Die Angst in der Stadt
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Messerangriffe am helllichten Tag, Drogenhandel in den Parks, randalierende Jugendbanden – der Alltag in vielen Bezirken der Hauptstadt Wien ist geprägt von Brutalität und Gewalt.
Die Bewohner bangen um ihre Sicherheit und fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
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Es war ein lauer Abend im Oktober und der Gastgarten einer kleinen Brauerei im zehnten Wiener Gemeindebezirk Favoriten gut besucht. Plötzlich verirrte sich ein Hund ins Lokal. Ohne Leine, ohne Besitzer. Der kam kurz darauf und pöbelte die anwesenden Gäste an.
„Er regte sich auf, weil wir seinen Hund gestreichelt haben, und drohte uns, mit seiner Familie zurückzukommen“, schilderte eine Besucherin die Szene.
Kurze Zeit später stürmten mehrere Jugendliche das Lokal. Die Gäste verschanzten sich drinnen, während die Burschen – Tschetschenen, wie ein anderer Lokalbesucher vermutete – mit Flaschen und Aufstellertafeln versuchten, die Scheiben einzuschlagen. Die alarmierte Polizei kam zwar rund zehn Minuten später, da war die Bande aber längst über alle Berge.
Übrig blieb ein Sachschaden von € 3.000,– und verängstigte Menschen. Das ist kein Einzelfall in Favoriten. Der Bezirk mit mehr als 220.000 Einwohnern – hier leben mehr Menschen als in Linz (OÖ), der drittgrößten Stadt unseres Landes – ist geradezu ein Synonym für Gewalt.
Favoriten gilt nicht umsonst als der Brennpunktbezirk in der Bundeshauptstadt.
Nirgendwo sonst gibt es so viele angezeigte Straftaten. 26.218 waren es laut Kriminalstatistik im Jahr 2024. Die meisten davon betrafen Eigentums-, Gewalt- und Drogendelikte. In den vergangenen Jahren hat sich etwa der Park am Keplerplatz als Drogenumschlagplatz etabliert. Syrer, Afghanen und Afrikaner verkaufen dort ihr Gift. Immer wieder kommt es auch zu Messerangriffen, selbst am helllichten Tag.
Die Kunden trauen sich nicht mehr her
Das macht den Menschen Angst, weiß etwa der Gastronom Bernhard Prokes. Der 54jährige betreibt ein Beisl am Viktor-Adler-Platz und kennt die Zustände im Bezirk gut.
„Untertags kommt es immer wieder zu Raufereien rund ums Lokal, das Ganze ist kein Spaß mehr. Am Abend sperre ich gar nicht mehr auf, weil ich meinen Kellnerinnen nicht zumuten will, dass sie in der Dunkelheit nach Hause gehen“, erzählt Prokes.
„Es wird immer schlimmer“, sagt auch Gökhan Durmus, der eine Bäckerei am Gellertplatz in Favoriten hat. Meist sind es jugendliche Täter, die in Gruppen ihr Unwesen treiben. Da gehe viel Kaufkraft verloren, weil sich die Kunden nicht mehr hertrauen, weiß der 37jährige. „Das ist leider wahr,“ bestätigt der FPÖ-Favoriten-Klubobmann Raphael Fasching.
„Wirtschaftsmäßig tut sich nichts mehr, denn ein Österreicher macht hier kein Geschäft auf. Die Menschen wollen hier auch nicht mehr wohnen. Unsere Frauen trauen sich am Abend nicht mehr auf die Straße.
Es passiert jeden Tag etwas, aber der Bezirksvorsteher (Marcus Franz, SPÖ) bemalt lieber Blumenkisterln“, ärgert er sich. Seine Partei fordert deshalb eine Asylobergrenze, denn „das Problem gehört an der Wurzel gepackt“.
Zahl der Polizisten hat sich seit 2014 halbiert
Trotz der vielen Einwohner habe der Bezirk nur fünf zugeteilte Funkwagen, meint Fasching. Sogar der SPÖ-Bezirks-Chef verortet viel zu wenige Polizisten in Favoriten (im BMI-Magazin „Öffentliche Sicherheit“ ist die Rede von 319 Polizistinnen und Polizisten). „Wir werden der Lage nicht mehr Herr. Favoriten ist längst verloren“, meint ein Polizist, der schon jahrelang dort Dienst tut.
Ein Problem, das aber nicht nur Favoriten betrifft. „Es fehlen gut 2.000 Polizisten in ganz Wien“, meint etwa der FPÖ-Wien-Obmann Dominik Nepp. Laut Berichten sind von den derzeit 32.000 Polizistinnen und Polizisten im Land nur rund 7.400 Polizisten in unserer Hauptstadt tätig. 2014 waren es Schätzungen der Polizeigewerkschaft FSG zufolge noch mehr als 13.000 Uniformierte.
Eine alarmierende Entwicklung herrscht angesichts der hohen Kriminalitätsraten auch in den anderen Wiener Bezirken, etwa in Floridsdorf (21. Bezirk), Donaustadt (22. Bezirk) oder Ottakring (16. Bezirk). Dort sind erst vergangene Woche in einem Lokal Schüsse gefallen. Dabei wurde ein 33jähriger Tschetschene getötet, ein weiterer Mann schwer verletzt.
„Was subjektiv empfunden wird, deckt sich oft nicht mit den objektiven Taten, die bestehen“, heißt es aus dem Ressort des ÖVP-Innenministers Gerhard Karner auf eine WOCHE-Anfrage zur Sicherheit in Wien.
Der Ballungsraum hat mehr als zwei Millionen Einwohner – für diese Anzahl an Menschen geschehen, anders als man medial wahrnehmen möchte, sehr wenige Straftaten in Wien, heißt es weiters aus dem Innenministerium (BMI).
Das Personal der Polizei sei seit vielen Jahren Fokusthema. „Allein heuer hatten wir bis zu 4.000 Schüler in den Polizeiklassen der Grundausbildung. Der Effekt ist bereits spürbar. Überall, außer in Wien und teilweise in Vorarlberg, ist der Personalstand der Polizei gedeckt, teilweise sogar übererfüllt“, sagt ein BMI-Pressesprecher.
In Wien kommen aber bis 2030 überdurchschnittlich viele Ruhestands-Abgänge hinzu, was wiederum durch die Aufnahmeoffensive kompensiert werden soll. rz
„Er regte sich auf, weil wir seinen Hund gestreichelt haben, und drohte uns, mit seiner Familie zurückzukommen“, schilderte eine Besucherin die Szene.
Kurze Zeit später stürmten mehrere Jugendliche das Lokal. Die Gäste verschanzten sich drinnen, während die Burschen – Tschetschenen, wie ein anderer Lokalbesucher vermutete – mit Flaschen und Aufstellertafeln versuchten, die Scheiben einzuschlagen. Die alarmierte Polizei kam zwar rund zehn Minuten später, da war die Bande aber längst über alle Berge.
Übrig blieb ein Sachschaden von € 3.000,– und verängstigte Menschen. Das ist kein Einzelfall in Favoriten. Der Bezirk mit mehr als 220.000 Einwohnern – hier leben mehr Menschen als in Linz (OÖ), der drittgrößten Stadt unseres Landes – ist geradezu ein Synonym für Gewalt.
Favoriten gilt nicht umsonst als der Brennpunktbezirk in der Bundeshauptstadt.
Nirgendwo sonst gibt es so viele angezeigte Straftaten. 26.218 waren es laut Kriminalstatistik im Jahr 2024. Die meisten davon betrafen Eigentums-, Gewalt- und Drogendelikte. In den vergangenen Jahren hat sich etwa der Park am Keplerplatz als Drogenumschlagplatz etabliert. Syrer, Afghanen und Afrikaner verkaufen dort ihr Gift. Immer wieder kommt es auch zu Messerangriffen, selbst am helllichten Tag.
Die Kunden trauen sich nicht mehr her
Das macht den Menschen Angst, weiß etwa der Gastronom Bernhard Prokes. Der 54jährige betreibt ein Beisl am Viktor-Adler-Platz und kennt die Zustände im Bezirk gut.
„Untertags kommt es immer wieder zu Raufereien rund ums Lokal, das Ganze ist kein Spaß mehr. Am Abend sperre ich gar nicht mehr auf, weil ich meinen Kellnerinnen nicht zumuten will, dass sie in der Dunkelheit nach Hause gehen“, erzählt Prokes.
„Es wird immer schlimmer“, sagt auch Gökhan Durmus, der eine Bäckerei am Gellertplatz in Favoriten hat. Meist sind es jugendliche Täter, die in Gruppen ihr Unwesen treiben. Da gehe viel Kaufkraft verloren, weil sich die Kunden nicht mehr hertrauen, weiß der 37jährige. „Das ist leider wahr,“ bestätigt der FPÖ-Favoriten-Klubobmann Raphael Fasching.
„Wirtschaftsmäßig tut sich nichts mehr, denn ein Österreicher macht hier kein Geschäft auf. Die Menschen wollen hier auch nicht mehr wohnen. Unsere Frauen trauen sich am Abend nicht mehr auf die Straße.
Es passiert jeden Tag etwas, aber der Bezirksvorsteher (Marcus Franz, SPÖ) bemalt lieber Blumenkisterln“, ärgert er sich. Seine Partei fordert deshalb eine Asylobergrenze, denn „das Problem gehört an der Wurzel gepackt“.
Zahl der Polizisten hat sich seit 2014 halbiert
Trotz der vielen Einwohner habe der Bezirk nur fünf zugeteilte Funkwagen, meint Fasching. Sogar der SPÖ-Bezirks-Chef verortet viel zu wenige Polizisten in Favoriten (im BMI-Magazin „Öffentliche Sicherheit“ ist die Rede von 319 Polizistinnen und Polizisten). „Wir werden der Lage nicht mehr Herr. Favoriten ist längst verloren“, meint ein Polizist, der schon jahrelang dort Dienst tut.
Ein Problem, das aber nicht nur Favoriten betrifft. „Es fehlen gut 2.000 Polizisten in ganz Wien“, meint etwa der FPÖ-Wien-Obmann Dominik Nepp. Laut Berichten sind von den derzeit 32.000 Polizistinnen und Polizisten im Land nur rund 7.400 Polizisten in unserer Hauptstadt tätig. 2014 waren es Schätzungen der Polizeigewerkschaft FSG zufolge noch mehr als 13.000 Uniformierte.
Eine alarmierende Entwicklung herrscht angesichts der hohen Kriminalitätsraten auch in den anderen Wiener Bezirken, etwa in Floridsdorf (21. Bezirk), Donaustadt (22. Bezirk) oder Ottakring (16. Bezirk). Dort sind erst vergangene Woche in einem Lokal Schüsse gefallen. Dabei wurde ein 33jähriger Tschetschene getötet, ein weiterer Mann schwer verletzt.
„Was subjektiv empfunden wird, deckt sich oft nicht mit den objektiven Taten, die bestehen“, heißt es aus dem Ressort des ÖVP-Innenministers Gerhard Karner auf eine WOCHE-Anfrage zur Sicherheit in Wien.
Der Ballungsraum hat mehr als zwei Millionen Einwohner – für diese Anzahl an Menschen geschehen, anders als man medial wahrnehmen möchte, sehr wenige Straftaten in Wien, heißt es weiters aus dem Innenministerium (BMI).
Das Personal der Polizei sei seit vielen Jahren Fokusthema. „Allein heuer hatten wir bis zu 4.000 Schüler in den Polizeiklassen der Grundausbildung. Der Effekt ist bereits spürbar. Überall, außer in Wien und teilweise in Vorarlberg, ist der Personalstand der Polizei gedeckt, teilweise sogar übererfüllt“, sagt ein BMI-Pressesprecher.
In Wien kommen aber bis 2030 überdurchschnittlich viele Ruhestands-Abgänge hinzu, was wiederum durch die Aufnahmeoffensive kompensiert werden soll. rz
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