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Ausgabe Nr. 23/2024 vom 04.06.2024, Foto: Universal Music
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„Lasst uns leben und Spaß haben“
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​Vor zwanzig Jahren kamen sie mit ihrem massentauglichen Indie-Folk-Pop-Rock groß heraus, die Brüder Nathan (44, Schlagzeug), Caleb (42, Gesang) und Jared (37, Bass) sowie deren Cousin Matthew Followill (39, Gitarre) der Gruppe „Kings Of Leon“. Es folgten Triumphe und Nackenschläge, aber die Band hielt durch und hat nun mit „Can We Please Have Fun“ ihr neuntes Album veröffentlicht. Es ist bereits im Handel erhältlich. Der
WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit Nathan Followill nicht nur über das neue Werk, sondern auch über Begrifflichkeiten und den Nachwuchs gesprochen.
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Herr Followill, der Refrain Ihrer funkigen und fetzigen neuen Single „Mustang“ lautet: „Are you a Mustang or a kitty?“, also bist du ein Mustang oder ein Kätzchen? Was hat die Frage zu bedeuten?
(lacht) Die Zeile stammt von unserem Sänger Caleb, und genau diese Frage haben wir uns, oder besser gesagt, ihm, schon ungefähr hundert Mal gestellt. Er lacht dann immer nur und verweist auf ein Gespräch zwischen seinen Kindern. Sein Sohn hatte irgendwann ein T-Shirt an, auf dem ein Mustang, also das Auto, zu sehen war. Und seine Tochter hatte gerade ein neues, kleines Kätzchen bekommen. Dieser Satz „Bist du ein Mustang oder ein Kätzchen“ wurde bei denen so eine Art Familienwitz, den Caleb dann ins Studio mitbrachte.

Und mit dem Mustang ist tatsächlich das Auto gemeint oder das in Nordamerika beheimatete Wildpferd?
Noch so ein „Running Gag“, der uns wochenlang im Studio begleitet hat. Die einen bei uns sagen so, die anderen so. Das erste Auto, das ich jemals fuhr, war ein Ford Mustang GT, deshalb denke ich eher an das Auto. Mit Pferden hatte ich es nie so, obwohl wir hier in Nashville (US-Staat Tennessee) wirklich mitten im Pferdeland leben. Aber die beißen mich.

Die Pferde beißen Sie?
Ja, meine Freunde lachen auch immer, wenn ich ihnen das sage. Die meinen, „Ein Pferd beißt nicht.“ Nun ja, dann hat mich deren Pferd eben doch gebissen, und sie waren still. In meinem Leben komme ich bisher auf drei Pferdebisse, also das Reiten lasse ich definitiv bleiben.

Ihr Sohn ist fünf, Ihre Tochter elf Jahre alt, die Kinder Ihres Bruders Caleb sind gleich alt, Jared hat eine vierjährige Tochter, Matthew drei Kinder zwischen drei und 13 Jahren. Kann der Nachwuchs etwas mit Ihrer Musik anfangen?
Auf jeden Fall, wobei die Reaktionen manchmal hart sein können, weil die Kinder ziemlich gnadenlos sind. Du bist stolz wie ein Pfau auf ein Lied, und dann kommt ein müdes „Ist ganz in Ordnung, Papa“, darauf musst du gefasst sein. Na ja, ich liebe meine Kinder trotzdem. Und ausgerechnet „Actual Daydream“ vom neuen Album vergöttern sie geradezu. Dabei ist dieses Lied wohl eines unserer erwachsensten, die wir je geschrieben haben.

Was ist der Unterschied zwischen dem Familienvater Nathan Followill und dem Schlagzeuger der „Kings Of Leon“?
Meine Brille. Die setze ich nur ab, wenn ich auf der Bühne bin. Ich spiele praktisch wie ein Maulwurf (lacht).

Welche ist denn die zögerliche Generation, über die Sie in „Hesitation Generation“ sprechen?
Bereits heute ist es ja so, dass viele Menschen lieber schweigen, als Stellung zu beziehen, weil die andere Hälfte ohnedies immer anderer Meinung ist und sämtliche Ansichten ständig unter das Mikroskop gelegt werden. Diese Scheu, sich auch einmal kontrovers auszutauschen, führt eben dazu, dass die Lager noch gespaltener werden, noch stärker unter sich bleiben. Dabei kann es nicht die Lösung sein, sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen und die Meinungsbildung den Radikalen zu überlassen. Die Generation, um die es geht, ist die Generation unserer Kinder. Wir hoffen, dass die Kinder in fünfzehn, zwanzig Jahren nicht geduckt durchs Leben gehen, immer in der Angst anzuecken. Sondern dass sie in einer diskussionsfreudigen Gesellschaft aufwachsen, die manchmal um den richtigen Kurs ringt, die Kompromisse schmiedet, und die nicht umfällt oder austickt, sobald sie Gegenwind verspürt.

Trotz des eher heiteren Albumtitels schauen Sie vier auf dem Foto ganz schön traurig aus der Wäsche. Warum?
Die Idee ist, dass wir auf dem Bild herumsitzen und auf den Spaß warten, ungefähr so, als wenn du bei der Stadtverwaltung hockst und auf deinen neuen Pass wartest. Wir sind alle der Meinung, dass die Warterei auf die gute Zeit ein Ende haben sollte. Denn die gute Zeit ist jetzt. Wir haben eine Pandemie hinter uns, überall auf der Welt toben Kriege, das Leben ist nicht einfach. Das ist alles richtig. Aber wir können das nicht kontrollieren. Wir sollten uns lieber sagen: Lasst uns leben, lasst uns Spaß haben, lasst uns genießen, was wir haben. Denn das ist eine ganze Menge …
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