kamerun sowie einer Niederlage gegen Italien heim. Das war nicht schlimm, trotzdem war keiner zufrieden.

In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft im Jahr 1978 spielten Sie mit dem entscheidenden „Spitz von Izmir“ auf dem Feld eine große Rolle …

Ja und dafür wurde ich von den Rängen mit Zitronen und Orangen beworfen. Ich hatte in meinem Torjubel vergessen, wo unsere Anhänger saßen und bin aus Versehen zu den türkischen Anhängern gelaufen. Meine Mitspieler haben mich damals gefragt, ob ich wahnsinnig geworden sei. Zum Glück war ich in der Jubeltraube der unterste und bin vom Obst nicht getroffen worden.

Marko Arnautovic lobte unser Team zuletzt als bestes Nationalteam aller Zeiten. Hat er Recht?

Ich werde sicher nicht wie ein Löwe darum kämpfen, dass wir 1978 in Argentinien oder 1982 in Spanien die bessere Mannschaft hatten. Solche Vergleiche bringen nichts, der Fußball heute ist auch von seiner Spielart und vom Umfeld her ganz weit weg von früheren Zeiten.

Kritiker sagen, das Spiel von Marcel Sabitzer und seinen Kollegen war zuletzt wieder weniger attraktiv als noch bei der Europameisterschaft. Warum?

Nicht, weil sich das Spiel der Mannschaft von Teamchef Ralf Rangnick groß verändert hätte, sondern die Gegner andere waren. Durch unsere Art zu spielen sehen wir gegen stärkere Nationen besser aus und konnten gegen Deutschland, Italien, die Türkei oder Niederlande gewinnen, weil sie offensiv spielen. In unserer WM-Quali-Guppe sind wir selbst der Favorit und mussten das Spiel machen, das liegt uns nicht. Das sieht gleich weniger attraktiv aus.

Müssen wir also bei der WM 2026 auf starke Gegner hoffen, ähnlich wie bei der EM 2024, als wir gegen Frankreich und Niederlande Gruppensieger wurden?

So weit würde ich nicht gehen (lacht). Aber ja, anlaufen und frühzeitiges Pressen klappt besser gegen spielstarke Gegner von Weltformat als gegen elf Zyprioten, die nur hohe Flanken über unsere Pressinglinie spielen wollen. Wolfgang Kreuziger
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