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Ausgabe Nr. 21/2024 vom 21.05.2024, Fotos: CHRISTOPHE SIMON / AFP / picturedesk.com, Www.picturedesk.comCHRISTOPHE SIMON / AFP / picturedesk.com
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Alain Delon, 88
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Kein Frieden in Sicht: Alain-Fabien Delon (links) und sein Bruder Anthony Delon (rechts) bekriegen ihre Schwester Anouchka Delon.
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Alain Delon mit seiner großen Liebe,
Romy Schneider.
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„Nur die Sonne war Zeuge“.
Ihm bleibt nur ein Taschengeld
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Der einst schönste Mann der Welt ist schwer krank. Alain Delon bittet um Sterbehilfe. Seine Kinder streiten erbittert um sein Erbe – lautstark und vor der Welt.
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In Ruhe zu gehen.“ Das sei das Recht eines Menschen, wenn er in einem gewissen Alter ist. Alain Delon, der im Jahr 2019 einen doppelten Schlaganfall erlitt und Krebs hat, bat bereits um den Tod. Der 88jährige Franzose erwägt, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Die Staats-bürgerschaft und einen Wohnsitz in der Schweiz hat er bereits.
Ein Lebensabend in Ruhe scheint ihm aber nicht vergönnt. Seine Kinder streiten schon jetzt um sein Erbe. Es geht um rund 300 Millionen Euro. Seine Tochter Anouchka, die ihren dementen Vater im französischen Douchy-Montcorbon pflegt, war immer sein Liebling. Sie soll laut Testament die Hälfte bekommen, seine Söhne Anthony, 59, und Alain Fabien, 29, nur je ein Viertel.
Anouchka, die einen Wohnsitz in Genf hat, will sich künftig in der Schweiz um ihn kümmern. Ihre Brüder sehen darin nur einen Trick, die hohe französische Erbschaftssteuer zu umgehen. Nun tobt eine erbitterte Schlammschlacht unter den Kindern der Filmlegende.
Deren Start ins Leben war schwierig. Alain Delon kam am
8. November 1935 im französischen Sceaux, nahe Paris, zur Welt. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er vier Jahre alt war. „Für mich war die Trennung tragisch. Ich kann mich nicht erinnern, meine Eltern je zusammen erlebt zu haben. Nie“, erzählte Alain Delon. Damals kam er zu einer Pflegefamilie. Sie wohnte neben einem Gefängnis, wo er im Hof mit den Söhnen der Wärter spielte.

„Ich war ohne Disziplin“

Als seine Pflegeeltern ums Leben kamen, musste er in verschiedene Internate. „Ich war ohne Disziplin, wurde überall davongejagt.“ Lieber ging er ins Kino. „Mein Idol war Spencer Tracy.“ Mit 15 Jahren begann Delon eine Fleischhauerlehre, doch schon mit 17 rückte er als Marinesoldat ein. Von 1953 bis 1954 diente er im berüchtigten Indochinakrieg. Zurück in Frankreich, schlug er sich als Kellner durch und knüpfte Kontakte zu Schauspielern.
Im Jahr 1957 stand er in „Die Killer lassen bitten“ vor der Kamera, ein Jahr später drehte er „Christine“ mit Romy Schneider († 1982). Den Durchbruch feierte er 1960 mit „Nur die Sonne war Zeuge“ und „Rocco und seine Brüder“. Sein Aussehen und seine charismatische Ausstrahlung ließen ihn zum Idol werden.

Romy Schneider war seine „große Liebe“

Ende der 50er Jahre verliebte er sich in seine Filmpartnerin Romy Schneider. Fünf Jahre lang galten die beiden als Traumpaar. „Sie war meine große Liebe“, sagt der Franzose rückblickend. Auch sie war verrückt nach ihm. Als er sie verließ, versuchte sie, sich das Leben zu nehmen. Alain Delon hatte ihr wegen der Schauspielerin Nathalie Delon († 2021) den Rücken gekehrt. Aus der Ehe mit ihr entstammt Anthony Delon, der ebenfalls Schauspieler ist.
Das zweite Mal „Ja“ sagte Delon zu Rosalie van Breemen, 57. Mit dem niederländischen Modell bekam er seine Tochter Anouchka und seinen zweiten Sohn Alain-Fabien.
Nun beherrschen seine Kinder die französischen Schlagzeilen. Im Vordergrund ihres Streites steht das Tauziehen um eine Vormundschaft. Die beiden Söhne streben eine solche an, damit ihre Schwester den
Vater nicht mit in die Schweiz nehmen kann. Jüngst tauchte ein medizinisches Gutachten auf, wonach er „sein Urteilsvermögen verloren hat“. Er sei depressiv, dement und ans Bett gefesselt. Sein Anwalt hingegen besteht darauf, „dass er durchaus bei Verstand ist“.
Anfang des Jahres wurde Alain Delon statt unter Vormundschaft unter „gerichtlichen Schutz“ gestellt. Das bedeutet, dass er bei seiner medizinischen Überwachung und bei der Auswahl seiner Ärzte von einem Beauftragten begleitet wird.

Anfang April entschied nun ein Gericht, ihn für fünf Jahre unter „verstärkte Beistandschaft“ zu stellen. Ein finanzieller Beistand kümmert sich um seine laufenden Kosten. Alain Delon hat damit auch nicht mehr das alleinige Sagen über seine Finanzen. Ihm bleibt nur ein Taschengeld auf einer Bezahlkarte, um sich eine Kleinigkeit leisten zu können.
Ein Verhältnis hatte Alain Delon zuletzt mit seiner Haushälterin, Hiromi Rollin, 38. Sie behauptet, sie sei mit ihm kurz vor der Hochzeit gestanden. Seine Kinder warfen sie im vergangenen Jahr aus seinem Haus. Zudem warfen sie ihr vor, sie sei gewalttätig gewesen und habe ihn bestohlen. Mehr als € 100.000,– sollen bei ihr gefunden worden sein.
Vor Gericht blitzten sie jedoch ab. Stattdessen holte Hiromi Rollin zum Gegenschlag aus. Sie wirft Delons Kindern vor, dessen Chemotherapie eingestellt zu haben, obwohl er ein Lymphom habe. Deswegen klagte Rollin auf „versuchte vorsätzliche Tötung“, hatte aber ebenfalls keinen Erfolg vor Gericht.

Auch zwischen den Geschwistern fliegen die Fetzen. Im Dezember klagten die beiden Söhne ihre Schwester Anouchka wegen „Missbrauchs von Schwäche“. Sohn Anthony erklärte, „mein Vater sitzt stundenlang mit gefalteten Händen gedankenverloren
am Küchenfenster. Er kann sich kaum noch verbal ausdrücken. Drei bis fünf Worte, kaum verständlich.“
Alain Delon reagierte mit einer Klage gegen seinen Sohn Anthony. „Lass mich und meine Tochter in Ruhe“, zitiert ihn sein Anwalt. Die Schlammschlacht seiner Kinder habe ihn „zutiefst erschüttert“.
Den Wunsch nach Sterbehilfe bekräftigt er. Von seinen Bewunderern hat er sich bereits verabschiedet. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich über die Jahre begleitet und unterstützt haben. Ich hoffe, dass zukünftige Schauspieler in mir ein Vorbild nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im Alltag, zwischen Siegen und Niederlagen, finden können. Danke“, richtete ihnen der 88jährige aus. rb
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