Verena Altenberger:
„Nudeln mit Ketchup sind Nahrung für meine Seele“
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Im Film „Das Leben der Wünsche“ (ab 13.11. im Kino) tanzt Verena Altenberger, 38, wie eine Naturgewalt und spielt ein Instrument, ohne es zu berühren. Privat liebt sie Nudeln mit Ketchup und spricht gerne im Dialekt, was Barbara Reiter erlebt hat.
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Frau Altenberger, Sie haben einmal gesagt, Sie können nur Rollen annehmen, bei denen Sie eine Verbindung spüren. Welche Verbindung hatten Sie zu Paula in Ihrem neuen Kinofilm „Das Leben der Wünsche“?
Für mich ist die Bedingung für eine Zusage ganz klar. Wenn ich das Drehbuch lese, muss ich die Figur auf Anhieb emotional verstehen und nachvollziehen können. Ich sage einmal, zu 95 Prozent. Ein bisschen was kann man sich immer erarbeiten oder hinausdiskutieren, aber beim ersten Lesen muss ich mir denken: Ja, das verstehe ich, das kann ich nachvollziehen. Egal, ob es eine Lappalie ist oder etwas Tragisches wie ein Suizid.
Im Film geht es um einen Mann, dessen Wünsche sich plötzlich alle erfüllen. Es heißt: „Pass auf, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Gab es in Ihrer Karriere Situationen, wo Sie einen hohen Preis für einen erfüllten Wunsch zahlen mussten?
Also, das finde ich eine sehr pessimistische Herangehensweise, die ich so nicht unterschreiben würde. Es dürfen auch einmal Wünsche in Erfüllung gehen, die keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen (lacht). Ich will nicht zu persönlich antworten, aber: Ich kenne keine Kollegin, die nicht zumindest eine unangenehme Situation in ihrer Karriere erlebt hat, vor allem in den Anfängen.
Es gibt eine Szene, in der Sie fantastisch tanzen, wo und wann haben Sie das gelernt?
Es stand im Raum, dass ich Tanz studiere. Das hat mit Ballett begonnen, als ich drei Jahre alt war, später kam dann zeitgenössischer Tanz dazu. Ich habe aber leider bald Hüftprobleme gekriegt und mir gedacht, okay, wenn ich jetzt mit 15 Jahren schon Schmerzen habe, geht sich das nicht aus. Trotzdem ist Tanzen meine große Liebe und wenn ich es mit meiner zweiten großen Liebe, der Schauspielerei, verbinden kann, ist das das Allerbeste, was mir passieren kann.
Eine weitere Besonderheit ist, dass Sie im Film als Musikerin auf einem Instrument namens Theremin ein Konzert geben.
Der Klang entsteht allein durch Bewegungen der Hände in der Luft zwischen zwei Antennen – fast wie Zauberei. Kannten Sie es vorher?
Bis zu diesem Film war mir das Instrument ein völliges Rätsel. Als mir erste Videos davon gezeigt wurden, dachte ich, das funktioniert nicht, die verarschen mich. Das ist auch das Schräge im Film. In Verbindung mit den magischen Bildern glaubt man fast, wir haben uns das ausgedacht. Ich finde, es müsste in jedem Kino zum Film eine Live-Vorführung mit Theremin geben, damit die Menschen sehen, dass dieses seltsame Instrument wirklich existiert.
Haben Sie tatsächlich gelernt, damit zu spielen?
Ich spiele das, ja, auch wenn bei uns, anders als in den USA, nicht ein Jahr Zeit und Geld für die Vorbereitung zur Verfügung stehen. Ich hatte ein paar Wochen Unterricht und habe das Konzert, das im Film zu sehen ist, wirklich gespielt. Es wurde dann von einer professionellen Künstlerin nachvertont.
Was Sie aber beherrschen, sind sieben Sprachen, darunter Jiddisch und Türkisch. Wie kam es dazu?
Das habe ich eigentlich meinen Eltern zu verdanken. Ich komme aus dem Salzburger Land und meine ganze Familie hatte nie etwas mit Kunst zu tun. Meinen Eltern war Bildung aber wichtig. Das kam daher, dass meine Mutter und mein Vater die Ersten in ihren Familien waren, die selbst studiert haben. Das ist eine Welt, in der man sich nicht zwingend willkommen fühlt, wenn man nicht aus einer Akademikerfamilie stammt. Insofern war es ihnen wichtig, uns Kindern eine gute Bildung mit auf den Weg zu geben. Als meine Mutter meine Volksschullehrerin nach meinen Talenten gefragt hat, meinte sie, am ehesten wäre es etwas mit Sprache. Danach kam ich in ein Gymnasium, das auf Sprachen spezialisiert war. Das war ein Schulversuch namens Europaklasse, den es gar nicht mehr gibt. Als ich die Schule mit 18 Jahren abgeschlossen habe, konnte ich bereits fünf Sprachen.
Ihre Familie kommt aus der Landwirtschaft.
Hat Sie das in Ihrer Ernährung geprägt?
Ich bin paradox aufgewachsen, was Ernährung betrifft. Meine Mutter war Direktorin einer landwirtschaftlichen Fachschule und brachte jungen Menschen bei, nachhaltige, biologische Landwirtschaft zu betreiben. Sie war also im vollen Bewusstsein über Wertigkeit von Lebensmitteln, über das, was gesund, was regional und was saisonal ist. Das ging schon fast in Richtung Hexenwissen, sie kannte jedes Kräuterlein. Trotzdem bin ich fast ausschließlich mit drei Menüs aufgewachsen. Das Einser-Menü war Nudeln mit Ketchup, das Zweier-Menü Erdäpfel mit Butter und das Dreier-Menü war Grießkoch. Ich glaube, bis ich 15 war, habe ich überhaupt nie etwas anderes gegessen. Ein Mal im Jahr hat sie dann versucht, etwas Gesundes zu machen – dann gab es die berühmte Hirse-Karotten-Pfanne. Die hat aber keinem von uns geschmeckt und dann hat es wieder Nudeln mit Ketchup gegeben.
Und was essen Sie heute?
Die Kindheit prägt und Nudeln mit Ketchup sind ehrlicherweise bis heute meine Seelennahrung. Wenn es mir nicht gut geht, esse ich Nudeln mit Ketchup.
Sie werden am 22. November unter anderem
mit den „Tatort“-Darstellern Jan Josef Liefers und Axel Prahl in „Tödliches Spiel – Das Live-Krimi-Dinner“ (ORF2, Das Erste, 20.15 Uhr) zu sehen sein. Keiner weiß, wer Opfer und wer Täter ist.
Ist das nicht ein Risiko?
Ja sicher, ich könnte dabei draufgehen (lacht). Im Ernst. Ich weiß nichts darüber, weil es komplett improvisiert ist. Aber genau das reizt mich daran.
Zur Person
Verena Altenberger wurde am 11. November 1987 in Schwarzach im Pongau (S) geboren und zählt zu den erfolgreichsten heimischen Schauspielerinnen.
Sie hat zahlreiche Preise gewonnen und wurde durch Produktionen wie „Die beste aller Welten“,
„Magda macht das schon“ oder „Polizeiruf 110“ bekannt.
2021 und 2022 war Altenberger bei den Salzburger Festspielen als „Buhlschaft“ zu sehen. Sie ist Botschafterin für das UN-Welternährungsprogramm. Seit November 2021 hat sie mit dem Regisseur Arash T. Riahi die Präsidentschaft der Akademie des Österreichischen Filmes inne.
Für mich ist die Bedingung für eine Zusage ganz klar. Wenn ich das Drehbuch lese, muss ich die Figur auf Anhieb emotional verstehen und nachvollziehen können. Ich sage einmal, zu 95 Prozent. Ein bisschen was kann man sich immer erarbeiten oder hinausdiskutieren, aber beim ersten Lesen muss ich mir denken: Ja, das verstehe ich, das kann ich nachvollziehen. Egal, ob es eine Lappalie ist oder etwas Tragisches wie ein Suizid.
Im Film geht es um einen Mann, dessen Wünsche sich plötzlich alle erfüllen. Es heißt: „Pass auf, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Gab es in Ihrer Karriere Situationen, wo Sie einen hohen Preis für einen erfüllten Wunsch zahlen mussten?
Also, das finde ich eine sehr pessimistische Herangehensweise, die ich so nicht unterschreiben würde. Es dürfen auch einmal Wünsche in Erfüllung gehen, die keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen (lacht). Ich will nicht zu persönlich antworten, aber: Ich kenne keine Kollegin, die nicht zumindest eine unangenehme Situation in ihrer Karriere erlebt hat, vor allem in den Anfängen.
Es gibt eine Szene, in der Sie fantastisch tanzen, wo und wann haben Sie das gelernt?
Es stand im Raum, dass ich Tanz studiere. Das hat mit Ballett begonnen, als ich drei Jahre alt war, später kam dann zeitgenössischer Tanz dazu. Ich habe aber leider bald Hüftprobleme gekriegt und mir gedacht, okay, wenn ich jetzt mit 15 Jahren schon Schmerzen habe, geht sich das nicht aus. Trotzdem ist Tanzen meine große Liebe und wenn ich es mit meiner zweiten großen Liebe, der Schauspielerei, verbinden kann, ist das das Allerbeste, was mir passieren kann.
Eine weitere Besonderheit ist, dass Sie im Film als Musikerin auf einem Instrument namens Theremin ein Konzert geben.
Der Klang entsteht allein durch Bewegungen der Hände in der Luft zwischen zwei Antennen – fast wie Zauberei. Kannten Sie es vorher?
Bis zu diesem Film war mir das Instrument ein völliges Rätsel. Als mir erste Videos davon gezeigt wurden, dachte ich, das funktioniert nicht, die verarschen mich. Das ist auch das Schräge im Film. In Verbindung mit den magischen Bildern glaubt man fast, wir haben uns das ausgedacht. Ich finde, es müsste in jedem Kino zum Film eine Live-Vorführung mit Theremin geben, damit die Menschen sehen, dass dieses seltsame Instrument wirklich existiert.
Haben Sie tatsächlich gelernt, damit zu spielen?
Ich spiele das, ja, auch wenn bei uns, anders als in den USA, nicht ein Jahr Zeit und Geld für die Vorbereitung zur Verfügung stehen. Ich hatte ein paar Wochen Unterricht und habe das Konzert, das im Film zu sehen ist, wirklich gespielt. Es wurde dann von einer professionellen Künstlerin nachvertont.
Was Sie aber beherrschen, sind sieben Sprachen, darunter Jiddisch und Türkisch. Wie kam es dazu?
Das habe ich eigentlich meinen Eltern zu verdanken. Ich komme aus dem Salzburger Land und meine ganze Familie hatte nie etwas mit Kunst zu tun. Meinen Eltern war Bildung aber wichtig. Das kam daher, dass meine Mutter und mein Vater die Ersten in ihren Familien waren, die selbst studiert haben. Das ist eine Welt, in der man sich nicht zwingend willkommen fühlt, wenn man nicht aus einer Akademikerfamilie stammt. Insofern war es ihnen wichtig, uns Kindern eine gute Bildung mit auf den Weg zu geben. Als meine Mutter meine Volksschullehrerin nach meinen Talenten gefragt hat, meinte sie, am ehesten wäre es etwas mit Sprache. Danach kam ich in ein Gymnasium, das auf Sprachen spezialisiert war. Das war ein Schulversuch namens Europaklasse, den es gar nicht mehr gibt. Als ich die Schule mit 18 Jahren abgeschlossen habe, konnte ich bereits fünf Sprachen.
Ihre Familie kommt aus der Landwirtschaft.
Hat Sie das in Ihrer Ernährung geprägt?
Ich bin paradox aufgewachsen, was Ernährung betrifft. Meine Mutter war Direktorin einer landwirtschaftlichen Fachschule und brachte jungen Menschen bei, nachhaltige, biologische Landwirtschaft zu betreiben. Sie war also im vollen Bewusstsein über Wertigkeit von Lebensmitteln, über das, was gesund, was regional und was saisonal ist. Das ging schon fast in Richtung Hexenwissen, sie kannte jedes Kräuterlein. Trotzdem bin ich fast ausschließlich mit drei Menüs aufgewachsen. Das Einser-Menü war Nudeln mit Ketchup, das Zweier-Menü Erdäpfel mit Butter und das Dreier-Menü war Grießkoch. Ich glaube, bis ich 15 war, habe ich überhaupt nie etwas anderes gegessen. Ein Mal im Jahr hat sie dann versucht, etwas Gesundes zu machen – dann gab es die berühmte Hirse-Karotten-Pfanne. Die hat aber keinem von uns geschmeckt und dann hat es wieder Nudeln mit Ketchup gegeben.
Und was essen Sie heute?
Die Kindheit prägt und Nudeln mit Ketchup sind ehrlicherweise bis heute meine Seelennahrung. Wenn es mir nicht gut geht, esse ich Nudeln mit Ketchup.
Sie werden am 22. November unter anderem
mit den „Tatort“-Darstellern Jan Josef Liefers und Axel Prahl in „Tödliches Spiel – Das Live-Krimi-Dinner“ (ORF2, Das Erste, 20.15 Uhr) zu sehen sein. Keiner weiß, wer Opfer und wer Täter ist.
Ist das nicht ein Risiko?
Ja sicher, ich könnte dabei draufgehen (lacht). Im Ernst. Ich weiß nichts darüber, weil es komplett improvisiert ist. Aber genau das reizt mich daran.
Zur Person
Verena Altenberger wurde am 11. November 1987 in Schwarzach im Pongau (S) geboren und zählt zu den erfolgreichsten heimischen Schauspielerinnen.
Sie hat zahlreiche Preise gewonnen und wurde durch Produktionen wie „Die beste aller Welten“,
„Magda macht das schon“ oder „Polizeiruf 110“ bekannt.
2021 und 2022 war Altenberger bei den Salzburger Festspielen als „Buhlschaft“ zu sehen. Sie ist Botschafterin für das UN-Welternährungsprogramm. Seit November 2021 hat sie mit dem Regisseur Arash T. Riahi die Präsidentschaft der Akademie des Österreichischen Filmes inne.
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