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Ausgabe Nr. 25/2024 vom 18.06.2024, Fotos: Peter Kneffel / dpa / picturedesk.com, Daniel Scharinger / picturedesk.com, ÖBB
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Asfinag: So wenig Baustellen wie möglich.
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Gleisarbeiten der ÖBB.
Achtung Baustelle
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Baggern, bohren, betonieren – im Sommer dominieren die Baustellen. Gesperrte Zugstrecken, Autobahn-Nadelöhre und Umleitungen zerren an den Nerven der Verkehrsteilnehmer.
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Der Urlauber-Stau gehört zu den Sommermonaten wie Sonnencreme und Eislutscher. Nicht selten bremsen auf der Fahrt in den Süden zudem noch enge Baustellen-Bereiche den Verkehr.

Ein Nadelöhr findet sich heuer in Oberösterreich auf der A 9, der Pyhrnautobahn. Dort wird auf neun Kilometern die Tunnelkette zwischen Inzersdorf im Kremstal und Klaus an der Pyhrnbahn saniert.

„Grundsätzlich gilt, dass immer die gleiche Anzahl an Spuren wie im ,Normalzustand‘ zur Verfügung steht“,
sagt Christoph Pollinger vom Autobahn-Betreiber Asfinag. Die einzige Ausnahme sei heuer auf der A 9. „Aus
logistischen Gründen und im Hinblick auf den straffen Zeitplan“ gibt es einen Gegenverkehrsbereich mit nur einem Fahrstreifen pro Richtung.

Ganz gesperrt ist hingegen der Arlbergtunnel, und zwar noch bis 22. November. Urlauber müssen über den Arlbergpass oder großräumig über Deutschland und die Schweiz ausweichen. In die Erneuerung des vor mehr als 40 Jahren eröffneten Tunnels, der Tirol und Vorarlberg verbindet, werden 75 Millionen Euro investiert.

So wenig Baustellen wie möglich soll es im Sommer geben. Das versprechen die Autobahn-Betreiber. Das betrifft zum Teil auch die A 10, die Tauernautobahn. Dort pausiert die „Tunnelerneuerung zwischen Golling und Werfen von Ende Juni bis Mitte September“, erklärt der Asfinag-Sprecher Pollinger. Im rund acht Kilometer langen Abschnitt zwischen Reittunnel und der Einhausung Eben in Salzburg wird hingegen weitergebaut.

Schmale Fahrspuren, ängstliche Autofahrer

So manchen Autofahrer beschleicht ein mulmiges Gefühl angesichts schmaler Fahrspuren und breiter Lastwagen bei Baustellen. Autofahrer-Klubs wie der ÖAMTC raten deshalb beispielsweise: „Nur überholen, wenn man sich der Situation gewachsen fühlt.“

In der Regel stehen bei Autobahn-Baustellen zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Der rechte ist meist 3,25 Meter breit, „dort verbleiben auch die Lkw“, weiß Christoph Pollinger. Der linke misst vielfach drei Meter und ist nur für Pkw. Die engere Spur bedingt niedrigere Tempolimits, „geregelt ist das in den sogenannten RVS – Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen.“

Dass die Autofahrer an verwaisten Baggern vorbeibrausen, kann durchaus passieren. In „besonders zeitkritischen Baustellen“, wie aktuell auf der A 10 zwischen Golling und Werfen, gäbe es „einen Mehrschichtbetrieb. An ,normalen‘ Baustellen wird in der Nacht nicht gearbeitet beziehungsweise gelten auch Wochenend-Ruhebestimmungen.“

Bei den ÖBB laufen die Arbeiten „täglich und rund um die Uhr“, beteuert Julia Krutzler von den staalichen Bundesbahnen. „Eine Strecke bei laufendem Betrieb zu modernisieren ist wie eine Operation am offenen Herzen.“ Bauarbeiten und uneingeschränkter Zugbetrieb lassen sich kaum vereinbaren. „Denn im Unterschied zum Straßenverkehr können Züge nicht so einfach ausweichen, sondern nur mit hohem Aufwand und oftmals weiträumig.“

In den Sommermonaten fallen die Schüler weg, ein Teil der Pendler ist im Urlaub. Deshalb wird die frequenzschwächere Zeit für Bauarbeiten genutzt. In Wien ist etwa die S-Bahn-Strecke zwischen den Stationen Praterstern und Floridsdorf komplett gesperrt.

Bahn-Pendler brauchen im Osten gute Nerven

Die Strecke wird modernisiert, Bahnsteige werden für längere Züge ausgedehnt. Neben einem Schienenersatzverkehr kann auch auf die Wiener Linien umgestiegen werden.

Pendler, die auch in den Sommermonaten auf die Bahn angewiesen sind, brauchen gute Nerven. Denn vor allem im Osten unseres Landes gibt es noch andere Baubeeinträchtigungen. „Ich bin neugierig, wie der Schienenersatzverkehr auf meiner Strecke funktioniert“, sagt eine Niederösterreicherin. „Schon jetzt im Normalbetrieb gibt es immer wieder Zugausfälle.“

Auch für Urlaubs-Reisende in den Süden wird im Sommer nicht alles glattlaufen. Sie müssen Mitte bis Ende Juli zwischen Villach und Udine (I) auf Busse umsteigen.

„Die Strecke ist auf italienischer Seite komplett gesperrt“, erklärt die ÖBB-Sprecherin Krutzler. Die ÖBB nutzen die Sperre „für eine Weichenneulage im Bahnhof Thörl-Maglern sowie Arbeiten im Bahnhof Arnoldstein. Die Strecke Villach – Arnoldstein bleibt befahrbar.“

Wer von West nach Ost will oder umgekehrt, wird im August ebenfalls ausgebremst. Wegen Erneuerungsmaßnahmen ist die Strecke zwischen Amstetten und St. Valentin (NÖ) gesperrt. Das bringt im Fernverkehr einen „Abweichungs-Fahrplan“ und „teilweise Fahrzeitverlängerungen bis zu 30 Minuten“ auf der Strecke Salzburg – Wien.

Bei der Zug-Reiseplanung ist Flexibilität ratsam. „Die Planung der Baustellen, der Abweichungsfahrpläne und der Schienenersatzverkehrs-Fahrpläne ist ein komplexer Prozess und manche Informationen liegen erst eher knapp vor Baubeginn vor“, informiert die Bahn-Sprecherin Julia Krutzler. „Die aktuellsten Informationen finden unsere Fahrgäste auf der ÖBB-Fahrplanauskunft SCOTTY.“

In der Stadt Wien sind in den Sommerferien rund ein Fünftel weniger Menschen unterwegs als sonst. Das nutzen die Bau-Verantwortlichen aus. So wird etwa die Augartenbrücke instand gesetzt, aber auch an Radwegen und Begrünungen gearbeitet.

„Unter dem Motto ,raus aus dem Asphalt‘ gestalten wir in der ganzen Stadt Plätze und Straßenzüge um“, erklärt die Planungsstadträtin Ulli Sima. „Wir wollen städtische Hitze-
inseln reduzieren, entsiegeln und begrünen und pflanzen viele neue Bäume, damit sich auch an heißen Tagen alle wohlfühlen in unserer Stadt.“

Ist einmal für ein Bauprojekt aufgegraben, wird versucht, gleich mehrere Reparaturen unterzubringen, heißt es aus dem Büro des Wiener Baustellen-Koordinators Christian Zant. „So schaut man zum Beispiel auch darauf, ob gleichzeitig Wasserrohre erneuert werden können.“
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