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Ausgabe Nr. 26/2024 vom 25.06.2024, Foto: MediaPunch / Action Press / picturedesk.com
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Rod Stewart
Seine Droge ist heute die Bühne
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Er ist mit 79 Jahren noch immer fit genug, um eine groß angelegte Tournee absolvieren zu können. Und dabei lässt der Engländer Rod Stewart unser Land nicht links liegen. Am 2. Juli bringt er ab 19 Uhr in der Wiener Stadthalle seine großen Hits im Zuge der Tour „One Last Time“ auf die Bühne. Der WOCHE-
Reporter Steffen Rüth hat den 79jährigen vor dem Tour-Auftakt noch ein Mal getroffen.
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Sir Rod, Sie sind derzeit auf ausgedehnter Tournee, die den Titel „One Last Time“ trägt. Wollen Sie etwa aufhören, live zu spielen?

Nein, so weit will ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Ich möchte ja auch im nächsten Jahr unbedingt noch auf „Swing Fever“-Tour gehen. Bloß diese gigantischen Konzertreisen, die gebe ich mir noch dieses Jahr, und dann ist es gut. Das Reisen wird mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher. Die Arbeit wird ganz einfach härter, wenn jemand in meinem Alter ist. Und je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, so lange fort von meinen Kindern zu sein. Ich will nicht mehr so viel verpassen.

Aber ganz auf die Bühne zu verzichten, wäre auch nichts?

Nein. Ich halte mich fit, bin gesund und habe immer noch Lust darauf. Live auf der Bühne zu stehen, lässt mir immer noch einen Freudenschauer über den Rücken laufen. Es gibt nichts Besseres, als vor Tausenden von Menschen meine Lieder zu singen. Ich empfinde es als große Ehre, in meinem Alter noch immer Musik machen, unterwegs sein und auf der Bühne stehen zu können. Jeden Abend mit meinem Publikum zu verbringen, das ist die mit Abstand beste Arbeit der Welt. Hinauszugehen und vor 20.000 Menschen zu singen, das ist das schönste Aufputschmittel, das ich je hatte. Besser als jede Droge, die ich jemals probierte.

Und ganz sicher auch gesünder …

Logisch (lacht). Allerdings ist der Suchtfaktor meiner Arbeit mindestens genauso hoch.

Sie waren ja schon früh im Rock ’n’ Roll unterwegs und haben bestimmt nichts ausgelassen, nicht wahr?

Nein, das habe ich ganz gewiss nicht (lacht). Das ist aber lange her.

Im vergangenen Sommer haben Ihre Kinder Ruby und Liam Sie binnen weniger Tage zwei weitere Male zum Opa gemacht …

Ja, Otis und Louie sind zwei entzückende Sonnenscheine. Ich bin unendlich dankbar und glücklich, dass es die beiden gibt.

Und im nächsten Jänner werden Sie dann 80 Jahre alt …

Nicht zu glauben, oder (lacht). Ich mag es, älter zu werden. Nicht unbedingt körperlich, aber so allgemein. Ich bin ein bisschen ruhiger geworden und weiß die kleinen, schönen Dinge wie ein gutes Abendessen mit der Liebsten
noch mehr zu genießen. In meinem Alter noch Musik zu machen und ein Publikum dafür zu interessieren, empfinde ich als riesiges Privileg.

Sie sind ein begeisterter Modelleisenbahner. Fahren Sie auch gern mit den echten Zügen?

Nein, diese modernen Lokomotiven interessieren mich nicht so. Schon als Kind war ich fasziniert von Dampfloks. Deutschland besitzt aber einen echt riesigen Schatz an phantastischen Modellbahnläden, es ist wirklich großartig. Jede etwas größere Stadt hat mindestens ein Geschäft, meist sind es sogar mehrere.

Allerdings ist die Deutsche Bahn nicht gerade zuverlässig. Die Züge fahren entweder zu spät oder gar nicht …

(lacht) Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Aber ich kann Sie beruhigen, in Großbritannien ist es genauso.

Stimmt es, dass Sie sogar persönlich die Schlaglöcher auf der Zufahrtsstraße zu Ihrem Haus in der Grafschaft Essex, im Nordosten Londons, ausgebessert haben? Müssen jetzt schon die Bürger die Arbeit der Städte und Gemeinden übernehmen?

Nun, auf den Staat solltest du besser nicht warten. Ich legte Hand an, nachdem ich mir wegen der Schlaglöcher meinen Ferrari ruiniert habe. Und weil eines Tages sogar ein Krankenwagen in einem dieser Löcher feststeckte und nicht mehr weiterkam, das muss man sich einmal vorstellen. Also entschied ich mich, selbst etwas zu unternehmen. Arnold Schwarzenegger hat in Los Angeles (USA) das Gleiche gemacht.

Sie haben für Ihr aktuelles Album „Swing Fever“ insgesamt dreizehn Lieder aufgenommen, die überwiegend in den USA entstanden und schon ziemlich alt sind. Geschrieben wurden diese Lieder in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Was haben uns Klassiker wie „Lullaby Of Broadway“ oder „Walking My Baby Back Home“ heute noch zu sagen?

Eine ganze Menge, denn diese Lieder sind absolut zeitlos. Sie waren schon vor uns da, und sie werden auch nach uns noch da sein. Ich wollte schon seit Langem ein Swing-Album machen, denn ohne Swing gäbe es keinen Rock ‘n‘
Roll und ohne Rock ‘n‘ Roll hätte es keinen Rod Stewart gegeben, zumindest nicht als Sänger. Es zog sich nur eine Weile, bis ich den richtigen Partner fand. Ich wollte unbedingt jemanden, mit dem ich musikalisch so richtig Gas geben kann. Ich wollte kein Swing-Album im Stil von Frank Sinatra machen, sondern eines mit Volldampf.

Die Lieder von „Swing Fever“ entstanden während der
großen Wirtschaftskrise, einige kurz vor, einige während des Zweiten Weltkrieges. Bringen besonders schwere Zeiten besonders freudvolle Lieder hervor?


Ich denke, das ist der Fall. Die Wirklichkeit ist gerade eine einzige Horrorshow, mit Kriegen überall, mit einem riesigen Haufen von grauenvollen Nachrichten. Als Musiker aber willst du keine schlechten Nachrichten überbringen, sondern Hoffnung. Ich habe acht Kinder und drei Enkerl, und ich sähe es gern, wenn diese Welt nicht vor die Hunde geht. Wir können da nicht viel ausrichten, aber was in unserer Macht steht, ist, Musik zu spielen, bei der die Menschen Zerstreuung, Vergnügen und Zuversicht finden.
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