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Ausgabe Nr. 23/2024 vom 04.06.2024, Fotos: Zeppelzauer
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Ein Storch bewacht das Nest, der andere
sucht Nahrung.
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Erstmalig in Rust brütet ein Weißstorch in
einem Baumnest.

Der Weißstorch

Größe: 80 bis 100 cm

Gewicht: 3 bis 4 Kilo

Flügelspannweite: bis zu 2,2 Meter

Gelege: 2 bis 7 Eier

Brutzeit: 33 bis 35 Tage,
Nestlingszeit 58 bis 64 Tage

Nahrung: Frösche, Mäuse, Würmer,
Käfer, Küken sowie Fische

Alter: 25 bis 30 Jahre

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Storchenverein Obmann Igor Smrtnik
freut sich.

Storchenverein Rust:
Der Jahresmitgliedsbeitrag im
Verein beträgt € 15,–.
Auch Sponsoren sind willkommen.

Storchen-Picknick am 3. August, für den kulinarischen Genuss sorgen
die örtlichen Weinbaubetriebe.

Kontonummer des Vereines:
AT95 3301 2000 0191 1585

www.storchenverein.at
Rekord-Babysegen bei Meister Adebar
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Hurra, der Storch ist da, heißt es in der Freistadt Rust (B). Dort haben es sich gleich 29 Brutpaare in ihren Nestern gemütlich gemacht und klappern mit ihrem Nachwuchs um die Wette.
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Das gibt‘s ja nicht“, ruft Dipl.-Ing. Igor Smrtnik begeistert von seinem Aussichtsplatz am Turm der katholischen Kirche in Rust. Mit einem Fernglas beobachtet er von hier oben die Storchennester auf den Dächern der burgenländischen Freistadt. Und die am westlichen Ufer des Neusiedler Sees gelegene „Stadt der Störche“ wird ihrem Namen heuer mehr als gerecht. „Wir haben 29 Brutpaare und schon 79 Junge, das ist absoluter Rekord“, freut sich der Obmann des „Storchenvereines Rust“ über die vielen Storchenbabys. Und es könnten noch mehr werden, denn in zwei Horste – so werden die Storchennester auch genannt – hatte er bisher noch keinen Einblick.

Der 47jährige, im Brotberuf Bereichsleiter bei einer Baufirma, kann sich persönlich nicht an ein so geburtenstarkes Jahr erinnern. Als Brutvogel ist der Weißstorch, wegen seiner Schnabelgeräusche auch Klapperstorch genannt, zwar schon seit mehr als 100 Jahren hier dokumentiert, aber „Ende der 1970er Jahre ist die Population stark geschrumpft. Das lag wahrscheinlich an der Bewirtschaftung und dem Rückgang an Futterflächen“, erzählt Smrtnik.

Mitte März kehren die Störche nach Rust zurück

Mitte der 1990er Jahre waren es gar nur noch fünf Brutpaare. Seit der Gründung des Storchenvereines im Jahr 1995 – damals noch unter dem Namen „Verein der Storchenfreunde der Freistadt Rust“ – durch Gerhard Amon, ging es mit der Anzahl aber wieder kontinuierlich bergauf. „Mein Mann ist leider verstorben, aber unser Verein hat heute mehr als 600 Mitglieder“, freut sich Vorstandsmitglied Kornelia Amon.

Seit nunmehr 29 Jahren kümmert sich der Storchenverein intensiv um den Schutz der Storchenpopulation in Rust. „Dazu gehört auch die Pflege der Nester“, erklärt der Obmann. Und die beginnt, bevor die Störche etwa Mitte März aus ihren Winterquartieren zurückkehren.

„Im Jänner und Februar werden neue Nester gefertigt. Der Boden besteht aus einem Weidengeflecht mit rund 90 Zentimetern Durchmesser, der äußere Ring aus robusten Welschriesling-Reben“, sagt Smrtnik. „Seit drei Jahren gibt es auch einen Storchenwein vom Weingut Karnerhof, natürlich einen Welschriesling. Das Nestmaterial ist gleichzeitig auch Weinmaterial, das passt zusammen“, sagt Smrtnik schmunzelnd. Pro verkaufter Flasche geht außerdem € 1,– als Spende an den Verein. Geld, das der Storchenverein gut brauchen kann, auch, um die „Storch-Wohnungen“ im Frühling bezugsfertig zu machen. „Sie werden gereinigt und gegebenenfalls ausgetauscht. Da haben wir einen Tag lang einen Kranwagen hier. Dabei werden die Nester auch desinfiziert, um die Jungtiere vor Parasiten zu schützen.“

Die Basis für das Nest bildet ein Metallgestell, das vom Hauseigentümer auf dem Dach bereitgestellt wird. Darauf wird es dann aufgesetzt. Die Horste werden von den Störchen mit Ästen, Moos oder Gras immer weiter ausgebaut und können mit der Zeit einige hundert Kilo schwer werden. „Eigentlich ist das bereitgestellte Nest ein Bonus für die Störche, die bauen sie in der Natur auch selbst.“ Das beweist etwa der Storch, der sich an der Seepromenade, gleich neben der Storchenwiese, seinen Horst in einer gestutzten Baumkrone gebaut hat. „Das hatten wir noch nie bei uns“, weiß Kornelia Amon.

Die Zugvögel ziehen gegen Ende August nach Süden

Insgesamt gibt es für die Störche 42 mögliche Nestbauoptionen auf den Dächern der Ruster Altstadt. Der Storchenverein sorgt neben deren Pflege auch für die der großen, umzäunten Storchenwiese beim See und betreut die 2022 neu errichtete Storchenstation samt Aussichtsturm. Hier werden verletzte, flugunfähige Weißstörche gefüttert und versorgt.

Auf der Suche nach Fröschen und Mäusen bietet die Storchenwiese ideale Bedingungen, brauchen die Tiere doch rund ein halbes Kilo Nahrung täglich. Pro Jungtier müssen die Storcheltern zusätzlich etwa 1,2 Kilo Futter herbeischaffen. „Zurzeit gibt es witterungsbedingt genug zu fressen. Das ist aber nicht immer so und dann müssen die Störche schauen, dass sie ihre Jungen durchbringen“, erklärt Smrtnik. Da könne es schon sein, dass ein schwaches oder krankes Storchenküken von der Storchenmutter aus dem Nest geworfen wird. Das sei eben die Natur, meint er.

Die Jungstörche müssten schließlich bei Kräften sein, wenn sie – rund um den 20. August – Richtung Süden aufbrechen. Die Zugvögel fliegen dabei innerhalb weniger Tage in zwei größeren Formationen los. „Unsere nehmen die Route über den Bosporus nach Afrika“, weiß Smrtnik. Manche bleiben auch hier, „das sind dann die berühmten Winterstörche und werden von uns bei Bedarf mit Futter versorgt.“

Während die Jungstörche bei ihren ersten Flugversuchen noch tollpatschig wirken, sind die erwachsenen Tiere elegante Segelflieger. Sie nutzen warme Aufwinde (Thermik) und lassen sich dabei ohne Flügelschlag in große Höhen tragen. „Im Sommer haben wir heuer 140 Segler über unseren Dächern. Das wird ein gewaltiges Spektakel.“ Nach ihrem Abschied aus Rust kommen die jungen Störche erst nach drei, vier Jahren, wenn sie geschlechtsreif sind, wieder zurück. „Unsere jahrzehntelange Arbeit hat sich ausgezahlt, die Störche wissen mittlerweile, dass es hier besonders schön ist. Und vielleicht haben wir nächstes Jahr, zu unserem Jubiläum, dann 30 Paare und 90 Junge hier“, meint Smrtnik mit einem Augenzwinkern. rz
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