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Ausgabe Nr. 28/2024 vom 09.07.2024, Fotos: Zeppelzauer
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Sommer in der Kabane
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Den Sommer genießen Elfi und Franz Hitzinger in ihrem kleinen Domizil.
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Wohnlich gestalteter Vorplatz.
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Andrea Kessler (re.) ist mit Mutter Anneliese fünf Tage pro Woche im Gänsehäufel.
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290 dieser Kabanen-Abteile gibt es im Gänsehäufel.
Sommer in der Kabane
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Eine dezent bebaute Insel, etwa 30 Fußballfelder groß, mit einem Kilometer Badestrand, gibt es in Wien recht günstig zu mieten. Sofern sich die Mieter mit einer Wohnfläche von drei Quadratmeter begnügen und den Grund mit bis zu 20.000 Mitbürgern zu teilen bereit sind. Knapp € 800,– kostet die Saisonmiete für eine Kabane im Strandbad Gänsehäufel.
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Das ist unser kleines Refugium im Sommer“, sagt Elfi Hitzinger. Die 83jährige Wienerin sitzt, wie auch ihr Ehemann Franz, in einfachen Gartenstühlen aus Plastik. „Früher sind wir gerne auf Urlaub gefahren, aber seit Elfi Probleme mit den Hüften hat, geht das nicht mehr“, sagt Franz. Hotelzimmer und Frühstücksterrasse haben die beiden Senioren gegen einen drei Quadratmeter großen, überdachten Vorplatz und ein ebenso großes „Zimmer“ eingetauscht. Sie sind Mieter einer von 290 sogenannten Kabanen, die es im größten Freibad der Bundeshauptstadt, dem Gänsehäufel, gibt.

Was ihnen fehlt? „Eigentlich gar nichts“, sagt Franz und lächelt zufrieden. „Das Restaurant ist nur 50 Meter entfernt. Dort hole ich uns etwas zu essen. Auch zu den sanitären Anlagen und zum Strand ist es nicht weit. Sonne und einen grünen Rasen haben wir hier umsonst vor der Haustüre“, zeigt der 89jährige mit einer ausladenden Handbewegung über das Areal. Nun, nicht ganz gratis, aber doch günstig. € 798,– kostet die Miete einer Kabane für eine Badesaison, die sich von Mai bis September erstreckt. „Soviel hat uns früher der Urlaub für eine Person gekostet“, sagt Elfi. Im Preis inkludiert sind drei Saison-Eintrittskarten.

Zehn Jahre Wartezeit auf die begehrten Kabanen

Der Innenraum ist gerade so groß, dass ein paar Regale hineinpassen, ein Kästchen, Badeutensilien und die Zivilkleidung Platz haben. Natürlich versteckt hinter Vorhängen, damit alles ordentlich aussieht. Strom- oder Wasseranschluss? Gibt es nicht. „Wozu auch“, sagt der 89jährige. „Die Duschen sind gleich ums Eck, Nachrichten hören wir mit einem Batterie-Radio. Einen Fernseher würden wir nur am Abend benötigen, aber da sind wir schon wieder daheim.“ Denn übernachten ist in den Kabanen nicht erlaubt. Was aufgrund der Platzverhältnisse ohnehin nicht sonderlich bequem wäre.

Wer eines der begehrten Häuschen in der Donaustadt mieten möchte, muss sich allerdings gedulden. Die 290 Kabanen sind alle vermietet, die Vormerkliste ist lang. „Die Wartezeit liegt derzeit bei zehn Jahren“, sagt Ursula Zohar von der Wiener Bäderverwaltung. Die Anmeldung erfolgt in der Zentrale der MA 44 (Tel. 01 60112/44106, E-Mail: brigitte.
benedikt-valenta@wien.gv.at). Gereiht
wird nach Einlangen eines formlosen Ansuchens in einem Vormerkbuch.

Zwar können die kleinen Häuser auch nur für einen Sommer gemietet werden, das geschehe aber in den seltensten Fällen. „Die meisten sind schon seit Jahren hier, manche sogar seit Jahrzehnten.“ Wie auch die beiden Senioren, die heuer den 30. Sommer in ihrem Refugium verbringen.
„Zuerst waren wir in der Kabane vom Chef meines Mannes mitangemeldet. Als er sie nicht mehr wollte, haben wir sie übernommen“, sagt Elfi
Hitzinger. Was die einzige Möglichkeit ist, die lange Wartezeit zu verkürzen. Vorbaukabinen, wie die Kabanen bei der Wiener Bäderverwaltung offiziell genannt werden, „können ausnahmslos an Mitbenützer weitergegeben werden, die mindestens drei Jahre die Vorbaukabine mitbenützt haben“, erklärt Ursula Zohar.

Kabanenmieter wie auch Tagesgäste des Gänsehäufel kommen in den Genuss einer reichhaltigen Infrastruktur. Das Bad verfügt über einen abgesperrten FKK-Bereich, mehrere Badestrände mit einer Gesamtlänge von etwa einem Kilometer sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen, wie etwa ein Wellenbecken, Sport- und Kleinkinderbecken mit vorgewärmtem Wasser, einen Wasserspielgarten, eine Wasserrutsche, und sogar einen Hochseilklettergarten.

Für Sicherheit sorgen die Bademeister, 25 in Vollbesetzung, wenn an hei-
ßen Wochenenden bis zu 20.000 Besucher das Bad stürmen. Am Wellenbecken sind heute Robert und Christian. Das, was manche als entspanntes Sitzen im Schatten wahrnehmen, be-
deutet für die beiden ein konstantes
Überprüfen, ob nicht jemand im Wasser ein Problem hat oder irgendwer
Ärger macht. „Manchmal sind ein paar Spinner dabei, aber das ist nicht so häufig. Wir sind ein deklariertes Familienbad, da hält sich die Anzahl der Verhaltensauffälligen in Grenzen“, sagt Christian, der mit Robert schon aufgrund des Körperbaus und der Tätowierungen aggressionshemmend auf erhitzte Gemüter wirkt.

Immer wieder kommt es zu Einsätzen, wo die Mannschaft nach Vermissten tauchen muss. „In den vergangenen Jahren waren das aber zum Glück immer Fehlalarme. Wenn dann die Saison vorbei ist, geht der Bademeister meist stempeln“, sagt Christian. „Welche Firma nimmt schon einen Mitarbeiter, von dem sie weiß, dass er im April wieder weg ist.“ Da beginnt dann die Badesaison wieder. Seine Arbeit als Bademeister macht er zu gerne, als dass er sie gegen etwas anderes tauschen würde.
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