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Ausgabe Nr. 21/2024 vom 21.05.2024, Fotos: Mauritius images / Bo Jansson / Alamy/ Adrian Sherratt / Alamy Stock Photo
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Der aus Amerika eingeschleppte Signalkrebs.
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Der Flusskrebs (oben Mitte): hierzulande auch als Edelkrebs bekannt ist mit 20 Zentimetern unsere größte Krebsart.

Der Steinkrebs (links): ist mit knapp zwölf Zentimetern die kleinste in Europa vorkommende Flusskrebsart.

Der aus Amerika eingeschleppte Signalkrebs (rechts) hat bereits in vielen heimischen Gewässern den Fluss- und Steinkrebs verdrängt.
Vom Fluss in den Kochtopf
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Er wird rot, fast so groß wie ein Hummer und hat weiß-bläuliche Tupfer auf seinen scharfen Scheren – der Signalkrebs. Nun soll der eingeschleppte Allesfresser öfters im Kochtopf landen.
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Signalkrebse sind schnellwüchsiger, früher geschlechtsreif, toleranter gegenüber Gewässerbelastungen, aggressiver als heimische Flusskrebse und verdrängen diese damit leicht.

Sie fressen von Pflanzen, Wasserinsekten, Muscheln und Fröschen alles, was ihnen vor die Zangen kommt. Selbst vor Fischlaich machen sie nicht Halt und zerschneiden mit unangenehmer Regelmäßigkeit Fischernetze mit ihren scharfen Scheren. Vor ein paar Jahrzehnten war der gebürtige Nordamerikaner in unserem Land aber noch gar nicht zu finden. „Fischer importierten den Signalkrebs in den 1970er Jahren, um Bestandslücken der heimischen Edelkrebse und Steinkrebse zu füllen“, weiß die oberösterreichische Fischerei-Landesrätin Michaela Langer-Weninger. Der Neue rückte den Alteingesessenen jedoch viel zu nahe auf den Panzer und brachte auch noch eine verhängnisvolle Pilzerkrankung aus Übersee mit, die „Krebspest“.

Binnen kürzester Zeit reduzierten sich dadurch die heimischen Flusskrebsbestände um 80 Prozent. Im Gegenzug dazu vermehrte sich der robuste amerikanische Einwanderer wie ein Unterwasser-Kaninchen.
„Bis zu 400 Eier legt ein Weibchen einige Tage nach der Paarung im Herbst ab, etwa 150 Meter Fluss pro Jahr erobert das Krustentier überall dort, wo es einmal auftritt“, klagen Berufsfischer. Besonders wohl fühlt sich der rund 16 Zentimeter große Signalkrebs mit seinem schlammgrünen Panzer – appetitlich rot färbt er sich erst im Kochtopf – in jüngster Zeit vor allem in den kühlen Fließgewässern der Traun und der Großen Mühl in Oberösterreich. Weshalb die Landespolitik nun einschritt und aus der Plage eine Delikatesse machen will. Geschehen soll dies mit Hilfe einer neuen Fischereiverordnung, die ab sofort vorsieht, dass gefangene Signalkrebse in Oberösterreich auch lebend transportiert werden dürfen.

Essen für den Artenschutz

„Bisher mussten Fischer den Signalkrebs nach dem Fang sofort an Ort und Stelle töten, was die kulinarische Verwertung enorm erschwerte“, erklärt Michaela Langer-Weninger.

Vereinfacht gesagt, erhofft sich die Fischerei-Landesrätin, dass dadurch künftig noch mehr Wirte die lästigen Gesellen auf ihre Speisekarte hieven. Der Mühlviertler (OÖ) Fischer Walter Koller zieht mit kegelförmigen Netzschläuchen, den sogenannten Reusen, pro Woche bereits bis zu 20.000
Signalkrebse aus dem Wasser. „Es sind ja im Schnitt rund 50 Tiere vonnöten, um ein Kilo Fleisch aus deren Schwänzen und Scheren auszulösen“, weiß der Experte. Die mühevolle Kiefelei lohnt sich jedoch. „Das zarte, saftige Signalkrebsfleisch ähnelt in der Farbe dem von Languste oder Hummer und schmeckt fast genauso fein.“

Mit ihren großen Scheren, den langen Antennen und ihrem Panzer sind die Flusskrebsarten den Insekten recht ähnlich, jedoch verfügen sie über fünf Beinpaare. Dabei sind die ersten drei als Scheren ausgebildet, wobei nur eines dieser Scherenpaare markant erkennbar ist. Mit den letzten zwei Beinpaaren bewegen sich die dämmerungs- und nachtaktiven Gliederfüßer über den Gewässergrund fort. Der harte Panzer wächst allerdings nicht mit, weshalb sich die Flusskrebse in den 15 bis 20 Jahren ihres Daseins regelmäßig häuten müssen. In dieser gefährlichen Zeit werden sie „Butterkrebse“ genannt, da sich die neue Schale erst erhärten muss, bevor sie vor Fressfeinden wie Aalen oder Welsen schützt. Hwie
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