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Ausgabe Nr. 27/2024 vom 02.07.2024, Foto: Sebastian Pfeiffer
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Caroline Vasicek
„Ich gebe die mondäne Edith“
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Sie machte sich als Musical-Darstellerin auf der Bühne einen Namen. Danach wirkte Caroline Vasicek auch erfolgreich in Filmen mit.
Nach der Geburt zweier Kinder widmete sich die 49jährige gebürtige Wienerin dem Kindertheater. Jetzt singt sie wieder für Erwachsene im Stück „Die Drei von der Tankstelle“. Die WOCHE-Reporterin Martina Wieser hat mit ihr gesprochen.
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Frau Vasicek, Sie sind nach längerer Pause wieder auf der Bühne zu sehen. Wie groß ist die Freude?

Riesengroß, ich freue mich auf das Miteinander, auf meine Kollegen, die ich alle gut kenne, und auf die wunderbare Kulisse im Schloss Weitra im niederösterreichischen Waldviertel, wo die Bühne ein Traum ist. Es gibt dort außerdem diese verkehrten Regenschirme, die das Wasser einfangen, in der Mitte sammeln und ins Kanalsystem ableiten. Damit gehört das Schloss Weitra zu den wenigen Sommerspielplätzen, auf denen sogar bei Regen, sofern es kein stürmischer Schauer ist, gespielt werden kam. Und wenn es heiß ist, schützen die Schirme vor der Hitze, was für das Publikum und für uns auf der Bühne einfach herrlich ist.

Zur Aufführung kommt „Die Drei von der Tankstelle“, eine deutsche Filmoperette aus dem Jahr 1930. Was fiel Ihnen spontan dazu ein, als Sie für die Rolle der „Edith“ engagiert wurden?

Ich kenne das Stück gut, und ich liebe die Musik von Werner Richard Heymann. „Ein Freund, ein guter Freund“, „Das ist die Liebe der Matrosen“ oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ sind Lieder, die Freude und Optimismus vermitteln. Mit diesen Ohrwürmern tauchen wir nicht nur in eine andere Zeit ein, es kommt auch diese Beschwingtheit und Fröhlichkeit dazu, bei der das Publikum am liebsten mitsingen und mitschunkeln würde. Florian Schäfer, der seit fünf Jahren der Lebensmensch an meiner Seite ist, hat die musikalische Leitung inne. Es freut mich natürlich ungemein, mit ihm gemeinsam in Weitra einen schönen Kultursommer zu verbringen.

Den Kultursommer beleben Sie ja auch in Ihrer Heimatregion …

Ja, das stimmt. Im wunderschönen Steinbruch in Purkersdorf, dem Nachbarort meines Wohnortes Gablitz in Niederösterreich, am Rande von Wien, wird im August das Stück „Der Zauberer von Oz“ aufgeführt. Das ist ein kulturelles Sommererlebnis für die ganze Familie. Flo und ich haben die musikalische Gestaltung übernommen, die Lieder komponiert, arrangiert und mit dem Team gemeinsam einstudiert. Durch diese Aufgaben werden Flo und ich immer mehr zu einer musikalischen Symbiose, was ich natürlich genieße.

Bleibt Ihnen beiden Zeit für einen Sommerurlaub?

Wir haben in Weitra eine größere Spielpause zwischen dem zweiten und dritten Juli-Wochenende. Die werden wir nützen, um zu viert, also mit meinen beiden Kindern, ein paar Tage in Apulien an der Südspitze Italiens zu verbringen. Wir lieben Italien, das Meer, das Klima und das Essen dort und die Mentalität. Die Zeit werden wir gemeinsam genießen.

Andererseits sind Sie ein sesshafter Mensch. Sie sind in Gablitz aufgewachsen und leben auch heute noch dort. Was hat Sie gehalten?

Mir wird immer mehr bewusst, wie wichtig es für mich war, in Gablitz aufzuwachsen und wieder dorthin zu kehren, an den Ort, in dem die Kultur eine wichtige Rolle spielt. Ich bekam dort bereits mit neun Jahren die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen und bei einem Andrew-Lloyd-Webber-Abend ein Solo zu singen, bei dem mich mein Vater am Klavier begleitet hat. Dieser Moment hat mich in meinem Werdegang bis heute geprägt. Ich habe in dieser Zeit erfahren, wie viel Freude es bereitet, auf der Bühne zu stehen. Genau diese Freude möchte ich meinen Kindern weitergeben und natürlich auch den Kindern, die ich unterrichte. Aus diesem Grund habe ich begonnen, Märchen auf die Bühne zu bringen. Zunächst war es „Schneewittchen“, dann folgte „Der Wolf und die sieben Geißlein“ und heuer kam „Dornröschen“ dazu. Es ist diese Bühnenleidenschaft im spielerischen sowie im musikalischen Sinne, die mir ein großes Herzensanliegen ist.

Hat auch Ihr Herz gesprochen, Ihren Kindern zuliebe beruflich kürzerzutreten?

Ich hatte das Glück, dass meine Karriere mit dem berühmten Stück „Die Schöne und das Biest“ begonnen hat, da war ich gerade einmal 21 Jahre alt. In den folgenden zehn Jahren kam ich in den Genuss, die wunderbarsten Rollen in Musicals wie „Les Miserables“ und „Mozart“ sowie in Filmen wie „Der Bockerer“ zu spielen. Dann kam für mich dieser große Moment, in dem ich mir sagte, jetzt bin ich bereit und jetzt ist für mich die richtige Zeit, Kinder zu bekommen. Für mich begann dieser neue, wunderschöne Lebensabschnitt, mit dem Wissen, nichts versäumt zu haben. Als meine Ältere Marvie in den Kindergarten ging, habe ich zwar am Theater in der Josefstadt in Wien gespielt, aber nicht mehr in der Intensität, in der ich davor der Reihe nach in Musicals aufgetreten bin.

Das klingt, als hätten Sie nach neuen Herausforderungen gesucht?

Mein Wunsch, Kinder zu haben, war groß. Und die Fehlgeburt, die ich zwischen Marvie und Ben erlitten habe, führte mir schmerzlich vor Augen, dass es nicht selbstverständlich ist, gesunde Kinder zu bekommen. Das war auch der Moment, in dem ich merkte, dass ich mir mehr Ruhe gönnen muss. Die Suche nach etwas Neuem führte mich zum Unterrichten. Ich absolvierte eine Ausbildung in „Funktionalem Stimmtraining“ bei Andrea Mellis, die mich nunmehr seit meinem 14. Lebensjahr als Gesangslehrerin begleitet, und die meine Mentorin und mein Vorbild ist.

Was ist Ihnen bei der Erziehung wichtig?

Mein Erziehungsmodell ist stark von dem meiner Eltern geprägt. Ihnen war immer wichtig, unsere Hobbys und Interessen zu fördern und darauf zu achten, dass immer etwas zu tun ist. Mein Vater pflegte stets zu sagen, „Beschäftige deine Kinder, dann kommen sie nicht auf blöde Gedanken“ (lacht). Bei meinen Kindern halte ich es genau so. Als Mutter zu erkennen, wofür sich die Kinder begeistern und genau das zu fördern, ist zu meiner wichtigsten Mama-Mission geworden. Marvie spielt wunderbar Klavier, komponiert und hat bereits eine eigene Band, und Ben spielt
wunderbar Bassgitarre und leidenschaftlich gern Fußball. Ich beobachte, wie viel Spaß meine Kinder bei ihren Hobbys haben, wie glücklich es sie macht und wie positiv es sich auf die Schule auswirkt.

Hat Ben die Leidenschaft für Fußball von der Mama geerbt?

Nein, von mir sicher nicht (lacht). Fürs Fußballspielen hat ihn sein bester Freund begeistert. Und der neue Trainer versteht es ausgezeichnet, die Buben zu motivieren, ihnen Teamarbeit beizubringen, und das mit einer gewissen Strenge, was ich gut finde. Denn Strenge, oder nennen wir es konsequentes Trainieren nach bestimmten Regeln, ist in meinen Augen nichts Schlechtes, sondern vielmehr ein Ansporn dafür, dass das ganze Team besser wird. Außerdem lernen die Kinder dabei, mit Kritik umzugehen, was fürs Leben wichtig ist.

Gibt es in Ihrem Leben etwas, beispielsweise Ihre Trennung, bei der Sie rückblickend sagen, ach, wäre ich doch anders abgebogen?

Eigentlich nicht, ich halte zwar gern an etwas fest, aber wenn ich merke, es fühlt sich nicht richtig an, ist es an der Zeit loszulassen. So war es auch bei meiner Scheidung. Sie war nicht überstürzt, es ging uns miteinander einige Jahre lang einfach nicht mehr so richtig gut. Dann kam der Punkt, an dem wir merkten, dass unsere Wege nicht mehr passen. Ich habe eine Energetikerin gefunden, die mir geholfen hat loszulassen, sodass ich in Frieden weitergehen konnte. Der Wunsch, meinen Kindern der Mensch zu sein, der ich sein wollte, hat mich ermutigt. Die Kraft, die Liebe, die haben mir meine Kinder gegeben.

Sie wollten ursprünglich Medizin studieren. Haben Sie es je bereut, dies nicht getan zu haben?

Ganz und gar nicht. Meine Musical-Jahre waren aufregend, ich habe die Zeit genossen. Und meine Ausbildung später im Funktionalen Stimmtraining, verbunden mit dem Wissen rund um alles, was eine gesunde Stimme braucht, ist ja gar nicht einmal so weit weg von der Medizin (lacht). Vielleicht ist es ja genau diese Mischung, die mir das Leben so lebenswert macht. Ich fühle mich vielseitiger denn je. Ich bin bei meinen Kindern, ich gebe Unterricht, inszeniere Theater für Kinder und freue mich, selber wieder auf der Bühne zu stehen.

Und das extravagant, wie die ersten Fotos erahnen lassen …

Definitiv, als Barbesitzerin Edith spiele ich eine reifere Rolle. Ich bin mondän unterwegs, trage wunderschöne Kleider und singe wunderbare Lieder. Dabei bin ich umgeben von meinen entzückenden Kollegen Missy May, Vincent Bueno, Aris Sas, Florian Stanek, Ronny Kuste, Benjamin Rufin, Melanie Oster und Laura Hat.
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