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Ausgabe Nr. 22/2024 vom 28.05.2024, Fotos: Alois Reinprecht
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Sogar Sprüche werden mit den Blüten gelegt. Ein beliebtes Motiv ist die Friedenstaube. Es
sind Kunstwerke am Wegesrand.
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Eveline Liebmann mit ihrem Mann und Kaffeesud.
Blüten werden
zum Symbol Christi
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Am Donnerstag, dem 30. Mai, wird in unserem Land das Fronleichnamsfest gefeiert. Mit traditionellem Umzug, in dessen Mittelpunkt die vom Pfarrer getragene Monstranz steht. Als Symbol für den Leib Christi. In der steirischen Gemeinde Deutschlands-berg werden herrliche Teppiche aus Blumenblüten entlang der Prozessionsstrecke gelegt.
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Es ist vier Uhr früh und über dem Hauptplatz von Deutschlandsberg (Stmk.) liegt eine friedvolle, fast meditative Ruhe. Der Sonnenaufgang kündigt sich an und in die Dämmerung hinein beginnt emsiges Treiben.

Dutzende Frauen und Männer sind bereits auf den Beinen, um für die bevorstehende Fronleichnamsprozession die Wegränder mit herrlichen bunten und symbolträchtigen Teppichen aus Blumenblüten zu gestalten.

„Schließlich muss bis neun Uhr für die Prozession alles fertig sein“, erklärt Eveline Liebmann, 51, die vor 20 Jahren das Brauchtum des Legens von Blütenteppichen zu Ehren Gottes in Deutschlandsberg wieder aufleben hat lassen. Und die nur zu gut weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.

„Denn die beginnt bereits eine Woche vorher mit dem Sammeln von Blüten und Blättern sowie anderer Materialien.“ Der Überlieferung nach haben zwei Handarbeitslehrerinnen im Jahr 1935 erste Blumenteppiche im Zentrum der in der Südweststeiermark gelegenen Stadt gestaltet.

Heute ist diese zur Tradition gewordene Dekoration auch in anderen Ortschaften zu finden, nicht nur in der Steiermark. „Die Blumenteppiche sind ein Ausdruck des Glaubens und ein Symbol für die Vergänglichkeit und Schönheit der Schöpfung. Sie zeigen die Hingabe und den Gemeinschafts-sinn der Menschen, die an ihrer Herstellung beteiligt sind. Besucher aus nah und fern kommen, um diese temporären Kunstwerke zu bewundern und an den Feierlichkeiten teilzunehmen“, erzählt Eveline Liebmann mit Stolz vom großen Fest, das am 30. Mai als „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ gefeiert wird.

Die Blumenteppiche zeigen die Schönheit der Schöpfung

Wobei für die schmucken Teppiche vielerlei Blüten verwendet werden. Jene der Pfingstrosen sind ebenso darunter wie die der Wiesenknöpfe, des Hornklees und der Lupinen. Daneben gelangen sogar Eierschalen, Zapfen und Sägespäne zu Gestaltungselementen. „Mein Mann Peter sammelt außerdem in unserer Frühstückspension Kaffeesud, er trocknet und siebt ihn. Geschätzte 80 Kilo hat er beisammen. Denn braune Blumen gibt es ja nicht und für die Darstellung der Arche Noah benötigen wir beispielsweise braune Farbe“, erklärt Liebmann die vorwiegend religiösen Motive der Teppiche. Gezeigt werden Szenen aus der Bibel, christliche Symbole oder Bildnisse von Heiligen.

Da mittlerweile mehr als 100 Blumenteppiche die Innenstadt von Deutschlandsberg verschönern, und der organisatorische Aufwand beträchtlich ist, haben sich die Stadtgemeinde, die Pfarre und der Tourismusverband Südsteiermark zusammengeschlossen und die dafür nötige Hoheit übernommen.

Schließlich soll die Gemeinde allgemein einen gepflegten Eindruck bei den Besuchern der Prozession hinterlassen. Das gelinge nach Auskunft der 51jährigen Deutschlandsbergerin nur, wenn alle Kräfte gebündelt werden, damit die Teppiche eine saubere und würdige Grundlage bekommen.

Dann werden die Motive der 20 bis 30 Quadratmeter großen Schmuckstücke mit Kreide vorgezeichnet, ehe die Blüten verlegt werden können. „Viele Blumen bekommen wir sogar von Gärtnereien in der Umgebung. Teilweise sind auch Schnittblumen dabei, die in den Geschäften nicht mehr verkauft werden können. Als Zwischenlager dafür verwenden wir den Kühlraum des Gästehauses Kleindienst“, erzählt Manuela Suppan von der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.

Die beliebtesten Motive sind Herz und Friedenstaube

Die bunten Teppiche sind überall zu finden, vor Geschäften und Behörden ebenso wie vor aufgestellten Altären im Ort.
„Herz, Kelch und Friedenstaube sind die gängigsten Motive, wir werden die Muttergottes mit Jesuskind und Rosen-kranz sowie den Schriftzug ,Bitte für uns heilige Maria‘ gestalten“, sagt Rudolf Felsbacher, 47, der heuer zum ersten Mal einen Blumenteppich mitkreiert. „Besonders schön finde ich, dass wir genügend Rosen zur Verfügung haben, um gerade den Rosenkranz aus Rosenblättern zu legen. Das gemeinsame Gestalten, das Miteinander, das macht Fronleichnam bei uns aus.“

Wie viele Blumen jährlich für die Teppiche gepflückt werden, kann Eveline Liebmann nicht benennen. „Pro Teppich muss schon mit 40 bis 50 Kartons voll Blumen gerechnet werden, denn die Blüten werden eng nebeneinandergelegt.“

Schließlich sollen die Teppiche fein aussehen, wenn sich um 9 Uhr bei der Stadtpfarrkirche die Prozession in Bewegung setzt, begleitet von Erstkommunionkindern und der Stadtkapelle Deutschlandsberg. Bis 17 Uhr können die kurzlebigen Kunstwerke bewundert werden, weiß Liebmann. „Dann kommt die Kehrmaschine …“
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