Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 24/2024 vom 11.06.2024, Foto: earMUSIC/Rob Fenn
Artikel-Bild
Alice Cooper
„Früher ging ich mit einem Slip auf die Bühne“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Es ist genau 60 Jahre her, dass ein junger Bursche namens Vincent Damon Furnier in Detroit (USA) eine Band gründete, die die Menschen zutiefst verstören sollte. Heute kennen wir den Sänger als Alice Cooper. Kein Jahr vergeht ohne eine Tour des Rock-and-Roll-Hall-of-Fame-Mitgliedes.
Am Samstag, dem 15. Juni, tritt er beim „Nova Rock“-Festival im burgenländischen Nickelsdorf auf. Der WOCHE-Reporter Olaf Neumann hat mit dem Nimmermüden 76jährigen gesprochen.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Ihr aktuelles Studioalbum „Road“ haben Sie mit Ihrer Tourband aufgenommen. Eines der Lieder darauf heißt „White Line Frankenstein“. Wer ist das?
Einige Menschen dachten, mit der weißen Linie sei Kokain gemeint. Nein. Wenn ich auf Tournee bin, habe ich 20 Fahrer für die Busse und Lastwagen. „White Line
Frankenstein“ ist die Übertreibung einer Figur, die auf der Straße lebt. Wenn eine Tournee vorbei ist, geht er direkt auf die nächste Tournee. Jeder kennt die weißen Linien auf der Straße, das ist alles, was er jemals sieht. Aber er liebt es, der König der Straße zu sein.

Apropos Frankenstein: Sind Sie fasziniert von der Idee des künstlichen Menschen?
Ich traue Künstliche Intelligenz (KI) eigentlich nur Paul McCartney zu, denn wer will nicht ein neues „Beatles“-Album hören? Wenn ich jetzt zur KI sagen würde: „Ich möchte, dass du ein Lied über mich schreibst, wie wir gemeinsam den Mount Everest besteigen“, wäre es in zehn Minuten fertig. Und es wäre irgendwie auch ziemlich gut. Das ist schon seltsam. Wir schauen immer auf unsere Zukunft, aber was passiert, wenn diese KI entscheidet, dass wir Menschen gar nicht notwendig sind?

Sie wurden als Rockmusiker immer wieder kritisiert – nehmen Sie das ernst?
Nein. Zunächst einmal: In diesem Geschäft sollten Sie sich ein dickes Fell zulegen. Die Zuhörer werden dich entweder hassen oder lieben. Aber du musst lernen, dass es nur ihre Meinung ist. Manchmal ist es auch nur die Meinung einer einzigen Person, der deine Show oder dein Album nicht gefallen hat.

Frank Zappa gab Ihnen im Jahr 1968 Ihren ersten Plattenvertrag. Hat er Ihnen auch gute Ratschläge gegeben?
Als wir zum Vorspielen zu ihm kamen, hörte er sich die Lieder für unser erstes Album „Pretties for you“ an – sie waren durchschnittlich zwei Minuten lang. Anschließend sagte Zappa zu mir: „Alice, ich kapiere eure Musik nicht.“ Und ich sagte: „Nun, ist das gut oder schlecht?“ Er: „Es ist großartig. Natürlich werde ich euch aufnehmen und produzieren, denn ich verstehe nicht, was ihr tut!“ (lacht) Wenn ich also Frank Zappa verwirren konnte … Er war einfach fasziniert von der Tatsache, dass er die Theatralik und das, was wir musikalisch taten, nicht verstanden hat.

Zappas ursprünglicher Plan war, die „Alice Cooper Band“ in einen komödiantischen Akt zu verwandeln, der sich „Alice Cookies“ nannte, und Zappa wollte, dass Ihr Album auf Vinyl in Keksgröße in Blechdosen erscheint …
Das war genau das, was wir nicht wollten. Wir wollten ernstgenommen werden, weil wir bereits als die nächste große Band in Amerika angesehen wurden. Wir haben zehn Stunden an der Musik und eine Stunde an der Show gearbeitet. Das Theatralische war für uns ganz natürlich, das war der einfache Teil. Wer aber in die großen Konzertsäle wollte, in denen Bands wie „The Grateful Dead“, „The Doors“, „The Who“ und „Led Zeppelin“ spielten, musste so gut sein wie sie. Und das ist uns auch gelungen.

Wie erklären Sie sich, dass die Musikszene in den späten 60ern und frühen 70er Jahren so kreativ war?
Das Schöne an dieser Ära war, dass die Plattenfirmen wollten, dass Alice Cooper Alice Cooper ist. Bowie sollte Bowie sein und Elton sollte Elton sein. Wir waren alle einmalig. Und was dann in den 80er Jahren passierte, war: „Bon Jovi“ kamen mit ihren Hits, ihrer großartigen Arbeit und ihrer eigenen Theatralik daher, die einfach glamourös war. Und dann wollte jede Plattenfirma ihren eigenen „Bon Jovi“ haben. Und dann kam „Mötley Crüe“ und das Ganze wiederholte sich. Am Ende gab es eine Menge Bands, die nichts als Kopien der Originale waren. Das Musikgeschäft wurde zu einem Konzern, und die ganze Kunst war verschwunden.

Brauchen wir eine neue musikalische Revolution mit Potenzial zum Umsturz à la Punk?
Ja, das bräuchten wir. Was wir damals gemacht haben, war ziemlich umstürzlerisch. Aber wir sahen auch den Humor darin. Ich ging mit schwarzen Lederhosen oder dem Slip meiner Freundin auf die Bühne. Und überall war Blut drauf. Ich war geschminkt und hatte eine echte Schlange dabei. Das war in den Jahren 1969/70. Die Zuschauer begriffen erst viel später, dass Alice einen Schurken spielte. Er war ein Spiegel der Gesellschaft, wie jemand, der einem zeigt, wie absurd die Dinge sind. Aber die Musik stand immer an erster Stelle.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung