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Ausgabe Nr. 23/2024 vom 04.06.2024, Foto: picturedesk.com
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Armin Assinger: „Kaputte Knie liegen bei uns in der Familie“
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Er wechselte vom Schiprofi zum Showmaster. Seit 22 Jahren moderiert Armin Assinger mittlerweile die „Millionenshow“. Dieser Tage feiert er seinen 60.
Geburtstag. Für ihn sei das nichts Besonderes, wie er uns erzählt hat.
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Herr Assinger, Sie werden am Freitag, dem 7. Juni, 60 Jahre alt. Überwiegt die Freude?
Mir ist das völlig wurscht. Ich habe überhaupt keine – wie soll ich es sagen – melancholisch-sentimentalen Anflüge in dem Zusammenhang. Ich fühle mich ja auch nicht wie ein 60jähriger, auch, weil ich abgesehen von Gelenksbeschwerden keine anderen habe. Gott sei Dank.
Führen Sie dies auf einen vorbildlichen

Lebensstil zurück?
Das kann ich nicht sagen. Mein Vater ist 82 Jahre alt, meine Mutter 81, auch sie kommen mir nicht vor, als ob sie schon jenseits der 80 wären. Sie sind agil und bewegen sich ständig. Wenn jemand gewillt ist, sich geistig zu fordern und sich zu bewegen, macht das schon viel aus. Außerdem ist Alter nicht verhandelbar. Es ist, wie es ist.

Sie haben sich als Schirennläufer häufig verletzt, Ihr Knie wurde neun Mal operiert. Gibt es da keine Nachwehen?
Oh doch, bei mir sind beide Knie stark beschädigt, das rechte aber weitaus schlimmer. Da macht sich seit einigen Jahren auch eine Arthrose bemerkbar. Deshalb kann ich seit 20 Jahren nicht mehr laufen. Das ist einfach zu schmerzhaft. Beim Schifahren schränkt mich das leider auch ein, aber ohne Sport geht es halt nicht bei mir. Wenn ich zwei, drei Tage nichts mache, werde ich unrund. Ich gehe ganz gern zum „Eisenbiegen“ ins Fitnessstudio und noch lieber Rad fahren. Das ist das Beste, was du für die Knie machen kannst. Und dann versuche ich, das ganze G‘stell muskulär zu stabilisieren. Auf den Berg hinauf gehe ich jedenfalls lieber als hinunter. Das ist auch meiner Arthrose lieber.

Ist Arthrose nicht schmerzhaft?
Na ja, so richtig schlimm ist es, wenn du einen Ruheschmerz hast. Da können dann viele Menschen nachts nicht schlafen. So weit ist es Gott sei Dank bei mir noch nicht, aber ich glaube, dass ich um ein neues Kniegelenk nicht herumkommen werde. Da wäre ich aber in prominenter Gesellschaft. Lindsey Vonn musste sich erst kürzlich ein Kniegelenk einbauen lassen, mit knapp 40 Jahren. Da mein Vater und meine Mutter ebenfalls schon neue Knie haben, liegt es bei uns leider fast ein bisserl in der Familie.

Ist der Preis, den Sportler mit dem Verschleiß ihres Körpers zahlen, nicht zu hoch?
Grundsätzlich ja, aber alle wissen, worauf sie sich im Hochleistungssport einlassen. Das ist kein Kuraufenthalt. Ich kenne aber niemanden aus meinem Sportumfeld, der die Entscheidung für den Sport bereut hätte. Trotz aller Risiken und Verletzungen überwiegen die schönen Momente. Überdies ist der Leistungssport die beste Lebensschule, die ein Mensch durchmachen kann. Du lernst, mit allen möglichen Situationen umzugehen, zielstrebig zu sein, Respekt gegenüber deinen Konkurrenten, Teamkollegen und Trainern zu haben, durchzuhalten und nicht gleich beim ersten Widerstand aufzugeben – und mit Siegen und noch mehr Niederlagen umzugehen. Aus Niederlagen lernst du am meisten. Auch Hermann Maier oder Marcel Hirscher mussten Niederlagen einstecken und Lehren daraus ziehen.

Was sagen Sie zum Comeback von Marcel Hirscher?
Marcel ist vielleicht noch nicht am Ende seiner persönlichen Fahnenstange angelangt und ich finde es super, dass er das macht, weil es für den Schisport großartig ist, wenn eine derartige Lichtgestalt zurückkommt. Die vergangenen Jahre mit dem Schweizer Marco Odermatt als Gesamtsieger waren ein Hit und wenn es dann heißt, Odermatt gegen Hirscher, ist das wie Real Madrid gegen Barcelona.

Auch, wenn er nicht mehr für unser Land an den Start geht, sondern für die Niederlande, für das Geburtsland seiner Mutter?
Das macht ja nichts, da geht es um die Sache und wir dürfen nicht kleingeistig sein. Ich glaube ja, dass er den Weg nicht alleine geht, sondern von seinem Partner Red Bull medientechnisch begleitet wird. Das heißt, dass es da bestimmt eine Doku dazu geben wird. „Die Rückkehr eines Champions“ oder so, ist vielleicht später auf Netflix oder Amazon Prime zu sehen. Und mit einer Medaille in Saalbach (Salzburg) im kommenden Winter bei der Schi-Weltmeisterschaft wäre das Märchen perfekt. Hollywood würde kein besseres Drehbuch schreiben können, oder?

Im nächsten Jahr feiert die „Millionenshow“ 25jähriges Jubiläum, 22 Jahre davon haben Sie moderiert. Hätten Sie gedacht, dass die Sendung eine so lange Lebensdauer hat?
Überhaupt nicht. Mein Gedanke war eher, jetzt mache ich das ein paar Jahre, dann ist es halt vorbei. Aber dass ich im Herbst ins 23. Jahr gehe, ist eigentlich ein Wahnsinn. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich habe natürlich nichts dagegen, dass es sich so entwickelt hat und bin dankbar dafür und auch stolz darauf, dass ich mich so lange im Showgeschäft halten kann.

Sie sind nun auch in der ORF-Rubrik „Fit mit den Stars“ dabei. Wie werden Sie Ihr Training anlegen?
Ich möchte ein bisschen mehr als Fingerkreisen und Augenrollen machen und habe daheim einen Probelauf mit meinen Eltern gemacht. „Da schwitzt man ja richtig“, lautete deren Kommentar. Wichtig war mir, ein Gefühl zu kriegen, wie ältere Menschen und mit welcher Intensität sie sporteln. Ich muss da als Vorturner schon einiges bedenken. Mein Leitspruch lautet: „Muskeln müssen arbeiten, Gelenke sich
bewegen.“

Es soll ja Menschen geben, für die der Weg vom Sofa zum Kühlschrank Bewegung ist …
Okay, dann können solche Menschen das aber auch mit Ausfallsschritten und zwei Wasserflaschen in den Händen tun, um den Bizeps zu trainieren. Sich zu bewegen, heißt zu leben.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?
Unauffällig, aber intensiv. Mehr verrate ich nicht …

Zur Person
Armin Assinger wurde am 7. Juni 1964 in Graz geboren. Er wuchs in Hermagor (K) auf und schloss seine Schulausbildung 1982 mit der Matura ab. Einen Namen machte sich der gelernte Gendarmeriebeamte als Schirennläufer in den Disziplinen Abfahrt und Super-G und konnte vier Weltcup-Rennen gewinnen.

Seit dem Jahr 1995 ist Assinger für den ORF als Kommentator und Moderator im Einsatz. Seine bekannteste Sendung ist die „Millionenshow“.

Der Kärntner hat aus seiner ersten Ehe zwei Kinder. Seit 2021 ist er mit Sandra, 47, einer Polizei-Chefinspektorin verheiratet. Er lebt in Hermagor und Graz.
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