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Ausgabe Nr. 27/2024 vom 02.07.2024, Fotos: zvg
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Ein Blütenmeer in Lila
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Theresia Heigl-Tötsch mit Tochter Anna (li.), die bei der Organisation hilft.
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Viele Standler präsentieren am Fest ihre Produkte.
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Auch für das leibliche Wohl ist am Gut Wunsum gesorgt.
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Re.: Heigl-Tötsch in einem ihrer Felder.
Etwa 200 Kilo Blüten erntet sie jedes Jahr.
Ein Blütenmeer in Lila
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Ihren größten Traum hat sich Theresia Heigl-Tötsch in der Südsteiermark erfüllt und ihr ganz eigenes Lavendelparadies geschaffen. Bei ihrem Lavendelfest, das am Samstag und Sonntag stattfindet, können sich Besucher nicht nur vom Duft und der Farbenpracht ihrer Lavendelreihen überzeugen. Es gibt auch viele Produkte aus eigener Produktion vor Ort zu erwerben.
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Ein intensiver Duft nach Lavendel steigt Besuchern zuerst in die Nase, wenn sie sich dem Landgut Wunsum in Kitzeck (Stmk.), dem höchstgelegenen Weinbauort Europas, nähern. Dass sich in der Südsteiermark eine Lavendelmanufaktur befindet, erscheint ungewöhnlich. Dabei kultiviert Theresia Heigl-Tötsch seit bereits 20 Jahren auf dem idyllisch gelegenen Anwesen – der Hof besteht aus drei Gebäuden und wurde bereits im 16. Jahrhundert errichtet – die violette Pflanze.

„Mein Ehemann Franz hat die Liegenschaft vor mehr als 40 Jahren gekauft. ‚Grundbesitz ist eben besser als Aktien auf der Bank‘, waren seine Worte. Und er wollte unbedingt einen Ort haben, an dem wir Erdäpfel anbauen können“, erinnert sich Heigl-Tötsch.
Nicht nur die wurden auf dem 60 Hektar großen Areal angepflanzt.

Statt in die Provence zu fahren, Lavendel angebaut

Kürbis, Sonnenblumen- und Maisfelder fanden ebenso ihren Platz. Bis vor 15 Jahren. Da wollte die gebürtige Tirolerin mit ihrem Franz auf Urlaub nach Frankreich fahren, um den blühenden Lavendel zu besichtigen. „Doch kurz vor der Abreise kam ein Termin dazwischen, und mein Mann sagte zu mir:

‚Na, dann bau doch selbst Lavendel an.‘“

Die studierte Architektin ließ sich das nicht zwei Mal sagen. Sie suchte ohnehin nach einer neuen Spezialkultur für den Betrieb. „Ist alles nur 08/15, kommt man nicht vom Fleck. Das ist ja in jedem Beruf so. Nur wenn ich eigene Ideen entwickle, bin ich auch langfristig erfolgreich. Bauen alle Landwirte Kürbis an, werden irgendwann nicht alle Bauern davon leben können. Außerdem herrscht in der Südsteiermark für den Lavendel das ideale, fast schon mediterrane Klima.“

Das notwendige Wissen musste sie sich mühevoll selbst aneignen, denn die Franzosen, bekannt für den Lavendelanbau,

geben ihre Geheimnisse ungern preis. „Natürlich haben wir in der ersten Zeit viele Fehler gemacht. Mein Wissen war minimal, und uns fehlten die richtigen Geräte. Aber ich habe viele Bücher darüber gelesen und im Internet recherchiert. Trotzdem habe ich zu Beginn sowohl beim Anbau wie auch bei der Verarbeitung falsch gehandelt. Alleine in welchem Abstand die Lavendelpflanzen zueinander stehen, macht einen Unterschied“, sagt Heigl-Tötsch.

Auch der Arbeitsaufwand, den der Lavendel macht, ist beachtlich. „Der Boden, auf dem die Pflanze wächst, muss möglichst rein gehalten werden.“ Und zwar rein im Sinne von Nahrungskonkurrenz. So müssen ihre etwa 40 Reihen in der Vegetationsphase zumindest ein Mal im Monat durchgejätet werden. Wie das Jäten ist auch die Ernte bei ihr Handarbeit. „Die Blüten werden mit dem Stängel abgeschnitten. Da der Lavendel nicht sehr hoch wächst, ist das eine Arbeit, die in gebückter Haltung erfolgt“, sagt die Expertin.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, im konkreten Fall also die Blüten vom Stängel, wird der Lavendel zuerst getrocknet, dann gerebelt und schließlich gesiebt. Übrig bleiben dann etwa 200 Kilo Blüten.

„In diesem Jahr wahrscheinlich weniger, weil wir einen feuchten Frühling hatten. Das mag der Lavendel gar nicht“, weiß Heigl-Tötsch. Daraus entstehen etwa 100 Produkte, die ebenfalls vor Ort erzeugt und über den Hofladen verkauft werden.

Der Hofladen ist eine Lavendel-Leistungsschau

„Wir sind nicht nur ein zertifizierter Bio-, sondern auch ein Klimabündnis-Betrieb. Um einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen, sorgen wir etwa für möglichst kurze Produktionswege.“ Vom Lavendelsackerl (ab € 4,50), das gegen Einschlafstörungen helfen soll, über ein „Gelsenschreck“ genanntes Lavendel-Hydrolat (50 ml um
€ 8,90), das bei der Wasserdampfdestillation der Kräuter entsteht und genau so wirkt, wie es heißt, bis zum Lavendelsirup (250 ml um € 6,40), den Kinder lieben, ist der Hofladen eine wahre Lavendel-Leistungsschau. „Äußerst beliebt ist unser Lavendel-Limoncello (350 ml um € 15,90). Basis unserer Liköre ist der Apfelbrand aus unserem Streuobstgarten. Die Bio-Zitronenbäume haben wir in Sizilien adoptiert, der Biozucker wird in unserem Land angebaut. Kräuter, Nüsse oder Beeren bauen wir selbst an und verarbeiten sie am Hof.“ Biologischer geht es nicht.

Wer sich von der lilafarbenen Pracht, die jetzt in Vollblüte steht, bezaubern lassen möchte, dem sei das Lavendelfest empfohlen, das am Gut Wunsum am 6. und 7. Juli stattfindet (Greith 47, 8442 Kitzeck im Sausal).

Ab 10.00 Uhr können Besucher auf etwa 30 Ständen im Lavendel-Angebot schwelgen. Ab 11.00 Uhr gibt es an beiden Tagen Schmankerln vom Spanferkel bis hin zu Gemüsespezialitäten. Für musikalische Unterhaltung sorgt der Musikverein Kitzeck.
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