„Pferde verleihen mir Flügel“
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Die 21jährige Lisa Vas wurde mit einer seltenen Fehlbildung der Wirbelsäule geboren.
Im Alltag ist sie auf den Rollstuhl angewiesen, doch im Sattel findet sie ihre Freiheit.
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Wenn Lisa Vas in ihrem Rollstuhl über den Reitplatz gleitet, weicht jedes Stirnrunzeln einem Staunen. Wenig später sitzt die junge Wienerin auf dem Rücken ihrer Rappstute, ruhig, konzentriert, voller Vertrauen. Ihr fahrbarer Untersatz bleibt am Rand der Ovalbahn stehen, in solchen Momenten ist er vergessen.
Lisa Vas ist 21 Jahre alt, angehende Volksschullehrerin und Besitzerin von drei Pferden. Schon als Kind war sie am Islandpferdehof Babenberg in Klosterneuburg (NÖ) zu Hause. „Ich war bereits im Bauch meiner Mutter hier“, erzählt sie lachend. Heute verbringt sie jede freie Minute dort, der Stall ist ihr zweites Zuhause und ihr Rückzugsort.
Die Wienerin kam mit einer seltenen Fehlbildung zur Welt. Ihr fehlen das Kreuz- und Steißbein sowie drei Wirbel. Die genaue Diagnose lautet sakrale Agenesie bei kaudalem Regressionssyndrom. „Das ist so selten wie ein Sechser im Lotto“, witzelt sie. Seit jeher ist sie auf den Rollstuhl angewiesen, doch auf dem Pferd kennt sie keine Grenzen.
Dabei reitet Vas nicht auf einem klassischen Sattel, sondern auf einem speziellen Sattelgurt. Ihre Reiterhilfen, zur Verständigung mit dem Pferd, gibt sie mit der Stimme, dem Gewicht und den Zügeln. „Ich kann jedes Pferd reiten“, sagt sie mit Nachdruck. Die Schenkelhilfen, die andere am Bauch geben, überträgt sie an der Schulter des Pferdes.
Bei der Pflege braucht sie keine Unterstützung. „Ich hole mein Pferd selbst aus dem Stall, putze, sattle und zäume es. Ich kann sogar alleine aufsteigen.“ Dabei sind ihre Pferde für sie so viel mehr als nur Sportpartner. Ihr erstes, und ältestes, ist der Falbschecke „Riff Raff“. Auf dem 24jährigen Wallach hat sie reiten gelernt und ihre ersten Turniere bestritten. „Er ist nach einer Figur in der ,Rocky Horror Picture Show‘ benannt, weil die am Abend, als er geboren wurde, im Fernsehen zu sehen war“, erzählt die Studentin.
Dann gibt es noch „Maximus“. „Mäxchen“, wie sie ihn liebevoll nennt, ist ein 13jähriger Rapphengst, den sie zur Matura geschenkt bekommen hat. „Er ist manchmal etwas schreckhaft, aber für einen Hengst unglaublich brav.“ Und schließlich ist da noch „Ilmur“, ihre zehnjährige Rappstute. „Ich habe sie jung bekommen, aber wir haben schon unglaublich viel gemeinsam erlebt.
Sie ist meine Seelenpartnerin und mein Herzenspferd, niemals würde ich sie verkaufen. Sie ist äußerst charakterstark und kann richtig stur sein, gibt mir aber so viel zurück.“
In ihrer Familie hat es immer schon Islandpferde gegeben. Zusätzlich zu Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie die rassetypischen Gangarten Tölt und Pass. „Sie haben einen gutmütigen und liebevollen Charakter. Sie sind ruhig, brav, gelehrig und stellen sich gut auf ihren Reiter ein. Für mich ist das besonders wichtig“, erklärt Vas. Außerdem erzählt sie: „Meine Schwester war immer mein großes Vorbild. Ich wollte genauso gut reiten können wie sie. Sie hatte viele Turnierschleifen in ihrem Zimmer hängen, das wollte ich auch.“
Was als Kindheitstraum begann, ist heute längst Realität. Die 21jährige nimmt regelmäßig an Turnieren teil, zuletzt an den Niederösterreichischen und Österreichischen Meisterschaften.
Dort erreichte sie mit „Maximus“ ihre persönliche Bestnote und den Einzug ins Finale. Im vergangenen Jahr konnte sie sich ihren Traum von einer Turnierschärpe schließlich erfüllen. Doch der Weg dorthin war steinig. „Ich musste zwei Jahre warten, bis ich den Reitpass machen durfte“, erinnert sie sich. „Niemand hat mir zugetraut, dass ich das kann.“
Auch für den Start bei Turnieren brauchte sie eine Sondergenehmigung. „Ich kann genauso reiten wie alle anderen, das wollte ich beweisen.“ Mobbing auf dem Reitplatz hat sie nie erlebt.
„Ich wurde immer unterschätzt, aber nie ausgelacht. Viele bewundern mich sogar und sagen mir, ich sei ein Vorbild. Nur hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt. Dass ich angeblich wegen meiner Behinderung bessere Noten bekomme. Aber oft ist es genau umgekehrt. Denn die Richter wollen nicht den Anschein erwecken, mich zu bevorzugen und geben mir dann die schlechteren Noten.“
Lisa Vas lebt nach einem einfachen Motto: „Geht nicht, gibt‘s nicht.“ Sie fährt Auto, geht schwimmen, Schi und Rad fahren. „Mein Rollstuhl ist ein Teil von mir. Ohne ihn wäre ich nicht ich.“
Von den vielen Vorurteilen und unsichtbaren Barrieren in den Köpfen ihrer Mitmenschen lässt sie sich nicht entmutigen. Was sie nicht ausstehen kann, ist, bevormundet oder pauschalisiert zu werden. „Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl. Ich bin nur auf den ersten Blick eingeschränkt, aber ich kann alles machen, was ich will.“
Im Mittelpunkt stehen für sie dennoch nie die Medaillen, sondern das Gefühl. „Wenn mein Pferd zum Beispiel auf meinem Oberschenkel einschläft und seinen Kopf an mich lehnt, das ist unbezahlbar.“
Ein Leben ohne ihre Pferde kann und will sie sich nicht vorstellen. „Pferde haben ihren eigenen Kopf, aber keine Vorurteile. Sie sind treu, ehrlich und spiegeln deinen Charakter wider.“ Und wenn sie auf „Ilmur“ durch den Wald reitet, über unebenen Boden, den sie im Rollstuhl nie überwinden könnte, spürt sie das, was sie meint, wenn sie sagt: „Pferde verleihen mir Flügel.“ Schuh
Lisa Vas ist 21 Jahre alt, angehende Volksschullehrerin und Besitzerin von drei Pferden. Schon als Kind war sie am Islandpferdehof Babenberg in Klosterneuburg (NÖ) zu Hause. „Ich war bereits im Bauch meiner Mutter hier“, erzählt sie lachend. Heute verbringt sie jede freie Minute dort, der Stall ist ihr zweites Zuhause und ihr Rückzugsort.
Die Wienerin kam mit einer seltenen Fehlbildung zur Welt. Ihr fehlen das Kreuz- und Steißbein sowie drei Wirbel. Die genaue Diagnose lautet sakrale Agenesie bei kaudalem Regressionssyndrom. „Das ist so selten wie ein Sechser im Lotto“, witzelt sie. Seit jeher ist sie auf den Rollstuhl angewiesen, doch auf dem Pferd kennt sie keine Grenzen.
Dabei reitet Vas nicht auf einem klassischen Sattel, sondern auf einem speziellen Sattelgurt. Ihre Reiterhilfen, zur Verständigung mit dem Pferd, gibt sie mit der Stimme, dem Gewicht und den Zügeln. „Ich kann jedes Pferd reiten“, sagt sie mit Nachdruck. Die Schenkelhilfen, die andere am Bauch geben, überträgt sie an der Schulter des Pferdes.
Bei der Pflege braucht sie keine Unterstützung. „Ich hole mein Pferd selbst aus dem Stall, putze, sattle und zäume es. Ich kann sogar alleine aufsteigen.“ Dabei sind ihre Pferde für sie so viel mehr als nur Sportpartner. Ihr erstes, und ältestes, ist der Falbschecke „Riff Raff“. Auf dem 24jährigen Wallach hat sie reiten gelernt und ihre ersten Turniere bestritten. „Er ist nach einer Figur in der ,Rocky Horror Picture Show‘ benannt, weil die am Abend, als er geboren wurde, im Fernsehen zu sehen war“, erzählt die Studentin.
Dann gibt es noch „Maximus“. „Mäxchen“, wie sie ihn liebevoll nennt, ist ein 13jähriger Rapphengst, den sie zur Matura geschenkt bekommen hat. „Er ist manchmal etwas schreckhaft, aber für einen Hengst unglaublich brav.“ Und schließlich ist da noch „Ilmur“, ihre zehnjährige Rappstute. „Ich habe sie jung bekommen, aber wir haben schon unglaublich viel gemeinsam erlebt.
Sie ist meine Seelenpartnerin und mein Herzenspferd, niemals würde ich sie verkaufen. Sie ist äußerst charakterstark und kann richtig stur sein, gibt mir aber so viel zurück.“
In ihrer Familie hat es immer schon Islandpferde gegeben. Zusätzlich zu Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie die rassetypischen Gangarten Tölt und Pass. „Sie haben einen gutmütigen und liebevollen Charakter. Sie sind ruhig, brav, gelehrig und stellen sich gut auf ihren Reiter ein. Für mich ist das besonders wichtig“, erklärt Vas. Außerdem erzählt sie: „Meine Schwester war immer mein großes Vorbild. Ich wollte genauso gut reiten können wie sie. Sie hatte viele Turnierschleifen in ihrem Zimmer hängen, das wollte ich auch.“
Was als Kindheitstraum begann, ist heute längst Realität. Die 21jährige nimmt regelmäßig an Turnieren teil, zuletzt an den Niederösterreichischen und Österreichischen Meisterschaften.
Dort erreichte sie mit „Maximus“ ihre persönliche Bestnote und den Einzug ins Finale. Im vergangenen Jahr konnte sie sich ihren Traum von einer Turnierschärpe schließlich erfüllen. Doch der Weg dorthin war steinig. „Ich musste zwei Jahre warten, bis ich den Reitpass machen durfte“, erinnert sie sich. „Niemand hat mir zugetraut, dass ich das kann.“
Auch für den Start bei Turnieren brauchte sie eine Sondergenehmigung. „Ich kann genauso reiten wie alle anderen, das wollte ich beweisen.“ Mobbing auf dem Reitplatz hat sie nie erlebt.
„Ich wurde immer unterschätzt, aber nie ausgelacht. Viele bewundern mich sogar und sagen mir, ich sei ein Vorbild. Nur hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt. Dass ich angeblich wegen meiner Behinderung bessere Noten bekomme. Aber oft ist es genau umgekehrt. Denn die Richter wollen nicht den Anschein erwecken, mich zu bevorzugen und geben mir dann die schlechteren Noten.“
Lisa Vas lebt nach einem einfachen Motto: „Geht nicht, gibt‘s nicht.“ Sie fährt Auto, geht schwimmen, Schi und Rad fahren. „Mein Rollstuhl ist ein Teil von mir. Ohne ihn wäre ich nicht ich.“
Von den vielen Vorurteilen und unsichtbaren Barrieren in den Köpfen ihrer Mitmenschen lässt sie sich nicht entmutigen. Was sie nicht ausstehen kann, ist, bevormundet oder pauschalisiert zu werden. „Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl. Ich bin nur auf den ersten Blick eingeschränkt, aber ich kann alles machen, was ich will.“
Im Mittelpunkt stehen für sie dennoch nie die Medaillen, sondern das Gefühl. „Wenn mein Pferd zum Beispiel auf meinem Oberschenkel einschläft und seinen Kopf an mich lehnt, das ist unbezahlbar.“
Ein Leben ohne ihre Pferde kann und will sie sich nicht vorstellen. „Pferde haben ihren eigenen Kopf, aber keine Vorurteile. Sie sind treu, ehrlich und spiegeln deinen Charakter wider.“ Und wenn sie auf „Ilmur“ durch den Wald reitet, über unebenen Boden, den sie im Rollstuhl nie überwinden könnte, spürt sie das, was sie meint, wenn sie sagt: „Pferde verleihen mir Flügel.“ Schuh
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