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Ausgabe Nr. 21/2024 vom 21.05.2024, Fotos: Zvg.
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Prinzessin Elisa I. und die Erdbeer-Königin Amelie I.
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Die Sorte „Allegro“ ist die beliebteste.
Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen (3. v. li.) hat sie vor Ort gekostet.
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Christoph Ramhofer, begeisterter Erdbeer-Bauer in fünfter Generation.
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Die Sorte „Allegro“ ist die beliebteste.
Im Land der „heiteren“ Beeren
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Wiesen im Burgenland gilt als die älteste Erdbeer-Gemeinde unseres Landes. Dort hat die Erntezeit ihren Höhepunkt erreicht. Am traditionellen Kirtag wird der Beere gehuldigt und der dort gewählten Erdbeer-Königin die Krone aufgesetzt.
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Mein Vater kann sich mit seinen 70 Jahren nicht erinnern, dass eine Ernte je so früh begonnen hat wie in diesem Jahr. Der milde Winter und der frühsommerliche April haben dazu geführt“, berichtet der Landwirt Christoph Ramhofer aus Wiesen im Bezirk Mattersburg im Burgenland. „Gewöhnlich beginnt bei uns die Erdbeer-Saison rund um den Muttertag am zweiten Mai-Wochenende. Jetzt, wenige Tage danach, befinden wir uns heuer bereits mitten in der Haupternte, die bis Mitte, bestenfalls Ende Juni dauert.“
Der Erdbeerbauer in fünfter Generation bewirtschaftet viereinhalb Hektar Erdbeerfelder. Das entspricht etwa der Fläche von fünf Fußballfeldern. Wobei er auf 600 Quadratmetern seine Früchte im Folientunnel gedeihen lässt. „Obwohl der Trend aufgrund der Ernte-Sicherheit immer mehr in diese Richtung geht, möchte ich den wettergeschützten Anbau nicht vorantreiben. Der Geschmack der Freiland-Erdbeere ist unübertroffen, da können die Beeren aus dem Tunnel nicht mithalten. Sie schmecken für mich wie Rüben“, hält der 44jährige fest.
„Solange unsere Erdbeeren, die wir in einjähriger Kultur einpflanzen, im Freien wachsen, werde ich diesen Anbau forcieren, weil es mir um die Qualität, nicht um die Menge geht. Deshalb kommt für mich eine Zusammenarbeit mit Supermärkten nicht in Frage. Wir verkaufen unsere Früchte ab Hof zum fairen Preis von zwölf Euro pro Kilo. Denn wir verwenden keine Chemie, jäten händisch das Unkraut, betten unsere Erdbeeren auf Stroh, damit sie sauber bleiben, ordentlich wachsen und nicht faulen und werden streng kontrolliert.“ Auf diese arbeitsintensive, aber natürliche Art hält Ramhofer die Wiesener Tradition hoch.

Die Reblaus brachte ein Umdenken

Schließlich handelt es sich um die älteste Erdbeer-Gemeinde unseres Landes, deren Bürger aus der Not heraus auf die roten Früchte kamen. Da die Reblaus in den 1870er Jahren den Weinstöcken zusetzte und die burgenländischen Winzer in den Ruin trieb, suchten die Wiesener nach Alternativen. Sie probierten ihr Glück mit Erdbeeren und die Rechnung ging auf,wie aus der örtlichen Chronik zu erfahren ist. „Die ersten Pflänzchen der Ananas-Erdbeeren fanden ihren Weg wohl von Deutschland nach Wiesen. Sie entwickelten sich aufgrund des milden pannonischen Klimas hervorragend. Von 1912 bis 1922 wurden in einer eigens gegründeten ,Erdbeerversuchsanstalt Wiesen‘ neue Sorten erprobt und an die Bauern weitergegeben“, heißt es.
„Was heute als beste heimische Erdbeere bekannt ist, war vor 150 Jahren der waghalsige Versuch, das wirtschaftliche Überleben der Bauern zu retten. Unser Großvater hat uns immer wieder davon erzählt“, wird Ramhofer fast nostalgisch, während er die strahlend roten Früchte im Erdbeerfeld betrachtet. „Sie sind drall, saftig und besonders aromatisch.“ In der Beliebtheitsskala ganz oben steht die Frühsorte „Allegro“, die nach Walderdbeeren schmeckt, und deren italienischer Name soviel bedeutet wie heiter oder fröhlich. Was wohl auf die Nachwirkungen des Genusses dieser Frucht hindeuten soll. Wer diese Erdbeere isst, hat daran die größte Freude.

Daneben hält er noch die Sorten „Clery“, sie eignet sich gut zum Backen, „Asia“, eine robuste, große Frucht, sowie „Lambada“ mit einem äußerst süßen Geschmackserlebnis für seine Kunden bereit.
Die greifen gerne zu, denn die Menschen in unserem Land genießen pro Jahr im Schnitt 3,6 Kilo dieser Früchte, die zur Familie der Rosengewächse gehören und zu 90 Prozent aus Wasser bestehen, also kalorienarm sind. Frisch geerntet schmecken sie am besten, weiß ihre Hoheit, die regierende Erdbeer-Königin Amelie I. „Unsere Erdbeeren haben die perfekte feine Süße, die ich bei anderen Erdbeeren vermisse. Wobei ich gegen einen flaumigen Topfenknödel auf Erdbeerspiegel auch nichts einzuwenden habe“, meint die 20jährige Burgenländerin lachend. Ein Jahr lang hat die Studentin der Rechtswissenschaften nun die Erdbeer-Region Wiesen vertreten und für deren Produkte geworben. „Es war mir eine Ehre, das vergangenen Jahr ein Stück Heimat nach außen tragen zu dürfen.“

In den nächsten Wochen muss sie die Regentschaft übergeben, wenn beim Wiesener Erdbeerkirtag am Sonntag, dem 2. Juni, ihre Nachfolgerin gekürt wird. Die Wahl findet am Nachmittag statt, da ist die Feldmesse gelesen und der Frühschoppen längst in die burgenländische Geselligkeit übergegangen.
„Das ehrenvolle Amt kann nur eine Wiesenerin übernehmen, die mit Erdbeeren aufgewachsen ist“, weiß die Königin. Hinter vorgehaltener Hand werden daher der amtierenden Prinzessin Elisa I. gute Chancen auf den „Erdbeer-Thron“ eingeräumt …
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