Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 24/2024 vom 11.06.2024, Fotos: AdobeStock, zvg, Alamy Stock Photo
Artikel-Bild
Unter den Seglern geht die Angst um.
Artikel-Bild
Ein durch Orcas versenktes Schiff vor Portugal.
Artikel-Bild
Mutter und Kind haben eine äußerst enge Bindung, die meist ein Leben lang anhält.
Angriff der Killerwale
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
In jüngster Zeit haben Schwertwale, auch Orcas oder Killerwale genannt, hunderte Segelboote vor den Küsten Spaniens und Portugals attackiert – und manchmal sogar zum Sinken gebracht.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Die Schweizer Seeleute fühlten sich wie in einem Horrorfilm, als kurz nach Mitternacht ihre Segelyacht vor der spanischen Küste durch einen kräftigen „Rumms“ abrupt gestoppt wurde. Schon bald war klar, dass es sich um drei Orcas handelte. Immer wieder rüttelten die Tiere am Ruder und rammten das Schiff mit voller Wucht – bis es schließlich unterging.

„Derartige Angriffe wurden erstmals im Juli 2020 vor den Küsten Spaniens und Portugals gemeldet“, berichtet die deutsche Stiftung für Meeresschutz. Mittlerweile sind in dieser Region bereits mehr als 300 Fälle von demolierten Schiffsrudern bekannt und wenigstens drei Segelboote sanken in der Folge von Orca-Angriffen. Doch bis heute weiß kein Mensch, was die genauen Gründe für die Attacken sind. Auffällig ist jedoch, dass sie direkt nach dem Corona-„Lockdown“ begannen.

„Da haben alle Wesen, die im Meer leben, wahrscheinlich zum ersten Mal einen stillen Ozean genossen“, meint der deutsche Meeresbiologe Karsten Brensing. Der Forscher vermutet, dass die Orcas damals erfahren haben, wie ihr Lebensraum eigentlich aussieht und sich denken, dass es still viel schöner war. „Sie fühlen nicht viel anders als wir. Diese Tiere sind in der Lage, nachtragend zu sein“, erklärt der Fachmann deren „Schiffchen versenken“-Spiel.

Sie sind klug – und extrem lernfähig

Aktuell sieht es für den Meeresbiologen sogar so aus, als würden die Schwertwale ihren Nachkommen das Angreifen auf die Boote beibringen. Weshalb unter Seglern in der Region um die iberische Halbinsel gerade regelrecht Panik herrscht. Meist greifen die sechs bis acht Meter langen und bis zu sechs Tonnen schweren Tiere nur kleine Boote mit freistehenden Rudern an. „Da kommen sie leicht heran, die Ruder sind auch relativ empfindlich und gehen schnell kaputt. Die intelligenten Tiere haben sozusagen die Achillesferse dieser Boote gefunden“, sagt Karsten Brensing. Die Menschen an Bord wurden von den Orcas selbst jedoch in Ruhe gelassen, wenn sie in die Rettungsboote sprangen, um sich von dem sinkenden Schiff zu retten. Es ist demnach auch durchaus wahrscheinlich, dass die schwarz-weißen Säugetiere mit der mannshohen Rückenfinne die Boote einfach nur angreifen, „weil es ihnen Spaß macht“.

Eine andere Ursache für die Attacken könnte sein, dass die Orcas die Boote für Nahrungskonkurrenten halten. Immerhin benötigen die geschickten Jäger täglich rund 200 Kilo Futter – Tintenfische, andere Wale, Robben, Seevögel oder Pinguine. Dafür schwimmen sie weite Strecken von bis zu 160 Kilometer am Tag und tauchen 30 bis 150 Meter tief.
Wegen ihrer scheinbar brutalen Jagdmethoden entstand wahrscheinlich auch der Name „Killerwal“.

So werden beispielsweise Seelöwen oft von mehreren Orcas umzingelt, die das Beutetier mit ihrem Kopf oder Körper rammen. Häufig schlagen sie einen Seelöwen dabei auch mit dem Schwanz oder katapultieren ihn gar meterhoch in die Luft. Grauwalkälber werden hingegen regelrecht zu Tode gehetzt.

Doch Schwertwale sind auch äußerst soziale und gesellige Tiere, die sich in ihren kleinen Gruppen von zehn bis höchstens 70 Tieren alle gemeinsam um den Nachwuchs kümmern. Egal, ob sie direkt verwandt sind oder nicht. „Da die Tiere in Ausnahmefällen 80 Jahre alt werden können, leben manchmal bis zu vier Generationen zusammen“, weiß Karsten Brensing. Zudem gelten Orcas auch als extrem neugierig und verspielt. Oft strecken sie ihren Kopf aus dem Wasser, um sich umzuschauen. „Sei es, weil sie auf der Suche nach Nahrung sind oder um zu sehen, was wir Menschen so treiben“, sagt der Meeresbiologe.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung